© Endo / ninotaku.de | Cosplayer: fiepiblossom

Am Samstag war es endlich wieder so weit – die Rheinmetropole Düsseldorf verwandelte sich beim 18. Japan-Tag wieder in die fernöstliche Inselnation! Wir haben uns für euch auf den Weg in die westfälische Landeshauptstadt gemacht und taufrische Eindrücke von Deutschlands größtem japanischen Kulturfest im Gepäck!

Der Japan-Tag gehört für viele Anime- und Japan-Begeisterte fest zum jährlichen Event-Programm – kein Wunder, denn die Veranstaltung auf Düsseldorfs Rheinpromenade bietet mit künstlerischen Darbietungen, einer Anime-Shoppingmeile, kulinarischen Spezialitäten und der Möglichkeit, den Tag mit zahlreichen Gleichgesinnten zu verbringen (fast) alles, was das Otaku-Herz begehrt.

Dabei konnte das Straßenfest dieses Jahr 600,000 Besucher aus ganz Deutschland und den umliegenden Ländern ins Rheinland locken und in 70 Zelten mit verschiedensten Aktivitäten begeistert nach Hause schicken.

Ich habe mich im Namen von ninotaku.de ebenfalls auf den Weg zum Japan-Tag gemacht und kann euch berichten, ob das Fest am Rhein seinem zwiegespaltenen Ruf gerecht wird oder ihr den Japan-Tag 2020 schon mal in eurem Kalender anstreichen solltet!

Buntes Treiben am Rheinufer

Wer den Japan-Tag besucht, muss sich in erster Linie auf eines gefasst machen: Jede Menge Menschen! 600,000 Personen umfassen eine zweistellige Anzahl an Fußballstadien und so herrscht auf der Promenade ein entsprechendes Gewusel: Doch wer sich für japanische Popkultur interessiert, weiß sowieso, dass sein Hauptziel auf der Wiese am Rheinufer liegt.

Wer einen Wunsch zu erfüllen hatte, bekam diesen von Yato und Yukine zum Schnäppchenpreis von 5 Yen gewährt! | © Endo/ninotaku.de | Cosplayer: Corico_Cosplay, SnowblindCosplay

Dort befindet sich nämlich sozusagen das Haupquartier der Anime- und Manga-Szene, das die Gelegenheit bietet, gemütlich in einer Strandmuschel, einem Zelt oder auf einer Decke zu campieren und seinen Blick über das Schifffahrtsgeschehen auf dem Fluss oder die mittlerweile legendäre Free Hugs-Meile schweifen zu lassen.

Auf der Suche nach dem Heiligen Gral hat es die Heldengeister aus der Fate-Reihe bis nach Düsseldorf getrieben. | © Endo / ninotaku.de | Cosplayer: fiepiblossom, vychu, penquinoo

Denn in dieser endlos scheinenden Menschenansammlung warten zahlreiche Anime-Begeisterte auf die Gelegenheit, anderen Fans in die Arme zu fallen und symbolisieren so auf schöne Art und Weise den Zusammenhalt und die Freundschaft innerhalb der Anime-Community. Entsprechend gesellig gestaltet sich auch die Atmosphäre auf der Wiese: Alle sind gut gelaunt, hier und da schallt ein fröhliches »Helga!« über den Platz und egal wohin man blickt sieht man fröhliche Leute essen, chillen oder sich begeistert über ihr Hobby austauschen.

Natürlich gibt sich auch die Herrscherin über die Vampire in ganz Japan auf dem Japan-Tag die Ehre. | © Endo/ninotaku.de

Sowohl auf dem Japan-Tag, als auch auf jeder anderen Con erwähnenswert sind natürlich auch die zahlreichen Cosplayer, die wie immer mit teils extrem aufwendigen Kostümen und einem Auge fürs Detail ihre Liebe zum Lieblingscharakter kundtaten und auch bei Nicht-Animefans auf großes Interesse stießen: Auch bei Außenstehenden waren Erinnerungsfotos an die hübschen Kleider und Anzüge gefragt und vor allem für die kleinsten Besucher war die Begegnung mit den tapferen Anime-Helden wohl das Highlight des Tages.

