© 2018 堀尾省太・講談社/「刻刻」製作委員会

Einige von euch haben sich mit Sicherheit schon mal die Fähigkeit gewünscht, den Fluss der Zeit einfach anzuhalten. Welche Risiken das mit sich bringt, zeigt Publisher Universum seit heute mit dem Anime Kokkoku – wir haben die deutsche Veröffentlichung des Thrillers für euch ausgiebig unter die Lupe genommen!

Im Geschäft alles gratis mitnehmen, sich aus unangenehmen Situationen flüchten, einfach mal ein bisschen abschalten oder unbemerkt spannen – die Zeit anzuhalten, hört sich zunächst nach einer traumhaften Fähigkeit an. Dass diese Macht jedoch auch einige Schattenseiten verbirgt, zeigten die Macher des Anime-Thrillers Kokkoku: Moment für Moment in der letztjährigen Winter Season!

Nachdem die komplexe Geschichte um die willensstarke Juri und die Abenteuer ihrer Familie bereits im Simulcast bei Amazon Prime Video bestaunt werden durfte, sicherte sich der Disc-Publisher Universum Anime nun die Lizenz und stellt die Serie heute als Gesamtbox in die deutschen Händlerregale.

Grund genug für uns, sich die 12 Episoden einmal vorzuknöpfen und euch zu verraten, ob sich die Reise in die Stasis und der Griff zur Box lohnt!

Kokkoku Key Visual Titel: Kokkoku: Moment für Moment
Art: Serie
Episoden: 12
Genre: Thriller, Action, Drama, Fantasy
Studio: Geno Studio (Golden Kamuy, Genocidial Organ)
Regisseur: Yoshimitsu Ohashi (Amnesia, Witchblade)
Vorlage: Manga von Seita Horio
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Der Anime

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Darum geht es in Kokkoku: Moment für Moment

Das 22-jährige Mauerblümchen Juri Yukawa schwebt mitten in einer waschechten Lebenskrise: Seit der Oberschule müht sie sich vergeblich ab, einen Job zu finden, während ihr Bruder arbeitslos, ihr Vater entlassen und ihre Schwester die alleinerziehende Single-Mutter des kleinen Makoto ist.

Kurz nach einer weiteren Arbeitgeber-Abfuhr verwandelt sich plötzlich ein ganz normaler Tag unverhofft in die reinste Hölle: Denn auf dem Rückweg vom Kindergarten wird Juris Bruder überwältigt und gemeinsam mit Makoto entführt. Als die ganze Familie in Panik ausbricht, fasst Opa Yukawa einen Plan:

Ein mysteriöser Stein ist das Tor zur Stasis – der Welt zwischen den Momenten. | © 2018 堀尾省太・講談社/「刻刻」製作委員会

Mithilfe eines zauberhaften Steins und eines uralten Rituals sind die Yukawas in der Lage, die »Stasis« zu betreten – eine Welt, in der die Zeit stillsteht. Dort brechen sie auf, um den Kleinen zu retten, doch müssen schon bald feststellen, dass sie nicht die Einzigen sind, die sich frei in der Welt zwischen den Sekunden bewegen können … Und das ist nur der Startschuss für ein wendungsreiches Katz und Maus-Spiel!

Kann der Anime überzeugen?

Mit dem Konzept des Zeitstillstands präsentiert Kokkoku eine interessante Grundprämisse, die zumindest im Anime-Sektor relativ unverbraucht ist und zunächst eine Menge Spannung verspricht. Jedoch gestaltet sich das Fundament des Story-Konstrukts im Laufe der Geschichte als relativ wackelig, da das schwurbelige Konzept der Stasis nach und nach zu einigen unschönen Logikfehlern und Plotholes führt.

Obwohl der Anime seine Charaktere durchaus oft in spannende Situationen bringt, gestaltet sich deren Auflösung meist als wenig kreativ. | © 2018 堀尾省太・講談社/「刻刻」製作委員会

Auch die Geschichte selbst wirkt nur wenig durchdacht, so werden brenzlige Situationen fast immer dadurch aufgelöst, dass die Charaktere eine mysteriöse Macht entfesseln, die in der Story zuvor noch nie genannt wurde. Dieses vorhersehbare Element nimmt der Geschichte nach und nach die Spannung, sodass das stärkste Element der Handlung ihre Charaktere bleiben.

