© 附田祐斗・佐伯俊/集英社・遠月学園動画研究会弐

Deutschland und Japan sind weit voneinander entfernt – doch neben knapp 9.000 Kilometern räumlicher Trennung liegen auch zwischen den Geschmäckern westlicher Anime-Fans und japanischer Otakus manchmal Welten. Wir möchten euch drei hierzulande beliebte Serien vorstellen, die in ihrem Heimatland nur wenig Aufsehen erregen konnten!

Westliche Filme setzen oft auf andere Stilmittel als ihre asiatischen Gegenstücke – klar, denn auf den gegensätzlichen Seiten des Globus haben sich vollkommen andere kulturelle Strömungen herausgebildet, die sich in Ästhetik, Sprache und Geschmack trotz Globalisierung weiterhin voneinander unterscheiden. Das trifft natürlich auch auf Anime zu, sodass manche Serien, die hierzulande als hochkarätige Klassiker gelten, in ihrer Heimat haufenweise Fragezeichen über den Köpfen hervorrufen und andersrum!

Wir haben euch heute drei Anime herausgesucht, bei denen genau das der Fall ist, und stellen Vermutungen an, warum genau sich der entsprechende Anime in Nippon nicht durchsetzen konnte. Gemessen wurde der Erfolg in diesen Fall an den japanischen Blu-ray- und DVD-Verkäufen im Vergleich zur Popularität im Westen!


Food Wars!

© 附田祐斗・佐伯俊/集英社・遠月学園動画研究会弐

Was ist Food Wars?

Food Wars! präsentiert seinen Zuschauern einen klassischen Fighting-Shounen – doch anstatt zu prügeln und schießen wird hier paniert und gegart! Denn anstatt auf dem Piratenschiff oder im Ninjadorf findet der Kampf um Ruhm und Ehre eines Meisterkochs hinter den ehrwürdigen Mauern der Totsuki-Akademie statt – einer althergebrachten Schule für Köche! Der aus einer traditionell geprägten Kochfamilie stammende Souma Yukihira erklimmt in den mittlerweile vier Staffeln nach und nach die Leitersprossen auf dem Weg zum Sternekoch und trotzt dabei todesmutig fiesen Mitschülern, pulsierendem Erwartungsdruck und einer erbarmungslosen Schulleitung!

Mit einem durchgehenden Augenzwinkern und dem kunstvollen Aufgreifen sämtlicher Shounen-Gebräuche inszeniert Regisseur Yoshimoto Yonetani das Koch-Epos in schmackhaften Bildern aus dem One Punch Man 2-Studio J.C. Staff und brutzelte sich so geradewegs in die Herzen der westlichen Anime-Fans – doch nicht so in Japan. Während der zugrunde liegende Manga vor gar nicht allzu langer Zeit aufgrund anhaltender negativer Kritik abgesägt wurde, kamen sämtliche Staffeln der Serie selten über 2000 verkaufte Einheiten pro Volume – ein sehr ernüchterndes Ergebnis.

So wie in Food Wars! die verschiedensten Geschmäcker aufeinandertreffen, scheint der Anime den des japanischen Publikums nicht getroffen zu haben. | © 附田祐斗・佐伯俊/集英社・遠月学園動画研究会弐

Warum ist der Anime in Japan gefloppt?

Auf den ersten Blick versetzt die Frage, warum genau Food Wars! der große Erfolg im Heimatland nie vergönnt war, den erfahrenen Anime-Kenner ins Grübeln – denn für das überzeichnete Anime-Abenteuer wie Jojo’s Bizarre Adventure oder Symphogear gewohnte japanische Publikum sollte ein abgedrehter Koch-Shounen wie Food Wars! eigentlich ein Erfolgs-Garant darstellen.

Der Grund für den mangelhaften Anklang liegt vermutlich im Ort der Veröffentlichung begraben: Denn der zugrunde liegende Manga von Food Wars! wurde bis zu seiner Absetzung im Weekly Shounen Jump veröffentlicht und lief damit Seite an Seite mit dem Inhalt, den die Geschichte nach allen Regeln der Kunst durch den Kakao zieht. Eventuell war die Serie schlichtweg zu abgedreht für das sonst eher ernsthafte Storys gewohnte japanische Shounen-Publikum und traf deswegen in den bunt durchgemixten, westlichen Gefielden auf mehr Gegenliebe.


