Der letztjährige Anime Citrus hatte großen Einfluss auf den aktuellen Yuri-Hype. | © Crunchyroll SC Anime Fund, Infinite

Spätestens seit der überaus erfolgreichen lesbischen Romanze Citrus hat das Yuri-Genre sich seinen Weg in den Mainstream gebahnt. Wir zeigen euch, wofür Yuri-Anime stehen und wie das Genre entstanden ist.

Geschichten, die von Beziehungen zwischen Mädchen handeln erfreuen sich nie dagewesener Beliebtheit in der Anime- und Mangaszene und sorgen dafür, dass Verläge wie Altraverse die unschuldigen Geschichten derzeit in Massen nach Deutschland bringen.

Doch wer jetzt perversen Schweinkram erwartet, ist auf dem Holzweg. Denn das Yuri-Genre, das nach wie vor eine vormalig weibliche Zuschauerschaft hat, ist meist näher an der Ästhetik des Shoujo-Mangas als am voyeuristischen Charakter plumper Ecchi-Geschichten.

Der Anime Citrus rückte die lesbische Beziehung zwischen Yuzu und Mei in die Fokus und sprach damit sowohl männliche als auch weibliche Fans an.  | © サブ口ウタ ー迅社/citrus製作委員会

Hierbei handelt es sich um den Gegenpart zu Boys Love – Geschichten um homosexuelle Männer, die ebenfalls von einer weiblichen Zuschauerschaft bevorzugt werden und sich als Genre schon längst etabliert haben.

»Yuri« bedeutet übersetzt »Lilie« und symbolisiert damit schon im Namen die Eleganz und Sinnlichkeit der häufig auch »Girls Love« genannten Geschichten. Wir erklären euch den Siegeszug des Yuri-Anime und was das Genre um die großen Gefühle zwischen Mädchen ausmacht.

Wie ist Yuri entstanden?

Als in den 70er-Jahren der moderne Manga bzw. Anime nach und nach seine festen Formen annahm, erblickten auch die ersten Yuri-Geschichten das Licht der Welt. Es war die bekannte Gruppe der »24er«, die schon das Shoujo-Genre nachhaltig prägten und nun Romantik unter Mädchen aufs Zeichenbrett brachten.

Wegweisend dafür war Ryoko Yamagishis Shiroi Heya no Futari, ein Shoujo-Manga, der das frühe Bild der Yuri-Geschichte prägte: Eine reife und erwachsene Frau verliebt sich in ein junges, unschuldiges Mädchen und es entwickelt sich eine verbotene Liebe, die von der Gesellschaft geschmäht wird und den Protagonistinnen immer mehr Komplikationen bereitet, bis diese schließlich in einer Tragödie münden.

In den 90ern begann dieses Konzept zunehmend aufzubrechen und das Genre, sich von einer reinen Frauendomäne zu einem auch für heterosexuelle Männer interessanten Kosmos zu entwickeln.

Mit Sailor Uranus und Sailor Neptun schlich sich das erste Mal ein lesbisches Pärchen in die Welt der Mainstream-Anime. | © Toei Agency, Toei Animation, TV Asahi

Mit Sailor Moon konnte das Studio Toei im Jahre 1992 nicht nur einen Welterfolg erschaffen, sondern brachte auch erstmals positive weibliche Beziehungen auf die TV-Bildschirme.

Fünf Jahre später präsentierten die Sailor Moon-Macher mit Shoujo Kakumei Utena einen weiteren Yuri-Anime, der die klassischen Inhaltsstrukturen mit neuen Einflüssen mischte und ihnen somit einen völlig neuen Anstrich verpasste.

Die Geschichten wurden nach und nach auch für ein männliches Publikum erschlossen und so erschien 1998 Devilman Lady, ein Anime, der sich mit ausschweifenden Ecchi-Szenen vordergründig an Männer richtete.

Anfang der 2000er wurde mit der Erstpublikation des Magazins »Yuri Shimai« der Grundstein für die spätere »Yuri Hime« gelegt. Eine Mangazeitschrift, die den zentralen Anlaufpunkt für Girls Love-Mangas darstellt und die später mit Serien wie Wataten oder Yuru Yuri auch die Grundlage für erfolgreiche Animewerke legte.

Nichtsdestotrotz blieb Yuri über Jahre hinweg eine Nische. Serien wie Strawberry Panic oder Kannazuki no Miko konnten insbesondere beim männlichen Publikum kleine Erfolge erzielen, doch fielen Yuri-Anime häufig unter das Radar vieler Animefans und blieben doch weitestgehend unbekannt.

Das depressive Drama Scum’s Wish gehört zu den beliebtesten Romance-Anime der letzten Jahre. | © Kuzu no Honkai Production Committee

Allerdings erleben Yuri-Geschichten derzeit einen Aufschwung in der japanischen Animationssphäre. Auf den Erfolg von Masaomi Andos düsterem Liebesdrama Scum’s Wish, das insbesondere durch seine Yuri-Elemente heraussticht, entwickelten sich Anime wie Citrus oder Bloom into You zu absoluten Fan-Favoriten und zogen massive Aufmerksamkeit auf das Yuri-Genre, die bis heute anhält.

Ob es sich dabei nur um einen kurzzeitigen Trend handelt oder Yuri-Anime sich einen festen Platz in der japanischen Animationsindustrie sichern können, bleibt abzuwarten.

Doch der immer offenere Umgang mit Sexualität und die LGBT-Bewegung dürften reichlich Öl ins Yuri-Feuer kippen und entsprechenden Mangaka in Zukunft einen sehr sicheren Arbeitsplatz verschaffen.

Was zeichnet Yuri aus?

