© 「SHIROBAKO」製作委員会

Studio-Namen gewinnen immer mehr an Relevanz und stehen für viele Anime-Fans oft stellvertretend für die Qualität einer Produktion – doch ist diese wirklich davon abhängig?

Das Erste, das die meisten Anime-Fans mit ihren Lieblingswerken verbinden, sobald es um die Produktion geht, ist der Name des Studios, das den entsprechenden Anime animiert hat. Egal ob SHAFT, Kyoto Animation, Wit, White Fox, Ufotable oder Production I.G., die meisten aktiven Anime-Zuschauer haben direkt ein euphorisches Bild im Kopf, wie ein Anime dieser Kreativ-Schmieden auszusehen hat.

Doch ist ein Studio wirklich allein für den Stil und die Qualität einer Produktion verantwortlich? Oder gibt es ganz andere Faktoren, die am Ende bestimmen, ob ein Anime Meisterwerk oder Flop wird?

Eine Industrie aus Freelancern

Anime-Studios sind selbstverständlich nicht vollständig allein für die Produktion einer Serie oder eines Films verantwortlich. Zwar werden hier die wichtigsten Entscheidungen getroffen, die kreativen Köpfe unter einem Dach vereint und meist die einzelnen Puzzleteile eines Anime wie Hintergründe, Animation, CGI und Musik zusammengesetzt, doch arbeiten an einem Anime nicht nur meist hunderte Personen, sondern auch zahlreiche Unternehmen.

Dinge wie Erstellung der Synchronisation, Musik und digitale Arbeiten entstehen genau so außer Haus wie auch manchmal das Kerngeschäft eines Studios – die Animation. Während die wichtigsten Aspekte, wie weite Teile der Schlüsselbilder häufig noch in den eigenen vier Wänden produziert werden, werden unwichtigere Szenen oder die sogenannten »Inbetweens« (Zwischenframes) an andere Unternehmen, manchmal auch im Ausland, ausgelagert.

Anime-Produktionen entstehen oft an verschiedenen Orten durch verschiedene Leute zur selben Zeit. © 「SHIROBAKO」製作委員会

Die Animatoren sind dabei bis auf ein gewisses Kernteam nicht fest angestellt, sondern Freelancer, die verschiedene Aufträge von verschiedenen Studios an verschiedenen Projekten annehmen. Genau so ist in den allermeisten Fällen das Kreativ-Team, das aus den Stil des Anime am Ende stark beeinflussenden Personen wie Regisseur, Art Director oder Charakterdesigner besteht, aus Freelancern zusammengesetzt, die schon Projekte für unterschiedliche Anime-Schmieden in Angriff genommen haben und ihr Talent damit logischerweise »mitnehmen«, wo auch immer sie gerade sind.

Das bedeutet im Klartext, dass die Qualität eines Anime nicht vom Studio, sondern viel eher von den Leuten beeinflusst wird, die an ihm arbeiten. Das Studio koordiniert in den meisten Fällen nur die Arbeitsabläufe und bietet die Räumlichkeiten für einige Animatoren und einen Teil des Kreativ-Teams. Gleichzeitig schwankt die Qualität eines Anime bei Adaptionen natürlich auch häufig mit der Vorlage – kann diese bereits nicht überzeugen, ist es wohl nur mit viel Blut, Schweiß und Tränen möglich, trotzdem einen unterhaltsamen Anime draus zu zaubern.

Schwankende Besetzung, schwankende Qualität

Ein Beispiel dafür, wie diese Entwicklung ein Studio groß machen, aber auch dessen Untergang besiegeln kann, ist das Studio Gainax. Den gainax’schen Werkshallen entsprangen in den 90ern und frühen 2000ern Klassiker wie Neon Genesis Evangelion, Gurren Lagann oder FLCL, die aus der Historie der japanischen Animation kaum noch wegzudenken sind.

Das abgedrehte Action-Epos Gurren Lagann steht stellvertretend für das, was die Fans einst so sehr an Gainax liebten. | ©GAINAX・中島かずき/アニプレックス・KONAMI・テレビ東京・電通

Doch während diese alten Werke weiterhin Legenden-Status besitzen, verschwinden neuere Titel des Studios wie Dantalian no Shoka oder Wish Upon the Pleiades buchstäblich in der Versenkung und werden von Fans nur selten eines Blickes gewürdigt – doch woran liegt das?

Der Grund ist schlicht und ergreifend, dass mit der Zeit diejenigen, die Gainax in den Köpfen der Fans zu dem Studio gemacht haben, das sie so abgöttisch liebten, nach und nach eigene Wege gegangen sind: Während Regie-Legende Hideaki Anno Erfolge mit seinem Studio Khara feiert, hat die Kreativwerkstatt Trigger des Gurren Lagann-Regisseurs Hiroyuki Imaishi sich durch Titel wie Kill la Kill längst einen eigenen Namen gemacht.

Der Magical Girl-Anime Wish Upon the Pleiades, der in Zusammenarbeit mit dem Auto-Hersteller Subaru entstand, schoss meilenweit am Rampenlicht vorbei. | © Gainax / Hōkago no Pleiades Production Committee

Ohne diese Leute ist Gainax schlicht und ergreifend nicht mehr dazu in der Lage, seinen ehemaligen Stil beizubehalten und weiterhin Projekte zu realisieren, die die Atmosphäre und Faszination ihrer alten Werke erreichen können.

