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In eleganten Kimonos schweben unsere liebsten Anime-Protagonisten am Neujahrsmorgen die eisigen Stufen zum Schrein hinauf. Sie treffen ihre besten Freunde, wünschen sich gegenseitig ein frohes neues Jahr und gehen schließlich zum Gebet über. So oder so ähnlich kennen wir die Neujahrstradition aus den japanischen Animationsserien, doch was steckt tatsächlich hinter diesem bunten Treiben?

Generell gibt es keine Staatsreligion in Japan und konfessioneller Glaube wie das Christentum haben zwar Verbreitung, wurden aber erst verhältnismäßig spät über Eroberer wie die Niederländer mit auf die Insel der aufgehenden Sonne gebracht.
Allerdings gibt es viele Anhänger des in Asien sowieso weit verbreiteten Buddhismus. Aber für die meisten traditionellen Rituale spielt der Shintoismus eine viel größere Rolle.
Diese Glaubensrichtungen werden viel eher als Lebenseinstellung gelebt, ganz anders also als Christentum, Judentum und Islam, die ihre eigenen heiligen Schriften haben.

Der Shintoismus ist eng mit fast allen japanischen Traditionen verbunden. Er besteht aus einem Netz aus vielen Gottheiten, die für einzelne Aspekte der japanischen Natur und Kultur stehen. Viele der japanischen Legenden und Mythen, die auch in Anime immer wieder aufgegriffen werden, sind in den Shintoismus integriert. Viele Japaner üben regelmäßig traditionelle Rituale aus dem Shintoismus aus, ohne sich als Gläubige zu bezeichnen.
So ist ein großer Teil der ursprünglich religiösen Handlungen also mehr oder weniger in den gewöhnlichen, ganz »unspirituellen« Alltag übergegangen.


Der Besuch am Schrein

©かきふらい・芳文社/桜高軽音部

Den traditionellen Neujahrs-Schreinbesuch bezeichnet man als Hatsumode. Gemeinsam mit seiner Familie bittet man in Gebeten für ein erfolgreiches neues Jahr. Dazu wirft man als erstes eine Münze in eine Box vor dem Altar, läutet an der herabhängenden Glocke, verneigt sich zweimal, klatscht zweimal in die Hände und verneigt sich schließlich noch einmal. Größere Schreine veranstalten rund um den Feiertag sogar kleine Feste, bei denen es Essen und kleine Mitnehmsel gibt.

Insbesondere die Tradition des Klatschens hat sich bei westlichen Anime-Fans festgesetzt! |  © 美水かがみ/らっき一☆ばらだいす

So kann man zum Beispiel Glücksbringer erwerben, aber auch Omikuji, kleine Lose mit »Prophezeiungen« fürs nächste Jahr. Steht laut diesem Orakels ein schlechtes Schicksal an, so verknotet man die Losung an einem Baum in der Nähe des Schreins, aufdass man von diesem Unheil verschont bleibe.


Ein Schneemann für die Götter?

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Mochi sind einfach lecker! Die klebrigen Reiskuchen sind weit über die Grenzen Japans bekannt und werden in verschiedensten Geschmacksrichtungen gerne das ganze Jahr über genascht, aber die »Spiegel-Mochi« stellen eine Besonderheit dar.
Dabei werden zwei unterschiedlich große Mochi zu Kreisen geformt und wie ein Schneemann gestapelt. Schließlich wird das Türmchen noch mit einer japanischen Orange, einer Daidai, oder einer Mandarine bestückt und dekoriert.

Anschließend verweilt das Mochi für eine ganze Woche, denn zunächst stellt es eine Opfergabe an die Götter dar.
Die Verbindung zu Spiegeln entsteht zum einen durch die Form und zum anderen durch die religiöse Bedeutung der Gegenstände im Shintoismus.

Auch die beiden einzelnen Mochi haben natürlich eine symbolische Bedeutung: Sie stehen für Gegensätze, das alte und das neue Jahr, Sonne und Mond, Yin und Yang.


Neujahrs-Schmaus

©TAa・KADOKAWA・TYPE-MOON / 「衛宮さんちの今日のごはん」製作委員会

»Same procedure as every year« heißt es auch bei dem traditionellen Silvestergericht vieler japanischer Familien. Das Osechi Ryori hat den Anlass schon im Namen stecken, denn was übersetzt »Neujahrsgericht« bedeutet, trägt seine Rolle offensichtlich vor sich her. Für diese Speise wird eine mehrstöckige Bento-Box mit verschiedensten Leckereien gefüllt und anschließend im Kreise der Liebsten zusammen verspeist. Jedes Lebensmittel, das in eines der Fächer gepackt wird, steht für einen anderen guten Wunsch für das nächste Jahr.

Einer der möglichen Leckerbissen sind zum Beispiel in Sake und Sojasoße gekochte Garnelen. Diese symbolisieren die Hoffnung auf ein langes und glückliches Leben, an dessen Ende man einen krummen Rücken und einen langen Bart hat, was die Garnele mit ihrem gebogenen Körper und langen Fühlern metaphorisch darstellen soll.


Glück in der Tüte?

©藤原ヒロ/白泉社・メイド様!プロジェクト

Zu Beginn des neuen Jahres gibt es in vielen japanischen Geschäften Sonderangebote, um das neue Jahr einzuläuten. Eine Besonderheit inmitten der Rabatte sind die Fukubukuro. Für einen verhältnismäßig geringen Preis kann man sich hier auf sein Glück verlassen und einen Beutel mit bis oben mit aus dem letzten Jahr übrig gebliebenen Waren kaufen – man weiß nur vorher nicht, was sich hinter der mysteriösen Fassade verbirgt.

Diese bis zum Zerbersten gefüllten Wundertüten kennt man hierzulande zum Beispiel als Merchandise-Beutel auf Cons.
Die Ursprünge für diese Neujahrs-Lucky-Bags kommen aus einem alten Sprichwort, das übrig gebliebenen Dingen ganz besonderes Glück zuschreibt.


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Julian Schröder
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Julian Schröder

Danke für den tollen Artikel. Wünsche euch ein frohes neues Jahr