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Mit »Um ein Schnurrhaar« erweiterte der Streaming-Riese Netflix sein Anime-Portfolio um einen weiteren hochwertigen Neuzugang – ob der Film von Erfolgs-Autorin Mari Okada der Vorfreude gerecht wird, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Review!

Die Anfang 2020 gestartete Corona-Krise machte auch vor der Anime-Welt nicht halt: So klagen Fans seit Wochen über verschobene Serien, Filme und Synchronisationen, abgesagte Conventions, Kino-Events und noch vieles mehr. Auch in Nippon wollten Kinobetreiber die Gesundheit ihrer Besucher nichts aufs Spiel setzen und hielten ihre Türen lange Zeit geschlossen. Ein Umstand, der für westliche Fans ausnahmsweise erfreuliche Auswirkungen mit sich bringt, denn so ist der Anime-Movie »Um ein Schnurrhaar« wenige Wochen nach ursprünglich angesetztem japanischen Kinostart weltweit bei Netflix erschienen!

Dabei handelt es sich nicht um irgendeinen Film, sondern um das Projekt eines echten Staraufgebots: Niemand geringeres als Autorin Mari Okada (»Black Rock Shooter«) ist für die Geschichte des Abendfüllers verantwortlich, während Namen wie Junichi Sato (»Sailor Moon«) und Studio Colorido (»Penguin Highway«) dem erfahrenen Anime-Connaisseur bei der Hoffnung auf atmosphärische Regie und großartige Optik das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Wir haben den Film im Heimkino über den Bildschirm flimmern lassen und verraten euch, ob Okadas neuester Streich hält, was die Erfahrung verspricht!


Alle Infos zu »Um ein Schnurrhaar«

Japanischer Titel: Nakitai Watashi wa Neko o Kaburu
Art: Film
Laufzeit: ca. 104 Minuten
Genre: Fantasy, Drama, Abenteuer
Studio: Studio Colorido (»Penguin Highway«, »Pokémon: Twilight Wings«)
Regisseur: Junichi Sato (»Sailor Moon«), Tomotaka Shibayama (Episodenregie bei »Blue Exorcist«, »Silver Spoon«)
Vorlage: Original-Story von Mari Okada


Wo kann man »Um ein Schnurrhaar« auf Deutsch schauen?

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Der Streaming-Gigant Netflix sicherte sich die weltweiten Rechte an »Um ein Schnurrhaar« und bietet den Movie in allen Ländern auf Japanisch mit Untertiteln an. Eine deutsche Synchronfassung gibt es aktuell noch nicht, ob diese zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

Das Netflix-Abo ist in drei verschiedenen Ausführungen erhältlich, die euch allesamt unbegrenzten Zugriff auf den Film- und Serien-Katalog gewähren:

  • Basis Abo – 7,99€ im Monat (Streaming auf einem Gerät zur selben Zeit, SD-Qualität)
  • Standard-Abo – 11,99€ im Monat (Streaming auf zwei Geräten zur selben Zeit, HD-Qualität)
  • Premium-Abo – 15,99€ im Monat (Streaming auf 4 Geräten zur selben Zeit, Ultra-HD-Qualität)

Darum geht es in »Um ein Schnurrhaar«

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Eine ländlich gelegene Kleinstadt wird für die junge Miyo Sasaki zur Bühne ihres ganz eigenen Jugenddramas!
Das braunhaarige Mädchen schäumt vor Energie nahezu über und verlebt einen glücklichen Alltag zwischen Hausaufgaben und Hobbys. In letzter Zeit macht dem immergrinsenden Wirbelwind neben ihren komplizierten Familienverhältnissen allerdings ein gar nicht mal so kleines Problem zu schaffen: Denn das erste große Herzklopfen beginnt sich in ihrer Brust zu regen und stellt ihr Leben gewaltig auf den Kopf!
Doch ihr Prinz Charming, namentlich Katzenliebhaber Kento Hinode, scheint ihre zahlreichen Annäherungsversuche einfach nicht wahrzunehmen, sodass Miyo nach dem Motto »Not macht erfinderisch« einen verzweifelten Pakt eingeht:

In Form eines schneeweißen Kätzchens möchte sie nun Kentos Herz mit schnurriger Zuneigung schmelzen, doch merkt schon bald, dass ihr übernatürliches Doppelleben unangenehme Konsequenzen nach sich zieht …


Story & Charaktere

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Inhaltlich ist »Um ein Schnurrhaar« durch und durch ein klassischer Okada. So stellt die Story mit Miyo eine typische Jugendliche in den Vordergrund, die sich auf übernatürliche Art und Weise mit den klassischen Wehwehchen der Jugend, namentlich der ersten Liebe und Selbstfindung, herumschlagen muss. Der Ärger um die Katzenmaske steht dabei sinnbildlich für die Botschaft, seinen Mitmenschen ehrlich gegenüberzutreten und jemanden zu finden, der einen so nimmt, wie man ist.

