© Hiroyuki Takei / Kodansha Ltd.

Nach 11 Jahren beginnt Yos Weg zum Schamanenkönig in den deutschen Bücherregalen von Neuem. Wir haben hinter die Kulissen des Publishers TOKYOPOP geblickt und geben euch einen Einblick in die Entstehung der Re-Edition!

Am 01. April 2020 feiert einer der größten Shounen-Hits der frühen 2000er sein großes Comeback: Shaman King ist wieder da! Dabei ist die Re-Edition keine einfache Neuauflage, denn für den Release hat sich Mangaka Hiroyuki Takei erneut hinters Zeichenbrett geschwungen: Die Panels überarbeitet, neue Hintergründe eingefügt, Gesichtsausdrücke komplett verändert und zusätzlich gibt es erstmalig das langersehnte und wahre Ende der Reihe!

Die TOKYOPOP-Redaktion in Hamburg ist die Startrampe für zahlreiche Manga-Hits! | ©TOKYOPOP

Wir haben uns auf den Weg nach Hamburg gemacht, um TOKYOPOP bei der Entstehung von Shaman King über die Schulter zu schauen. Wir zeigen euch heute im Detail, welche Schritte ein Verlag erledigen muss, um einen Band in den Handel zu bringen.


Schritt 1: Die Lizenzierung

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Der Entstehungsprozess eines deutschen Mangas ist ein komplexes Gerüst aus verschiedenen Instanzen und Arbeitsschritten, die teilweise nacheinander, teilweise aber auch parallel ablaufen. Die Re-Edition zu Shaman King ist für das Team von TOKYOPOP eine besondere Aufgabe, denn in Japan selbst existiert die Fassung ausschließlich in Form eines Ebooks.

Da auf dem deutschen Markt allerdings immer noch hauptsächlich Printerzeugnisse gefragt sind, erscheint der Manga hierzulande alle zwei Monate in 17 Doppelbänden. Die Ebook-Variante folgt dabei der japanischen Aufteilung in 35 Einzelbände. Um Schritt zu halten, erscheint diese sogar im Monatsabstand. So könnt ihr euch direkt auf die volle Ladung Shaman King freuen!

Am Anfang eines jeden Manga-Releases steht erst einmal die Lizenzierung. Schließlich darf ein Verlag nicht jeden Titel ohne Weiteres auf dem deutschen Markt veröffentlichen, sondern bedarf zunächst einer Lizenz vom japanischen Publisher. Und auch nach der Lizenzierung wird der weitere Produktionsprozess vom Lizenzgeber begleitet.

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Auf dem Manga-, wie auch auf dem Anime-Markt ist es gängig, dass verschiedene Verlage sich um eine Lizenz bewerben. So konnte sich TOKYOPOP die begehrte Lizenz von Shaman King sichern.

Der Zeitpunkt scheint günstig, denn in der aktuellen Ära anderer großer Shounen-Hypes – wie auch Bleach EXTREME – ist die Erinnerung an Shaman King im kollektiven Gedächtnis der Community beinahe verblasst. TOKYOPOP plant dem Franchise in Deutschland durch die Re-Edition neues Leben einzuhauchen und die alte und neue Generation an Manga-Lesern von der Welt der Schamanen zu begeistern!


Schritt 2: Die Übersetzung

Die Übersetzung der Re-Edition orientiert sich an der ersten deutschen Veröffentlichung – wird jedoch nochmal überarbeitet und angepasst. | © Hiroyuki Takei / Kodansha Ltd. 

Ist die Tinte auf den Lizenzverträgen erst einmal getrocknet, erhält der deutsche Verlag seine Arbeitsmaterialien und beginnt mit der Übersetzung. Im Falle von Shaman King hat sich TOKYOPOP in Zusammenarbeit mit dem japanischen Lizenzgeber entschieden, den Text aus dem ersten deutschen Release vor circa 20 Jahren wiederzuverwenden.

Natürlich wird dieser nicht eins zu eins übernommen, sondern für die Neuauflage in Sachen Formulierung, TOKYOPOP-Standards und Stilistik überarbeitet. Ein Beispiel für TOKYOPOP-Standards wäre dabei die Anpassung der Gedankentexte, die bei TOKYOPOP kursiv gesetzt werden. Zudem wird die neue mit der alten Edition im Hinblick auf die Textgröße und Schriftstärke abgeglichen, da sich gerade in diesem Bereich eine Menge verändert hat.

Die Übersetzung liegt dem Redakteur in Form eines Textdokumentes vor. Damit das Produktionsteam später weiß, welche Textpassage in welche Sprechblase gehört, sind die Sätze genau wie die Panels des Arbeitsmaterials durchnummeriert. Beim Prozess des Redigierens achtet der Redakteur darauf, dass der übersetzte Text an die Größe der Sprechblase angepasst wird, ohne ihn inhaltlich zu verändern.

Nur in seltenen Ausnahmefällen erfolgt durch die Retusche ein Eingriff ins Artwork. Retuschieren bedeutet das nachträgliche Verändern einer Grafik. Kommt es zu diesem Fall, muss die Anpassung zunächst vom japanischen Lizenzgeber abgesegnet werden.


Schritt 3: Das Design

© Hiroyuki Takei / Kodansha Ltd. 

