Der Spring Season-Anime Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba haucht einigen Figuren Leben ein, die einiges an Charaktertiefe besitzen. Wir stellen euch diese Figuren vor: Wer sie sind, was sie denken und was sie antreibt.

In meinem Ersteindruck zu Demon Slayer habe ich die Charaktere, die in der ersten Folge des Animes vorkamen, bereits kurz angeschnitten. Da diese Figuren jedoch so liebevoll ausgearbeitet sind, dass ich sie nicht einfach in fünf Zeilen abhandeln will, möchte ich euch Tanjirou Kamado und den geheimnisvollen Teufelsjäger noch einmal genauer vorstellen und analysieren, was womöglich in ihren Köpfen vorgeht.

Tanjirou Kamado – kleiner Mann mit großer Verantwortung

Obwohl Demon Slayer ein Shounen-Anime ist, könnte Tanjirou nicht weiter entfernt sein vom typischen Heißsporn, der stets mit dem Kopf durch die Wand rennt und durch gewaltige Kräfte jede noch so schreckliche Tragödie zu verhindern weiß.

Bereits zu Beginn der Geschichte weiß Tanjirou nur zu gut, wie grausam das Leben und wie groß seine eigene Machtlosigkeit sein kann. Nach dem Tod seines Vaters muss der heranwachsende Sohn einer gutbürgerlichen Familie gezwungenermaßen schneller reifen als seine Altergenossen und trägt bereits in jungen Jahren ein schweres Kreuz der Verantwortung.

 

 

 

Nach dem Tod seines Vater ist es nun an Tanjirou, sich liebevoll um seine Familie zu kümmern. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Nichtsdestotrotz nimmt er bereitwillig die Pflicht an, den Platz seines Vaters einzunehmen und rührend für seine hinterbliebenen Geschwister zu sorgen. Die Liebe zu seiner Familie gibt ihm die Kraft, sein Schicksal zu akzeptieren und Verantwortung zu übernehmen, die ein Junge in seinem Alter eigentlich niemals tragen sollen müsste.

Er beschwert sich nicht über sein hartes Los, klagt und jammer nicht oder lässt sich von seiner Trauer zugrunde richten, sondern versucht weiterhin, das Gute im Leben zu sehen. Nicht, weil er die Augen vor der Realität verschließt und in glückseliger Ignoranz schwelgt, sondern weil ihm bewusst ist, dass es keinen Zweck hat, in Selbstmitleid zu versinken und dem Irrglauben zu verfalllen, dass die ganze Welt gegen ihn stünde und er zum Elend verdammt sei.

Resilienz: die Kraft, sich erneut zu erheben wieder zu leben

Trotz schmerzlicher Verluste schafft Tanjirou es, immer wieder aufzustehen und sich sein Lächeln zu bewahren. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Diese Resilienz, mit der Tanjirou sich von dem tragischen Tod seines geliebten Vaters erholt und dennoch frohen Mutes durchs Leben schreitet, ist wohl seine größte Stärke und zeigt sich erneut, als auch der Rest seiner Familie einem grausamen Massaker zum Opfer fällt, bei dem seine Schwester in einen Teufel verwandelt wird.

Statt alle Hoffnunge aufzugeben und sich von seiner Verzweiflung lähmen zu lassen, steht er wieder auf und versucht entschlossen, seine geliebte Schwester vom Fluch der Teufel zu befreien. Ein Verhaltenszug, an dem auch viele von uns sich ein Beispiel nehmen können. Statt Problemen und Tragödien nachzuhängen, die wir nicht mehr ändern können, konzentriert er sich auf das, was er eben doch ändern kann und versucht mit aller Kraft, eine Lösung zu finden.

Natürlich hat diese Resilienz auch einen Ursprung, eine Motivation – und diese liegt ganz ohne Zweifel in dem innigen Band zu seiner Familie, die für ihn wohl stets das Wichtigste in seinem Leben war. Das zeigt sich besonders dadurch, dass Tanjirou sich in der ersten Episode von Demon Slayer lieber von seiner wild gewordenen Schwester anfallen ließ, statt sich zu verteidigen, geschweigedenn zurückzuschlagen.

