© K. Horikoshi / Shueisha, My Hero Academia Project

Seit 2014 lässt Kouhei Horikoshis Erfolgsmanga My Hero Academia einen frischen Wind durch die eingestaubte Superheldenlandschaft wehen. Doch was macht die Reihe eigentlich so besonders?

Eine Welt, in der ein Großteil der Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten zur Welt kommt. Ein kleiner Junge mit einem großen Traum. Und eine Schule, an der dieser Junge den Wert der Entschlossenheit und die Bedeutung der Freundschaft entdeckt – das sind die Zutaten, aus denen My Hero Academia gemacht ist!

Mit einem Mix aus klassischer Shounen-Moral und Marvel’schen Superheldenmotiven den internationalen Wandel japanischer Popkultur repräsentierend, sind Deku und seine Freunde seit 2014 im Mangabereich und seit 2016 auch als Anime auf Siegeszug.

Neben One-Punch Man als bekanntestes japanisches Werk des klassischen Heldengenres gefeiert gilt die Serie als Japans Weiterentwicklung der amerikanischen Motive und drängt somit eine Frage auf: Was unterscheidet My Hero Academia eigentlich von seinen Mitbewerbern aus dem Westen? Wir haben es herausgefunden!

Achtung! Der folgende Artikel enthält Spoiler zur zweiten Staffel von My Hero Academia! Weiterlesen auf eigene Gefahr!


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Der Umgang mit Selbstjustiz – die Moral

© K. Horikoshi / Shueisha, My Hero Academia Project

Egal ob Superman, Batman, Wonder Woman oder Captain America – westliche Superhelden kämpfen mit ihren übernatürlichen Fähigkeiten für die Gerechtigkeit. Oder zumindest für das, was sie selbst als gerecht erachten, denn Selbstjustiz ist bei den Capeträgern aus den USA an der Tagesordnung.

Auf eigene Faust stellen sie sich Widersachern in den Weg und nehmen in ihrem spektakulären Kämpfen nicht selten in Kauf, wenn ein Wolkenkratzer von einem Protonenlaserstrahl entzwei geteilt wird. Von der Regierung geduldet oder sogar mit ihr verbündet können Iron Man und co oft tun und lassen, was sie wollen, ohne Konsequenzen zu spüren.

Ohne Lizenz kein Heldenleben – die Schüler der Yuei dürfen ihre Kräfte nur im Unterricht verwenden. | © K. Horikoshi / Shueisha, My Hero Academia Project

Das sieht auf der anderen Seite des Pazifiks ein wenig anders aus: In der Welt von My Hero Academia besitzt beinahe jeder Mensch besondere Fähigkeiten und das Phänomen der Superhelden ist schon längst durch Regeln und Gesetze unter Kontrolle gebracht.

So ist es den Schülern der Yuei beispielsweise untersagt, ihre Fähigkeiten außerhalb des Unterrichts anzuwenden und das Menschen retten ist ausschließlich mit einer entsprechenden Heldenlizenz erlaubt. Heldenagenturen agieren wie normale Unternehmen und sollte jemand aus diesem Raster ausbrechen, wird er von Polizei und »lizenzierten« Helden gejagt.


Alltäglichkeit der Superhelden – Story & Setting

© K. Horikoshi / Shueisha, My Hero Academia Project

Blättert man durch einen westlichen Comic, erlangen Superhelden ihre Fähigkeiten häufig durch Zufälle – ob nun Peter Parker von einer radioaktiven Spinne gebissen wird oder Superman seine Power aus Krypton importiert, die Helden gelangen meist durch Zufall an ihre Kräfte.

Deku hingegen kann von einem solchen Glück nur träumen und strampelt sich im Verlauf der Story von My Hero Academia ordentlich ab, um innerhalb seiner Laufbahn an der Yuei zum Helden zu werden. Kulturell ist diese japanische Fighting-Shounen-Formel wohl der größte Unterschied zwischen My Hero Academia und dem MCU.

Doch auch in der My Hero Academia wird manchen Helden das Talent in die Wiege gelegt – so etwa bei Bakugo. | © K. Horikoshi / Shueisha, My Hero Academia Project

Daneben sind Superhelden in Amerika oft etwas Außergewöhnliches und verschleiern nicht selten ihre Identität, um nicht ins Kreuzfeuer eventueller Gegner zu geraten und sich dem Klatsch der Boulevardpresse zu entziehen – einen Superhelden sieht man schließlich nicht alle Tage!

