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Das Action-Adventure für PC und PlayStation 4 setzt die Reihe nahtlos fort. Wieso Teil drei sich vor allem an Fans richtet und wer sonst ein Auge auf Shenmue 3 werfen sollte, zeigen wir in unserer Vorschau.

Knapp 18 Jahre nach dem letzten Teil kehrt Ryo Hazuki, der Kämpfer mit dem Pflaster an der Backe, mit Shenmue 3 zurück. Auf PlayStation 4 und PC setzen wir die Rachegeschichte am 19. November 2019 endlich fort und erleben das nächste große Kapitel der Saga.

Wir haben die ersten Stunden des Action-Adventures bereits vorab anspielen dürfen und uns das Dorf Bailu im virtuellen China genauer anschauen. Dabei hat uns der Titel wieder zeitlich zurück in die 2000er geworfen – im Guten, wie im Schlechten. Was uns schon jetzt gut gefallen hat und für wen Shenmue 3 eher keinen Abstecher wert ist, zeigt euch unsere Preview.

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Eingewöhnungszeit nötig

Unsere Zeit wie auch das fertige Spiel startet genau da, wo Shenmue 2 aufgehört hat. Wir erleben als Ryo nach 18 Jahren endlich, was in der chinesischen Höhle los ist und gehen danach zusammen mit Ling Shenhua in ihr Herkunftsdorf Bailu.

Bereits der Anfang offenbart die wohl größte Schwäche des Titels, die wohl auch im fertigen Produkt landen wird. Die Technik und Dialogregie von Shenmue 3 ist schlicht nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Während die Grafik und der Stil an sich durchaus mit hoch aufgelösten Texturen und schönen Panoramen überzeugt, haben sich die Animationen seit dem Vorgänger nicht geändert.

Ryo bewegt sich steif, jede Aktion wirkt abgehackt und vor allem die eigentlich detaillierten Gesichter reden weder lippensynchron noch stellen sie Emotionen gut dar. Auch die Gespräche wirken durch einige unzusammenhängende Sätze hin und wieder unpassend und die Dialogregie mit vielen Schwarzblenden in einer Unterhaltung tut ihr Übriges.

© Deep Silver/Ys Net | Vor allem die Dialoge leiden unter den Animationen und der misslungenen Regie.

In den ersten Minuten versprüht Shenmue 3 so vor allem einen sehr altbackenen Eindruck und einen sehr angestaubten. Das setzt sich fort, wenn wir die Menüs auswählen. Das bekannte Notizbuch passt atmosphärisch gut ins Spiel, benötigt wegen der vielen Reiter dennoch ein wenig Eingewöhnungszeit.

Auch das Inventar wirkt dank seinen verschachtelten Kategorien erst etwas erschlagend. Deswegen ist es sehr angenehm, dass der Titel von Anfang an per Dreieck Hilfestellungen für jede Steuerung anbietet.

Es gibt viel zu tun!

Haben wir uns mit der angestaubten Technik und den Dialogen arrangiert, können wir bereits in Bailu von den definitiv vorhandenen Stärken des Titels überzeugen. Ryo und Shenhua suchen im Dorf nämlich nach ein paar Dieben, die einen Steinmetzen überfallen haben. Unsere Aufgabe in der Demo ist es nun herauszufinden, wo diese Männer abgeblieben sind.

Wir folgen einer Spur von Hinweisen, unterhalten uns mit den Dorfbewohnern, bis wir einen Zeugen gefunden und ihn in einem Kampf besiegt haben. Damit endet die Demo. Das klingt nicht nach viel, dennoch ist dieser Weg mit zahlreichen Ideen und Interaktionsmöglichkeiten gepflastert.

© Deep Silver/Ys Net | In der Demo sind wir von Gespräch zu Gespräch gelaufen – dank eigener Erkundung wurde uns dabei nie langweilig.

Unser Ziel erreichen wir fast ausschließlich, indem wir mit den Dorfbewohnern reden. Nur am örtlichen Tempel und zum Schluss des Anfangs lassen wir die Fäuste schwingen. Trotzdem fühlt sich die Schnitzeljagd gut an, weil sie auf alte Tugenden setzt. Shenmue 3 markiert nicht unser nächstes Ziel, es notiert lediglich unsere Erkenntnisse im Notizbuch.

Wenn wir also beispielsweise die Frau Wang Wen finden sollen, dann bekommen wir nur grobe Ortsangaben. Wir müssen uns damit selbst in der Welt umschauen, um sie ausfindig zu machen. Dieser simple Kniff funktioniert in der Demo auch deswegen so gut, weil Bailu zwar detailliert, aber auch übersichtlich bleibt. Verlaufen ist hier quasi unmöglich.

© Deep Silver/Ys Net | Ryo nimmt auf Wunsch auch Nebenjobs an, hier hauen wir Holzscheite in einem Minispiel kaputt.

Wem das nicht reicht, der bekommt abseits der Hauptquest einiges geboten. Wie gehabt erledigen wir optional viele Minispiele, darunter ein Schildkrötenrennen, Holzhacken, Kräuter sammeln, Würfeln und Trainings-Einheiten. Die Beschäftigungen sind schön abwechslungsreich gestaltet und belohnen uns mit Geld, Heilitems, oder besseren Attributen.