Dabei bewegt sich die Atmosphäre etwas zwischen der malerischen Kleinstadtidylle aus »Hanasaku Iroha« und der atemberaubenden Fantasy aus »Maquia«, denn im Laufe des Movies lernen wir sowohl Miyos Heimat als auch die Welt der Katzen genauer kennen. Dabei geht es Okada wie immer nicht darum, eine weitreichende fantastische Lore zu stricken, sondern eher etwas wie einen Tagtraum zu inszenieren und dabei vor allem die Persönlichkeiten ihrer Charaktere herauszuarbeiten.

Trotz der konventionellen Regie greift Sato hin und wieder auf kreative Kniffe zurück, um die Gefühle seiner Charaktere in Worte zu fassen. | © Studio Colorido

Miyo selbst ist eine der besten Figuren, die Okada bis jetzt geschrieben hat, denn sie ist kein wandelndes Konzept, sondern ein denkendes, fühlendes und sehr glaubwürdiges junges Mädchen, dessen Wahrnehmung sich alterstypisch auf sich und ihre Umwelt beschränkt – wer für Miyo keine Rolle spielt, verwandelt sich ab und an schlichtweg in eine Vogelscheuche.

Storytechnisch erwartet euch in »Um ein Schnurrhaar« ein leichtherziges Fantasy-Drama alter Schule. So wechseln sich drollige Momente wie Miyos Umgang mit typischen Katzengepflogenheiten mit ergreifenden Szenen wie die Konfrontationen am Ende ab.

Miyo ist einer der besten Charaktere, die Okada bis jetzt geschrieben hat. | © Studio Colorido

Alles in allem macht der Film auf inhaltlicher Ebene keine großen Sprünge – muss er jedoch auch gar nicht, denn »Um ein Schnurrhaar« ist ein leichtherziges Jugenddrama mit glaubwürdigen Charakteren, einer interessanten Thematik und anspruchsvoller Umsetzung. Auch wenn der Plot selbst stellenweise etwas vorhersehbar daherkommt, sorgen die interessanten Figuren und ihre Beziehungen zueinander nichtsdestotrotz für Spannung.


Künstlerische Umsetzung

© Studio Colorido

Nachdem Studio Colorido in »Penguin Highway« die Anime-Welt mit durchgeknalltem Bombast überraschte, folgt »Um ein Schnurrhaar« einem ganz anderen Ansatz. Denn in warme, freundliche Farben getauchte Hintergründe und detaillierte Zeichnungen prägen das visuelle Design und erschaffen eine zauberhafte Stimmung, die die Handlung hervorragend ergänzt.

Auch Sakuga-Fans dürfen sich aufs Staunen freuen, denn wie so oft zahlt es sich aus, dass zumindest die Key Animation im Hause Colorido vollkommen in-house erledigt wird: Dynamische Bewegungen und lebhaftes Charakterschauspiel tragen die Persönlichkeit der Charaktere direkt nach Außen. So hüpft Wirbelwind Muge pausenlos durch die Gegend, während sich Kento durch deutlich reduziertere, aber handwerklich nicht minder hochwertige Bewegungen auszeichnet.

Optisch spielt der Film durchgehend auf Topniveau. | © Studio Colorido

Regisseur Sato stellt ebenfalls unter Beweis, dass er sein Handwerk weiterhin beherrscht und erzeugt ohne sonderlich tief in die Trickkiste zu greifen eine gute Atmosphäre, an der man lediglich ihr fehlendes Alleinstellungsmerkmal kritisieren könnte.


Um ein Schnurrhaar
Original
Deutsche Umsetzung

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Jetzt seid ihr gefragt!

Was ist euer Eindruck von »Um ein Schnurrhaar«? Und welche Mari Okada-Story hat euch bis jetzt am besten gefallen?

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Sun
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Sun

“Um ein Schnurrhaar” erinnert mich sehr an die Ghibli-Produktionen. Das Gefühl, dass die Filme jeweils nur einen Augenschlag lang spielen, ist bei beiden da.
Auch die Wärme der Charaktere und die künstlerische Umsetzung ähneln sich.

Yuki
Gast
Yuki

Ich musste es abbrechen denn ich fand Miyo unerträglich und sie hat mich massiv genervt mit ihrer überdrehten Art.

Wenn mir die Charaktere unsympathisch sind sehe ich auch keinen Grund einen Anime weiter zu gucken