© Amano Jaku / Kodansha Ltd.

Gute Science Fiction zieht ihre Leser mit beängstigenden, schockierenden oder einfach nur interessanten Zukunftsvisionen in ihren Bann. Wir ergründen, ob auch Jaku Amanos Debüt-Manga »Adou« in dieser Hinsicht überzeugen kann.

Schon seit Jahrzehnten bedienen sich diverse Autoren an der Formel »Kind mit Kräften bricht aus, kommt bei jemandem unter und wird von einer Organisation verfolgt«. Dabei sind schon einige Klassiker wie »Elfen Lied« und »Akira« entstanden.

Auch in der westlichen Popkultur sind thematisch ähnliche Serien wie »Stranger Things« zum Phänomen geworden. Da ist es nur verständlich, dass auch heute noch einige Mangaka versuchen, eine Geschichte mit entsprechender Grundlage zu kreieren.


Jap. Titel: Adou
Genre: Sci-Fi, Drama, Action
Autor/Mangaka: Jaku Amano
In Japan erschienene Bände: 2 (Laufend)
Deutscher Rhythmus: Alle 6 Monate
Verlag: altraverse
Original erschienen bei: Kodansha (Monthly Young Magazine)


Darum geht es im Manga »Adou«

© Amano Jaku / Kodansha Ltd.

Die 19-jährige Riku kann sich mit ihrem mickrigen Lohn gerade so über Wasser halten – und doch strotzt sie nur so vor Selbstbewusstsein und geigt sogar ihrem Chef die Meinung, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Dass das in der heutigen Zeit, in der Millionen von Migranten auf den japanischen Arbeitsmarkt strömen, keine so gute Idee ist, interessiert sie dabei nicht die Bohne.

An einem scheinbar völlig normalen Tag sieht sie auf dem Weg zur Arbeit einen kleinen von Angst erfüllten Jungen mitten auf der Straße stehen. Sie schafft es, ihn vor dem Überfahren zu retten, setzt aber danach ohne weitere Gedanken darüber ihren Weg fort.

Durch den Vorfall kommt sie mal wieder zu spät, weshalb ihr Chef ihr eine saftige Standpauke hält. Das lässt sie sich nicht länger gefallen und kündigt kurzerhand ihren Job. Während sie bereits davon träumt, eine besser bezahlte Arbeit zu finden, landet ihr Blick erneut auf dem Jungen, den sie gerade eben erst gerettet hat. Schon wieder steht er mitten auf der Straße und verursacht Chaos im Verkehr.

Das kann sie nicht länger mit ansehen und bringt den wortkargen Knirps, dessen Familie weit und breit nicht zu sehen ist, zur nächsten Polizeistation. Dort kommt heraus, dass der Kleine auf den Namen Eight hört und in keinem System registriert ist.

Während die Polizisten abseits miteinander tuscheln und offenbar mehr wissen, als sie zunächst mitgeteilt haben, rastet Eight urplötzlich aus und setzt Kräfte ein, die es ihm ermöglichen, Pflanzen zu kontrollieren und zu erschaffen.

Riku flüchtet zusammen mit Eight und stellt dabei recht schnell fest, dass sie von einer mysteriösen Organisation verfolgt werden. Als dann auch noch eine weitere Person mit ähnlichen Kräften auftaucht, gerät alles aus dem Ruder …


Einfach, aber brachial

© Amano Jaku / Kodansha Ltd.

Wie man wirklich schlecht übersehen kann, orientiert sich »Adou« an Katsuhiro Otomos legendären Manga »Akira«. Dabei wird man als Leser mitten ins Geschehen geworfen, wodurch zunächst viele Fragen aufkommen. Doch zügig erhält man genügend Antworten, um der doch recht einfach strukturierten Story folgen zu können.

Auch die Charaktere sind zunächst eher simpel gehalten, jedoch kann man schon erahnen, dass deutlich mehr dahintersteckt und im weiteren Verlauf noch viele emotionale Momente zu erwarten sind. Die Beziehung zwischen Riku und Eight scheint sich besonders gegen Ende des ersten Bandes zu festigen. Selbstverständlich sind die beiden noch kein Herz und eine Seele, doch so was benötigt einige Zeit, um natürlich zu wachsen.

Leider war der Story-Verlauf schon fast zu vorhersehbar. Ein weiterer Twist hätte dem Ganzen durchaus gutgetan. Dennoch kann man zuversichtlich sein, dass Amano aus der aktuellen Vorlage noch ein spannendes Abenteuer bastelt. Im Kontrast dazu ist jedoch die Action on point. Eights Kräfte geben sehr viel Spielraum für kreative Angriffe und das nutzt der Mangaka in vollem Umfang aus.


Klassisch und dennoch modern

Amano bedient sich bei seinen Zeichnungen an einigen klassischen Elementen wie unterschiedlich proportionierten Köpfen und verpackt das Ganze in einem teils cartoonartigen Stil.

Die Linienführung ist manchmal etwas unsauber und skizzenhaft, jedoch passt das ausgezeichnet zum restlichen Gesamtbild. Auch im Umgang mit Rasterfolie ist der Mangaka sehr akribisch. Besonders Verläufe stellt er damit sehr gekonnt dar, was das anorganische Stadtbild untermalt.

Während im normalen Story-Verlauf die Panel-Anordnung sehr einfach strukturiert ist, überzeugen besonders die Action-Sequenzen, die sehr großflächig und detailliert zeigen, dass Amano großes Talent hat. Dabei ist er auch nicht zimperlich, wenn es um Darstellung von Gewalt geht.


Die Qual der Wahl

Der erste Band von »Adou« ist in zwei Varianten erhältlich. Einmal als reguläres Großformat mit partiellem Spotlack und einmal als »Collectors Edition«.

Letztere hat nicht nur ein alternatives Cover, sondern kommt auch in einer stabilen und ansprechend designten Box. Dort sind zahlreiche Extras enthalten, die hochwertig produziert sind und sich Sammler auf keinen Fall entgehen lassen sollten.

Während der reguläre Band 10,00 € kostet, zahlt man für die »Collectors Edition« 25,00 €, was aber hinsichtlich der Aufmachung vollkommen gerechtfertigt ist.


Adou
Original
Deutsche Umsetzung

Wir bedanken uns herzlich bei altraverse für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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