Der Redakteur eines Mangas nimmt bei dessen Veröffentlichung eine ähnliche Rolle ein wie ein Regisseur bei einem Film: Er koordiniert die Abläufe, legt fest, wie das fertige Buch aufgeteilt werden soll, und bespricht mit dem zuständigen Hersteller mögliche Design-Ideen. Den Aufbau des Buches legt er in einer Art »Drehbuch« fest, das vom Cover über Innenteil bis zum Klappentext sämtliche Details zu den Inhalten des Mangas beinhaltet.

Der finale Buchrücken der Re-Edition ergibt ein Gesamtbild verschiedener Charaktere! | © Hiroyuki Takei / Kodansha Ltd. 

Der Grafiker erarbeitet eigenständig mehrere Gestaltungsvorschläge. Dazu gehört neben der Covergestaltung auch die Auswahl der titelgerechten Schriften und die Formatierung der Innenseiten.

Diese Designvorschläge werden anschließend zwischen Redaktion und Herstellung immer wieder durchgegangen und überarbeitet, bis am Ende die finale Fassung feststeht. Diese durchläuft anschließend den Freigabeprozess des japanischen Verlags.

Das neue Cover

Das neue Cover und der Buchrücken sind das Ergebnis eines sorgfältigen Designprozesses. | © Hiroyuki Takei / Kodansha Ltd. 

Rundum erneuert und heiß diskutiert ist das blaue Cover der Re-Edition, das nicht aus der japanischen Fassung übernommen, sondern von TOKYOPOP neu aufgebaut wurde: Statt den schwarzen Hintergrund wie die japanische Fassung erst auf halber Strecke auszutauschen, folgt die Reihe nun von Anfang an einem durchdachten Farbkonzept. Das taucht jeden Band in eine eigene, individuelle Farbe, die sich stets an der jeweiligen Coverillustration orientiert, sie dadurch hervorhebt und unterstützt.

Das international bekannte Logo wurde in Deutschland mit einem versetzten Schatten versehen und soll mit seinen verspielten Flammen und dem kräftigen Schriftzug den Inhalt und die Tonalität von Shaman King widerspiegeln.

Was Backcover und Buchrücken angeht, hatte der Designer frei Hand, da die japanische Ebook-Ausgabe lediglich ein Frontcover besitzt. So nutzt man nun die Gelegenheit, das Cover-Artwork des zweiten Bandes auch in der Printvariante unterzubringen, und lässt dieses gemeinsam mit einem an das Logo angelehnten Flammendesign die Rückseite zieren. Besonderes Highlight ist das einheitliche Design des Buchrückens, Die 17 Doppelbände ergeben ein actiongeladenes Gesamtbild verschiedener Charaktere und sind ein Highlight für jedes Sammlerregal.


Schritt 4: Die Korrektur

Alle Seiten werden vor Veröffentlichung noch einmal eingehend geprüft. | © Hiroyuki Takei / Kodansha Ltd. 

Nachdem alle Gestaltungsschritte abgeschlossen sind und jeder Text seine Sprechblase gefunden hat, werden die Daten an die Druckerei übermittelt. Diese schickt Druckbeispiele, auch Proof genannt, an den Verlag zurück, um sicherzustellen, dass alle Cover und Innenseiten den Originaldateien des Verlags entsprechen. Sobald der grünes Licht gibt, wird der Manga gedruckt. Anschließend geht er auf große Reise und findet den Weg in den Handel.


Schritt 5: Die Vermarktung

Beim Marketing gilt es nicht nur, einen Titel mit einem individuellen Konzept zu bewerben, sondern auch, aktuelle Trends abzupassen. | © Hiroyuki Takei / Kodansha Ltd. 

Um die Fans und potenzielle Leser über das Erscheinen eines Titels zu informieren, gibt es verschiedenste Wege. Einige davon sind euch sicher bekannt: Die Social-Media-Kanäle des Verlages, Messekommunikation und der TOKYOPOP-Newsletter!

Innerhalb der Kommunikation werden titelspezifische Inhalte in den Vordergrund gestellt. Bei Shaman King ist das ganz klar der Kultfaktor! Die Möglichkeit, mit dem alten und neuen Artwork zu spielen, verleihen Shaman King einen besonderen Charakter. Zusätzlich spielt das Thema Fanservice eine große Rolle, so entstand auch die Idee des Rückenbildes, das einige auch schon von der französischen Veröffentlichung kennen und auch in Deutschland erscheinen wird.



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Jetzt seid ihr gefragt!

Wie findet ihr das neue Cover zu Shaman King? Und welcher ist eurer Meinung nach der beste deutsche Manga-Release aller Zeiten?

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Skarb
Gast
Skarb

Cover ist mist. Hätte wie das Orginal schwarz sein sollen und komplet so durchgezogen werden. Das Blau gefällt mir nicht. Buchrücken ist hingegen super
Bester rereleas ist Bleach. Passt einfach alles

AnWi
Gast
AnWi

Ich mag das neue Cover. Freue mich schon voll auf die Neuauflage 🙂

Jonathan Alberto Perea Sules
Gast
Jonathan Alberto Perea Sules

Ich finde es auch super, das blau gefällt mir sehr gut, dadurch sticht der Charakter gleich besser raus.
Buchrücken ist auch klasse wird eine tolle Sammlung am Ende 🙂 freue mich sehr darauf.