©Hajime Isayama, Kodansha/”ATTACK ON TITAN” Production Committee. All Rights Reserved.

Was früher undenkbar war, ist heute Realität – der Anime-Markt wird mit Fortsetzungen zu Erfolgs-Titeln nahezu überschüttet.
Doch warum kommt es bei Hype-Serien wie »One-Punch Man« oder »Attack on Titan« so oft zum Studio-Austausch und somit auch zu wechselhafter Qualität?

Der erste Trailer zur vierten »Attack on Titan«-Staffel schlug erwartungsgemäß hohe Wellen in der internationalen Anime-Community. Doch trotz des überwiegend positiven Feedbacks bleibt in den der Freiheit geopferten Herzen zahlreicher Titanenfans eine gewisse Skepsis zurück – denn das Finale des Epos um Eren und co entsteht nicht wie gehabt im Studio Wit, sondern wechselt auf der Zielgeraden in die Hände der Kreativschmiede MAPPA.

Damit ist »Attack on Titan« nur einer von vielen Fällen der letzten Jahre, in denen die langersehnte Fortsetzung eines Erfolgs-Animes unter völlig neuer Leitung entsteht als ihr Vorgänger
Ob Madhouse mit »One-Punch Man« oder A-1 Pictures bei »The Seven Deadly Sins« – viele Studios entscheiden sich vermeintlich dagegen, ihre erfolgreichsten Serien weiterzuführen und nehmen dadurch oftmals nicht nur einen Wechsel im Team, sondern auch in der Qualität in Kauf.

Was die Gründe hinter so einer konfusen Entscheidung sind und warum diese oft nicht im Ermessen des Studios liegt, verraten wir euch jetzt!


Produktionskomitees und ihre Macht

© 「SHIROBAKO」製作委員会

Um zu verstehen, warum ein Anime im Laufe der Jahre manchmal das Studio wechselt, sollte man zunächst wissen, wie Anime produziert, beziehungsweise finanziert werden:
Hinter einem Projekt steht meistens keine einzelne Firma, sondern ein Produktionskomitee, in dem sich verschiedene Unternehmen zusammenfinden, um als gemeinsame Geldgeber die Produktion eines Animes ins Rollen zu bringen.
Dabei schmeißt jedes Mitglied einen gewissen Beitrag am Budget in den Topf und sichert sich dafür die Rechte in verschiedenen Bereichen wie Home Video, Kino, TV, Merchandise oder Musik.

Der Vorteil an diesem System ist, dass wenn der Anime ein wirtschaftlicher Misserfolg werden sollte, niemand allein den gesamten Verlust tragen muss – wer mehr Geld beisteuert, hat in der Regel jedoch auch einen größeren Einfluss auf das Projekt.
Das Produktionskomitee ist also grob erklärt Rechteinhaber eines Animes und trifft in der Regel gemeinsam essenzielle Entscheidungen wie Format, Länge, Inhalt, Verwertung – und manchmal auch die Wahl des Studios.

Das Prinzip der Produktionskomitees soll gegen finanzielle Misserfolge schützen – doch sorgt auch dafür, dass Gewinne von Toptiteln oft nicht bei denen ankommen, die die Projekte zustande brachten. | © 2017 MMM/メルヘン・メドヘン製作委員会

Denn in den meisten Fällen hält das Studio selbst keine Rechte an seinem Werk, sondern agiert lediglich als Dienstleister für die Produktion. Zwar gibt es Firmen wie Ufotable oder Kyoto Animation, die in der Lage dazu sind, ein Komitee zu leiten und die Entscheidungsgewalt zu behalten, jedoch sind solche Schmieden eher die Ausnahme als die Regel.
In dieser nimmt das Studio wenn überhaupt nur einen kleinen Platz in der Finanzierung des Animes ein und hat dementsprechend bei wichtigen Entscheidungen nur bedingt ein Mitspracherecht.

Hinter den Zeichnungen: Was ist eigentlich Sakuga?

