Japanische Gottheiten

Die japanische Mythologie berichtet von einer Vielzahl mächtiger Götter und Fabelwesen. Wir tauchen ein in die sagenhafte Welt des japanischen Volksglaubens und stellen euch fünf dieser Gottheiten vor!


Izanagi und Izanami – die Götter der Schöpfung

Fotograf: Bachstelze (wikimedia.org)

Die beiden Gottheiten Izanagi und Izanami sind Bruder und Schwester und gelten im japanischen Shinto-Glauben als die Götter der Schöpfung. Mit einem juwelenbesetzten Speer, so heißt es, haben diese beiden Heiligkeiten das Meer zwischen Himmel und Erde aufgewirbelt und gemeinsam die Welt der Tiere, der Pflanzen und der Menschen erschaffen.

Mit jedem Tropfen, der von ihrer Speerspitze aus dem Himmelsreich hinabfiel, entstand eine neue Insel im Reich der Erde. Die Legende besagt, dass die beiden Geschwister auf die Insel Onogoro herabstiegen und dort gemeinsam eigene Kinder auf die Welt brachten, die später einmal selbst zu japanischen Gottheiten heranwachsen sollten.

Nachdem Izanami jedoch den Feuergott Kagutsuchi no Kami gebar und sonach tödlichen Verbrennungen erlag, entschwand sie nach Yomi, das Reich der Finsternis. Sowohl aus ihrem Leichnam als auch aus den Tränen ihres hinterbliebenen Bruders entsprangen neue Gottheiten.

Izanagi versuchte, seiner Schwester in das Reich der Toten zu folgen – doch diese hatte bereits von den Speisen der Unterwelt gekostet und war fortan für alle Ewigkeit zu einem Dasein als Dämon verdammt.

Entsetzt ergriff Izanagi die Flucht und blockierte die Pforte zur Unterwelt mit einem Felsbrocken – und nachdem er sich in einem Fluss von den Verschmutzungen der Unterwelt reingewaschen hatte, entstanden die Gottheiten Amaterasu, Susanoo und Tsukuyomi. Izanagi zog sich in das himmlische Gefilde zurück und übergab Amaterasu die Herrschaft über das Reich der Götter.


Amaterasu – die Speerspitze der Götter

Amaterasu japanische Gottheit
Künstler: Shunsai Toshimasa | Fotograf: Artanisen (wikimedia.org)

Amaterasu ist die Göttin der Sonne und des Lichts. In einigen Überlieferungen wird sie auch als die Göttin des Universums bezeichnet. Sie ist die wichtigste Göttin der Shinto-Religion und gilt als Gründerin des japanischen Kaiserhauses. Ihre Legende besagt, dass sie, die Speerspitze der japanischen Heiligkeiten, durch das linke Auge des Gottes Izanagi geboren wurde.

Zusammen mit ihrem Bruder Susanoo und dessen Nachfahren Oukuninushi gilt sie als eine der drei wichtigsten Gottheiten der japanischen Mythologie. Nach einem Streit mit ihrem ungestümen Bruder zog sich Amaterasu bestürzt in eine Höhle zurück und raubte der Welt für kurze Zeit das Licht der Sonne. Durch eine List jedoch gelang es den anderen Gottheiten, die betrübte Göttin aus der Höhle heraus zu locken und den Eingang für alle Ewigkeit zu verschließen.

Lange Zeit wurde den Kaisern des japanischen Reiches, den sogenannten Tenno, nachgesagt, direkte Nachfahren der Blutlinie Amaterasus zu sein und somit naturgemäß ein Geburtsrecht auf den Thron zu besitzen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als der damals amtierende Kaiser öffentlich bekannt gab, kein Nachfahre der Gottheit zu sein, begann dieser langjährige Glaube allmählich zu schwinden.


Susanoo – Gott der Unterwelt

Susanoo japanische Gottheit
Künstler: Chikanobu Toyohara | Fotograf: Kotengu~commonswiki (wikimedia.org)

Susanoo ist der jüngere Bruder der Sonnengöttin Amaterasu und wird in einer Vielzahl von Überlieferungen als launische, doch auch besonders facettenreiche Gottheit beschrieben. Er ist der Gott der See, der Stürme, der Ernte, der Liebe und der Unterwelt und gilt zusammen mit Amaterasu und Oukuninushi als eine der drei wichtigsten Gottheiten der japanischen Mythologie.

Die Geschichten über Susanoos Taten reichen von zerstörerischen Stürmen über den ruhmreichen Sieg über ein bösartiges Seeungeheuer bis zu Wohltaten in der altertümlichen japanischen Landwirtschaft. Nach dem Aufstieg des Buddhismus wurden mit Susanoo zudem auch Seuchen und Krankheiten in Verbindung gebracht.

Als Sohn des Schöpfungsgottes Izanagi entstand Susanoo den Überlieferungen zufolge aus der Nase seines Vaters und wurde von diesem mit der Herrschaft über die See betraut. Von Sehnsucht nach seiner Mutter Izanami zerrissen, weinte Susanoo bitterlich und trocknete mit seinen Tränen die Flüsse des Erdreichs aus. Für jene vermeintliche Schwäche wurde er von Izanagi in das Reich der Toten verbannt.


