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Versucht man, sich etwas genauer mit der Entstehung eines neuen Anime-Hits zu beschäftigen, stößt man schnell auf den Begriff des »Produktionskomitees«. Doch worum geht es dabei überhaupt und warum entscheidet dieses ominöse Komitee oft über eine zweite Staffel? Wir bringen Licht ins Dunkel!

In der fernöstlichen Unterhaltungsbranche läuft meist alles ein bisschen anders als zwischen den alt-ehrwürdigen Studiowänden Hollywoods – denn nicht nur vor, sondern auch hinter den Kulissen hat die Anime-Industrie einige beeindruckende Strukturen geschaffen, die sich von dem Way to Go im Westen abheben und dem allgemeinen Anime-Fan oft verborgen bleiben – eine davon ist das Produktionskomitee.

Gemeinsam gegen den Bankrott

Anders als bei großen amerikanischen Kinofilmen wird ein Anime nicht etwa von einem einzelnen Studio oder Publisher produziert oder finanziert, sondern entsteht aus einem wirren Geflecht von Produzenten und Geldgebern. Der Grund dafür ist, dass Anime selbst in ihrem Heimatland eine kleine Nische darstellen und die oft millionenschweren Produktionen im Falle eines Flops eine fatale Wunde in den Geldbeutel des entsprechenden Unternehmens reißen könnten, von dem sich dieses vielleicht nicht mehr erholt.

Um dem vorzubeugen, fließt das Geld nicht nur aus einer, sondern gleich aus mehreren Taschen, meist von diversen Unternehmen, die in irgendeiner Form an der Produktion des Anime beteiligt sind. So lassen etwa TV-Sender, Merchandise-Hersteller, Manga-Publisher oder Musiklabels einen Teil des Budgets springen. Um als gemeinsame Verantwortliche aufzutreten, bekommt dieser Zusammenschluss einen Komiteenamen verpasst, der von »Attack on Titan Production Comitee« bis zu »Hikarizaka High School Drama Club« unterschiedlich kreativ ausfallen kann und meist im Copyright-Verweis des Anime zu finden ist.

Das erste Produktionskomitee wurde für den legendären Movie Akira formiert – der für damalige Verhältnisse astronomische Betrag wurde von Kodansha, MBS, Bandai, Hakuhodo, Toho, Laserdisc, Sumimoto Corporation und Tokyo Movie aufgebracht. | ©1988マッシュルーム/アキラ製作委員会

Neben der finanziellen Sicherheit profitiert ein Projekt natürlich auch von den Erfahrungen und Kontakten, die die entsprechenden Komitee-Mitglieder vorbringen können – ein Light Novel-Publisher hat beispielsweise kaum Kontakte zur Anime-Industrie und wird wohl kaum ein so hochkarätiges Team für die Umsetzung finden wie ein erfahrener Anime-Publisher, der wiederum Schwierigkeiten dabei haben könnte, ein wertiges Sounddesign auf die Beine zu stellen.

Gemeinsam werden dann wichtige Entscheidungen für die finale Form der entsprechenden Serie getroffen – etwa, wie viele Folgen der Anime bekommen soll, wie viel vom Original umgesetzt wird, ob inhaltliche Änderungen vorgenommen werden, Charaktere umgeschrieben und natürlich auch, welches Studio sich der Umsetzung annehmen darf. Dieses hat am Produzenten-Stammtisch übrigens oftmals nichts zu melden und ist nichts weiter als ein Auftragnehmer, der vom Komitee eine abgemachte Gage für seine Arbeit bekommt und sich entsprechend deren Entscheidungen beugen muss.

Dass Fan-Favoriten wie NGNL nicht fortgesetzt werden, liegt nicht zwangsläufig an der mangelnden Motivation der Beteiligten – verbaut das Komitee den Weg dahin, ist eine Fortsetzung unmöglich. | © 2014 榎宮祐・株式会社KADOKAWA メディアファクトリー刊/ノーゲーム・ノーライフ全権代理委員会

Aus genau diesem Grund ist man mit der Frage nach einer zweiten Staffel beim Studio oft an der falschen Adresse – selbst wenn alle kreativen Beteiligten Lust auf die Fortsetzung der Geschichte haben, wird doch im Produktionskomitee, bei den Besitzern der IP, entschieden, ob und wann der Anime eine Fortsetzung erhält.

Von Licht und Schatten

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Natürlich bringt ein Produktionskomitee nicht nur positive Aspekte hervor, sondern es gibt auch Kehrseiten: So beteiligen sich die Unternehmen nicht gleichmäßig an der Finanzierung des Anime, sondern werfen unterschiedliche Beträge in den Topf – derjenige mit dem höchsten Einsatz erhält dadurch logischerweise nicht nur die größte Gewinnbeteiligung, sondern auch die meiste Entscheidungsgewalt. Beteiligt sich beispielsweise ein Merch-Hersteller mit viel Geld an einer Serie, der hauptsächlich Dakimakuras und Figuren von süßen Waifus verkaufen möchte, könnte eine Adaption schnell in eine nicht vom Autor vorgesehene, fanservice-überladene Richtung schwenken.

Aus diesem Grund tragen finanziell unabhängige Studios wie beispielsweise Kyoto Animation, Ghibli oder Toei ihre Anime zum größten Teil selbst – so ist die Kontrolle über ihr Werk gesichert und die kreativen Köpfe können ihre Vision ohne Einmischung umsetzen.

Kyoto Animation gelingt es als eines von wenigen Studios, die kreative Kontrolle über seine Werke vollständig zu behalten. | © 虎虎/京都アニメーション/中二病でも製作委員会

Auch trägt das Konzept des Produktionskomitees eine Teilschuld an den niedrigen Löhnen und straffen Zeitplänen der Industrie. Studios, die außer in den oben genannten Ausnahmefällen selten direkt vom Erfolg einer Serie profitieren, müssen dank knapper Budgets viele Projekte für wenig Geld annehmen, um sich und ihre Mitarbeiter über Wasser zu halten.

Ihr wollt mehr zu den Vorgängen hinter den Kulissen der Anime-Industrie erfahren?

Jetzt seid ihr gefragt!

Wir würdet ihr die Produktion eines Anime organisieren? Und welche Serie hat eurer Meinung nach unbedingt eine zweite Staffel verdient?

Schreibt es uns in die Kommentare!

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Danieru
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Danieru

Fortsetzungen die die Fan’s auf der Welt wollen könnten Sie auch durch Crowdfunding finanzieren, daher finde ich es schade, dass heutzutage nur noch wenige Anime’s heraus kommen wo die ganze Geschichte erzählt wird. Bei “Bloom Into You” gab es ja ein Crowdfunding für die Miete von einem Aquarium für einen Tag für irgendeine Produktion, aber da konnte man von Deutschland aus nicht teilnehmen, genauso bei nem Manga Voting. Das ist leider schade. Ich hoffe, dass hier die Welt noch mehr zusammen wächst und sich eventuell auch deutsche Publisher / Unternehmen / Privatpersonen beteiligen können, damit tolle Werke entstehen und oder… Weiterlesen »

Stephan
Gast
Stephan

Hey,
Von Yunas Geisterhaus und the Quintessential Quintuplets wird es eine Fortsetzung geben.