Ein anderes Beispiel ist das Studio SHAFT, das vor dem Erscheinen von Tsukuyomi: Moon Phase im Jahr 2004 wohl den wenigsten Anime-Zuschauern so wirklich ein Begriff war. Kein Wunder – schließlich hatte SHAFT weder einen eigenen Style, nennenswerte Erfolge, noch irgendetwas anderes, was das Studio aus der grauen Masse der Anime-Produktionsfirmen hervorhob.

Umfangreiche Farbpaletten, surrealer Look – Madoka Magica ist ein typischer, moderner SHAFT-Anime. | © Magica Quartet / Aniplex・Madoka Partners・MBS

Doch der kurzerhand zum »Visual Director« ernannte Akiyuki Shimbo konnte seinen oft sehr metaphorischen, farbenfrohen und surrealen Stil etablieren und sorgte dafür, dass SHAFT durch Serien wie Bakemonogatari oder Puella Magi Madoka Magica zu einem der rennommiertesten Produktionsstudios überhaupt wurden.

Hat der Studio-Name also gar kein Gewicht?

Diese Frage lässt sich mit einem »Jein« beantworten. Es ist tatsächlich so, dass der Name eines Studios zunächst nichts über die Qualität oder Stil eines Projektes aussagt. Während in der Herbst Season 2012 die eher westlich-inspirierte, hollywoodreife Adaption von Reki Kawaharas Hit-Light Novel Sword Art Online über die Bildschirme flimmerte, machte sich anderswo das experimentelle und mit ungewöhnlichen Stilistiken herumtricksende Scifi-Epos From The New World breit – beide Anime stammen aus dem Hause A-1 Pictures und könnten unterschiedlicher nicht sein, da sie bei verschiedenen Teams entstanden sind.

Mit der an Hollywood erinnernden Cineastik von Sword Art Online hat die experimentelle Inszenierung des Regisseurs Masashi Ishihama in From the New World nicht viel zu tun. | © Yusuke Kishi / Kodansha / From the New World Production Committee

Andererseits gibt es natürlich Studios, deren Teams zwar zum Großteil aus Freelancern bestehen, doch die dabei immer wieder dieselben Namen versammeln und sich daher eine Art Identität angeschafft haben – während das Studio Madhouse in jüngerer Vergangenheit beispielsweise in One-Punch Man-Regisseur Shingo Natsume einen guten Freund gefunden hat, setzt das Studio Wit bei Prestige-Projekten gerne auf Attack on Titan-Director Tetsuro Araki. Natürlich haben manche Studios neben einem »Stamm-Team« auch eine Art »Unternehmens-Politik« und lassen nur die Leute an ihren Projekten arbeiten, deren Stil dazu geeignet ist, den entsprechenden Stempel ihres Hauses zu tragen.

So sieht es mit Studios wie Ufotable, Production I.G oder PA Works aus, deren wiederkehrende Kreativ-Meister wiedererkennbare Stilistiken erkennen lassen, die eventuell so oft wiederholt wurden, dass sie dem Studio mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen sind und sich Fans somit zurecht bei einer Ankündigung auf ein Werk im Fußstapfen ihrer alten Klassiker freuen.

Mit detailreichen Hintergründen, detaillierten Charakter-Animationen, der Verschmelzung von 2D und 3D-Elementen und starker digitaler Nachbearbeitung hat das Studio Ufotable seinen Stil insbesondere in der Fate-Reihe gefestigt. | © TYPE-MOON・ufotable・FSNPC

Das Studio Kyoto Animation geht dabei sogar so weit, dass es weder Aushilfsarbeiten für andere Studios leistet, noch in irgendeiner Form Freelancer einspannt, sondern an allen Projekten einzig und allein mit seinem eigenen Stab arbeitet, der dadurch auch seinen ganz eigenen Stil in jedes einzelne Werk trägt und ihm so durchschlagenden Erfolg bereitet.

Studios sind somit zwar ein Indikator, jedoch kein Versprechen an die Produktionsqualität und können manchmal sehr verschiedene Ergebnisse zutage fördern.

Jetzt seid ihr gefragt!

Welche zwei Anime eines Studios haben euch mit ihrer Unterschiedlichkeit am meisten überrascht?

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Andyt
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Eine Antwort zur zum Schluss gestellten Frage habe ich leider nicht. Jedoch allgemein zum Thema etwas. Zuerst, es ist ein schöner Beitrag. Das ist meiner Meinung nach ein völlig normaler Prozess, der in der Videospielindustrie genauso zählt wie in der Autoindustrie (oder sonst wo). Also nichts, was jetzt Anime grundlegend anders machen würde. Dabei ist es auch eine Eigenart, die je nach Studio/Firma unterschiedlich sein kann. Wurde in die Richtung ebenfalls angesprochen. Im Laufe der Zeit kann sich das immer ändern. Was Hui ist, ist dann später Pfui und erneut später urplötzlich Hype… Fakt ist, man kann durchaus bei wiederholten… Weiterlesen »

marf
Gast
marf

von Kyoto violet Evergarden und Lucky star

Aslan Golzine
Gast
Aslan Golzine

schön, dass solch ein fakt einen artikel spendiert bekommen hat. so sieht es nunmal hinter den kulissen aus!

Baerius
Gast
Baerius

Kleiner Fehler: Der Regisseur von Gurren Lagann ist Hiroyuki Imaishi und nicht Masahiko Otsuka.

Regensburger Waldquell
Gast
Regensburger Waldquell

Lohnt es sich dann auch Ninotaku zu mögen? ^^