©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

Ein Schiff wird gekapert, an Bord ein Projekt, das das Schicksal der Menschheit für immer besiegeln könnte. Währenddessen kämpft eine junge Frau gegen ihre eigenen Dämonen – die aktuelle Folge von Sword Art Online dreht nach dem gemächlichen Start des Cours das Tempo voll auf! Wir erklären euch in unserer ausführlichen Episoden-Analyse, was hinter den Ereignissen steckt!

Anime ist eine Kunstform – obwohl japanischer Zeichentrick vielerorts noch als lustige Nerdkultur belächelt wird, steckt zwischen den Zeilen so mancher Animation aus Fernost doch mehr, als es zunächst den Anschein hat. Deswegen liefern wir euch in der hitgespickten Fall Season nach einer Pause wieder wöchentliche Analysen zu den aktuellen Folgen!

Dass der Alicization-Arc seine vorangegangenen Handlungsstränge nicht nur in Sachen Länge, sondern auch Komplexität aussticht, ist unter Fans schon längst gängiger Fakt. Und die aktuelle Episode des neuesten Cours, War of Underworld, markiert einen wichtigen Scheidepunkt für die spätere Story, der die Weichen für den weiteren Verlauf des virtuellen Abenteuers stellt – warum Alice nun endlich die Grenze vom hübschen Kirito-Anhängsel zur charakterstarken Heldin überschreitet und warum genau der Episode gegen Ende ein wenig die Puste ausgeht, erfahrt ihr jetzt!


Das Prinzip der Autorität 

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Nachdem das nächste Vierteljahr voller Sword Art Online-Abenteuer mit einer fast schon depressiv anmutenden Einstiegsepisode eingeleitet wurde, zog die letztwöchige Folge das Tempo gewaltig an: So bricht in Episode 02 der titelgebende War of Underworld los, als die Monster aus dem Dark Territory das Dorf Rulid angreifen, in dem die Bewohner voller Panik und Aufruhr dem strukturierten Vorgehen der Orcs schutzlos ausgeliefert sind.

Zwischen Todesschreien und Flammenschimmern muss Alice als einzige Kämpferin des Dorfes eine schicksalhafte Entscheidung fällen – bleibt sie die unauffällige Alice Zuberg oder schlüpft sie noch ein letztes Mal in die Rolle von Alice Synthesis Thirty, ihres Zeichens Integrationsritterin der Axiom-Kirche? Ein einschneidendes Erlebnis treibt sie schließlich zu einer Entscheidung:

Die Situation im Dorf Rulid gestaltet sich für die Bewohner fatal. | ©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

So verlangt ein wohlhabender Dorfbewohner, seine Nachbarn auf gar keinen Fall zu evakuieren, sondern seinen Besitz im Kampf gegen das Dark Territory zu schützen. Alices Argumente, dass die Leben der anderen Bewohner doch wohl wichtiger seien, werden hämisch abgeschmettert, bis der Mann in seiner Verzweiflung die Schuld für den Angriff schließlich gegen das sowieso verachtete Mädchen richtet. Alice stellt fest – die einzige Möglichkeit, dem egozentrischen Snob den Kopf zu waschen besteht darin, ihre Position als Integrationsritterin auszuspielen und ihm keine Bitte, sondern einen Befehl zu erteilen. Diese Szene repräsentiert die Notwendigkeit und Funktion der Autorität.

Als Integrationsritterin besitzt Alice die Macht, die Dorfbewohner zu beschützen. | ©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

Egal ob der Chef auf der Arbeit, die Polizei im Alltag oder die Security in der Disco – Autoritäten werden von einer breiten Masse an Leuten als nervige Bevormundung wahrgenommen, die sie in ihrer persönlichen Freiheit einschränken und ihnen mit dreistem Machtgehabe die Möglichkeit zur Entfaltung rauben. Doch eine funktionierende Autorität schränkt gesellschaftsfähige Persönlichkeiten nicht ein – sondern eher diejenigen, die aus der Reihe tanzen und zugunsten persönlicher Motive anderen das Leben schwer machen.

Hätte Alice sich nicht als Integrationsritterin durchgesetzt und ihre Befähigungen ausgespielt, hätte wahrscheinlich niemand ihr Flehen erhört und das Dorf wäre vom Dark Territory vernichtet worden. Doch durch ihre wohlbedachten Befehle konnten die Bewohner gerettet werden – während sie sich todesmutig dem Kampf gegen die Eindringlinge stellte.