Dass die Mitglieder des Stabs oft nur kleine Rädchen im großen Getriebe sind, zeigte so zum Beispiel die Anime-Adaption des Shoujo-Mangas »Kare Kano«. Nach fünfzehn Episoden wurde Regisseur Hideaki Anno einfach aus der Entstehung herausgezogen und durch Hiroki Sato ersetzt, da das Komitee mit seinen kreativen Entscheidungen alles andere als einverstanden war.


Die Wirren hinter den Studiotüren

© Nagomu Torii · Kyoto Animation / ProjectBB

So lässt sich festhalten: Studios sind in den meisten Fällen bloße Auftragnehmer, die für Betrag X einen Anime zustande bringen und denen so bei Entscheidungen über eine eventuelle Fortsetzung die Hände gebunden sind.
Wechselt also das Kreativteam, liegt es manchmal schlichtweg daran, dass ein Produktionskomitee den Wechsel entschieden hat, das Studio mit den Vertragskonditionen nicht mehr einverstanden oder zum von den Produzenten gewünschten Entstehungszeitpunkt schlichtweg schon ausgebucht war.

Da sich die genauen Gründe für einen Wechsel von Fall zu Fall unterscheiden, möchten wir drei bekannte Beispiele eines Studiowechsels noch einmal genauer durchleuchten. Beachtet dabei, dass die genauen Gründe oftmals im Dunkeln liegen und wir bei den Erklärungen deshalb teilweise auf unser Wissen über Vorgänge in der Anime-Industrie, teilweise auch auf Statements von Insidern und Gerüchte zurückgreifen:

One-Punch Man 2

© ONE・村田雄介/集英社・ヒーロー協会本部

Im Jahr 2015 feierte die erste Staffel zu »One-Punch Man« ihre Premiere und entwickelte sich schon nach dem ersten Folgen zu einem Welterfolg. Verantwortlich für die Umsetzung des gleichnamigen Mangas war Regisseur Shingo Natsume und sein Team beim Studio Madhouse.
Vier Jahre dauerte es, bis schließlich die Fortsetzung anlief und die Geschichte von Saitama und seinem Kampf gegen die Langeweile weiterging – von Natsume war hinter den Kulissen jedoch keine Spur mehr.

»One-Punch Man 2« wurde im Gegensatz zu Staffel 1 von einem größtenteils neuen Team beim »Food Wars!«-Studio J.C. Staff produziert und ließ einige Qualitäten wie die spektakulären Sakuga-Kämpfe seines Vorgängers vermissen.
Ein öffentliches Statement gab es zum Wechsel nicht, jedoch steht fest, dass Natsume und Anhang zum veranschlagten Produktionszeitpunkt mit dem Mystery-Anime »Boogiepop and Others« beschäftigt waren.

So legt die Vermutung nahe, dass sowohl der persönliche Terminkalender des Regisseurs, als auch die prall gefüllten Auftragsbücher des Studios Madhouse keinen Platz für »One-Punch Man 2« ließen.
Da eine späte Fortsetzung in der Anime-Branche aber immer die Gefahr mit sich bringt, dass der Hype um die Serie verblasst, wurde so also eine möglichst »schnelle« Alternative geschaffen …

Attack on Titan: Final Season

©諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Schon ein Jahr nach seiner Gründung war das 2012 eröffnete Studio Wit in aller Munde – Grund dafür war die hochwertige Umsetzung des Action-Mangas »Attack on Titan«, der sich zu einem der erfolgreichsten Anime-Titel des 21. Jahrhunderts mauserte.
Zehntausende Blu-rays wanderten nach der japanischen TV-Ausstrahlung über die internationalen Ladentheken – doch zumindest in finanzieller Hinsicht wurde Wit nie viel vom Erfolg ihres Zugpferds zuteil, denn das Studio war nie im Produktionskomitee vertreten, während Mutterfirma Production I.G nur eine sehr niedrige Position einnahm.

Sieben Jahre später ist Wit gewachsen und dabei, durch weitere Erfolge wie »Kabaneri of the Iron Fortress« oder »Vinland Saga« das Image des »Attack on Titan-Studios« abzulegen.
Schon zum Ende der Ausstrahlung von »Attack on Titan 3 (Part 2)« häuften sich die Gerüchte, dass man bei Wit mit der Serie fertig wäre, ein kürzlich veröffentlichter Trailer bestätigte, dass der Anime fortan bei MAPPA entsteht.

