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© TRIGGER, Kazuki Nakashima/Kill la Kill Partnership

Die Ankündigung eins Anime-Spin-offs zum anstehenden Gaming-Hit »Cyberpunk: 2077« schlug große Wellen. Verantwortlich für die Umsetzung der Netflix-Serie ist das Anime-Studio Trigger – doch wer ist das überhaupt?

Das Cyberpunk-Genre beherrschte vor allem in den 80ern und 90ern den Film-, Spiele- und auch Anime-Markt. Das Videospiel »Cyberpunk: 2077« soll dieser Zeit ein Denkmal setzen und erhält 2022 auch einen Anime, der weltweit über Netflix veröffentlicht wird. Für die Umsetzung der zehnteiligen Serie namens »Cyberpunk: Edgerunners« ist das Studio Trigger verantwortlich – eine Anime-Werkstatt, die sich seit ihrer Gründung mit kreativen Konzepten und hochwertigen Animationen eine respektable Credibility in der Welt des japanischen Bewegtbildes erkämpft hat.

Netflix-Anime zu Cyberpunk 2077 angekündigt

Wir zeigen euch, was das Studio Trigger einzigartig macht, warum gerade das Team um Regisseur Hiroyuki Imaishi die goldrichtige Wahl für »Cyberpunk: Edgerunners« ist und wie eine so ergiebige Konstellation zusammenfinden konnte.


Eine Geschichte von Leidenschaft

© GAINAX, KAZUKI NAKASHIMA / Aniplex, KDE-J, TV TOKYO, Dentsu

Beginnen wir zunächst mit einer kleinen Geschichtsstunde: Das Kernteam von Trigger setzt sich aus langjährigen Regisseuren und Animatoren des Studios Gainax zusammen – eine Hitschmiede, die Anime-Fans unter anderem für Dauerbrenner wie »Neon Genesis Evangelion« oder »FLCL« ein Begriff ist. Hier kreierten Regisseur Hiroyuki Imaishi und sein Team bereits weit vor Gründung ihres eigenen Studios Werke, die Fans noch lange im Gedächtnis bleiben würden:

Während »Panty and Stocking with Garterbelt« eine liebevolle Hommage an amerikanische Cartoons beschreibt, hauchten die Macher im Jahr 2007 mit dem Welterfolg »Gurren Lagann« dem damals für tot erklärten Mecha-Genre wieder völlig neues Leben ein. Auffällig war schon damals die unbeschwerte Experimentierfreude, mit der das Kreativteam jedes einzelne dieser Projekte anging und Serien erschuf, von denen keine der anderen glich.

2011 setzten sich Imaishi und Produzent Masahiko Otsuka schließlich von Gainax ab und gründeten mit Trigger eine neue Heimat für ihre Ideen. Zeitgleich schlossen sie sich mit den Studios Ordet und Sanzigen zum Bündnis »Ultra Super Pictures« zusammen. Gemeinsam belieferten sie von Sommer 2015 bis Frühling 2016 die Sender Tokyo MX und BS11 mit einer Reihe an Kurzanime.

»Little Witch Academia« brachte den Namen »Trigger« in das Bewusstsein der Anime-Fans. | © Y.YOSHINARI/TRIGGER

Das erste Werk, bei dem Trigger offiziell den Pinsel schwang, war die 17. Episode des Musik-Animes »The Idolm@ster« vom Studio A-1 Pictures. Aufgrund der weitreichenden Reputation Imaishis wurden dem Team große kreative Freiheiten eingeräumt, die dieses auch nutze – und die Folge somit zu einer der beliebtesten der Serie machte.

Als erstes eigenes Werk gilt der im Frühling 2013 veröffentlichte Kurzfilm »Little Witch Academia« – als Teil des »Anime Mirai« sollte das Projekt neuen Talenten den Weg in die Industrie ebnen und war somit ein Symbol für den frischen Wind, den der Stab von Trigger immer wieder durch die Anime-Welt wehen lassen sollte.

Der große Durchbruch kam jedoch erst knapp zwei Jahre nach Firmengründung im Oktober 2013: Die Serie »Kill la Kill« galt als geistiger Nachfolger zu »Gurren Lagann«, denn für die Produktion vereinte Imaishi erneut das Kreativteam des Mecha-Hits und katapultierte Trigger durch dieselben Mittel, die die Geschichte von Simon und Kamina einst groß gemacht haben, an die Spitze der Toplisten.