Bei My Hero Academia sind die Spezialitäten wie oben bereits erwähnt alltäglich geworden und ob nun »Superheld« oder Heizungsinstallateur ist einerlei. My Hero Academia ist also keine Geschichte darüber, wie besonders ein Held und seine Taten sind, sondern viel eher eine Erzählung über Willenskraft, Motivation und moralische Stärke.


Moralische Erörterung – die Meta-Ebene

© K. Horikoshi / Shueisha, My Hero Academia Project

In den letzten Jahren haben amerikanische Superheldenfilme ein neues schreiberisches Level erreicht und stellen differenziertere Charaktere wie beispielsweise Joker oder Iron Man in den Vordergrund. Doch im klassischen Weltenretterepos lassen sich Gut und Böse, Richtig und Falsch oft ziemlich eindeutig voneinander trennen. My Hero Academia geht, wie es so oft bei Anime der Fall ist, etwas differenzierter vor:

Stain verwirklichte seine eigene Auffasung von Gerechtigkeit – ähnlich wie amerikanische Superhelden. | © K. Horikoshi / Shueisha, My Hero Academia Project

So etwa am Beispiel des »Heldenkillers« Stain, der den Charakteren im Laufe der zweiten Staffel zu schaffen macht: Stain verteufelt die Selbstverständlichkeit, mit der die moderne Gesellschaft Heldentaten betrachtet und verflucht gleichzeitig alljene, die diese Berufung aus rein profitablen Gründen verfolgen. Somit äußert die Figur Kritik an der Welt von My Hero Academia selbst.

Gleichzeitig wird Stain jedoch als Bösewicht dargestellt und bekämpft, da er die Gesellschaftsordnung durcheinanderbringt und ähnlich den amerikanischen Helden einen Alleingang zur Durchsetzung seiner persönlichen Prinzipien startet.

My Hero Academia überlässt die moralische Beurteilung der Geschichte häufig dem Zuschauer. | © K. Horikoshi / Shueisha, My Hero Academia Project

Gut und Böse, richtig und falsch, gut und schlecht sind in My Hero Academia also nicht klar definiert und werden eindeutig dem Moralverständnis des Zuschauers überlassen. Somit hat die Serie einen gewissen Anspruch an ihr Publikum und regt die Fans zum Mitdenken an …


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Jetzt seid ihr gefragt!

Findet ihr My Hero Academia oder westliche Superheldengeschichten besser? Und was ist eure Meinung zu Selbstjustiz?

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PanJa
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PanJa

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Super Gero
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Super Gero

Ganz meine Meinung

Jiro
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Jiro

Bin eindeutig für bnha, dort ist meiner Meinung nach sehr viel mehr Tiefe als in Marvel und dc Storys, und auch in vielen anderen Hinsichten ist bnha meiner Meinung nach viel besser

Ian
Gast
Ian

Ich finde das bnha mich mehr fantasiert hat als Marvel oder DC, in Marvel oder DC bekommt man Fähigkeiten einfach zufällig aber in bnha bekommt von Geburt an Fähigkeiten oder sogenannte Quirk und Selbstjustiz ist falsch weder noch in bnha oder in Marvel oder DC warum sollten Menschen oder Helden sich selbst umbringen

sWiesl23
Gast
sWiesl23

Selbstjustiz bedeutet nicht Selbstmord

Doc
Gast
Doc

uff ich mag Bnha sehr und will es eig. nicht mit marvel oder dc vergleichen. grade weil es sehr gut ist. aber es gibt leider in dem artikel was was ich hinzu fügen würde. da der autor sicherlich nicht die ganzen comics kennt (ich auch nicht) aber es gibt sehr wohl eine bedeutende comic reihe von spiderman “der tod von peter parker” wo doc oc den körper mit piet tauscht. das ist mehr als nur ein diemensional gerade die entwicklung von oc. und so oder civil war 1 und 2 wo gerade mit den konzequenzen umgegeangen wird was die helden… Weiterlesen »

Vejenend
Gast
Vejenend

“Blättert man durch einen westlichen Comic, erlangen Superhelden ihre Fähigkeiten häufig durch Zufälle”
Das empfinde ich bei Deku aber allerdings auch so, da er selbst nicht mit einer Sepzialität geboren wurde.

“My Hero Academia ist also keine Geschichte darüber, wie besonders ein Held und seine Taten sind”
ich kann die Meinung nachvollziehen teile sie jedoch nicht, für mich heben sich die Charaktere gerade durch ihre Taten von anderen Helden ab. z.B. Dekus einschreiten am anfang der Serie o.ä.

Ansonsten finde ich den Artikel sehr gut. Besonders die Stelle mit Stain als beispiel. Kurz, knapp und Aussagekräftig.