Auf der Suche nach Subaru waren sich Rem und Ram auch für ein Foto nicht zu schade. | © Endo/ninotaku.de

Doch wo Licht ist, da ist leider auch Schatten: Bei all der Freundschaftlichkeit traf der Anblick leider umso schwerer, der sich nach dem Feuerwerk auf der Wiese am Rheinufer bot: Statt üppigem Grün bot sich dem Auge des Betrachters ein Berg aus Plastik, Pappe und zersplittertem Glas, der auf unschöne Art und Weise an die Kehrseite derartiger Großveranstaltungen erinnert.

Bis die zweite Hälfte von SAO: Alicization im Herbst beginnt, hat Alice ausreichend Gelegenheit, auf dem Japan-Tag ein wenig abzuschalten. | © Endo/ninotaku.de

Es ist wirklich zum Heulen, dass die Bereitschaft der Stadt Düsseldorf, ein so buntes Kulturevent kostenlos anzubieten von einigen Besuchern damit gedankt wird, das Gelände in völlig desolatem Zustand zurückzulassen – ganz davon abgesehen, dass die kaputten Bierflaschen nicht nur unschön anzusehen, sondern auch brandgefährlich sind. Es würde wohl niemand eine solche Verschmutzung in seinem eigenen Garten tolerieren, also warum nicht auch öffentliche Orte mit dem gebührenden Respekt behandeln?

Das Feuerwerk  – Aushängeschild des Japan-Tags!

Wer Japan-Tag sagt, muss auch Feuerwerk sagen: Das weit über die Kreise der Japan-Interessierten hinaus bekannte Lichtspektakel stand diesmal im Zeichen der Thematik »Reise nach Japan« und bot in fünf verschiedenen Segmenten beeindruckende Szenarien am rheinländischen Nachthimmel.

Das große Feuerwerk war auch dieses Jahr das Highlight des Japan-Tags. | © Düsseldorf Tourismus GmbH

Dabei waren die verschiedenen Themen zwar nicht immer eindeutig in den bunten Formen und Farben zu erkennen, doch trotzdem verschätzten die meterhohen Lichtkonstruktionen ihre Wirkung nicht und sorgten in den Reihen der Zuschauer für zahlreiches »Ahh!« und »Ooh!«. Besonders schön, wenn man bedenkt, dass sich hierzulande die Gelegenheit, ein echtes japanisches Matsuri-Feuerwerk mitzuerleben nicht sonderlich häufig auftut.

Auch gaben die verschiedenen Windrichtungen endlich die Antwort auf die im Anime-Movie Fireworks ausgeworfene Frage, ob Feuerwerke von der Seite betrachtet wohl eher rund oder flach aussehen – am besten ist es jedoch, ihr überzeugt euch davon einfach selbst:

Das Event – Shoppingtour und pralles Programm

Neben der euphorischen Fest-Stimmung und der Lichterkaskade am Nachthimmel bot der Japan-Tag seinen Besuchern natürlich auch eine Auswahl an Mitmach-Möglichkeiten und Verkaufsständen.

Trotz der gewaltigen Fülle herrschte auf dem Japan-Tag eine ausgelassene Fest-Stimmung. | © Düsseldorf Tourismus GmbH

Wer sich jedoch in den Event-Zelten dem Kalligrafie-Workshop,  der Kimono-Anprobe oder dem Ikebana-Stecken hingeben wollte, musste sich besser auf freizeitparkähnliche Wartezeiten gefasst machen. Trotz des unfassbaren Andrangs blieb das Personal der Stände allerdings stets freundlich, ruhig und professionell.

Die Anime-Verkaufsmeile bot um eine Wiese am Ende der Promenade herum eine wahre Oase für Anime-Fans und ein zweites Zentrum für Gespräche über Attack on Titan, One-Punch Man und co. Zwar war die Anzahl der Händler verglichen mit den großen Conventions eher überschaubar, doch sollte man sich in solchen Momenten stets bewusst sein, dass es sich beim Japan-Tag nicht um eine Convention, sondern in erster Linie um ein Straßenfest handelt.

Egal ob Anime-Galleonsfigur, unbekannter Charakter oder OC – die Cosplay-Begeisterung griff auch auf die Besucher außerhalb der Szene über. | © Endo/ninotaku.de

Trotzdessen nutzten die Publisher Kazé, Egmont und Carlsen die Gelegenheit, um ihre Neuheiten an den Mann zu bringen und Fragen zu beantworten, während an anderer Stelle fleißig Figuren, Dakimakuras, Wallscrolls und anderes Merchandise veräußert wurden – wer auf Erweiterung seiner Sammlung gehofft hat, ist sicherlich dennoch mit einem passenden Schmuckstück nach Hause zurückgekehrt.

