Verrückte Japanfakten
Dagashi Kashi: ©2018 コトヤマ・小学館/シカダ駄菓子

Der wundervolle Wahnsinn der japanischen Kreativität findet sich nicht nur in der Welt von Anime und Manga, sondern existiert natürlich auch im realen Alltag. Wir stellen euch 5 skurrile Fakten über das Land der aufgehenden Sonne vor!

Anmerkung: Dieser Beitrag behandelt einige reale Phänomene, die in Japan tatsächlich zu beobachten sind, bringt jedoch auch einiges an Humor ins Spiel und ist teilweise überspitzt formuliert. Die entsprechenden Stellen sind natürlich nicht zu 100 % ernst gemeint, sondern sollten mit einem Augenzwinkern verstanden werden.


01: Das Müllparadoxon: müllereimerlose Sterilität

© congerdesign auf pixabay.com

Wer das Land der aufgehenden Sonne schon einmal selbst besucht hat und davor nur europäische Großstädte gewohnt war, der wird direkt bei seiner Ankunft bereits erstaunt festgestellt haben, dass zugemüllte Seitengassen und kotzebesprenkelte Parkbänke offenbar doch keine unvermeidliche Begleiterscheinung der modernen Zivilisation sein müssen.

Obwohl Tokyo die größte Stadt ganzen Welt ist und Millionen von Menschen hier tagtäglich durch die Straßen schlendern, blitzt und glänzt die Metropole, als würde an diesem Ort täglich eine reinheitsfanatische Putzfrau mit einem Microfasertuch Amok laufen.

Skurril ist daran aber vor allem eines: Die Existenz von öffentlichen Mülleimern scheint in Japan lediglich der Stoff für verrückte Legenden zu sein. Jeder hat schon einmal davon gehört, aber sehen tut man sie dann doch nur so selten, dass die Begegnung mit einem dieser legendären Abfallbehälter beinahe schon Anlass dafür ist, erschrocken seine mit Merch überladenen Einkaufstüten fallen zu lassen und ein beeindruckendes Erinnerungsfoto zu knipsen.

Ob die japanische Bevölkerung nun besonders anständig ist und sämtlichen Müll gewissenhaft mit nach Hause nimmt, der futuristische Asphalt in Tokyo Müll absorbiert und anschließend automatisch zu grottenschlechten Anime-Serien verarbeitet oder ob die amoklaufende Putzfrau tatsächlich real ist, ist bis heute nicht geklärt.


02: Getränkeautomaten: Egal wo, egal wann, Kaffee gibt’s überall!

© Kyubinoyoko

Wir stehen hoch oben auf dem majestätischen Gipfel des sagenhaften Fuji-san. Vor unseren Augen erstreckt sich eine scheinbar grenzenlose Weite aus malerischen Wäldern, Feldern, Bergen und idyllischen kleinen Dörfern. Der frische Wind weht uns durch die Haare, die Welt liegt uns zu Füßen.

Ein überwältiges Gefühl der Freiheit strömt durch unseren Körper und der friedliche Moment wäre fast schon perfekt – wäre da doch nur nicht das immer penetranter werdende Summen eines einsamen Getränkeautomaten, der wie ein stummer Marktschreier wütend vor sich hin blinkend um die Aufmerksamkeit zahlender Kundschaft buhlt. Doch man kann es ihm nicht übel nehmen, denn der Automat hat eine Mission: rote Bohnensuppe, Softdrinks, aber vor allem Kaffe in zehntausend verschiedenen Sorten, an den Mann bringen!

Wie absurd das auch klingen mag, dieses Beispiel ist nicht einmal übertrieben. Fakt ist: In Japan muss definitiv niemand verdursten. Eine ganze Armada von Getränkeautomaten ist fester Bestandteil der japanischen Großstadtkulisse und selbst an ländlichen Orten, ja sogar auf dem Fuji-san, hat die japanische Regierung zuverlässig dafür gesorgt, dass das arbeitende Volk stets mit qualitativ hochwertigen Aufputschmitteln versorgt ist.


03: Plastik-ception: nur dreimal verpackt ist gut verpackt

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Wer in Japan ausgiebig einkauft, darf sich danach auf jeden Fall ein paarmal wohlwollend dafür auf die Schulter klopfen, gewissenhaft seinen Teil zur Verschmutzung des Planeten beigetragen zu haben. Denn ganz gleich, was ihr auch gekauft habt, massig Plastik und Kunststoff gibt es immer dazu – und als guter Deutscher weiß man natürlich: Wenn ich schon dafür gezahlt hab, dann nehm ich das jetzt auch mit!

