© 幸村誠・講談社/ヴィンランド・サガ製作委員会

Nachdem uns WITs neues Adventure-Epos mit seinen großartigen Animationen und interessanten Charakteren längst in seinen Bann gezogen hat, wird es heute Zeit, mal einen Blick auf die Vorbilder der Wikinger-Story zu werfen!

Dass Thorfinn und seine Begleiter auf realen Personen basieren, dürfte spätestens seit Leif Erikssons Auftreten klar sein. Nicht ganz so klar ist allerdings, was zum Teufel die Freibeuter eigentlich mit Zwiebelsuppe und Skiern zu tun hatten.

Werft mit uns einen Blick auf die interessantesten und kuriosesten Fakten rund um die bärtigen Eroberer, die weit mehr auf dem Kasten hatten als das hirnlose Abschlachten Unschuldiger oder das besinnungslose Plündern und Fressen.


1. Ihr Aussehen

© akg

Entgegen der aus Filmen und Büchern bekannten Darstellung trugen die Wikinger keinen sperrigen, mit Hörnern geschmückten Helm, wären diese im Kampf doch ziemlich unpraktisch gewesen. Schnell hätte sich die Waffe des Feindes darin verfangen und seinem Träger einen enormen Nachteil verpassen können.

Schuld an der uns bekannten Beschreibung ihrer Ausrüstung trägt Richard Wagners Ring der Nibelungen, in dem erstmals nordische Helden und Walküren mit ebenjenem horngezierten Helm abgebildet wurden.
Die richtigen Wikinger bevorzugten dagegen sogenannte Brillenhelme, also einen Helm, der mit einem brillenähnlichen Gesichtsschutz versehen war.

An dieser Stelle sei außerdem angemerkt, dass sie sehr wohl Wert auf ihr Äußeres legten und vor allem die Bartpflege einen sehr hohen Stellenwert besaß. Teilweise saßen sie stundenlang da und kämmten sich ihren Gesichtsschmuck, um ihn frei von Läusen und Flöhen zu halten. Wie viel das gebracht hat, nachdem sie nur einmal die Woche badeten, sei mal so dahingestellt.


2. Die Herkunft des Bluetooth

© norwegenservice.net

Vielleicht hat euer Adlerauge auf dem obigen Bild zwei kleine Zeichen bemerkt, die zusammengelegt ein zumindest unserer älteren Generation doch recht bekanntes Symbol ergeben. Legt man die Runen Hagalaz und Berkano, also H und B, als Monogram zusammen, so erhält man das allseits bekannte Bluetooth-Zeichen. Und das ist kein Zufall.

Zurückzuführen ist das Ganze nämlich auf den dänisch-norwegischen König Harald Blauzahn, der es geschafft hat, mehrere Fürstentümer zu einem großen Königreich zu verbinden. Was würde sich für eine Technologie, die zum Verbinden zweier Kommunikationsgeräte geschaffen wurde, also besser anbieten als der Name und die Initialen eines großen Kommunikationsgenies?


3. Die Erfinder des Feuerzeugs

© lebensabenteurer.de

Natürlich ist es schwierig, die genauen Ursprünge einer so alten Erfindung nachzuverfolgen, und es wäre auch ziemlich anmaßend, sie einer ganz bestimmten Personengruppe zuzuschreiben. Mit bestem Gewissen lässt sich allerdings sagen, dass die Wikinger zumindest eine eigene Form des Feuerzeugvorgängers erschaffen konnten.

So sammelten sie ganz bestimmte Pilze – die Zunderschwämme – von Bäumen, schnitten sie in Scheiben und schlugen sie so lange, bis sie eine ganz bestimmte Textur besaßen. Danach wurden die Scheiben in Urin gekocht und angezündet. Das im Urin befindliche Natriumnitrat sorgte dafür, dass die Pilzscheiben noch tagelang glühten und die Reisenden so stets mit Feuer versorgt wurden.


4. Wie sie sich das Leben nach dem Tod vorstellten

© HEINER MÜLLER-ELSNER

Eine jede Kultur hat ihre eigenen Vorstellungen davon, was sie nach dem Ende ihres Lebens erwartet. Während die einen daran glauben, wiedergeboren zu werden, tun die anderen Gutes, um ins Nirwana, also den ewigen Frieden und die Erleuchtung, gelangen zu können. Anders die Wikinger. Die fürchteten sich nicht etwa vor dem Fegefeuer, in das sie durch all ihre Gräueltaten geschickt werden könnten.