Dank Alices’ Einsatz kann das Dorf gerettet werden. | ©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

Selbstverständlich ist es in einer Welt, in der die gesellschaftlichen Strukturen nicht so einfach gestrickt sind wie in Underworld blauäugig, anzunehmen, dass mit Autorität versehene Menschen ihre Macht nicht auch missbrauchen können, statt sie wie vorgesehen einzusetzen. Die Szene aus Sword Art Online zeigt jedoch, dass das vollständige Abschaffen jeglicher Autoritätspersonen ebenfalls keine Lösung wäre, da in diesem Fall das recht des stärkeren, beziehungsweise das Recht des Reicheren gelten und die Welt in Streit und Egoismus zugrunde gehen würde – eine Utopie, in der jeder zum Wohle der Gemeinschaft sein eigenes Glück hinten anstellt, ist mit der eher selbstbezogenen menschlichen Natur undenkbar.


Alices’ Erwachen

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Alices’ Kampf gegen die Truppen des Dark Territory zeigen nicht nur ihr und dem Zuschauer die Funktion von Autorität auf, sondern markieren auch einen wichtigen Punkt in ihrer Charakterentwicklung, der die blonde Kriegerin vom niedlichen Sidekick zur selbstbestimmten Kriegerin werden lässt: So lernt die junge Ritterin zum ersten Mal in ihrem Leben, nach eigenen Wünschen und Überzeugungen zu handeln und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war Alice bloß ein Spielball ihrer äußeren Umstände – als Kind wie alle im Dorf ihrer Bestimmung nachgehend und als Erwachsene als Integrationsritterin die Befehle Administrators befolgend, übernahm sie stets blind die Ideale anderer, nach denen sie als Zahnrad inmitten einer größeren Maschinerie lebte und handelte. Vermutlich entstand so ihre Depression über Kiritos Zustand – nachdem dieser ihr die Vergangenheit offenlegte, baute sie auf dessen Denken und steht nun allein und ohne einen Rettungsanker da.

Alice hat sich entschieden – sie möchte aus eigenem Willen für die Rettung Underworlds kämpfen. | ©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

Die aktuelle Situation im Dorf erfordert jedoch sofortiges Handeln und zwinge Alice als einzige, die etwas gegen die Angreifer ausrichten kann, dazu, eine Entscheidung zu treffen und ihr Leben selbst zu bestimmen. So entschließt sie sich, Kiritos und Eugeos Ideale nicht aus Orientierungslosigkeit, sondern auch eigener Überzeugung für sich zu übernehmen.

Wie einige wenige Anspielungen bereits vermuten lassen, ist Alice nicht der einzige Charakter, der diese Entwicklung durchmachen wird. Vielleicht wird das Entwickeln eigener Ideale zu einer Art Leitthema, das uns in War of Underworld immer mal wiederbegegnen wird …


Fazit – alle Weichen auf Abenteuer!

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Nachdem die erste Hälfte zunächst den emotionalen Höhepunkt von War of Underworld markiert, wird es anschließend ein wenig fachlicher – wir erfahren, was genau sich am Ende der ersten Staffel auf der Sea Turtle zugetragen hat und wie genau die Situation um Project Alicization aktuell aussieht. Wie für den Arc typisch, verrennt sich Reki Kawahara dabei etwas in langwierigem Technobabble, der die Ereignisse zwar etwas genauer strukturiert, als es noch in der ersten Folge der Fall war, die wichtigen Informationen jedoch unter einem riesigen Berg aus Geschwurbel verschwinden lässt.

Ansonsten präsentiert die Episode nicht nur mehrere tiefgründige Konzepte, sondern ist ein wichtiger Meilenstein für die weitere Entwicklung des Anime und verwandelt Alice in eine willensstarke Heldin, die nach dem Mother’s Rosario-Arc nun schon als zweiter Nebencharakter Kirito das Zepter aus der Hand reißt und wohl für einiges an Abwechslung sorgen wird!


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Wie fandet ihr die zweite Episode von War of Underworld? Und wie steht ihr zum Thema Autorität?

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GameWave
Gast
GameWave

Also ich fand die zweite Episode super 🙂 Was ich besonders aber mochte war das man sehr genau erklärt hat was am ende der ersten hälfte passiert ist.

Zum Thema Autorität: Solange jemand dabei freundlich bleibt und es auch sinn ergibt dann ist es völlig in Ordnung aber wenn es Leute sind wie z.B. Polizisten (natürlich nicht alle) oder Höherrangige in der Bundeswehr die ihre Macht ausnutzen und Leute anbrüllen, Gewalttätig werden, sich für was besseres halten etc. dann verachte ich solche Menschen und diese haben keinen Respekt verdient!

Chrokossa
Gast
Chrokossa

Ich bin immer wieder begeistert welche Stimmreichweite Kayano Ai an den Tag legen kann. Auf der einen Seite ruhig und fürsorglich auf der anderen forsch und bestimmend. Um ehrlich zu sein schaue ich Alicizacion nur, weil ich davor schon alle anderen SAO ableger mitverfolgt habe und weil Alice einfach nur ein Wahnsinns Character ist, was nicht zuletzt am Talent der Synchronsprecherin liegt.

Ich habe mir die Sequenz ab der Alice in die Stadt springt bis zum Ende der Goblins etliche Male angeschaut und könnte das weiter machen.