© 2018 Tamekou / SHODENSHA Publishing Co., Ltd.

Der neue Manga-Verlag Hayabusa hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lesern außergewöhnliche Romance-Titel wie »My Genderless Boyfriend« näher zu bringen. Den ersten Band haben wir nun unter die Lupe genommen!

Girls und Boys Love sind schon fast so fest in der Szene verankert wie actiongeladene Prügel-Shounen und zuckersüße High-School-Romanzen, sprechen jedoch eine recht begrenzte Zielgruppe an. Erst Titel wie »Der Mann meines Bruders« und »Wer bist du zur blauen Stunde?« etablierten langsam LGBTQ+-Themen für den einfachen Leser.

Mit Tamekous »My Genderless Boyfriend« stellt das brandneue Carlsen-Label Hayabusa einen Titel vor, der zwar keine Sexualität aus ebenjenem Spektrum behandelt, aber dennoch in eine ähnliche Kerbe schlägt und es Manga-Fans erneut ermöglicht, über den Tellerrand hinauszublicken.


Jap. Titel: Genderless Danshi ni Ai sarete imasu.
Genre: Romance, Slice of Life
Autor/Mangaka: Tamekou
In Japan erschienene Bände: 3 (Laufend)
Deutscher Rhythmus: Alle 3 Monate
Verlag: Hayabusa
Original erschienen bei: Shodensha (Feel Young)


Darum geht es im Manga »My Genderless Boyfriend«

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Wako ist eine ganz gewöhnliche junge Frau und arbeitet in der Redaktion eines Manga-Verlags. Während ihr Arbeitsleben zwar stressig, aber ansonsten recht unspektakulär ist, sieht es bei ihr in der Liebe schon ganz anders aus.

Ihr Freund Meguru ist nicht nur eine Mode-Ikone auf Instagram und Co., sondern auch androgyn und wird nicht allzu selten für weiblich gehalten. Für sein Aussehen wird er von anderen Frauen angehimmelt und bekommt deswegen ziemlich oft spontane Liebeserklärungen. Die lehnt er zwar immer sehr höflich ab, doch wer seine Freundin ist, behält er dabei immer für sich.

Wenn Meguru mal gerade nicht die perfekte Pose für sein neuestes Insta-Bild einstudiert, arbeitet er in einem angesagten Modeladen. Yonto, die Besitzerin des Geschäfts, hält nicht viel von seiner Beziehung mit Wako und befürchtet sogar, dass sich diese negativ auf die Besucherzahlen auswirkt.

Meguru selbst hält seine Freundin jedoch für das süßeste Mädchen der Welt und ist unsterblich in sie verliebt, weshalb er eigentlich auch nur allzu gerne mit ihr herumprahlen würde. Doch bis es so weit ist, leben die beiden ihre Zweisamkeit in der gemeinsamen Wohnung aus und hoffen, in der Öffentlichkeit zusammen nicht erkannt zu werden …


Eine komplizierte Liebe

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Anders als der Name »My Genderless Boyfriend« vermuten lässt, geht es in der Reihe weder um eine Person mit nicht-binärem bzw. fluiden Geschlecht, noch um jemanden, der keine eindeutigen primären Geschlechtsorgane aufweist. Meguru ist ein Mann, der sehr androgyne Züge hat und metrosexuell ist.

Trotz der Bezeichnung stellt dies keine sexuelle Orientierung dar, sondern eine Art Lebenseinstellung, die die typischen gesellschaftlichen Normen in Bezug auf Verhalten und Kleidung ignoriert und oftmals in einem deutlich weniger maskulinen Rollenbild ausgelebt wird.

In Japan nennt sich dieser Stil auch »Genderless Kei« oder einfach nur »Genderless«, was den teilweise missverständlichen Titel der Reihe erklärt. Selbstverständlich gibt es auch Frauen, die sich daran orientieren, doch ähnlich wie bei der westlich geprägten Metrosexualität ist das in erster Linie bei modebewussten Männern ein Trend.

Meguru zeigt sich in seinem entsprechenden Lebensstil sehr selbstbewusst und kümmert sich nicht drum, was andere Leute von ihm denken. Wako hingegen ist mit sich selber nicht wirklich zufrieden und denkt, dass sie in Hinblick auf Aussehen und Modebewusstsein nicht mal ansatzweise mit ihrem Freund mithalten kann. Das sorgt für nachvollziehbares Drama und hilft, sich besser in die Charaktere hineinzuversetzen.

Die Geschichte wird teils episodisch erzählt und enthält nur wenige Aspekte, die man als roten Faden bezeichnen kann. Jedoch ist das bei einem Slice-of-Life-Manga keineswegs merkwürdig, sondern ermöglicht es, in kurzer Zeit viele verschiedene Lebensereignisse des Paares zu zeigen. Selbst Themen wie Sex werden so ganz natürlich behandelt.


Stylisch und »kawaii«

Der grundlegende Zeichenstil von Tamekou ist sehr simpel, kann dafür aber in der Darstellung der Mode durchaus überzeugen. Jedes Accessoire und Kleidungsteil wurde akribisch auf den entsprechenden Charaktertyp angepasst und untermalt die Grundthematik des Mangas.

Auch der Unterschied zwischen geschminkt und ungeschminkt wird hier sehr deutlich gezeichnet, was bei vielen anderen Werken eher unter den Tisch fällt.

Rasterfolie und vorgefertigte Muster kommen bei »My Genderless Boyfriend« sehr oft zum Einsatz, leider teilweise fast schon zu oft, was den Fokus von den eigentlichen Zeichnungen verdrängt. Die Panel sind fast durchgehend sehr groß und »weitläufig«, was viel Freiraum lässt, die stylischen Charaktere in ein perfektes Licht zu rücken.

© 2018 Tamekou / SHODENSHA Publishing Co., Ltd.

Unglücklicherweise wird der Lesegenuss ein wenig durch die Font-Wahl ausgebremst. Während die Hauptschriftart noch recht passend gewählt ist, schleicht sich an vielen Stellen eine mehr als deutlich dickere Version dazwischen, die besonders im Kontrast fast schon erdrückend wirkt.

Wenn beide dann noch abwechselnd in einer Sprachblase vorzufinden sind, kann man leider nicht mehr von einem angenehmen Schriftbild reden. Auch der Font, der Gedanken außerhalb von Sprechblasen darstellt, ist ungünstig gewählt. Dieser ist so dünn, dass man den Text an einigen Stellen kaum lesen kann.

An der restlichen Aufmachung ist nichts auszusetzen. Der Band erscheint im typischen Großformat für 10,00 € und kann mit sechs auf mattem Papier gedruckten Farbseiten überzeugen. Eine spezielle Cover-Veredelung ist nicht vorzufinden, doch das ist bei diesem Titel auch nicht nötig. Stattdessen liegen in jeder Erstauflage eine stylische SNS-Card und zwei Postkarten bei.


My Genderless Boyfriend
Original
Deutsche Umsetzung

Wir bedanken uns herzlich bei Hayabusa für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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Anika

Das hört sich total super an und ich bin echt versucht mir den Manga später mal zu kaufen. Momentan kann ich es mir nicht leisten da Kurzarbeit… das einzige was mich noch zögern lässt ist das Genre slice of Life. Das ist eines der wenigen Genres mit denen ich gar nichts anfangen kann bzw nur in seltenen Ausnahmen. Vielleicht gebe ich erstmal den ersten Band eine Chance und schaue ob es mich packen kann oder nicht. Interessiert bin ich auf jeden Fall.

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