The Promised Neverland Key Visual Groß Big
©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

The Promised Neverland präsentiert nicht nur eine tiefgründige Story, sondern enthält auch eine ganze Reihe wichtiger Lektionen fürs Leben. Wir zeigen euch, was ihr von der Serie lernen könnt.

Der Anime The Promised Neverland gehört zweifelsohne zu den beliebtesten Serien der Winter Season 2018/2019. Und das zurecht, denn der spannende Anime-Thriller rund um die dramatische Geschichte der Waisenkinder Emma, Norman und Ray weiß nicht nur zu fesseln, sondern gibt uns auch einige wichtige Lebensweisheiten mit auf den Weg. Wir zeigen euch, was die Animeserie zu The Promised Neverland uns allen beibringen kann.

Mensch und Tier verdienen ein Leben in Freiheit

Die Kinder in The Promised Neverland führen ein Leben in trügerischer Freiheit, doch werden von einem finsteren Geheimnis umgeben. | ©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

Die Waisenkinder in The Promised Neverland wachsen in Gefangenschaft auf. Jenseits der Mauern, die das Gelände umgeben, liegt eine Welt voll endloser Entdeckungen und unbegrenzter Möglichkeiten. Eine Welt, die sie niemals kennenlernen werden, bevor sie spätestens an ihrem 12. Geburtstag einen grausamen Tod sterben müssen. Bis dahin fristen sie ein Dasein in trügerischer Freiheit, während sie unzählige Freuden des Lebens nie kennen, geschweigedenn selbst erfahren werden.

Damit zeigt The Promised Neverland auf, wie wichtig die Freiheit eines Menschen ist und dass ohne sie kein erfülltes Leben möglich ist. Doch der Anime unterstreicht nicht nur den Wert der menschlichen Freiheit, sondern rückt durch seine zahlreichen Parallelen zur Haltung von Schlacht- und Nutzvieh auch die Bedeutung tierischen Lebens in den Mittelpunkt der Handlung.

Wie Schlachtvieh trägt Emma eine Nummerierung im Nacken und führt ein Leben in ewiger Gefangenschaft. | ©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

So sind die gefangenen Kinder in The Promised Neverland nicht nur gechippt und nummeriert, sondern werden ausschließlich zu dem Zweck gezüchtet, eines Tages von Monstern gefressen zu werden. Für diese Monster sind die Waisen nichts weiter als ein exquisiter Leckerbissen, deren Gehirne ihnen im zarten Alter von 12 Jahren ein optimales Geschmackserlebnis bieten.

Auch die Blumen, die im Opening aufblühen und im Ending unten mit verdorrten, nutzlosen Stängeln und Blättern, doch oben mit farbenfrohen Blüten gezeichnet werden, sind höchstwahrscheinlich ein Sinnbild für diese Thematik. Ebenso wie der Schmetterling, der zum Anfang seines Lebens als unansehnliche Raupe auf die Welt kommt, sich später als wunderschöner Falter entpuppt und im Opening des Animes auf dem Höhepunkt seiner Schönheit einen plötzlichen Tod stirbt.

Oben schöne Blüten, unten verdorrte Stängel und Blätter. Die Blumen sind ein Symbol für die gefangenen Kinder, deren Leben scheinbar keinen Wert hat und die nur für den Geschmack ihrer Gehirne gezüchtet werden. | ©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

So ergeht es den Kindern in The Promised Neverland genau wie den zahlreichen Rindern, Schweinen und Hühnern, die heutzutage in Massen gezüchtet werden und deren oft jämmerliches Dasein letztendlich neben Pommes, Nudeln oder Reis auf den Tellern hungriger Menschen ein belangloses Ende findet.

Damit betont der Anime subtil, dass sowohl Menschen als auch Tiere ein glückliches Leben in Freiheit verdient haben. Doch die Kritik der Serie bezieht sich nicht ausschließlich auf Massentierhaltung, denn anders als bei dieser lebensverachtenden Haltungsart führen die Waisenkinder eigentlich ein recht zufriedenes Leben.

Somit wirft The Promised Neverland die gesellschaftskritische Frage auf, ob reine Genussbefriedigung wirklich den Mord an einem Lebewesen rechtfertigen darf, und bewegt Konsumenten von tierischen Produkten, zu denen zugegebenermaßen auch ich mich zählen muss, dazu, diese moralische Gratwanderung aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Glückselige Ignoranz ist keine Lösung

Die gefangenen Waisenkinder wissen nichts von ihrem grausamen Schicksal und fristen ein zufriedenes Leben in glückseliger Ignoranz. | ©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

Die Waisenkinder in The Promised Neverland haben alles, was sie für ein glückliches Leben brauchen. Die Liebe und Zuwendung einer »Mama«, tägliche warme Mahlzeiten, zahlreiche Freunde in ihrem Alter, Spiel und Spaß.