Ein Herz aus Gold und ein Sinn für Gemeinschaft

In der trauten Gemeinschaft des kleinen Dorfes ist Tanjirou ein willkommener Gast. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Doch nicht nur das, sondern auch die freundliche und hilfbereite Art, mit der er den Bewohnern des kleinen Dorfes begegnet, erwecken den Eindruck, dass in Tanjirous Brust ein Herz aus Gold schlägt. Jeder im Dorf kennt ihn, jedem hat er schon mal geholfen, jeder vertraut ihm und jeder liebt ihn. All das zeigt, dass Tanjirous ansteckende Freundlichkeit sich nicht nur auf seine eigene Familie beschränkt, sondern dass ihm auch das Wohl der Gemeinschaft und der Frieden unter den Menschen sehr am Herzen liegt.

Naiver Idealist oder scharfsinniger Realist?

Statt sich auf ein Kräftemessen einzulassen, das er unmöglich gewinnen konnte, entschied Tanjirou sich für eine intelligente List. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Und dennoch: Tanjirou ist kein naiver Idealist. Als Junge, der bereits früh vom Leben gezeichnet wurde, hat er die Schmerzen und das Grauen des Lebens bereits am eigenen Leib erfahren müssen. Ihm ist bewusst, dass ein einziger kleiner Mensch nicht viel bewegen kann und dass auch er selbst im Angesicht der Gefahr machtlos und unfähig sein könnte, sich und seine Liebsten zu beschützen.

Auch im Kampf gegen den geheimnisvollen Teufelsjäger war ihm von Anfang an klar, dass er gegen den Schwertkämpfer nicht den Hauch einer Chance haben würde. Den einzigen Ausweg sah er darin, sich selbst zu erniedrigen und weinend um Gnade für das Leben seiner Schwester zu betteln. Als dies jedoch nicht fruchtete, setzte er zu einem verzweifelten Angriff an, verließ sich dabei jedoch nicht auf reine Kampfkraft, sondern versuchte geistesgegenwärtig, seinen Widersacher mit seiner einzigen Waffen, seiner Intelligenz, zu überlisten.

Die Tatsache, dass Tanjirou sich trotz seines scharfen Verstandes und seiner Reife beharrlich weigerte, das Schicksal seiner geliebten Schwester zu akzeptieren, wirft jedoch zuerst einmal Zweifel auf, ob der junge Mann tatsächlich nicht doch einem idealistischen Wunschtraum verfallen ist. Realistisch betrachtet, war es immerhin mehr als töricht, sich nicht gegen seine Schwester zur Wehr zu setzen und fest daran zu glauben, dass doch irgendwie noch alles gut werden würde.

Die Familie ist kostbarer als das eigene Leben

Für seine geliebte Schwester war Tanjirou selbst dafür bereit, sein eigenes Leben zu opfern. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Im Endeffekt überlebte Tanjirou den Angriff seiner Schwester nur, weil er das unverschämte Glück hatte, dass ihm der Teufelsjäger in letzter Sekunde den Hals rettete und Nezuko sich anschließend doch noch besinnen konnte. Doch darauf zu bauen, war ein Spiel mit dem Feuer, das den liebevollen Bruder das Leben hätte kosten können.

Tatsächlich zeigt dieses Verhalten meiner Meinung  nach jedoch nicht, dass Tanjirou plötzlich naiv ist, sondern nur, dass auch ein rationaler Mensch von seinen Gefühlen überwältigt werden kann. Vor allem beweist es aber, dass es für Tanjirou nichts wichtigeres gibt als die Familie – nicht einmal sein eigenes Leben.

Der Teufelsjäger: Ein Mann mit einer Mission

Doch nicht nur Tanjirou als Hauptcharakter wird als sympathische und glaubwürdige Persönlichkeit vorgestellt, sondern auch der geheimnisvolle Teufelsjäger erweist sich als ein Widersacher mit ausgefeiltem Charakter.

Im Gegensatz zum typischen Bösewicht kämpft er nicht für ein eigennütziges Ziel. Es geht ihm nicht um Ruhm, Geld oder Macht, sondern vermutlich nur darum, die Menschheit vor der Bedrohung der Teufel zu beschützen.