Auch hier fehlen offizielle Statements, doch Stimmen aus Insiderkreisen sprechen davon, dass man seine Zeit und Ressourcen künftig lieber in die eigenen, deutlich lukrativeren Projekte investiert, anstatt Auftragsarbeiten nachzugehen.
Ob es seitens des Produktionskomitees Bestrebungen gab, Wit ein größeres Stück vom Kuchen zukommen zu lassen und das Team doch noch zur finalen Staffel zu überreden, ist jedoch nicht bekannt.

Seven Deadly Sins: Wrath of the Gods

©️ 鈴木央・講談社/「七つの大罪 神々の逆鱗」製作委員会・テレビ東京

Spätestens seit seinem großen Netflix-Release war »The Seven Deadly Sins« vielen Fighting-Shounen-Fans als vielversprechendster Newcomer bekannt – zumindest bis zur dritten Staffel, denn nicht wenige Enthusiasten bezeichneten »Wrath of the Gods« als absolute Katastrophe.
Grund dafür war die teilweise brutal zusammengebrochene Zeichenqualität, die der Wechsel der Serie zum Studio DEEN mit sich brachte.
Doch wie kann so etwas bei einem derart beliebten Franchise passieren?

Ein kurzer Blick ins Produktionskomitee der neuen Season verrät den Hintergrund: Als Hauptsponsor tritt von fortan nicht mehr Publisher Aniplex, sondern das Unternehmen VAP auf – so war in diesem Fall ein Studiowechsel vorprogrammiert.
Denn als hundertprozentige Tochter arbeitet das bisherige »The Seven Deadly Sins«-Studio A-1 Pictures ausschließlich für Aniplex und machte offensichtlich auch für das dritte große Abenteuer von Meliodas und co keine Ausnahme.
Laut Gerüchten soll die Entscheidung zur Produktion und somit auch die Suche nach einem Studio in einer ziemlichen Hau-Ruck-Aktion erfolgt sein.
Unter den oft jahrelang im Voraus ausgebuchten Studios war demnach DEEN das einzige, das einen Auftrag in dieser Größenordnung in unter einem Jahr zusammenbasteln konnte – oder es zumindest mehr schlecht als recht versucht hat.

Der genaue Grund für Aniplex’ Rückzug kann wie immer nur gemutmaßt werden, wurzelt laut Insidern aber im lieben Geld. Nachdem bereits die zweite Staffel nur einen Bruchteil der Disc-Verkäufe ihres Vorgängers verzeichnen konnte, blieb der Kinofilm weit hinter den Erwartungen zurück, sodass man in den chidoya’schen Büros entschied, den Stecker zu ziehen …


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Jetzt seid ihr gefragt!

Welcher Studiowechsel hatte eurer Meinung nach die fatalsten Folgen? Und gab es Stabwechsel, die den Anime für euch sogar noch aufgewertet haben?

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Ollah

Kann man dann bei zum Beispiel Seven Deadly Sins hoffen (man schaue sich nur das Bild an…), dass beim Disc-Release eine überarbeitete Fassung geliefert wird?

Thomas

Für mich hat sich das Thema seven deadly sins erledigt.

Mal weißes, dann wieder rotes Blut, miese Animation ( das Bild ist ein gutes Beispiel)

Hab nach paar folgen abgebrochen

Jiro

Am schlimmsten fand ich den Wechsel zwischen tokyo ghoul und tokyo ghoul re, sie hätten nicht das Animations Team wechseln sollen sondern den Regisseur der die Story so dramatisch versaut hat.

Stukii

Um ehrlich zu sein, schätze ich die Arbeit die Wit in Attack on Titan gesteckt hat sehr, muss aber sagen, dass mir die Version von Mappa auch sehr gut, wenn nicht sogar besser gefällt. Das liegt aber vor allem daran, dass es jetzt deutlich mehr nach dem Manga aussieht.

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