Oukuninushi – das Gegenstück zum göttlichen Vermächtnis

Oukuninushi japanische Gottheit
Fotograf: Flow in edgewise (wikimedia.org)

Oukuninushi gilt zusammen mit Amaterasu und Susanoo als eine der drei wichtigsten japanischen Gottheiten. Ihm wird nachgesagt, entweder Susanoos Sohn oder aber zumindest ein entfernter Nachfahre des Gottes der Unterwelt zu sein. Als Spross von Susanoos Blutlinie ist er das Oberhaupt der irdischen Götter und wird als ursprünglicher Herrscher des Erdreichs angesehen.

Nachdem die himmlischen Götter unter der Führung von Amaterasu jedoch den Herrschaftsanspruch über das Reich Oukuninushis erhoben, gab dieser kampflos den Forderungen nach und zog sich in die unsichtbare Welt Kakuriyo zurück, deren Herrschaftsgebiet ihm im Austausch dafür überlassen wurde. Der Nachwelt blieb er dabei als Gegenstück zu der kriegerischen Gruppierung um Amaterasu in Erinnerung.


Inari – Gottheit aller großen Werte

Inari japanische Gottheit
Künstler: Yoshitoshi | Fotograf: Catfisheye

Inari ist die Gottheit all dessen, was im Volk der Japaner als heilig gilt, und repräsentiert die wichtigsten Werte und Güter der japanischen Kultur. Tee, Reis, Fruchtbarkeit, Sake und weltlicher Erfolg sind ein Teil jener Elemente, die durch Inari verkörpert werden.

Alte Überlieferungen berichten davon, dass die Gottheit einst Füchse auf die Erde entsandte, um ihre Botschaften in der irdischen Welt zu verbreiten. So kam es, dass der Fuchs im japanischen Volksglauben auch heute noch als eine mystische und geheimnisvolle Kreatur angesehen sowie durch kleine Schreine, Steinstatuen und Opfergaben verehrt wird.

Inari tritt sowohl in männlicher als auch in weiblicher Gestalt in Erscheinung, wird jedoch oft als ein alter Mann mit einem Geleit aus zwei schneeweißen Füchsen dargestellt. Die japanische Mythologie schreibt dem Gott zudem die Fähigkeit zu, nicht nur sein Geschlecht, sondern auch seine gesamte Gestalt frei nach seinem Willen verändern zu können.


Jizo – Gott der Kinder

Jizo japanische Gottheit
Fotograf: Amcaja (wikimedia.org)

Jizo ist der Schutzgott der Kinder und der Geburt. Seine Legende erzählt die Geschichte eines Gottes, der mit Sanftmut und Nächstenliebe die verstorbenen Seelen unglückseliger Kinder unversehrt ins Jenseits geleitet. Ohne ihn, so heißt es, wären diese Kinderseelen der Verdammnis überlassen, wenn diese vor ihren Eltern starben, in ihrem Leben noch nicht genug gute Taten vollbringen und somit den mystischen Sanzu-Fluss, die Pforte des Jenseits, nicht überqueren konnten.

Die meist sehr klein geratenen Statuen von Jizo sind oft in großer Zahl anzutreffen und sind verteilt auf unzählige Tempel in ganz Japan. Insgesamt gibt es schätzungsweise über eine Million dieser Statuen, die meist von Eltern gespendet wurden, die durch einen Schicksalsschlag ihre Kinder verloren haben.

Es ist zudem Brauch, den steinernen Denkmälern eine Wollmütze aufzusetzen, um Jizo warm zu halten. Viele trauernde Eltern lassen auch oft Spielzeug oder Süßigkeiten als Opfergaben zurück – in der Hoffnung, dass es ihren Kindern im Jenseits gut ergehen mag.


Raijin und Fujin – die Götter von Donner und Wind

Raijin und Fujin japanische Gottheiten
Künstler: Ogata Korin | Fotograf: 日陰猫Joga (wikimedia.org)

Raijin und Fujin gelten als gefürchtete Gottheiten, die in der japanischen Mythologie meist gemeinsam dargestellt werden – Raijin mit einem imposanten Hammer und Fujin mit einem Beutel voll Luft. Da Raijin der Gott der Blitze und des Donners und Fujin die Gottheit des Windes ist, wird die Entstehung von zerstörerischen Taifunen und tödlichen Gewitterstürmen dem Zorn dieser beiden Götter zugeschrieben.

In ihrer Ehrfurcht erweckenden Gestalt stehen die Statuen von Raijun und Fujin an den Toren vieler japanischen Schreine Wache, um den heiligen Boden vor Entweihung zu schützen und kommende Besucher mit wachsamen Augen zu folgen.


