© ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

One Punch Man ist nicht nur für actiongeladene Kämpfe und ausgeflippten Humor bekannt, sondern hält ebenfalls eine gehörige Prise Gesellschaftskritik bereit, die der Autor ONE in den liebevoll ausgearbeiteten Charakteren der Serie verarbeitet.

Nach der Charakteranalyse zu Fubuki, stellen wir euch heute vor, mit welchen psychischen Problemen sich King, der vermeintliche stärkste aller Helden, durchs Leben schlagen muss.

Wenn ihr erfahren möchtet, wie die erste Episode von One Punch Man 2 sich unserer Meinung nach geschlagen hat und welche Serien in der Spring Season 2019 sonst noch laufen, erfahrt ihr das in unserem OPM-Ersteindruck und unserem Simulcast-Kalender.

King – Ein rückgratloser Hochstapler?

King One Punch Man 2
Obwohl King als stärkster aller Helden gefeiert wird, verbirgt sich hinter sein Fassade lediglich ein ganz normaler, sensibler Mann, dem sein Ruhm ungewollt in den Schoß fiel. | © ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

Gefeiert und gefürchtet als der stärkste Mann der Welt, der Schrecken aller Monster, der mächtigste unter den Helden in den Reihen der Heldenvereinigung, führt King ein Leben in Glanz und Gloria. Und doch ist der geheimnisvolle Hüne nichts weiter als ein verängstigter Hasenfuß, der sich mit fremden Federn schmückt und all seine Anerkennung nicht verdient hat.

Doch nichtsdestotrotz liegt es King fern, sich im Glanz seines unverdienten Ruhmes zu sonnen und das Leben als Star in vollen Zügen zu genießen. Im Gegenteil: Der vom Pech verfolgte Mann fühlt sich gefangen in einem Leben als Held, das er selbst nie für sich gewählt hat.

Geliebt, für etwas, das er nicht ist und das er niemals sein wird, flößt ihm diese Liebe nicht als blanken Selbsthass ein. Er verachtet sich dafür, dass er weder das Zeug zum Helden noch den Mut dazu hat, seine gewaltige Lüge endlich aufzudecken und der Öffentlichkeit sein wahres Gesicht zu zeigen.

Wenn das Selbstvertrauen von außen kommt

King One Punch Man 2
Umjubelt und geliebt von der Gesellschaft fühlt sich King gefangen in einem Leben, das er selbst niemals führen wollte. | © ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

Man könnte meinen, dass King bereits so tief in der Scheiße steckt, dass er womöglich gar keine andere Wahl mehr hat, als die Illusion aufrechtzuerhalten. Dass Monster wie Helden die Jagd auf ihn eröffnen würden, würde er sich als Hochstapler zu erkennen geben, sodass er weiterhin zum Lügen gezwungen ist, um sein eigenes Leben zu schützen.

Das könnte zwar tatsächlich der Realität entsprechen, doch erklärt nicht, wieso der imposante Muskelprotz nicht bereits von Anfang an die Wahrheit erzählt und damit das leidiges Schicksal, das ihn nun verfolgt, im Keim erstickt hat. Meine Vermutung, die durch Kings weiteres Verhalten in One Punch Man 2 bestätigt wird, ist, dass der vermeintlich stärkste aller Helden nicht einfach nur feige und unsicher ist.

Stattdessen besitzt er auch noch ein derart instabiles und komplett nach außen verlagertes Selbstvertrauen, dass seine gesamte Existenz von der Ablehnung oder Anerkennung ander Menschen abhängt. Dass für ihn die Angst vor der Wahrheit und dem Ende seines ruhmreichen Daseins noch größer ist als die Angst vor gefährlichen Monstern, die ihm tatsächlich nach dem Leben trachten.

