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Ob »One Piece«, »Black Clover« oder »Boruto« – die Qualität von Endlos-Anime ist in fast jeder Fanbase das Thema hitziger Diskussionen. Wir bringen Licht ins Dunkel und erklären euch, was Ruffys Abenteuer von gewöhnlichen Serien unterscheidet und warum das Konzept von Longrunnern langsam ausstirbt!

Als das Medium Anime im Laufe der 2000er langsam den Globus eroberte, begann eine aufregende Zeit – die Zeit der großen Shounen-Longrunner! Keine Serien prägten unser aller Lieblings-Hobby in dieser Periode mehr als die »Big Three«, »Naruto«, »One Piece« und »Bleach«, die mit dreistelligen Episodenzahlen die gewöhnlichen Season-Serien weit überrundeten und jahrelang zum festen wöchentlichen Freizeitprogramm zahlreicher Fans gehören.

Begleiterscheinung dieser Titel waren dabei schon immer die klassischen Qualitätsdiskussionen: War Marineford im Manga oder im Anime beeindruckender? Und welcher »Naruto«-Fight hat die mitreißendsten Animationen?
Eine Frage, die dabei immer wieder aufkommt, ist, warum Serien wie beispielsweise »One Piece« optisch und inszenatorisch immer wieder schwächeln. Warum gibt es Episoden voller verzogener Proportionen und hakeliger Bewegungen, nur um sich ein paar Folgen später wieder mit explosiver Action und brachialen Fights abzuwechseln?

Wir werfen gemeinsam mit euch einen Blick hinter die Kulissen von Ruffys Abenteuerreise und erklären euch, wie ein Longrunner zustande kommt!


Wo kann man den Anime schauen?

Streaming

Disc

  • DVD (Bis Folge 656, GerDub)*

Alles eine Frage der Zeit

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Um zu verstehen, warum gewisse Folgen einer langen Serie besser aussehen als andere, beschäftigen wir uns zunächst mit der wichtigsten Qualitätsstellschraube: Dem Zeitplan.
Denn um einen Anime jede Woche ins TV zu bringen, sind akribische Planung, strenge Deadlines und gewieftes Management das A und O. Zeit ist in der Anime-Branche oft Mangelware, Kapazitäten begrenzt und entsprechend notwendig sind demnach Kompromisse bei der Qualität, um den Sendeplan trotz alldem einzuhalten.

Da die Produktion einer durchschnittlichen Anime-Episode oft etwa drei bis sechs Monate in Anspruch nimmt, müssen die Arbeiten an einzelnen Folgen natürlich parallel zueinander laufen.
Da die helfenden Hände im Studio Toei trotz einer Mitarbeiterzahl von gut 750 Angestellten doch eher knapp bemessen sind (2018 arbeitete die Kreativwerkstatt an 4 Filmen, 5 Serien und diversen Nebenprojekten), kommt eine der gängigsten Anime-Business-Praktiken zum Einsatz: Das Outsourcing.


Outgesourced hält besser

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Ein Großteil von »One Piece« entsteht also nicht in den toei’schen Büros in Nerima, sondern wird an externe Studios ausgelagert, die sich oft auf derartige Outsourcing-Arbeiten spezialisiert haben. Und so wie es bei unterschiedlichen Studios bekanntlich der Fall ist, gibt es bedeutende Qualitätsschwankungen zwischen den verschiedenen Produktionsstätten.

Diese können unterschiedliche Gründe haben: Sei es eine hohe oder niedrige Anzahl an talentierten Zeichnern oder besseres Zeitmanagement. Entgegen einer weitverbreiteten Annahme ist nur selten das Budget der ausschlaggebende Faktor, denn sämtliche Folgen verfügen über mehr oder weniger dasselbe Preisschild.

