© Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Seit genau zehn Jahren versetzen die kolossalen Menschenfresser aus Attack on Titan die Otaku-Welt in Angst und Schrecken. Wir stellen euch den kreativen Kopf vor, dem die fesselnde Geschichte rund um Eren, Armin, Mikasa und co entsprungen ist – Mangaka Hajime Isayama!

Der Junge in den Bergen

Um Hajime Isayama etwas genauer kennenzulernen, reisen wir zurück ins Jahr 1986. Die japanische Kleinstadt Ooyama, tief im Süden Japans, ist noch nicht Teil der größeren Metropole Hita, als der kleine Hajime dort zum ersten Mal das Licht der Welt erblickt.

Das beschauliche Hita wird oft als »kleines Kyoto« bezeichnet. Zufrieden war Isayama hier trotzdem nicht. | © Voyapon

Wer genauer hinschaut, kann die Ursprünge zu Attack on Titan bereits in der Kindheit des späteren Bestseller-Zeichners entdecken: Denn schon im Kindergarten macht sich seine Begeisterung fürs Zeichnen in ersten kleineren Kunstwerken bemerkbar. Genau so keimt im Herzen des jungen Hajime allmählich ein Gefühl der Isolation auf – nicht nur gegenüber seinen Mitmenschen, sondern auch räumlich fühlt er sich von den gewaltigen Bergen und ewigen Wäldern Ooyamas eingeengt.

Je weiter der Jugendliche heranreift, desto mehr festigt sich der Gedanke »Ich will unbedingt hier weg und die Außenwelt erkunden!« in seinem Geist. Doch zunächst steht die Mittelschule an, wo er durch einen sehr von den Sega-Videospielen begeisterten Kumpel zum ersten Mal in Kotakt mit der Otaku-Kultur gerät. So begann der zukünftige AoT-Schöpfer, erste Manga zu Papier zu bringen, bis ihn seine Begeisterung in der Oberschule zur Teilnahme an einigen Zeichenwettbewerben brachte.

Aller Anfang ist schwer

© Amino

Mit 20 gelang es ihm schließlich, der einengenden Landschaft seiner Heimat zu entkommen und nach Tokyo zu ziehen, wo eine blühende Karriere als Mangaka auf Isayama warten sollte. Dabei verschwendete der mittlerweile junge Erwachsene jedoch keinen Gedanken daran, einen Welterfolg zu kreieren – er wollte mit seinen Geschichten nicht mehr als einfach nur über die Runden zu kommen.

Als er bei seinem damaligen Nebenjob in einem Internet-Café von einem betrunkenen Mann am Kragen gepackt wurde, der trotz aller Beschwichtigungen nicht zu einem klärenden Gespräch imstande war, kam ihm eine zündende Idee: Das Erlebnis sorgte für den ersten, 65 Seiten zählende Entwurf zu Attack on Titan, einer Geschichte rund um die Rebellion der Menschheit gegen menschenähnliche, übermächtige Feinde.

Der erste Entwurf zu Attack on Titan unterschied sich in einigen Punkten noch stark von der fertigen Geschichte. | © Hajime Isayama / Shueisha

Ursprünglich reichte er die Geschichte beim Verlag Shueisha ein, mit der Hoffnung, ein Teil des Weekly Shounen Jump-Magazins zu werden, das als Zuhause von Namen wie One Piece, Naruto oder Bleach längst Legenden-Status innehatte. Doch die Redakteure der Jump waren nicht unbedingt begeistert vom Konzept der Titanensaga und stellten Isayama vor eine ganze Palette an Änderungswünschen, die den Zeichner schließlich dazu brachten, die Jump-Pläne in den Wind zu schießen.