Diese gestalten sich nämlich zunächst als wenig facettenreich, entfalten jedoch teilweise immer mehr interessante Charakterkniffe – so etwa Protagonistin Juri, die nach und nach lernt, in der stillgestandenen Welt zu überleben, und sich dank immer mehr Charakterstärke zu einer durchsetzungsfähigen und toughen Persönlichkeit entwickelt.

Der hübschen Juri gelingt es, sich im Laufe der Story zu einer charismatischen Protagonistin zu entwickeln. | © 2018 堀尾省太・講談社/「刻刻」製作委員会

Optisch gestaltet sich der Anime Anfangs noch solide nach dem Wit-Prinzip, also eher wenig Animation für umso durchpoliertere Einzelbilder, jedoch sackt die Produktion im letzten Drittel merklich in sich zusammen: Immer mehr Zeichnungen sind krumm und entsprechen nicht mehr vollends ihrem vorgesehenen Design.

Doch neben all seinen Schwächen kann Kokkoku auch mit einer überzeugenden Stärke aufwarten: Und zwar die atmosphärisch dichte und kreativ ausgefeilte Regie. Yoshimitsu Ohashi weiß genau, wie er die bedrohliche Stille innerhalb der Stasis inszenieren muss und erschafft eine herrlich bedrückende Atmosphäre.

Die zunächst malerische Abenddämmerung entfaltet dank der hochwerten Regie eine herrlich bedrückende Atmosphäre. | © 2018 堀尾省太・講談社/「刻刻」製作委員会

Kleinere Details wie das wiederkehrende Motiv des in der Luft hängen gebliebenen Lollis, ungewöhnliche Kamerawinkel und spielerisch eingesetzte Kniffe tragen mindestens so sehr zur Atmosphäre bei wie der großartige Soundtrack vom Izetta: The Last Witch-Komponisten MICHIRU.

Erwartet man von Kokkoku einen intelligenten Thriller voller tiefgehender Thematiken und einer unvorhergesehenen, komplexen Handlung, wird man unter Umständen enttäuscht. Als lockeres Charakterdrama mit absoluter Vorzeige-Regie kann die Serie jedoch unterhaltsame Stunden bieten, um einen Highlight-Titel handelt es sich jedoch ohne Frage leider nicht.

Die deutsche Synchronisation

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Was den Dub angeht, hat Universum mal wieder alle Register gezogen und presst eine hochwertige Vertonung auf die Discs, die ihrem Original in nichts nachsteht.

Den Stamm-Ateliers von EuroSync (Made in Abyss, Angel Beats!) ist es abermals gelungen, einen großartigen Sprechercast zu vereinen, der passend auf die Stimmen besetzt mit beeindruckendem Talent den Charakteren Leben einhaucht und sowohl in witzigen, als auch actionreichen und dramatischen Situationen die volle Bandbreite der Emotionen ausspielt.

Wer nach Anlass zur Kritik sucht, könnte diesen höchstens in den manchmal etwas zu lauten Stimmen finden, die sich sehr eindeutig vom Hintergrund abheben, statt sich unauffällig in ihm einzubetten. Verzeiht man diesen nicht weiter störenden Fehler, ist die Synchro zu Kokkoku jedoch schlichtweg erstklassig.

 

Juri Yukawa Daniela Molina (Gildenangestellte in Goblin Slayer, Neferpitou in Hunter x Hunter)
Großvater Jannika Jira (Mutsu in Gintama, Charlotte in In Another World With My Smartphone)
Makoto Yukawa Kalin Coates (Kiyui in Made in Abyss, Takeo in Girls und Panzer)
Takafumi Yukawa Joachim Kaps (Tentomon in Digimon, Klarwein in Sirius the Jaeger)
Shouko Majima Josephine Schmidt (Juvia in Fairy Tail, Kazu in ERASED)
Junji Sagawa Viktor Neumann (Shimada in Terror in Tokio, Matthieu in Eureka Seven)
Tsubasa Yukawa Bastian Sierich (Yutaka in Drachenflieger, Gauche in Black Clover)

 

Verpackung & Extras

© 2018 堀尾省太・講談社/「刻刻」製作委員会 / Universum Anime

Da uns lediglich die Disc ohne Verpackung oder Extras zur Verfügung gestellt wurde, können wir zu diesem Punkt nicht sonderlich viele Worte verlieren.