Nur die stärksten und unerschrockensten aller Krieger gelangten ins geheiligte Walhalla, in dem ein riesiges Ziegeneuter voll Met und ein Tier, das unendlich viel Speck produziert, auf sie wartete. Na dann, wohl bekomm’s!


5. Frauenrechte

© P.N. Aarbo . Wikimedia Commons

So blutrünstig jene Räuber auch waren, gestanden sie ihren Frauen doch überraschend viele Rechte und Pflichten zu. So war es nicht unüblich, dass sie ihnen die Verantwortung für das Dorf und dessen Führung überließen, wenn sie zu ihren Streifzügen aufbrachen.

Außerdem besaßen ihre Frauen beispielsweise das Recht, Eigentum zu erwerben und sich sogar von ihren Männern scheiden zu lassen. Nicht wie in anderen Teilen der Welt und ihren zugehörigen Religionen, in denen Frauen noch bis heute dafür kämpfen müssen, auch nur allein vor die Tür gehen zu dürfen. Was das anging, waren die mordlustigen Wikinger also durchaus ziemlich fortschrittlich.


6. Wikinger auf Skiern

© How to train your dragon/DreamWorks

Genug der ernsten Themen. Kommen wir lieber zu etwas weitaus Amüsanterem.
Wer von euch hätte beispielsweise gedacht, dass eines der Lieblingsfortbewegungsmittel der bärtigen Seemänner das Wintersportgerät Nummer eins unserer Zeit war?

Vor etwa 6.000 Jahren erfanden Skandinavier einfache Skier, um sich damit die Fortbewegung durch den viel zu tiefen Schnee zu erleichtern und effizienter voranzukommen. Ob das wirklich so gut funktioniert hat, bleibt aber eher zu bezweifeln.


7. Ihre liebste Freizeitbeschäftigung

© ancientgames.org

Auch ein viel beschäftigter Wikinger hat nicht immer was zu tun und wie vertreibt man sich seine Langeweile besser als mit einer gepflegten Partie eines Brettspiels seiner Wahl? Das fanden auch die Wikinger und erfanden kurzerhand ein paar unterhaltsame Spielchen für langweilige Abende zu zweit.

Das wahrscheinlich bekannteste davon ist übrigens Hnefatafl, ein Strategiespiel ähnlich Schach, dessen auf dem Schachbrett abgestellte Figuren zwei gegnerische Armeen repräsentieren.


8. Ihr Einfluss auf andere Sprachen

© www.bridgemanart.com

Einer der wohl interessantesten Fakten zeigt, welchen Einfluss die Wikinger eigentlich auf ihre Umwelt und damit verbunden auch auf die englische Sprache besaßen. Nicht wirklich unerwartet stammen eher negativ betuchte Worte wie Wut, Hölle, Hässlichkeit, Schwäche, Totenkopf und Schlachtung aus der nordischen Sprache, überraschenderweise aber auch schöne und unerwartete wie Kuchen, Sommersprossen, Ehemann und Ehefrau.


9. Zwiebelsuppe als Todesbote

© Fackelträger Verlag GmbH, Foto: TLC Fotostudio

Ein ordentliches Süppchen stillt nicht nur den Hunger, es sagt außerdem voraus, ob ein am Bauch verwundeter Krieger seinen Verletzungen erliegt oder doch noch eine Chance hat. Zumindest wenn es nach den Wikingern ging.

Die gaben ihren von einer Bauchverletzung gebeutelten Kameraden eine Zwiebelsuppe zu essen. Konnten sie wenige Minuten später an der Wunde einen Zwiebelgeruch feststellen, war die Wunde zu tief und würde ihren Mitstreiter schon bald (hoffentlich) nach Walhalla befördern. So konnte man sich die überflüssige Behandlung schenken und die gesparten Medikamente für jene Aufwenden, deren Prognosen deutlich besser standen.