Was sie jedoch nicht wissen, ist, dass dieses glückliche Leben lediglich als Illusion besteht und jeden Moment in tausend Scherben zerspringen kann. Solange sie allerdings in wohliger Unwissenheit leben und nichts von ihrem traurigen Schicksal ahnen, geht es ihnen gut. Bis sie eines Tages die Realität einholt und ein schreckliches Ende ereilt.

Genauso ist es auch im echten Leben: Solange wir in gemütlicher Ignoranz schwelgen, können wir uns die Welt schönreden und ein angenehmes Leben führen. Doch auf lange Sicht ist es keine Lösung, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen. Stattdessen führt Realitätsflucht nur zu noch mehr Problemen, die uns früher oder später unweigerlich über den Kopf wachsen werden.

Einsicht ist der erste Schritt zum Glück

Einsicht und Erkenntnis sind nicht leicht, doch auf lange Dauer der einzige Weg, ein viel schlimmeres Ende abzuwenden. | ©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

Wenn wir uns unsere Probleme schönreden, führt das vielleicht zu gemütlicher Zufriedenheit, doch nur wenn wir uns selbst einen Ruck geben und der Realität stellen, können wir wahres Glück finden.

Emma und Norman haben das dunkle Geheimnis der Waisenhäuser gelüftet und mussten sich eingestehen, seit ihrer Geburt eine gewaltige Lüge gelebt zu haben. Doch auch ihrer glückseligen Unwissenheit beraubt, verzweifeln die herzensguten Waisenkinder nicht, sondern stellen sich der blutigen Realität, um fieberhabt nach einer Lösung zu suchen.

Vor den Kindern liegt ein langer, steiniger Weg, doch ihr Kampfgeist und ihre Bereitschaft, der hässlichen Wahrheit ins Gesicht zu sehen, machen es ihnen möglich, das Leben als Schlachtvieh hinter sich zu lassen und an das Tor zur Freiheit zu klopfen.

Der Anime zeigt damit deutlich, dass Einsicht und Erkenntnis der erste Schritt zum Glück sind. Natürlich ist es nicht immer einfach, sich der Wahrheit zu stellen und sich seine Probleme einzugestehen. Es ist lange nicht so bequem, wie weiterhin in Ignoranz zu leben und es sich im Schutz seiner Komfortzone gemütlich zu machen. Doch es ist der einzige Weg, die Herausforderungen des Lebens zu meistern, seine eigenen Probleme zu bewältigen und die Chance auf wahres Glück zu erhalten.

Akzeptanz ist ein zweischneidiges Schwert

Norman sieht seinem unausweichlichen Tod ins Auge und opfert sich zum Wohl seiner Freunde. | ©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

Doch wenn wir wie Emma, Norman und Ray der Wahrheit ins Auge blicken und unsere Probleme erkennen, stehen wir vor der Wahl, diese entweder zu bewältigen oder sie einfach zu akzeptieren.

Akzeptanz ist nicht immer falsch, gilt jedoch als ein zweischneidiges Schwert. Wie Heimmutter Isabella in Episode 10 von The Promised Neverland es schon sagte, erschaffen wir manchmal unser eigenes Leid, indem wir Widerstand gegen Probleme leisten, deren Lösung nicht in unserer Macht liegt. Wenn – und wirklich nur wenn – wir in einer misslichen Lage stecken, aus der es ganz und gar kein Entrinnen gibt, ist Akzeptanz tatsächlich die beste Lösung.

Das stellt Norman in derselben Episode unter Beweis, indem er selbstlos sein eigens Leben opfert, um Emma und Ray zu schützen. Er sieht die Lage als aussichtslos und beschließt, seinen Tod in Würde zu empfangen, statt sich gegen das unvermeidliche Ende zu wehren. (Obwohl sich Normans Tod abseits der Kamera zutrug und es deswegen äußerst zweifelhaft ist, ob der scharfsinnige Pläneschmieder tatsächlich gestorben ist.)

Auch im echten Leben hat diese Weisheit durchaus Bestand, da zum Beispiel Menschen, die an einer tödlichen Krankheit leiden, nur durch die Akzeptanz ihrer Situation wieder Kraft dazu finden, die letzten Jahre ihres Lebens glücklich und zufrieden zu verbringen. Doch nicht nur bei Krankheiten, sondern auch bei allen anderen Dingen im Leben, die uns belasten und die wir trotz größter Bemühungen nicht ändern können, ist Akzeptanz die beste Lösung.

Akzeptanz hat allerdings durchaus auch seine Schattenseiten

Angst kann Menschen in Monster verwandeln

Es sind echte Monster, die in The Promised Neverland wehrlose Kinder fressen, doch auch die Angst vor dem Tod kann Menschen innerlich zu Bestien verkommen lassen. | ©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

Denn wenn wir Akzeptanz als Ausrede benutzen, um feige vor unseren Ängsten davonzulaufen, wie es Heimmutter Isabella wahrscheinlich getan hat, belügen wir uns selbst und gießen nur noch Öl ins Feuer unseres eigenen Elends.