Die Box besteht aus einem Schuber, der die beiden Blu-rays der Serie in Form vom zwei Amarays enthält. Als physisches Extra liegt ein Booklet bei. Auf der Scheibe selbst erwarten euch neben dem creditfreien Opening und Ending eine Reihe an japanischen Originaltrailern.

Bild & Ton

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Die in einer Auflösung von 720p produzierte Serie erscheint in der Blu-ray-Variante entsprechend scharf auf dem Bildschirm und leistet sich in ihrem deutschen Release keine erkennbaren Schwächen: Gegen stufige Farbverläufe wurde mit feinem Bildrauschen, sogenanntem Staticnoise, vorgegangen, das ohne eine genauere Betrachtung jedoch auch nicht weiter ins Auge fällt.

Ansonsten sind die Farben knackig, die Konturen scharf und kein einziger Bildfehler hat sich in die Serie geschlichen – hier wurde durch und durch saubere Arbeit geleistet.

Auch in dunklen Passagen kann das Bild der Blu-ray voll überzeugen. | © 2018 堀尾省太・講談社/「刻刻」製作委員会

Der Ton liegt im DTS-HD Master Audio-Format vor und macht ebenfalls sowohl im deutschen als auch japanischen eine gute Figur. Technisch bietet der Silberling also unterm Strich keinerlei Grund zur Beanstandung.

Die Untertitel

© 2018 堀尾省太・講談社/「刻刻」製作委員会 / Universum Anime

Die Subs sind weiß mit entsprechend dickem Rand, gut positioniert und auf jedem Hintergrund ohne Probleme hervorragend lesbar. Das Timing gestaltet sich ebenfalls als passend, sodass die Zeilen stets zur richtigen Zeit ein- und ausblenden und ohne viel Hektik gelesen werden können.

Leider wurde auch bei diesem Release nach typischen Industriestandards nicht gelinked, also zwei aufeinander gesprochene Zeilen zeitlich zusammengelegt, sodass die Untertitel in so einem Fall schon einmal nervig herumblinken. Davon ab wurde hier technisch jedoch alles richtig gemacht.

Auch nach Industriestandards wurden gleichzeitig gesprochene Sätze mit Gedankenstrichen getrennt. | © 2018 堀尾省太・講談社/「刻刻」製作委員会 / Universum Anime

Sprachlich gestalten sich die Untertitel etwas hölzerner als der sehr abwechslungsreiche und durchpolierte Dub, liest sich jedoch trotzdem flüssig und stellenweise recht atmosphärisch. Wer den Anime also lieber auf Japanisch schaut, findet hier eine gute Alternative zum Dub auf der Disc vor.

Fazit – goldener Release, goldener Anime?

Trotz des zunächst spannenden Konzepts konnte uns Kokkoku nicht vollends überzeugen. | © 2018 堀尾省太・講談社/「刻刻」製作委員会

Mit der deutschen Umsetzung von Kokkoku hat Universum so ziemlich alles richtig gemacht, was man richtig machen kann und leistet sich keinerlei Schwächen – der Dub ist großartig, die Untertitel gelungen, das Bild ist sauber und der Ton lässt die Wände erzittern.

Leider ist die größte Schwäche an der Box die durchlöcherte Handlung des Anime selbst, dem wohl nicht grundlos der große Hype verwährt blieb und nicht uneingeschränkt empfohlen werden kann. Wer dennoch schon im Simulcast Spaß mit Kokkoku hatte, kann bei der Box bedenkenlos zugreifen und sich den Thriller mit dem Release von Universum ins Regal stellen.

Wir bedanken uns herzlich bei Universum Anime für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars! 

Hier könnt ihr Kokkoku auf Blu-ray und DVD bestellen!*

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Jetzt seid ihr gefragt!

Habt ihr Kokkoku schon gesehen? Wie hat euch der Anime gefallen? Und werdet ihr euch die deutsche Blu-ray kaufen?

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Inevera
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Inevera

Wurde bei den Synchronsprechern was verwechselt oder ein neuer Sprecher genommen? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Jannika Jira den Großvater spricht und auch die Rolle von Makoto stimmt nicht überein. Ich war mal so frei und hab das mit der deutschen Synchrondatei abgeglichen. https://www.synchronkartei.de/serie/42885
Alle anderen Rollen stimmen soweit überein.
Danke für den trotzdem tollen und gut zu lesenen Artikel 😀