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Animation ist ohne Zweifel die Lebensader eines jeden Animes. Doch was bedeutet eigentlich Sakuga und was macht für Fans eine richtig gute Animation aus? Wir gehen dieser Frage auf den Grund.

Mit den vielen Jahren, in denen es Anime schon im Westen gibt, hat sich unter Fans so manch eigensinnige Vokabel herausgebildet – doch neben Begriffen wie Ecchi, Otaku oder Moe gibt es immer noch einige, bei denen sich selbst erfahrene Anime-Verfechter den Kopf kratzen – zu ihnen gehört unter anderem »Sakuga«.

Immer mal wieder hört man diesen Term in Verbindung mit Animationen durchs Internet geistern, doch woher genau kommt der Begriff Sakuga eigentlich und was ist für Sakuga-Fans eine richtig gute Animation?

Was bedeutet Sakuga?

Sakuga-Fans genießen in erster Linie aufwendige und bewegungsreiche Animationen. | © 「SHIROBAKO」製作委員会

Der Begriff Sakuga (作画) bedeutet schlicht und ergreifend nicht mehr und nicht weniger als »Bilder malen« und wird von westlichen Anime-Fans benutzt, um besonders beeindruckende oder aufwendige Animationen zu loben. Dabei ist nicht von hübschen Charakteren, detaillierten Hintergründen oder durchpolierten Zeichnungen die Rede, sondern von dynamischen, besonders realistischen oder kniffligen Bewegungen, denn Animationsqualität bedeutet nicht dasselbe wie Zeichenqualität. Eine Animation suggeriert schließlich immer eine Bewegung.

Der Kult um animationtechnische Finesse hat seinen Ursprung in den 80ern, als sich die Anime-Branche langsam von einer kleinen Randgruppe zu einer ausgewachsenen Industrie entwickelte und neue Schöpfer sich stets von den Meisterwerken der »alten Hasen« inspirieren ließen. So etwa Evangelion-Vater Hideaki Anno, der seines Zeichens ein großer Fan von Ghibli-Legende Hayao Miyazaki war.

Animation ist nicht gleich Zeichnung! Diese Szene aus My Sister, My Writer mag zwar unförmig aussehen, über die in ihr steckende Bewegung gibt das Bild jedoch keine Auskunft. | © 恵比須清司・ぎん太郎/KADOKAWA/いもいも製作委員会

Als durch Titel wie Akira oder Ghost in the Shell das Medium Anime langsam in den Westen hinüberschwappte, wurden die bislang nur Disney und co gewohnten Zeichentrick-Fans schnell auf diese völlig neue Herangehensweise an den Trickfilm aufmerksam und führten begeisterte Diskussionen über deren Herstellung. So entstanden Fan-Seiten wie Pelleas oder Sakugabooru, die sich ausführlich mit den Animationen und ihren Schöpfern auseinandersetzten.

Was macht Sakuga aus?

Für Animationen wie in One-Punch Man oder your name müssen sich Zeichner ordentlich ins Zeug legen – und das bei den ohnehin schon harten Arbeitsbedingungen in der Anime-Industrie. | © 「SHIROBAKO」製作委員会

Ob und wann eine Animation als Sakuga gilt, ist auch unter Fans nicht zweifelsfrei geklärt und liegt immer ein stück weit im Auge des Betrachters. Einzige Regel ist, dass eine Sakuga-Animation nicht gewöhnlich, sondern überdurchschnittlich hochwertig aussehen sollte.

Dabei handelt es sich meistens um Sequenzen, in denen sich viel bewegt. Denn aufgrund der knappen Zeitpläne, die in der Anime-Industrie vorherrschen, animieren Anime-Studios nicht wie viele westliche Schöpfer jedes Bild einzeln (»Full Animation«), sondern setzen die Details der einzelnen Szenen und Hintergründe in  Ebenen »übereinander«. Das hat den Vorteil, dass in Szenen, in denen beispielsweise jemand nur seinen Blick wendet, nicht der ganze Charakter neu gezeichnet werden, sondern nur die Ebene mit seinen Augen ausgetauscht werden muss.

Sakuga-Szenen heben sich dadurch von solchen Sequenzen ab, indem eine höhere Bildfolge als sonst und viele dynamische Bewegungen kreuz und quer im Bild vorherrschen. So wie beispielsweise in dieser Szene aus One-Punch Man:

Gerade Saitamas letzter Schlag scheint einen beeindruckenden Einschlag zu haben – im Bild fliegen wortwörtlich die Fetzen und auch die Schlagbewegung wirkt durch den detaillierten Bewegungsablauf extrem mächtig.

Ein unter Animatoren seit Jahren immer beliebterer Trend ist die digitale Animation. Da auf Grafiktablets gezeichnet wird, statt die Figuren auf Papier zu bringen und später zu digitalisieren, ist ein größeres Maß an Dynamik und Zusammenspiel mit dem Hintergrund möglich. Hier ein Beispiel aus Record of Grancrest War:

Neben den vielen Details in den Bewegungen der Charaktere, überzeugt hier in erster Linie die Kamerafahrt von Siluca weg, in der die Bewegung extrem dramatisch wirkt und ihre Entschlossenheit auch visuell voll und ganz rüberbringt.

Ein weiteres sehr beliebtes Animationsdetail ist das sogenannte Character Acting. Hierbei werden die kleinen Gefühlsregungen und Details im Verhalten einer Person stichgenau auf den Bildschirm gebracht, um die Gefühle des Charakters maximal zu verdeutlichen. Dieses Stilmittel kam vor allem in zahlreichen Studio Ghibli-Filmen zum Einsatz, aber auch in anderen Erfolgstiteln wie beispielsweise your name:

Nicht nur an Mitsuhas detaillierter Mimik, auch an ihrem vor Entschlossenheit nur so strotzenden Gang und der aggressiv auf den Tisch knallenden Faust spürt man als Zuschauer praktisch schon, dass sie in diesem Moment mächtig sauer ist.

Jetzt seid ihr gefragt!

Seid ihr Sakuga-Fans und habt vielleicht einige Szenen, die euch ganz besonders gut gefallen haben? Was ihr für euch in einem Anime am Wichtigsten – Story, Animation, Soundtrack oder doch Charaktere?

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Mango
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Mango

Wer gute Animationen mag soll sich Mob Psycho 100 anschauen: https://youtu.be/ZuL1x8qu1B8?t=20

PsychoBro
Gast
PsychoBro

Einer, meiner Meinung nach, besten 2D-animierten (Battle-Shonen)Animes der letzten Jahre

Wolfgang8433
Gast
Wolfgang8433

Wieder was interessantes gelernt.

habsgleich
Gast
habsgleich

Ich fand es z.B. bei Naruto übertrieben, das war die Folge wo er gegen Pain gekämpft hat, wo Naruto so ein Ausraster bekommen weil Pain seine Freundin abgestochen hat! Das ging irgendwie übers ziel hinaus^^

Shirayuki
Gast
Shirayuki

Ich persönlich finde so aufwendig bearbeitete Szenen natürlich echt klasse, es ist immer wieder ein Augenschmaus. Allerdings mag ich auch einige Animes, in denen darauf nicht so viel geachtet wird, wo ich dann aber die Story dahinter mag. Beispielsweise Black Clover: Da sind die Animationen zum Teil wirklich der letzte Mist, vor allem in der Folge, in der Asta gegen Ladros kämpft. Das war wirklich grenzwertig, aber trotzdem liebe ich den Anime.