Selbstverständlich wäre es aber langweilig, alles einfach nur so zu verpacken wie der Rest der Welt. Man will sich immerhin von der Masse abheben, darum haben die Japaner kreative Methoden entwickelt, um den Plastikverschleiß möglichst effizient in die Höhe zu treiben.

Eine Packung Pocky mit insgesamt 10 Vollmilchschokoladen-Sticks gefällig? Gerne, lasst sie mich euch doch bitte in zwei separate Plastikbeutel mit jeweils 5 Sticks verpacken. Das Ganze schmeißen wir dann noch in einen Pappverpackung und tüten es letztendlich an der Kasse in einer weiteren Plastiktüte ein. Falls ihr noch eine Red Bull-Dose dazu möchtet, kriegt ihr noch eine Extratüte. Red Bull-Dosen haben ja auch dummerweise keine Tragegriffe. Das macht dann 340 Yen und ein schlechtes Gewissen bitte.


04: Schock: Alle sprechen JAPANISCH!

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Hätte man mir vor meiner ersten Reise nach Japan gesagt, dass die schrulligen Bewohner dieser kleinen Insel alle kein Deutsch sprechen und sich sogar zu fein dafür sind, das lateinische Alphabet zu benutzen, hätte ich mir diese Schnapsidee sicher ganz schnell wieder aus dem Kopf geschlagen und mir stattdessen lieber traditionsgemäß beim Ballermann sämtliche Hirnwindungen zu Brei gesoffen.

Spaß beiseite: Wie viele von euch sicherlich bereits in dem ein oder anderen Anime bemerkt haben, klingt das Englisch vieler Japaner oft etwas unbeholfen. Spätestens nachdem man aber mal selbst versucht hat, eine englische Konversation in Japan zu führen, und sein Gegenüber notgedrungen höflich fragen musste, ob es ihm gut ginge, er vielleicht einen Schlaganfall habe und man nicht doch lieber den Krankenwagen rufen soll, weiß man aber sicher: Das Klischee gilt nicht nur in der Welt von Anime und Manga.

Der Grund für die schlechten Englischkenntnisse vieler Japaner liegt im japanischen Schulsystem, das lange Zeit nur einen sehr dürftigen Englischunterricht zu bieten hatte und teilweise auch englische Worte lieber in der Schreibweise japanischer Katakana, statt mit dem lateinischen Alphabet lehrte. So werden aus englischen Wörtern wie »whiteboard« oder »computer« ganz schnell einmal »hooaituuboodu« oder »konpyuuta«.

Hinzu kommt, dass sich die Japaner ihrer seltsamen Aussprache natürlich bewusst sind und deswegen erst recht davor zurückschrecken, sich in englischer Konversation zu üben. Ein Teufelskreis, der mit der jungen Generation und einem mittlerweile besseren Englischunterricht allerdings schon bald der Vergangenheit angehören wird. In Tokyo und anderen Großstädten muss man aber auch schon heute keine Angst haben, nicht verstanden zu werden, und kommt als Tourist schon irgendwie durch.


05: Ein Ausländer! Schnell, mach ein Foto!

© trinhkien91 auf pixabay.com

Obwohl wir hier natürlich fast alle große Fans von Anime, Manga und Japan allgemein sind, hat Japan leider auch einige Schattenseiten zu bieten. Rassismus und teilweise sogar eine Angst vor Ausländern ist besonders in der älteren Generation der Japaner keine Seltenheit.

Als Weißer – und besonders als weißer Tourist – hat man es in Japan zwar keineswegs schwer und wird meistens extrem freundlich behandelt, doch ist natürlich dennoch immer wieder den Blicken schaulustiger Passanten ausgesetzt, die offenbar zu dem Schluss gekommen sind, eine besonders seltene neue Tierart entdeckt zu haben, und nun einen Pokéball aus ihrer Tasche herauskramen, um euch ihrer Sammlung hinzuzufügen.

Oft ist diese Aufmerksamkeit zwar eher lustig oder sogar sehr schmeichelhaft, wenn man von wildfremden Leuten auf offener Straße plötzlich um ein gemeinsames Selfie gebeten wird, doch manchmal steckt dahinter leider nicht nur Neugier, sondern auch Misstrauen und Vorurteile. So gibt es in großen Städten zum Beispiel auch Restaurants, die ganz offen Ausländer ausgrenzen und ausschließlich japanische Gäste erlauben. In Deutschland undenkbar. (Weil wir hier nicht so viele Japaner haben vielleicht.)

Doch während man es als weißer Europäer oder Amerikaner eigentlich noch recht gut hat, sieht es mit einer dunkleren Hautfarbe oder als ausländischer Asiate manchmal etwas anders aus. Besonders letztere Gruppe, vor allem Menschen chinesischer Herkunft, haben in Japan mit allerhand Vorurteilen zu kämpfen.