Stattdessen reichte er die Geschichte beim Magazine Grand Prix des Publishers Kodansha ein, wo der Fantasy-Manga direkt eine Auszeichnung erhielt und später zu einer ausgewachsenen Reihe entwickelt im Bessatsu Shounen Magazine den Grundstein für eines der einflussreichsten Franchises der japanischen Popkultur legen sollte …

Großer Künstler ganz bescheiden

Trotz seines Welterfolgs lässt Isayamas Selbstvertrauen stark zu wünschen übrig. | © BBC News

Obwohl man annehmen könnte, dass der Schöpfer eines Werkes solch monumentaler Ausmaße förmlich im Ruhm badet, ist Isayama bescheidener denn je – um genauer zu sein, verfügt der Mangaka sogar über kein sonderlich großes Selbstvertrauen. Es ist für ihn immer noch ein Rätsel, warum ausgerechnet seiner Geschichte so viel Aufmerksamkeit zuteilwird, denn schließlich kombiniert er in Attack on Titan einfach nur Dinge, die ihm Spaß machen, statt an die Kommerzialisierung und den finanziellen Erfolg seiner Geschichte zu denken.

Genau so wenig steckt hinter den Erlebnissen des Aufklärungstrupps eine tiefere Botschaft – denn sie tun nichts weiter als die im jungen Zeichner schlummernden Frustrationen zu verarbeiten. Trotz allem sind in Isayamas Augen Eren, Erwin oder Levi keine Identifikationsfiguren, sondern einfach nur interessante Charaktere. Müsste er sich selbst mit einer Figur aus seinem Werk vergleichen, wäre er laut eigener Aussage der schwächliche Rekrut Daz, was Bände über das seit jeher durch Probleme mit seinem Aussehen und dem Aufbau von Beziehungen angekratzte Selbstbild des Titanen-Schöpfers spricht …

Vom Fan für Fans

© Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Obwohl er mittlerweile selbst ein aktiver Teil ebenjener geworden ist, lässt sich Isayama gerne von der Otaku-Kultur inspirieren und wirft bei Schreibblockaden gerne einen Blick in diverse Anime, Manga, Videogames oder Filme. So ist er als großer Games of Thrones-Fan bekannt und spielt, obwohl der Hype um das Game schon längst seinen Zenit überschritten hat, auch heute immer noch leidenschaftlich gern Splatoon.

Das Konzept der Menschheit, die einer übermächtigen Bedrohung gegenübersteht und dennoch Krieg in den eigenen Reihen führt, entstammt so beispielsweise der Scifi-Visual Novel Muv-Luv Alternative, die 2012 auch eine Anime-Adaption erhielt. Dabei hält Isayama jedoch nicht nur nach spannenden Elementen Ausschau, mit denen er seinen Titanen-Epos ergänzen kann, sondern stellt sich auch der Kritik der Fans:

Die Scifi-Novel Muv-Luv diente als besonders als Inspiration des Uprising-Arcs. | © Yoshimune Koki / IXTL

Seiner Meinung nach läuft irgendwas verkehrt, wenn er ausschließlich positive Rückmeldungen bekommt, daher sind Verbesserungsvorschläge und das Hinweisen auf Fehler in seiner Story stets gern gesehen. Seine Fans nimmt er dabei allerdings auch leidenschaftlich gern aufs Korn: Auf die Frage hin, welche romantischen Entwicklungen man noch unter den AoT-Charakteren erwarten könne, erklärte er sich bereit, Armor für den kleinen Titan mit der großen Nase aus Staffel 2 und dem bekannten »Kawaii-Titan« aus der ersten Season zu spielen.

Wäre er selbst ein Teil der Mauernzivilisation, würde Isayama übrigens nicht etwa an vorderster Front für die Befreiung der menschlichen Spezies kämpfen, sondern ein unscheinbares Leben als einfacher Bauer, frei von jeder Verantwortung, führen.

Die Zukunft ist ungewiss

© Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Nach zahlreichen Abenteuern, fesselnden Schlachten und niederschmetternden Opfern ist Attack on Titan nun allmählich auf der Zielgeraden angekommen und sieht aller Voraussicht nach seinem großen Finale entgegen. Zumindest impliziert der Titel der im Herbst 2020 startenden, mittlerweile vierten Anime-Staffel »The Final Season«, dass sich der Kampf um die Freiheit langsam seinem Ende zuneigt und lässt Vermutungen entspringen, dass der letzte Band des zugrunde liegenden Mangas bis dahin die japanischen Druckpressen verlassen hat.