Wäre er tatsächlich der eiskalte Killer, als der zuerst in Erscheinung tritt, hätte ihn nichts daran gehindert, kurzen Prozess zu machen und den jungen Tanjirou zusammen mit seiner sterbenen Schwester im Schneegestöber zurückzulassen.

 

Mitten im Gefecht lässt der Teufelsjäger plötzlich seine Maske fallen und gibt sich einem Gefühlsausbruch hin. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Doch ganz offensichtlich gab es doch etwas, das ihn davon abhielt. Wieso sonst hätte er seine Zeit damit verschwendet, sich auf ein Gespräch mit Tanjirou einzulassen? Ein Gespräch, das er wahrscheinlich schon mit unzählige Male mit anderen Menschen geführt hatte, die Tanjirous Schicksal teilten. Es gibt keinen Grund, wieso Tanjirou in seinen Augen nicht einfach nur ein einfältiger Bengel sein sollte, der in seiner blinden Ignoranz selbst dazu bereit war, das eigene Leben wegzuwerfen.

Und sein wir mal ehrlich, genau das war Tanjirou auch. Und trotzdem zeigte er Mitleid. Trotzdem hörte er dem dummen Jungen zu, der so bereitwillig sterben wollte. Warum? Ich kann nur mutmaßen, aber ich vermute, dass auch er ähnliche Grausamkeiten erleben musste und Tanjirous Schmerz deshalb gut verstehen kann. Eine Vermutung, die durch seinen plötzlichen Gefühlsausbruch nur noch bestärkt wird.

Der Stärkere überlebt: Man kriegt im Leben nichts geschenkt

Mit zorniger Mine erklärt der Teufelsjäger Tanjirou, wie die Welt funktioniert – oder zumindest, mit welchen Augen er sie sieht. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Doch im Gegensatz zu Tanjirou weiß er bereits, dass Betteln und Winseln einen nicht weiterbringen. Dass den Menschen ihre eigenen Motive stets wichtiger sind, als Rücksicht auf die Wünsche anderer zu nehmen, und dass es zwecklos ist, an das Mitgefühl seiner Feinde zu appellieren. Doch offenbar verbirgt sich hinter seiner harten Schale ein weicher Kern und eine nahezu väterliche Fürsorge, mit der er dem jungen Tanjirou die Augen öffnen und den Weg weisen wollte.

In seinem zornigen Redeschwall erklärte er Tanjirou aufbrausend, dass in dieser Welt nur die Starken überleben und sich behaupten können. Dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist und Glaube im Angesicht des Todes eben doch keine Berge versetzen kann. Wenn er etwas haben soll, dann soll er es sich nehmen.

Wenn er jemanden beschützen will, dann soll er kämpfen. Geh raus und hol dir, was dir zusteht! Denn damit es deiner Familie gut geht, musst du zum Held werden. Nicht winseln, nicht um Gnade flehen, nicht auf ein Wunder hoffen, sondern dieses Wunder selbst in die Hand nehmen.

Kaltblütiger Killer oder Beschützer der Menschheit?

Auf den ersten Blick wirkt der Teufelsjäger herzlos und gefühlskalt, doch verbirgt sich mehr hinter seiner eisernen Fassade. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Im weiteren Verlauf des Kampfes zeigt sich erneut deutlich, dass er nicht der reinen Grausamkeit oder Mordlust wegen auf die Jagd nach Teufeln geht. Er will keine Teufel abschlachten oder seinen eigenen Rachedurst stillen. Er will die Menschen beschützen. Aus diesem Grund war er selbst im Eifer des Gefechts dazu bereit, seine eigene Weltanschauung komplett infrage zu stellen.

Für ihn waren Teufel immer nur niederträchtige Kreaturen, die für menschliches Fleisch selbst ihre eigenen Familien abschlachten würden. Wieder und wieder hatte er miterlebt, wie Menschen ihre Liebsten auch nach deren Verwandlung in einen Teufel nicht aufgeben wollten – und dafür letztendlich mit dem Leben bezahlten. Diese Erfahrungen haben sich sicherlich in Gedächtnis eingebrannt und sein Weltbild geprägt.