Das soll jedoch niemanden entmutigen, denn trotz aller Skepsis sind die meisten Japaner doch sehr freundlich und würden ihre Vorurteile niemals offen zum Ausdruck bringen.


Jetzt seid ihr gefragt!

Welche skurrilen Fakten über Japan kennt ihr noch und seid ihr vielleicht schon einmal selbst Zeuge eines solchen geworden? Schreibt es uns in die Kommentare!

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DerKatakanaVerkäufer

Zu Punkt 1 mit den Mülltonnen hat das einen anderen Grund und zwar dass 1995 ein Giftgas Anschlag der Aum Sekte in den Tokyoter U-Bahnen statt gefunden haben indem sie in Zeitung umwickelte Plastikbeutel mit Nervengift gefüllt freigesetzt haben. Dies hatte zu Folge dass die öffentliche Mülleimer entsorgt werden damit ein weiterer Anschlag verhindert wird.

Um die Liste mit skurrilen Japan Fakten zu ergänzen.

In Japan ist es auf der Arbeit erlaubt an seinem Arbeitsplatz schlafen. Was für den westlichen Büroarbeiter als Faulheit sieht und derjenige der das tut mit Kündigung ermahnt wird ist für den japanischen Büroarbeiter ganz normal weil die sich 24/7 sprichwörtlich sich zu Tode arbeiten und der Schlaf dafür sorgt dass sie sich davon erholen und auf die nächste harte Arbeit vorzubereiten.

In Japan gibt es keine Straßennamen wie bei uns hier in Westen. Tatsächlich geben sie ihre Adresse als sogenannte Block an. Dieser Block genannt chome kann man als ein Grundstück ansehen auf dem viele dieser kleine Häuser stehen die nummeriert sind.

Schlürfen an der Nudelsuppe in Japan gilt im Gegensatz bei uns hier als höflich. Zum einen dass man sich nicht mit der Nudel an der Zunge brennt und zum anderen ist es ein Zeichen dass es ihm besonders schmeckt. Je lauter das schlürfen desto köstlicher ist die Nudelsuppe

Holger

In Japan ist nichts kaputt. Bei mir in Berlin ist eine funktionierende Rolltreppe ein Jahrhundertereignis, das in der Regel nur wenige Tage, meist nur Stunden anhält. Doch in Japan habe ich in über 2 Wochen keine einzige defekte Rolltreppe erlebt. Und es sind nicht nur die Rolltreppen. Alles, was da ist, funktioniert auch immer. Oder es arbeitet gerade jemand daran. Aber außer Betrieb, ohne dass gerade tatsächlich aktiv repariert wird, gibt es in Japan einfach nicht.

Kleine Geschichtsstunde

Dass Chinesen in Japan nicht gerne gesehen werden (und vice versa) liegt an den beiden Sino-Japanischen (oder auch Japanisch-Chinesischen) Kriegen. Dabei wurden viele unschuldige Zivilisten (und Soldaten) verletzt oder getötet. Unzählige Frauen wurden auch vergewaltigt. Dazu fällt mir auch eine Sequenz aus einer Dokumentation ein, welche ich im Geschichtsunterricht verwendet habe. Und zwar im Kontext, dass ein Chinese den Zweiten Sino-Japanischen Krieg beschreibt. Dabei erzählt ein Soldat, dass er viele Frauen vergewaltigt hat. Aber dass war “normal” und deshalb war es auch “okay”. Und das ist bis heute noch so! Viele verharmlosen oder verleugnen die beiden Kriege / Geschehnisse derer.

Ist ein spannendes Thema, kann jedem, der sich etwas für Geschichte und Japan interessiert nur empfehlen, sich damit auseinanderzusetzen.

Kris

Dein Artikel war wieder ein Schmankerl, vor allem, weil ich alles durch meine Japanreise bestätigen kann. 😂 Japan ist anders, einiges gefällt uns mehr, anderes (Müll, fragwürdige Tiercafes) weniger. Aber abgesehen von den Schattenseiten muss man das Land einfach lieben.

Italo Beat Boy

Ja, in Deutschland wäre es undenkbar, ausländische Gäste aus Restaurants auszuschließen, weil dann sofort die Bullen angestürmt kommen und die Gaststätte kann dicht machen. Ist bei uns in der Gegend schon einmal passiert, da hat der Inhaber höchstpersönlich Leute aus seiner schwäbischen Gaststätte rausgeworfen, nur weil diese Ausländer waren. Tja, dann hat er auf’n Sack gekriegt.
Ich jedenfalls möchte nicht mal nach Japan reisen. Ich bin mir sicher, ich würde zu viele Fehler machen, egal wie sehr ich mich mit allem auskenne.

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