Noch nie schreckte das Team von Trigger vor dem Einsatz von Fanservice zurück – dieser ist hier jedoch meist ein Teil des abgedrehten Erlebnisses und nicht so plump wie in anderen Serien. | © TRIGGER・中島かずき/キルラキル製作委員会

Von da an waren die Weichen für eine goldene Zukunft gestellt: 2017 erschien eine TV-Serie zu »Little Witch Academia«, die den Anfang einer langjährigen Zusammenarbeit mit Streaming-Service Neflix markierte und sowohl Trigger, als auch Regisseur Yoh Yoshinari endgültig zu internationalem Ruhm verhalf. Schon ein Jahr später brachte »Darling in the Franxx« trotz Kontroversen Mecha wieder in aller Munde, das 2019 erschienene »Promare« gilt als einer der besten Anime-Filme der jüngeren Vergangenheit und auch die tierische Actionserie »Brand New Animal« besitzt das Potenzial auf einen durchschlagenden Erfolg.


Cartoon küsst Anime

© GAINAX, KAZUKI NAKASHIMA / Aniplex, KDE-J, TV TOKYO, Dentsu

Betrachtet man die Erfolgsgeschichte des Studios, drängt sich einem eine entscheidende Frage auf: Was ist es, das die Werke des Studios Trigger so besonders macht? Die nahe liegendste Antwort ist der markante Stil, der sowohl optisch, als auch erzählerisch und inszenatorisch westliche Einflüsse mit typischen Themen und Motiven der japanischen Popkultur vermischt.

Während sich die meisten Anime bemühen, möglichst »runde« und realistische Formen und Farben nachzubilden, gestalten sich die Zeichnungen bei Trigger meist »krumm«, besitzen starke Kontraste und erinnern damit eher an amerikanische Cartoons. Trotz dessen findet sich die Herkunft des Studios nicht nur in typischen »Anime-Elementen« wie attraktiven Charakterdesigns und ausgeprägter Mimik, sondern auch im Inhalt wieder: So erinnern die Goku-Transformationen aus »Kill la Kill« an klassische Magical Girl-Verwandlungen a lá »Sailor Moon« und die Serie »SSSS.Gridman« ist eine liebevolle Hommage an die typisch-japanischen Super Robot-Serien der 80er-Jahre.

»SSSS.Gridman« folgt zumindest optisch typischen Anime-Gepflogenheiten mehr als andere Werke – verliert dabei jedoch nicht den typischen Trigger-Charme. | © TRIGGER・雨宮哲/「GRIDMAN」製作委員会

Was Animation angeht, nutzt Trigger stark den von Kanada Yoshinori geschaffenen und von Imaishi perfektionierten Stil der stilisierten Coolness. Anstatt möglichst detailliert den Gesetzen der Physik zu folgen, bringen Attacken mit viel erkennbarer kinetischer Energie die Emotionen der Charaktere zum Ausdruck und es wird besonderer Wert darauf gelegt, die Schwere einer Actionszene mit heftigem Impact und leuchtenden Strahlen hervorzuheben – alles im Bild verformt sich, fliegt durch die Gegend und besitzt eine unbändige Hyperaktivität. Markenzeichen ist dabei der vierzackige Stern, der sich durch sämtliche Trigger-Animationen zieht und bereits in »Gurren Lagann« zum Qualitätssiegel Imaishis wurde.


Auffallen ist eine Tugend!

©TRIGGER・今石洋之/ 宇宙パトロールルル子製作委員会☆彡

Nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich besitzen die Werke Triggers stets eine gewisse Überdrehtheit: Bestes Beispiel ist dafür »Kill la Kill« – ein Anime über eine Armee aus Nudisten, die gegen bösartige Textilfasern aus dem Weltraum in den Kampf zieht. Neben den großen Blockbustern erlaubt sich das Team mit aus minimalen Bestandteilen zusammengesetzten Web-Anime wie »Inferno Cop« oder »Ninja Slayer from Animation« immer wieder kleine Späße und zeigt einen gesunden Sinn für Humor und Selbstironie.

Doch trotz all des Klamauks tragen die Geschichten oft eine tiefer gehende Message in sich: Sei es ein Statement über persönliche Entfaltungsfreiheit und das Losreißen von konventionellen Werten oder eine Ode an die Liebe und dass sich menschliche Wärme nicht ohne Weiteres ersetzen lässt.

Gemeinsam mit dem »Your Name«-Studio CoMix Wave Films erschuf Trigger mit »Inferno Cop« ein lebendes Meme. | © TRIGGER/CoMixWaveFilms

Von den Problematiken der Anime-Industrie scheint Trigger währenddessen völlig verschont zu bleiben: Nur selten leiden die Werke unter Qualitätseinbrüchen wie (unbeabsichtigt) verzogenen Proportionen oder sparsamen Bewegungen. Viel eher gehört das Studio zu denen mit der konstant besten Qualität und einem hohen künstlerischen Anspruch an jedes einzelne ihrer Projekte. Diese Tatsache, gepaart mit der niemals zu enden scheinenden Liebe für internationale Popkultur, macht Trigger zur einzigen und richtigen Wahl für ein Projekt wie »Cyberpunk: Edgerunners«.


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Welcher Anime vom Studio Trigger hat euch bis jetzt am besten gefallen? Und was ist eurer Meinung nach die größte Stärke des Teams?

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