Selbsthass und die Angst vor Ablehnung

King One Punch Man 2
Nicht nur im Kampf gegen Monster ist King ein gewaltiger Hasenfuß, sondern auch in seiner Freizeit fehlt ihm der Mut, zu sich un seinen Hobbys zu stehen. | © ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

Er hat nicht einfach nur Angst vor Monstern oder vor anderen Helden, sondern viel eher davor, in aller Öffentlichkeit sein Gesicht und damit auch die Liebe der Menschen zu verlieren. Eine Liebe, von der er weiß, dass er sie nicht verdient hat, die er aber dennoch braucht wie die Luft zum Atmen. Obwohl er sich selbst dafür verurteilt, ist er dennoch vollkommen abhängig vom Urteil seiner Mitmenschen, das nicht nur sein Selbst- sondern auch sein gesamtes Weltbild prägt.

So ist er, auch wenn er so immer tiefer im Sumpf seines Selbsthasses versinkt, bereit dazu, den Schwindel am Leben zu erhalten und sich bis zur absoluten Unglückseligkeit zu verbiegen. Denn was für King noch fataler wäre, als ein schwächlicher Feigling mit unrechtmäßigem Ruhm zu sein, ist es, einfach nur ein schwächlicher Feigling zu sein, der nicht nur von sich selbst, sondern auch von der Gesellschaft verachtet wird.

Das zeigt sich nicht nur durch seine größte Lüge, mit der er bereits seit Ewigkeiten Saitamas Lorbeeren einheimst, sondern ebenfalls durch die Tatsache, dass er sich als Otaku und Gamer auch für sein Hobby in Grund und Boden schämt. Statt als erwachsener Mann zu seinen Vorlieben und Interessen zu stehen, zeigt er sich bei seiner ersten Begegnung mit Saitama extrem bemüht darum, unbedingt das Image des großen, starken Machos aufrechtzuerhalten.

Ein Leben, das von anderen Menschen vorbestimmt wurde

King One Punch Man 2
Nach außen hin gibt sich King alle Mühe, seine harte, männliche Fassade aufrechtzuerhalten. | © ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

Er hat gelernt, er muss »ein Mann« sein. Stark, dominant und unnachgiebig. Er muss King sein, der stärkste aller Helden, der Bezwinger der schrecklichsten Monster und der leuchtende Stern der Heldenvereinigung. Er darf weder Schwäche zeigen, noch seinen vermeintlich unmännlichen Faible for Romance-Games offen zur Schau stellen.

Er muss den Erwartungen der Gesellschaft gerecht werden. Nur dann hat er Liebe verdient. Nur dann ist er als Mensch etwas wert. In diesem Selbstbild gefangen, fristet King ein unglückliches Dasein und wird nicht nur vom Pech, sondern auch von ständigen Selbstzweifeln und Ängsten verfolgt.

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Kings Probleme mag er sich zwar selbst eingebrockt haben, doch sind seine Ängste nur menschlich und halten für jeden von uns eine lehreiche Lektion bereit. | © ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

Die Lehre, die uns Kings Charakter damit mit auf den Weg gibt, ist sowohl, dass Ehrlichkeit eben doch am längsten währt als auch, dass jeder Mensch, egal wie schwach, stark, dumm oder schlau er auch sein mag, wertvoll ist. Nur kann dieser Wert nicht vollständig zur Geltung kommen, wenn wir unser Leben einer Aufgabe verschreiben, für die wir keinerlei Talent haben und die auch gar nicht zu uns passt.

Anders als Fubuki, deren Minderwertigkeitskomplex in ihrem krankhaften Perfektionismus verwurzelt ist, ist es für King keine Lösung, einfach nur den Anspruch an sich selbst herunterzuschrauben. Stattdessen müsste er sich darauf konzentrieren, seinen Schwindel aufzudecken, sich neue Ziele im Leben zu suchen und letztendlich zu lernen, sich selbst so zu akzeptieren, wie er nun mal ist.

Weitere analytische Interpretationen zu verschiedenen Anime-Serien findet ihr auf unserer entsprechenden Übersichtsseite.

Jetzt seid ihr gefragt!

Wie findet ihr den Charakter King? Könnt ihr euch in den sehr menschlichen Problemen, die dem muskelbepackten Narbengesicht so zu schaffen machen, vielleicht sogar ein wenig wiedererkennen, oder ist er in euren Augen nichts weiter als ein feiger Hochstapler, der es verdient hat, dass sein Schwindel endlich auffliegt?

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