My Hero Academia

© 堀越耕平/集英社・僕のヒーローアカデミア製作委員会・MBS

Was ist My Hero Academia?

Als im Jahr 2016 zum ersten Mal »Plus Ultra!« durch das japanische Fernsehen schallte, begann ein brandneuer Stern am Fighting-Shounen-Himmel zu glänzen: My Hero Academia! Dabei erzählt der Anime die Geschichte des Jungen Izuku, der als einer der wenigen Menschen ohne Kraft in einer Welt voller übernatürlich Begabter hineingeboren wird. Doch Izuku lässt sich von seiner augenscheinlichen Schwäche nicht beeindrucken und besucht die UA High – eine Schule für Superhelden, in der er unter Anleitung des mächtigen All Might nach und nach beeindruckende Kräfte entwickelt und zusätzlich die ein oder andere Lektion in Sachen Freundschaft lernt.

Ein Fighting-Shounen heißt Fighting-Shounen, weil der Fokus der Geschichte auf möglichst mitreißenden und emotionalen Schlagabtauschen liegt! Das hat auch Regisseur Kenji Nagasaki erkannt und vereint im ohnehin für hochwertige Animation bekannten Studio BONES eine unverwechselbare Sakuga-Riege, die die Fights um Izuku und co in beeindruckende Bilder fassen! Dabei hält der Anime seine Fans auch in der aktuell laufenden vierten Runde mit opulenter Bildgewalt, einer spannenden Geschichte und herzlichen Charakteren bei Laune!

Die spektakulären Fights sind einer er Hauptgründe für My Hero Academias überwältigenden Erfolg. | © 堀越耕平/集英社・僕のヒーローアカデミア製作委員会・MBS

Warum ist der Anime in Japan gefloppt?

Trotzdass die Manga-Vorlage zu My Hero Academia in Zeiten von Marvel und co in kosmische Verkaufszahlen vordringt, fördert die Serie in den Disc-Rankings ein eher ernüchterndes Ergebnis zutage. Der Grund dafür könnte in der Art und Weise liegen, in der Fighting-Shounen-Anime traditionell produziert und konsumiert werden. Serien dieser Art sind zumeist als eher niedrig budgetierte Endlos-Anime mit hunderten Episoden angelegt, die in erster Linie als Werbung für die Vorlage und zum Ankurbeln der Merchandise-Verkäufe dienen, statt als eigenständiges künstlerisches Werk zu überzeugen.

So sind Anime dieser Art zwar auf Disc erhältlich, doch nur wenige Fans stellen sich über 900 Folgen One Piece auf Blu-ray und DVD ins Regal, sondern schauen die Serie lieber im TV und wählen mit dem Manga die günstigere Sammel-Alternative. Dieser Weg findet sich auch trotz der geringeren Episodenzahl bei My Hero Academia wieder – denn obwohl sich die Scheiben als Ladenhüter entpuppt haben, erreicht der Anime im Fernsehen hervorragende Quoten.


Fire Force

©Atsushi Ohkubo, KODANSHA/ “FIRE FORCE” Production Committee

Was ist Fire Force?

In der vergangenen Summer Season loderten die sengenden Feuer von Fire Force durch die Anime-Welt und präsentierten somit das neueste Werk des Soul Eater-Schöpfers Atsushi Ohkubo! Dabei führt der Anime seine Zuschauer in das Jahr 198 des Sonnenkalenders, in dem der Großraum Tokyo von grässlichen Flammendämonen geplagt wird, die von den Menschen Besitz ergreifen und sie als klägliches Aschehäufchen zurücklassen. Der junge Shinra arbeitet hart daran, seine schreckliche Vergangenheit hinter sich zu lassen, und heuert dafür bei der Fire Force an – einer Spezialeinheit zur Bekämpfung der sengenden Gefahr.

Der Anime erzählt eine ebenso mitreißende wie emotionale Geschichte darüber, was es heißt, aufeinander zu bauen, und erarbeitete sich hierzulande einen Status als atmosphärische Action-Sause. Dabei überzeugt die Serie in erster Linie durch ihre bodenständige und sinnig ausgearbeitete Charakterisierung, durch die das Team der Fire Force den Fans schnell ans Herz gewachsen ist und die oberen Ränge unseres Season-Votings erklimmen konnte.