Als Yuri gelten umgangssprachlich alle Geschichten, die die Liebe zwischen Mädchen und lesbische Beziehungen behandeln. Doch der westliche Animefan unterscheidet genau wie bei Yaoi zwischen zwei Begrifflichkeiten: »Yuri« und »Girls Love«.

Obwohl die Gefühle der Charaktere zueinander offensichtlich sind, ist Madoka Magica kein Yuri-Anime.  | © Madoka Partners

Während die Begriffe in Japan dasselbe bedeuten, besitzen Yuri-Werke doch eher eine sexuelle und explizite Natur, die häufig durch umfangreiche Sexszenen und ausschweifende Zärtlichkeiten gekennzeichnet ist.

Shoujo Ai oder auch Girls Love (Was übersetzt »Mädchenliebe« bedeutet) hat hingegen einen zahmeren Touch und bezeichnet eher auf Romantik und Gefühle bedachte Werke bis hin zu Anime, in denen die Charaktere zwar offensichtlich lesbisch sind, es aber nicht zu intimen Berührungen jedweder Art kommt – wie zum Beispiel Puella Magi Madoka Magica.

Durch seine Ursprünge im Shoujo-Manga sind auch moderne Yuri-Werke häufig von den typischen Shoujo-Elementen geprägt: Ein großer Fokus auf Ästhetik, detailreiche Charakterzeichnungen und der typische »Shoujo-Zeichenstil« sind charakteristisch für einen Anime dieser Art.


Durch den Mix mit auf Männer ausgerichteten Moe-Elementen, wurde das Yuri-Genre in den letzten Jahren immer populärer … | © Houbunsha, Memory Tech, Pony Canyon

Doch durch die stark angewachsene männliche Fanbase passen sich viele Yuri-Produktionen den typischen »Moe-Merkmalen« an und sind damit für beide Geschlechter tauglich – vielleicht ein weiterer Grund für den sich langsam anbahnenden Erfolg.

Jetzt seid ihr gefragt!

Was haltet ihr von Yuri-Anime? Seht ihr den Hype des Genres als gerechtfertigt oder wünscht ihr euch lieber andere Geschichten? Schreibt es in die Kommentare!

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Firebird
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Firebird

Bestes Genre :umu:

Maximilian Artner
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Maximilian Artner

Mir persönlich hat Citrus sehr gefallen. Der Anime und vorallem der Manga hatten eine gute Balance aus Spannung, Witz und Romantik. Am Anfang war ich noch etwas skeptisch gegenüber der Geschichte, was sich a er nach der ersten Folge komplett gelegt hat.

Mariko
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Mariko

Ich finde yuri animes echt toll weil man es nicht so in Japan oder China sieht wo sich Frauen lieben und eine Beziehung führen. In anime citrus sieht man das sehr und auch in Manga. Vllt wenn das Yuri-schontre mehr beliebter wird zeigen sich vllt die homosexuellen auch mehr und stehen dafür.

Dirk
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Dirk

Also Citrus war mein erster Ausflug in das Genre aber fand Serie richtig gut

Salamander
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Salamander

Durch Citrus bin ich zum Yuri Genre gekommen vorher hat mir das nich so gefallen, aber Citrus war echt cool. Der beste Yuri den ich gesehen habe und seitdem mag ich auch Yuri. Ich jedenfalls mag Yuri mehr als Yaoi

Tine
Gast
Tine

Yuri/Girlslove ist mein absoluter Liebling. Ich hoffe es kommt noch viel mehr nach Dem und der Hype hält noch lange an! :3

Sandra
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Sandra

Seit dem Manga “Wir beide” finde ich Yuri schon interessant. Aber gut, dass es nun mehr dt. Veröffentlichungen gibt.

Bananarama
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Bananarama

Citrus ist der einzige richtige Yuri-Anime den ich bisher gesehen habe. Ich fand Citrus richtig richtig gut, aber gefesselt hat mich das Genre nicht. Wobei ich generell nicht wirklich viele Romanzen gucke, für meine Dosis Liebe reichen die normalen Animes meistens aus, da ja quasi jeder Anime irgendwie ein wenig Liebe funkeln lässt.
Allerdings sagt mir Yuri mehr zu als Yaoi… Für mich ist Yaoi einfach nichts^^ So oder so sind beide Genre nicht in meinem Fokus.

Shizukami
Gast
Shizukami

Ich persönlich mag Lieber Yaoi muss ich sagen. Doch Yuri hat schon mal zu Yaoi einfach mal das zärtliche und liedhafte was auch mal schön sein kann. Sakura Trick war ein süßer Anime den ich gern geschaut habe so wie Yurikuma. Doch sonst spricht mich das Gere nicht so ganz an. Aber kenne viele männliche freunde die darauf voll abgehen udn sich über jeden Anime freuen. Ich blieb aber eindeutig ehr der Yaoi Anhänger. Weil das zu übertriebene Moe und süß ist mir dann auch etwas meist Zuviel bei Yuri. Aber wie gesagt kann gut glauben das Yuri immer mehr… Weiterlesen »

Stefan
Gast
Stefan

Schon iwie gerechtfertigt, es istbeinfach etwas anderes. Ich persönlich hasse Yahoi und es widert mich auch echt an, aber Yuri ist viel romantischer und echt gut gemacht, mit den Mädchenschulen und soo.

sinned184
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sinned184

Ich würde mich über mehr Yuri Anime freuen. Bloom into You und Citrus haben mir gut gefallen.

Vashyu
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Vashyu

Habe bis jetzt noch keine Erfahrung damit gemacht, anscheinend mal einen Blick wert 🙂

Sajina
Gast
Sajina

Ich bin froh, daß endlich mehr Yuri und Girls Love nach Deutschland kommt. <3 Damit kann ich definitiv mehr anfangen als die nächste 08/15 hetero Romance 😉