10. Erfinder des Battle-Raps

© Disney

Nein, ihr habt euch weder verlesen noch haben wir zu viel gesoffen. Tatsächlich liebten es die gut gelaunten Seeräuber, sich die wildesten Beleidigungen um den Bart zu werfen. Jedoch nicht etwa in ihrer normalen Form. Das wäre ja langweilig. Sie verpackten sie in mehr oder weniger kreative Gedichte, die sie anschließend in großer Runde vortrugen und den kreativeren oder amüsanteren Beitrag anschließend zum Gewinner kürten. Bezeichnet wurde das Ganze als Flyting (alt-nordisch »flyta« für »Provokation«).

Diese Gepflogenheit fand rasch so viel Anklang, dass sie durch begeisterte Reisende schnell den Weg nach Europa fand und auch heute noch mit allergrößter Hingabe ausgeführt wird. Wen wundert’s, wenn selbst der sagenumwobene Thor ein begeisterter Battle-Rapper gewesen sein soll?


Quellen: watson.ch, interestrip.com, Focus.de, Wikipedia


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Welcher Fakt hat euch am meisten erstaunt? Was muss man eurer Meinung nach unbedingt noch über die Wikinger wissen?

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Slaine

Für’s Feuer machen braucht man auch getrockneten Zunderpilz, zerkleinert, Flintstein und ein Schlageisen. Der Funke wird im Zunderpilz zur Flamme.

Wikinger waren auch Händler für z.B. Felle, Bernstein, Sklaven. Sklavenhandel war zu ihrer Zeit bei vielen Völkern normal.
Sie sind von Grönland bis Byzanz gekommen, haben vor Kolumbus Amerika erreicht. Und Russland hat seinen Namen von den Ruswikingern. (Handelsstützpunkt Gorod und Nowgorod.)
Der Name “Normandie’ stammt vom Begriff Normannen, die für die Aufgabe Frankreich vor anderen Wikingern zu schützen und dafür das Land erhielten.