Lebendige Spielwelt

Überhaupt punktet Shenmue 3 bereits in seiner Demoversion mit der lebendigen Spielwelt. Haben wir uns an die steifen Animationen gewöhnt fällt auf, wie viel wir wirklich in Bailu machen können. Neben den ganzen Minispielen sprechen wir jeden Menschen an, klopfen an jede Haustür, kaufen im Laden ein und müssen immer unsere Energieleiste im Auge behalten.

Denn wie im echten Leben nimmt auch die Ausdauer von Ryo mit fortschreitender Stunde langsam ab. Dazu passt ebenfalls, dass die Welt einen dynamischen Tag-Nacht-Wechsel hat und die Bewohner des Dorfes einem eigenen Ablauf folgen. So treffen wir einen Mann nur ab sieben Uhr abends an, weil er erst dann von der Arbeit nach Hause kommt.

© Deep Silver/Ys Net | Abends sind die Straßen leer und die Spielstände gut ausgeleuchtet.

Weil Shenmue 3 einen großen Wert auf Gespräche und Interaktionen legt, wirkt diese nun wirklich nicht mehr revolutionäre Designentscheidung dennoch umso stärker. Auch die Kämpfe sind alles andere als neu, unterhalten aber gut und setzen ein Mindestmaß an Taktik voraus.

So schlagen und treten wir mit vier verschiedenen Knöpfen zu, kombinieren die Attacken und blocken gegnerische Angriffe ab. Um stärker zu werden absolvieren wir die bereits genannten Trainings-Minispiele und verbessern so unser Kung-Fu. Vor allem letzteres wird dem einen oder anderen sauer aufstoßen.

Denn damit wir den letzten Gegner der Demo umhauen können, absolvieren wir die zwei unterschiedlichen Trainingseinheiten jeweils acht Mal. Das wirkt ein wenig repetitiv und dauert seine Zeit. Generell legt Shenmue 3 durch die vielen Gespräche und den hohen Fokus auf Erkundung ein sehr langsames Tempo vor – kein Vergleich zur ähnlichen Yakuza-Reihe, in der alle paar Minuten ein Gefecht auf uns wartet.

© Deep Silver/Ys Net | Die Kämpfe fallen recht schwer aus, ihr müsst viel trainieren, um die Gegner besiegen zu können.

Fazit

Shenmue 3 begeht vor allem in technischer Hinsicht ein paar grobe Schnitzer. Die Dialoge wirken teils amateurhaft und durch Schwarzblenden auch seltsam zerstückelt. Dass sich hier noch viel bis zum Release ändert, halten wir für unwahrscheinlich. Dementsprechend dürfte auch klar sein, dass der Titel nicht mehr wie seine Vorgänger das Vorzeigeprojekt ist. Es kann sich nicht mehr mit den größten Namen der Spielelandschaft messen, dafür ist es Gameplay-Mechanisch und technisch an zu vielen Punkten stehen geblieben.

Das ist durchaus schade, denn die vielen Häuser und die Umgebung in Bailu strotzen nur so vor Details. Auch die vielen Interaktionsmöglichkeiten und Minispiele funktionieren heute immer noch. Zusammen mit der ruhigen Atmosphäre und dem langsamen Spieltempo entsteht so ein ganz eigener Sog. Man muss sich zwar darauf einlassen und Abstriche in Kauf nehmen. Aber sollte Shenmue 3 das Niveau der Demo durchhalten, könnte es ein Geheimtipp für alle Japan- und Erkundungsaffinen werden.


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Balmung

Da merkt man halt wo das zu wenige Geld genutzt wurde und wo nicht. Lieber mehr für die Inhalte als für die Technik des Spiels an sich.

Torsten

Das Problem ist eher die vergangenen 18 Jahre. Ich als Shenmue Fan der ersten Stunde möchte nicht ein S3 das nichts mehr mit den ersten beiden teilen gemein hat. Der heutige Spieler der mit S1&2 auf dem DC gar nicht in Berührung kam, wird dieses altmodische Gameplay natürlich aufstossen. Aber würde man das Spiel komplett neu Designen wäre das doch dann der neue Kritikpunkt: Es fühlt sich nicht mehr wie Shenmue an!
Daher ist es unmöglich nach so einer langen Zeit ein Shennue 3 zu kreieren das allen gefällt.
Und wer S3 spielen möchte aber die ersten beiden vom Dreamcast nicht kennt, der hatte ja bereits die Gelegenheit S1&2 auf Ps4 bzw. Xone zu zocken und sich ein Bild zu machen. Ich erwarte genau das nur in besserer Optik und der Wunsch scheint mir erfüllt zu werden. Alles andere wäre kein Shenmue und hier, weil es eine Fortsetzung eines 18 Jahre alten Spiels ist, bin ich auch bereit mit einer nervigen Steuerung und einem Stocksteifen Ryo zu leben. Das sit das was sich Shenmue einfach verdient hat. Wir Fans haben so lange warten müssen und wär hat überhaupt noch daran geglaubt das S3 jemals erscheinen wird? Ich nicht …

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