Ebisu – Gott der Fischer und des Glücks

Ebisu japanische Gottheit
Künstler: Tōshūsai Sharaku | Fotograf: Curly Turkey (wikimedia.org)

Ebisu war das erste Götterkind, das die Schöpfungsgottheiten Izanagi und Izanami in ihre neue Welt gebaren. Da das Ritual der Zeugung jedoch nicht richtig vollzogen wurde, kam der knochenlose Ebisu mit schweren Missbildungen zur Welt und wurde sodann von seinen Eltern auf der Insel Awaji ausgesetzt.

Am Ufer des Fischerdorfes Nishi no miya, wo heute auch noch der größte Schrein der Gottheit steht, fand er letztendlich Zuflucht. Im Laufe der Zeit sollen ihm Knochen gewachsen sein, sodass er zahlreiche Jahre später als Gott der Fischer und des Glücks zurückkehrte.

Trotz seiner schrecklichen Vergangenheit ist Ebisu ein lebensfroher Zeitgenosse, der meist als fülliger Mann mit einer Angelrute dargestellt wird. Ihm wird zudem nachgesagt, auch für die Gesundheit kleiner Kinder verantwortlich zu sein und mit schützender Hand über diese zu wachen.


Benzaiten – Göttin der Kunst und der Liebe

Benzaiten japanische Gottheit
Fotograf: Wmpearl (wikimedia.org)

Benzaiten ist die Göttin der Kunst und all dessen, das in einem sprachlich-künstlerischen Fluss über die irdische Welt hinweg wäscht und sie mit Glück erfüllt: Worte, Musik und Poesie. Sie galt zudem als Beschützerin der Geisha, Tänzer und Musiker und ist heutzutage auch als die Göttin der Liebe und der Weiblichkeit bekannt.

Eine ihrer Legenden besagt, dass Benzaiten die Insel Enoshima erschuf, um dort ein fünfköpfiges Seeungeheuer einzukerkern, das zuvor noch Tod und Verwüstung über den Hafen von Sagami gebracht hatte. In einigen Überlieferungen ist auch davon die Rede, dass Benzaiten das Ungeheuer geheiratet haben soll, nachdem dieses Reue gezeigt und geschworen hatte, fortan ein Leben in Demut zu fristen.

Gemäß dieser Geschichte sind alle drei Schreine auf Enoshima der Göttin Benzaiten gewidmet und gelten heute als Orte der Liebe und der Romantik. Verliebte Paare aus ganz Japan besuchen die Insel, um dort kleine Opfergaben zu hinterlassen und um den Segen für ihr künftiges Liebesglück zu beten.


Kannon – Göttin der Gnade

Kannon japanische Gottheit
Fotograf: Amcaja (wikimedia.org)

Kannon ist eine buddhistische Gottheit des japanischen Volksglaubens und gilt als die Göttin der Gnade und des Mitgefühls. Als sogenannte Bodhisattva soll sie Erleuchtung erfahren haben, doch habe den Titel des Buddhas so lange abgelehnt, bis diese Erleuchtung auch Einzug in die Seelen aller anderen Menschen und Gottheiten halten könne.

Doch Kannon wurden nicht nur zahlreiche japanische Tempel gewidmet, sondern sie war auch in der christlichen Symbolik des Edo-Zeitalters vertreten. Nachdem das Christentum im 17. Jahrhundert in Japan verboten wurde, begannen zu jener Zeit viele japanische Christen, Kannon weiterhin im Geheimen anzubeten.

Diese geächteten Christen errichteten heimlich Statuen der Gottheit, die eine große Ähnlichkeit zu religiösen Kunstwerken der römischen Katholiken besaßen und unter anderem auch christliche Symbole beinhalteten. Die Statuen, welche die Zeit der Christenverfolgung überlebt haben, sind heute immer noch in einigen japanischen Tempeln zu sehen.


Jetzt seid ihr gefragt!

Welche der japanischen Gottheiten findet ihr persönlich am interessantesten? Schreibt es uns in die Kommentare!


Quellen: Wikipedia, japan-talk.com, univie.ac.at

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
6 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
nobody666

Will ja nicht meckern. Aber die Shogun (Anführer des Samuraistandes) sind zwar lange Zeit die Herrscher über Japan gewesen aber sie waren nicht die Kaiser: das sind die Tenno. Auch haben die Tenno zwar behauptet von Amaterasu abzustammen, jedoch hat nie ein Tenno behauptet ein Gott zu sein.

Jackcarnon

Ein sehr interessanter Artikel über den ich mich sehr freue. Ich versuche immer alles an Infos zu Japan zu bekommen die ich kriegen kann und die japanische Mythologie war mir immer zu kompliziert zum einlesen;)

Allerdings bin ich auch leicht verwirrt. Ist der Titel des japanischen Kaisers nicht Tenno und Shogun ein militärischer Rang?

EvoSanta

Gerne mehr solcher Artikel. Wollte schon immer mehr zu japanischer Mythologie lesen, hab aber bisher nichts ansprechendes im Buchhandel gefunden.

ArminArlert

Ich sehe jetzt woher die Sharingan-Jutsus aus Naruto kommen.

Qubexx

Die meisten davon kannte man schon aus Naruto xD

6
0
Sag uns Deine Meinungx
()
x