Die Qualität eines Animes wird vom Zeitplan, dem Talent der Beteiligten und dem involvierten Budget beeinflust – dabei bedeutet ein hohes Budget jedoch nicht zwangsläufig gute Qualität. | © 1999 TOEI ANIMATION CO.,LTD.,JAPAN

Halten wir also fest, dass der Anime ein Patchwork-Produkt ist, das unter extrem strengem Zeitplan bei sehr vielen Studios gleichzeitig entsteht, die alle eigene Stärken und Schwächen mitbringen.
So ist es mit einem Blick in die Credits wesentlich verständlicher, warum die Qualität von »One Piece« nicht so konsistent gleich bleibt wie es bei Season-Anime wie etwa »Demon Slayer« der Fall ist – ganz getreu dem alten Sprichwort »viele Köche verderben den Brei«.

One Piece: 4 Szenen, in die der Fehlerteufel Einzug gehalten hat

Während Tanjiros Kampf gegen die Teufel größtenteils beim Hauptstudio Ufotable entstand und nur sechs Episoden an vier unterschiedliche Firmen ausgelagert wurden, übernehmen stolze 19 Unternehmen die Animationsarbeit an »One Piece« – damit sind Qualitätsunterschiede vorprogrammiert.


Gelegentlicher Höhenflug

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Trotz großer Schwankungen im Verlauf des Animes gibt es sie von Zeit zu Zeit: Episoden mit grandios choreographierten Kämpfen, flüssigen Animationen und mitreißenden Actionszenen!
Denn Toei ist sich wohl bewusst, welche Szenen den Fans besonders am Herzen liegen und verpasst Schlüsselepisoden dementsprechend gern eine »Sonderbehandlung«.

So werden großzügigere Deadlines verteilt und ein hochkarätiges Animatorenteam zusammengestellt, um die epischsten Momente von »One Piece« in vollem Glanz erstrahlen zu lassen.
Zeichner Naoki Tate steuert bei diesen Gelegenheiten beispielsweise immer wieder Sakuga-Bonbons wie ausdrucksstarke Körpersprache oder spektakuläre Actionszenen zur Serie bei.

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Ähnlich sieht die Situation in den Filmen aus, die die regulären Folgen in Sachen optischer Qualität häufig ebenfalls ausstechen. So bestand der Jubiläums-Movie »Stampede« von Anfang bis Ende aus künstlerischen Meisterleistungen namhafter Zeichner.


Dauerlauf ist Schnee von gestern

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Wer sich in der modernen Anime-Landschaft umschaut, dem wird auffallen, dass weder in Sachen Quantität noch Beliebtheit Longrunner heutzutage, zumindest im Westen, eine besonders große Rolle spielen.
Was Anime-Adaptionen der neuen »Shounen Jump«-Hits angeht, setzt Shueisha lieber auf die Aufteilung in einzelne Staffeln bei Qualitätsstudios, durch die Serien wie »My Hero Academia«, »The Promised Neverland« oder »Demon Slayer« mit auffallend hochwertigen Produktionen glänzen können.

Über die genauen Gründe dafür kann nur spekuliert werden, denkbar wäre es, dass durch den enormen technischen Wandel in der Industrie die Ansprüche der Zuschauer deutlich zugelegt haben. Serien wie »Mob Psycho 100« setzen optisch immer höhere Maßstäbe und gewöhnen das Publikum an einen Qualitätsstandard für große Namen, der mit knappem Zeitplan und mittelmäßigem Team nicht mehr erreicht werden kann.
So braucht es in Zeiten von vollgepackten Seasons ein Alleinstellungsmerkmal, um aus der Masse herauszustechen – und das effektivste ist, wie so häufig, gute Qualität …


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Welche Szene aus »One Piece« hat euch bis jetzt optisch am meisten beeindruckt?