acrupio

Ich bin nun kein Germanist oder Skandinavist, aber diese Etymolgien unter Punkt 8 wirken ein wenig seltsam. In deiner Quelle stand auch nicht, woher die das haben, also habe ich ein wenig gegraben:
“Wut” ist zum Beispiel definitiv nicht altnordisch. Das /w/ aus dem Protogermanischen fiel im altnordischen nämlich weg, sodass das Wort dort “óðr” lautete. Bei uns im Westgermanischen blieb es hingegen erhalten, sodass man ein althochdeutsches “wuot” erhielt. Deswegen heißt der Gott, dessen Name entfernt etwas mit Wut zu tun hat, im Altnordischen ja auch Óðinn und bei uns Wodan oder Woden. Das englische Wort “anger” kommt aber vom altnordischen “angr”.
“Hölle” scheint auch nicht sonderlich nordisch. Das altnordische Wort ist natürlich “hel”, aber schon in der gothischen Bibel findet man “halja” als Bezeichnung für die Hölle. Das Wort scheint in jedem Zweig des Germanischen belegt, also sehe ich keinen Grund, warum das althochdeutsche “hella” nicht einfach eine westgermanische Form wäre.
“Hässlich” sieht wieder sehr westgermanisch aus. Im Mittelhochdeutschen gab es so etwas wie “hazlich” oder “hezzelich”, dort mit den beiden Bedeutungen “Hasserfüllt, feindselig” und “Hass auslösend, abstoßend”. Im Niederländischen haben sich anscheinend beide Bedeutungen erhalten. Im Altnordischen haben wir “hatrligr” und “hatrsamligr”, beide nur mit der ersten Bedeutung. Um von dort zu Hässlich zu kommen, müsste das Wort entweder vor der zweiten Lautverschiebung im Deutschen gelandet sein, also irgendwann 200 Jahre vor Beginn der Wikingerzeit, oder es handelt sich um eine Lehnübersetzung, wofür ich keinen Beweis sehe. Wahrscheinlicher ist, dass entweder beide Sprachzweige dasselbe protogermanische Wort übernommen haben oder beide unabhängig voneinender ein Nomen mit einem Suffix kombiniert haben. Das englische Wort “ugly” kommt aber vom Altnordischen “uggligr”.
“Schwäche” ist eine relativ normale Nominalisierung von “schwach”, bei der das einzig bemerkenswerte der Umlaut ist. Ohne den lässt sich das Wort als “swache” anscheinend schon im Mittelhochdeutschen finden, wo man auch das entsprechende Adjektiv “swach” findet. Wenn man dem nun bald 200 Jahre alten Grimm und Wiktionary glauben kann, ist das Wort ursprünglich nur in westgermanischen Sprachen belegt, nicht aber im Altnordischen. Die nordischen Sprachen haben das Wort dann anscheinend aus dem niederdeutschen entlehnt, was zu solchen Wörten wie “svag” im Dänischen und Schwedischen geführt hat. Die Nachkommen der Wikinger scheinen das Wort also eher von uns zu haben. Als altnordische Worte für “schwach” habe ich so etwas wie “veikr” (verwandt mit Englisch “weak”) und “ósterkr” (wörtlich “unstark”) gefunden, aber das ist ohne Gewähr.
“Totenkopf” halte ich auch für unwahrscheinlich. “Kopf” ist ein Wort, dass es eigentlich nur im Deutschen gibt. Eigentlich ist es Verwandt mit dem englischen “cup”, bedeutet ein Trinkgefäß und hat langsam das Wort “Haupt” verdrängt, dessen Verwandte man noch in allen anderen germanischen Sprachen finden kann. Das englische Wort “skull” kommt aber möglicherweise vom altnordischen “skalli”, was ursprünglich so viel wie “Glatze” hieß, aber die Etymologien erscheinen wie auch das deutsche “Schädel” alle sehr kompliziert.
“Schlachtung” ist eine komplett regelmäßige Nominalisierung von “schlachten”, das wiederum seit dem Althochdeutschen mit “slahtōn” belegt ist. Das wirkt wie eine sehr Westgermanische Form, die wenig mit dem altnordischen “slátra” zu tun hat. Das ist wiederum eine Verbalisierung von “slátr”, das dort “Schlachtung” heißt. Das englische “slaughter” stammt mit ziemlicher Sicherheit von “slátr” ab.
“Kuchen” lässt sich schon im althochdeutschen als “kuohho” finden. Die altnordische Entsprechung wäre “kaka”, das noch nicht einmal auf dasselbe Protogermanische Wort zurückzuführen wäre. Das englische “cake” kommt aber allerdings von diesem “kaka”.
“Sommersprosse” scheint eine neuhochdeutsche Schöpfung zu sein, die gemeinsam mit dem ähnlichen “Sommerfleck” verwendet wurde. Ich habe kein altnordisches Wort gefunden, das so etwas heißt. Das englische Wort “freckles” kommt aber vom altnordischen “freknur”.
“Ehemann” und “Ehefrau” sind auch ziemlich deutsche Wörter. “Ehe” ist tatsächlich verwandt mit “ewig” und hieß ursprünglich so viel wie “Ewigkeit” oder so. Die Bedeutung hat sich nur im Deutschen zu “Gesetz” und dann später zu “Verheiratetsein” verschoben. Das Wort “Frau” kommt in dieser Benutzung übrigens auch nur seit dem Mittelhochdeutschen bei uns vor. In anderen Germanischen Sprachen hat sich die ursprüngliche Bedeutung als “Herrin” oder “Dame” erhalten so etwas im Altnordischen im Namen/Titel der Göttin Freyja, während Frauen im allgemeinen mit Verwandten unseres Wortes “Weib” bezeichnet werden. Das englische Wort “husband” kommt vom altnordischen “húsbóndi”, “wife” ist aber ein englisches Wort.
Irgendjemand hat also anscheinend einen Artikel, der sich ursprünglich auf das Englische bezog, ins Deutsche übersetzt, und das alles ergibt deshalb absolut keinen Sinn mehr. Dass altnordisch mehr Einfluss auf das Englische haben würde, ergibt natürlich auch mehr Sinn, weil Skandinavier für lange Zeit große Teile Englands beherrscht haben, wie man ja auch in Vinlandsaga sieht, während es bei uns nur mit dem Friesischen oder höchstens dem Niederdeutschen Kontakt hatte.

Tl;Dr: Fakt 8 bezieht sich auf das Englische, ist dann aber auch nicht ganz richtig.

INCOR/RUSTY

Unglaublich das die Wikinger von damals weitaus zivilisierter (z.B. die Gleichberechtigung) waren als so mancher Mann von heute…

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