Wenn das eigene Weltbild zu zerbrechen droht …

Als Teufel sollte Nezuko eigentlich Sklavin ihres Blutdurstes sein, und dennoch wirft sie sich schützend vor ihrem geliebten Bruder. | Copyright: ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Doch nun stand er vor einem Teufel, der sich trotzdessen seinen mörderischen Trieben widersetzte. Der sich nicht nur schützend vor den eigenen Bruder warf, sondern sogar tatsächlich gegen ihn kämpfen wollte. Nicht, wie er es sonst kannte, um sich am Ende den Bauch mit Menschenfleisch vollzuschlagen, sondern aus reiner, aufrichtiger Geschwisterliebe.

Einige würden nun sicher sagen, dass es doch ganz logisch wäre, dass der Teufelsjäger Nezukos Leben nach dieser Erkenntnis verschont hatte. Doch nur weil es logisch ist, heißt das nicht, dass die meisten Leute ebenfalls so gehandelt hätten. Jeder, der schon mal eine hitzige Diskussion über Gott und die Welt geführt hat, weiß, was ich meine. In den meisten Fällen ist es leider nahezu unmöglich, einen Menschen zur Einsicht zu bewegen, selbst wenn dieser tatsächlich im Unrecht ist und sich damit selbst schadet. Umso schwieriger wird es, wenn dabei etwas angegriffen wird, worauf diese Person einen wichtigen Teil ihrer Identität stützt.

Wieder und wieder hatte der Teufelsjäger erlebt, wie Teufel über ihre Familien herfällt, und sie im Glauben, das Richtige zu tun, dafür mit dem Tode bestraft. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

In diesem speziellen Fall ging es sogar darum, dass der Teufelsjäger sich eingestehen musste, dass seine größte Überzeugung womöglich völlig falsch war. Das bedeutet nicht nur, dass sein bisheriges Weltbid nicht der Realität entsprach, sondern dass er womöglich auch unzählige Teufel auf dem Gewissen hatte, in denen möglicherweise doch noch ein Funken Menschlichkeit steckte und die noch hätten gerettet werden können.

Messerscharfe Rationalität oder ein geheimer Wunsch?

Die meisten Menschen würden in einer solchen Lage sofort auf Durchzug schalten, die Augen vor der Wahrheit verschließen und schließlich genauso weiterleben, wie sie es vorher getan hatten. Später würden sie sich wahrscheinlich noch rückwärts-rationalisierte Gründe überlegen, die ihr Fehlverhalten rechtfertigen, und damit hätte sich die Sache für sie erledigt. Ein einfacher, doch kein kluger Weg.

Der Teufelsjäger hingegen schlug einen ganz anderen Pfad ein. Ob das nun bedeutet, dass er ein sehr rationaler und vernünftiger Mensch ist, der seinen Gefühlen nicht erlaubt, ihn zu kontrollieren, oder ob er sich insgeheim ohnehin schon gewünscht hatte, einen Grund zu finden, diesmal kein Blut vergießen zu müssen, wird sich im Laufe der Serie hoffentlich noch herausstellen.

Nezuko Kamado: Faucht, kratzt und beißt gerne

Wie ihr schon an der Überschrift erkennt, gibt es über Nezuko leider im Moment noch nicht viel zu sagen. Seit sie sich in einen Teufel verwandelt hat, beschränken sich ihre Wortäußerungen ausschließlich auf Fauchen, Kreischen und Knurren. Manchmal kratzt sie auch. Aber zumindest ist sie dabei süß.

Da sie sich allerdings trotz ihres Blutdurstes ihren teuflischen Trieben widersetzen konnte, liegt die Vermutung nahe, dass auch sie ähnlich wie Tanjirou ihre Familie über alles liebte und nur deshalb aus ihrer Trance erwachen konnte.

Mehr ist bis jetzt nicht bekannt, da die kurze Zeit, in der wir Nezuko als Menschen erlebt haben, leider noch keine wirklichen Rückschlüsse über ihren Charakter zulassen.

Weitere analytische Interpretationen zu verschiedenen Anime-Serien findet ihr auf unserer Übersichtsseite für Analysen.

Jetzt seid ihr gefragt!

Wie findet ihr die Charaktere aus Demon Slayer und habt ihr bereits einen Lieblingscharakter, den ihr sofort sympathisch fandet? Schreibt es uns in die Kommentare!

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