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Ami
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Ami

Am meisten haben mir tatsächlich die alten Folgen von One Piece gefallen. Die Zeichnungen an sich hatten vielleicht keine so hohe Qualität, aber die Story wurde nicht so extrem in die Länge gezogen wie jetzt. Das finde ich am nervigsten an den neuen Folgen. Ganz ehrlich, ich würde lieber 2 oder 3 Wochen auf eine gute Folge warten, anstatt 3 Folgen in 3 Wochen zu sehen, die inhatlich absolut nicht vorwärts kommen und unnötig in die Länge gestreckt werden.

Oli
Gast
Oli

So sehe ich das auch, ich würde auch 1 Monat auf 1 Folge warten, wenn ich wüsste, dass die Folge so viel Inhalt wie früher und eine Top Animation hätte.

Tomasz Oracz
Gast
Tomasz Oracz

Ist halt das Problem wenn der Anime zum Manga aufschließt. Ich habe mir abgewöhnt den Anime zu schauen als Sie aufgeholt haben. Ich hasse das in die Länge strecken und die schlechten Animationen.

Ich wünschte Netflix oder sowas würde die Rechte erwerben den Anime neu aufzulegen. Und dann alles episch und in gleicher Qualität abzuliefern, ohne filler und gestrecke.

Bluemole
Gast
Bluemole

Ich finde nach Folge 1000 sollte man 1 Jahr Pause machen und dann mit 1001 weiter machen, wieder mit 3 Folgen pro Kapitel. Das wäre für mich der Hammer

Debbi Kudo
Gast
Debbi Kudo

Meine liebste Stellen ist tatsächlich einmal wo Ace und Blackbeard sich beide gegenüber stehen und Ace sagt das er Whitebeard zum König machen will und mein Liebling ist gar nicht so großartig, aber es ist die Szene mit Nami und Ruffy beim Arlong Arc, wo sie ihm weinend um Hilfe bittet.
Das hat mich sehr berührt, obwohl das wirklich nichts mit Kämpfe, oder das aufeinander treffen von großen Piraten zu tun hat.

stella
Gast
stella

es wurde sehr viel emotion hineingelegt und sowas liebe ich auch vorallem in animes ❤❤ das war wirklich schlimm und bei jeder einzelnen hintergrund geschichte von den strohhüten (oder egal welche hintergrundgeschichte) war auch sehr traurig……..dies hatte sie aber geprägt und aus ihnen vernünftige und liebe menschen gemacht, die jeden helfen die nach hilfe bittet ❤

Miri
Gast
Miri

Crunchyroll hat inzwischen die Folgen 1-61

Miri
Gast
Miri

Ich würde sagen, die animationen und der Stiel um skypia herum haben mir am besten gefallen.

snowy_163
Gast
snowy_163

Big 3 Naruto, One Piece und Bleach??
Sind es nicht eher Naruto, One Piece und Dragonball?

Katzenoma
Gast
Katzenoma

Nicht Conan vergessen, guckt euch da mal, die Episodenzahl an 😉

Debbi Kudo
Gast
Debbi Kudo

DragonBall gehörte tatsächlich nicht dazu, die drei Big Three sind nur entstanden durch dem Vorreiter Dragonball, der damals Alleinherrscher des Shounen Mangas war.

stella
Gast
stella

ich fande die szene geil, wo ruffy aus lauter wut kaido mit fast alles was er hatte in den boden gerammt hat ✊👊

Dominik
Gast
Dominik

Ich bin überrascht dass Naoki Tate hier positiv erwähnt wird.
Als im Pirateboard vor ein paar Jahren die verschiedenen One Piece Zeichner verglichen wurden fiel er vor allem mit massiven Deformationen der Figuren auf, bei manchem mag es als “audrucksstark” gelten wenn Augen Nasen und Münder verschoben und gedreht werden und am Ende ein Mund etwa einen Meter von der Nase entfernt ist, Augen um 90° gedreht sind und nichtmal nen Zentimeter Abstand haben.
Das was er abgeliefert hat waren bestenfalls Karikaturen auf Odas Figuren.