Normans Frage, ob sie denn glücklich wäre, erschütterte Isabella offenbar zutiefst. Ihre schockierte Reaktion deutet darauf hin, dass die vemeintlich skrupellose Heimmutter ihre Missetaten auch vor sich selbst nicht rechtfertigen kann. Ebenso Isabellas Predigt an Emma, in der sie ihr rät, sich ihrem »unausweichlichen Schicksal« zu fügen und ihr anbietet, eines Tages selbst »Mama« zu werden, klingt, als spräche sie aus eigener Erfahrung, und zeichnet Isabella als eine Frau, die unter der immensen Last der Realität einknickte.

Daher liegt die Vermutung nahe, dass Isabella nicht Heimmutter wurde, weil sie es wirklich wollte. Nicht, weil sie ein böser Mensch war und gerne kleine Kinder quälte, sondern weil sie Angst hatte und sich verzweifelt ans Leben klammerte. Aus diesem Grund gab sie ihre Werte und Ideale auf, tat anderen Menschen das Leid an, das sie selbst so fürchtete, und wurde letztendlich ebenfalls zu einem Monster.

Angst kann Menschen zu Helden machen

Emma, Norman und Ray lehnen sich gegen die Missstände im Waisenhaus auf und zeigen dabei wahren Heldenmut.| ©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

Doch obwohl Angst das Potenzial besitzt, uns vom rechten Weg abzubringen, ist Angst an sich dennoch nichts Schlechtes. Es kommt ganz darauf an, wie wir mit ihr umgehen. Wenn wir uns ihr unterwerfen und dieselben Fehler wie Isabella begehen, brechen wir unsere eigenen Prinzipien, tauschen unseren Seelenfrieden gegen ein selbstsüchtiges Gefühl von Sicherheit und stürzen uns in die dunkelsten Abgründe der Seele.

Wenn wir es jedoch Emma und ihren Freunden gleichtun und die Angst herausfordern, statt sie unsere Ideale untergraben zu lassen, erhalten wir die Möglichkeit, über uns hinauszuwachsen. Genau wie die tapferen Kinder mit aller Kraft und all ihrer Menschlichkeit versuchen, sich selbst und die anderen Waisen zu retten, können auch wir uns unseren Ängsten stellen.

Mit diesem Mut und dieser Entschlossenheit sind wir dazu in der Lage, nicht nur uns selbst, sondern auch anderen Menschen den Weg in ein besseres Leben zu bereiten. So können wir durch den richtigen Umgang mit der Angst nicht nur zu »Monstern«, sondern auch zu »Helden« werden.

Fazit: Nur wer sich bewegt, kann etwas bewegen

Die tapfere Emma hält an ihren Idealen fest und kämpft gegen ihres und das grausame Schicksal ihrer Freunde an. | ©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

Die zentrale Botschaft, die The Promised Neverland uns näherbringt, ist unserer Meinung nach die Lehre vom Wert des Lebens und der selbstbestimmten Entschlossenheit. Der Anime lehrt uns, dass Probleme sich nicht von alleine in Luft auflösen und dass wir nur etwas bewegen können, wenn auch wir selbst uns bewegen.

Statt sich der Angst zu fügen und genau wie Heimmutter Isabella ein Teil des bösartigen Komplotts zu werden, lehnen Emma, Norman und Ray sich gegen die Missstände ihrer kleinen Welt auf. Sie führen einen entschlossenen Kampf gegen das Regime der Waisenhäuser und riskieren auf der Suche nach Freiheit und für die Treue zu ihren Idealen sogar ihr eigenes Leben.

Auch wenn in der echten Welt vielleicht nicht unser Leben oder das unserer Mitmenschen auf dem Spiel steht und Ignoranz sowie Realitätsflucht kaum so große Konsequenzen nach sich ziehen wie in The Promised Neverland, ist es trotzdem Goldwert, dem Beispiel der tapferen Waisenkinder zu folgen. So werden wir vielleicht nicht zu Helden, aber können uns zumindest unseren Ängsten stellen, anderen Menschen helfen und als Persönlichkeit wachsen.

Am Ende des Openings zu The Promised Neverland entschwindet der Schmetterling lebendig in das Licht eines goldenen Scheins. | ©KAIU SHIRAI,POSUKA DEMIZU/SHUEISHA,THE PROMISED NEVERLAND COMMITTEE

Denn wie der Schmetterling, der am Ende des Openings in das goldene Leuchten der Ferne entschwindet, so werden wahrscheinlich auch die gefangenen Waisenkinder am Ende ihrer Reise das Licht der Freiheit erblicken.

Weitere Artikel über The Promised Neverland und Analysen zu den tiefgründigen Botschaften verschiedener Anime findet ihr auf unseren entsprechenden Übersichtsseiten!

Jetzt seid ihr gefragt!

Welche Lehren hat der Anime zu The Promised Neverland euch mit auf den Weg gegeben? Schreibt es uns in die Kommentare!

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Aslan Golzine
Gast
Aslan Golzine

leben in freiheit…
was ist schon freiheit?

Julian
Gast

WOW! Das hat echt zu denken gegeben! Respekt!