Mit gerade einmal hunedert verkauften Einheiten in der ersten Woche ist Fire Force ein monumentaler Flop. | ©Atsushi Ohkubo, KODANSHA/ “FIRE FORCE” Production Committee

Warum ist der Anime in Japan gefloppt?

Obwohl Soul Eater auch in seinem Heimatland seinerzeit nicht unbemerkt blieb, konnte Fire Force sich trotz eines kreativen Settings nicht denselben Grad an Beliebtheit erarbeiten – während die Serie in einschlägigen japanischen Boards nur wenig besprochen wird, fallen auch die bisherigen Disc-Verkäufe mit knapp über hundert Exemplaren pro Volume mehr als nur deprimierend aus.

Der Grund dafür könnte in der recht hollywoodhaften Action-Ästhetik des Anime verankert sein, die um einiges vom üblichen japanischen Geschmack abweicht und von Demon Slayer und Dr. Stone in der gleichen Season bei der angepeilten Shounen-Zielgruppe überschattet wurde. Dass die Thematik des Flammentods nach dem tragischen Brandanschlag auf das Anime-Studio Kyoto Animation im Juli im japanischen Fernsehen nur auf wenig Anklang stößt, tut wahrscheinlich sein übriges und verbannt Fire Force in die völlige Vergessenheit …


Lust auf mehr spannende Anime-Listen?


Jetzt seid ihr gefragt!

Bei welchem Anime hat euch der Misserfolg in Japan am meisten verwundert? Und welchem hierzulande unbekannten Anime hättet ihr mehr Erfolg gewünscht?

Schreibt es uns in die Kommentare!

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Toshiro202

Schöner Beitrag! Hätte nicht gedacht, dass ausgrerechnet diese 3 Kandidaten in Japan nicht so gut laufen. Da merkt man wohl, dass der Rest der Welt doch nicht so ganz unwichtig ist, wenns um neue Staffeln geht ^^

Mich würde mal aber interessieren, ob an der Sache mit No Game No Life was dran ist. Der soll ja auch stark gefloppt sein.

Friedhelm

Auf der Seite siehst du die Verkaufszahlen aller Animes: http://www.someanithing.com/series-data-quick-view

Du musst aber bedenken das sich Animes früher besser verkauft haben und heutzutage Streaming usw eine größere Rolle spielt. No Game No Life hat sich ~8800 mal verkauft. Bei einem aktuellen Anime wären 8800 verkaufte Einheiten allerdings viel mehr wert.

GameWave

Irgendwie ist das echt schade da alle 3 Extrem gute Titel sind und besonders ist es schade um Fire Force das dies zu so einem ungünstigen Zeitpunkt kam :/

NERO

Noragami wäre auch ein gutes Beispiel. Kenne viele die diesen Anime mögen aber da wird es wohl nie weitergehen😭

Kurai

Alle 3 sind ja richtig mies. Da Sie ja eh kein Ende haben. Kann Ich verstehen das da keiner Bock hat (umgerechnet) hunderte von Euros dafür auszugeben.

Qubexx

My Hero Academia und Fire Force?
Ich glaube mein Herz ist greade gestorben…

Zavid0

Bei Boku no Hero Academia hat es micch persönlicch tatsächlich am meisten verwundert. Aber die Erklärung wirkt recht plausibel, mal davon abgesehen, dass Anime in Japan ja auch wirklich nicht günstig ist. Und dann beschweren sich hierzulande die Leute noch über den Preis, obwohl der in Japan nochmal ein wenig höher ist 😀

Ich persönlich sammle auch gerne Manga und von meinen Lieblingsserien auch die DvDs bzw. Blue-Rays. Aber trotzdem bevorzuge ich in vielen Fällen auch die VoD-Anbieter. Ist halt einfach die preisgünstigere Variante.

Tekin Birdüzen

Food wars und Fire force floppen such bei mir…

sinned184

Ich jedenfalls werde mir alle 3 als Blu Ray in die Regale stellen.

Italo Beat Boy

Naja, das wundert mich irgendwie nicht.

Das zeigt nur wieder, dass sich Ecchis und Idol-Animes besser verkaufen.

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