Fazit – Überbewertet oder zu Unrecht verurteilt? 

Der Japan-Tag wirkt nach außen wie die Veranstaltung schlechthin für Nippon-Begeisterte, genießt aber unter convention-erprobten Anime-Fans doch eher ein zweifelhaftes Image: Zu voll, zu teuer, zu laut, zu langweilig. Und tatsächlich kann es das Event in Sachen Abwechslungsreichtum, Ehrengäste, Shoppinmöglichkeiten und Stimmung nicht mit den großen Nummern der Convention-Szene wie der DoKomi oder der AnimagiC aufnehmen – will es jedoch auch gar nicht.

Der Japan-Tag ist und bleibt ein Straßenfest mit Japan-Anstrich, das hauptsächlich die deutsch-japanische Freundschaft symbolisieren und seinen Besuchern ein kleines Stück fernöstlicher Kultur näherbringen will – ohne große Zeichnermeilen, gigantische Händler-Räume oder namenhafte Sänger und Regisseure. Besucht man den Tag jedoch mit der Erwartung an ein Fan-Treffen statt einer großen Con mit ausreichend guter Laune, Frustrationstoleranz und jeder Menge Offenheit, wird man sicherlich nicht enttäuscht.

Trotz einiger Kritik in den sozialen Netzwerken herrschte auf dem Japan-Tag buntes Treiben und eine Menge Frohsinn. | © Düsseldorf Tourismus GmbH

Denn nichtsdestotrotz bietet der Japan-Tag in Nachbarschaft zur bald anstehenden DoKomi eine gute Gelegenheit, mit anderen Fans ins Gespräch zu kommen, neue Kontakte zu knüpfen, die japanische Meile in Düsseldorf zu erkunden und sich einen entspannten Auftakt zur Convention-Saison zu verschaffen – nicht mehr und nicht weniger.

Am besten ist es jedoch wie immer, ihr nehmt am 16. Mai 2020 selbst in eurem Lieblingsgefährt in Richtung Düsseldorf Platz und verschafft euch einen eigenen Eindruck.

Ein dickes Dankeschön geht an die großartigen Cosplayer, die sich für diesen Artikel haben ablichten lassen! Vielen Dank für eure Hilfsbereitschaft!

Jetzt seid ihr gefragt!

Wart ihr schon mal auf dem Japan-Tag? Was haltet ihr von dem Event?

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habsgleich
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habsgleich

wie COOL^^ nächstes Jahr bin ich auch dabei, ich werde mich durch jeden Japanischen Imbiss durchfressen! “Ja das wird mein 1. Auftrag” 😀

Nina_San
Gast
Nina_San

Dann rate ich dir, viel Geld mitzunehmen… Leider ist das Essen an den Ständen sehr teuer. Haben dieses Jahr für 4 winzige Yakitori-Spieße 5,50€ (!) bezahlt. Ein Onigiri hat 3,00€ (!) gekostet. Wenn du nächstes Jahr Zeit hast, dann fahr lieber früh ins Japan-Viertel, da kannst du super lecker schlemmen und hast originale japanische Küche auf deinem Teller oder in deiner Schüssel 🙂
Trotz der überteuerten Preise, ist der Japan-Tah immer wieder ein Highlight ^^

habsgleich
Gast
habsgleich

Naja ich wohne auf Sylt, von daher schreckt mich das nicht ab 😉 Kenne es nicht anders!

Nina_San
Gast
Nina_San

🤣okay, dann sind die Preise wahrscheinlich pillepalle 😅✌🏼
Übernachtest du dann auch in Düsseldorf?
Weil wenn du schon so einen weiten Weg auf dich nimmst, solltest du dir wirklich das Japan-Viertel einmal ansehen und da essen gehen. Kann dir zB das Na Ni Wa empfehlen!
Liebe Grüße 😊

Toshiro202
Gast
Toshiro202

Der Punkt mit den Bierflaschen und dem ganzen Müll hat leider in den letzten Jahren immens zugenommen :/ Ich hatte vor allem das Gefühl, dass dieses Jahr sehr viele auch nur zum saufenda waren, was ich persönlich verdammt schade finde, immerhin hat man noch vor ein paar Jahren wirklich noch nach einer einzigen Flasche suchen müssen ^^

Nick Nötzel
Gast
Nick Nötzel

Boah echt cooler Artikel! Finde so eine Reportage echt gut! Mehr davon 😀