Ob Isayama auch nach dem Ende von Attack on Titan mit neuen Storys von sich hören lässt, weiß der Autor derzeit noch selber nicht. Mit dem Erfolg von AoT geht ein extrem stressiger Arbeitsalltag einher, der ihn durch den ständigen Erwartungsdruck der Fans, harte Deadlines und steigende Ansprüche an sich selbst langsam aber sicher auszehrt. »Ich weiß nicht, ob ich danach noch mal etwas zeichnen kann.« verrät er im Interview mit dem japanischen TV-Sender MBS, »Vielleicht habe ich dann auch einfach keine Kraft mehr«.

Keine Frage – vor allem im Westen ist der Einfluss Attack on Titans auf die Wahrnehmung von Anime und Manga titanisch! | © Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Egal wie die Zukunft aussieht, Isayamas Fußabdruck in der Otaku-Landschaft wird jedenfalls nicht allzu schnell verwischen – denn egal ob einem Attack on Titan gefällt oder nicht, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Anime dem Medium weltweit Tür und Tor geöffnet und tausende Fans die Begeisterung für das nähergebracht hat, das auch der Mangaka selbst so sehr liebt …

Jetzt seid ihr gefragt!

Wenn ihr Hajime Isayama selbst einmal treffen könntet, was würdet ihr ihn fragen? Und wie ist eure Meinung zum Attack on Titan-Franchise?

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Matthias
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Matthias

Ich finde den Anime mega. Er hällt die spannung von anfang bis zum ende. Was mich doch am meisten interesiert ist ob eren und co auf die insel zurück kehren werden oder ob sie eine Weltreise machen und ob es einen weg gibt die Titanen kräfte wieder los zu werden und das er nach 10 jahren nicht stirbt.

Naboru
Gast
Naboru

Ironisch gesehen war es ein Riesenfehler mit dieser Serie anzufangen (sowohl das Lesen als auch das schauen des Anime). Ich LIEBE AoT wie lange keine Serie mehr davor. Ich atme es regelrecht. Es stimmt einfach alles, die Charaktere, die Story, der Soundtrack….. Jedoch muss ich anmerken, dass man im gewissen Sinne merkt, dass GoT ein wenig mit einfließt. Ich sag zu Freunden und Kollegen immer aus Spaß, das in AoT mehr Charaktere sterben als in Game of Thrones XD

Crossover
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Crossover

Als Kind war ich großer Dragonball Fan und habe neben der Serie auch die Mangas gelesen. Allerdings habe ich mich sonst nie für weitere Animes interessiert und somit das Interesse am Medium verloren. Als dann 2013 in einer Internetsendung nur das Intro von Attack on Titan vorgestellt wurde wusste ich: “Das muss ich sehen!” Seitdem habe ich treu über die Jahre auf die aktuellen Folgen gewartet und mein Interesse an an anderen Animes + Mangas ist wieder gestiegen. Da Hajime Isayama seine Geschichte nicht nach bekannten Mustern erzählt und viele “Klischees” vermeidet, hat er meiner Meinung nach viele Leute wieder… Weiterlesen »

Sasori Akasuna
Gast
Sasori Akasuna

Ich würde ihn fragen ob er mehr über Annie machen könnte Liebe sie 😍❤

Ekrem
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Ekrem

Also ich habe seit paar monaten mit dem anime angefangen und davor habe ich nicht so viel davon gedacht aber der ganze anime ist nicht einfach so : ja der kerl is auf einmal böse. Sondern es ist alles geplant ich würde isayama am liebsten fragen wie er so weit vordenken konnte

Zion
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Zion

Ich finde Attack on Titan (Shingeki No Kiojin)
super, und würde mir wünschen dass, Eren und Levi zusammen kommen!!!!

Kazriko
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Kazriko

Warum reißt du uns so das Herz in tausend stücks

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Ich dachte kurz er währe Tod