©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

In den letzten Stunden vor dem Ausbruch des großen Krieges schließt sich Alice den Truppen an – und stellt sich dabei den Gedanken, Gefühlen und Ängsten ihrer Kameraden! Wir haben die neue Folge von Sword Art Online: Alicization für euch analysiert!

Die Ruhe vor dem Sturm hat bald ein Ende – denn in der fünften Folge der zweiten Hälfte des großen Alicization-Arcs von SAO machen sich die Truppen des Human Territory allmählich kampfbereit, um sich dem Zusammenbruch des großen Tors und damit dem Kampf gegen das Dark Territory zu stellen.

Dabei werfen sich jedoch nicht nur die gebeutelte Integrationsritterin Alice, sondern auch weitere Charaktere die Frage nach ihrer Identität auf und entlocken der blonden Kämpferin so manch kluge Lehre, die sich vielleicht auch in der dreidimensionalen Welt als nützlich erweisen kann …

Die folgende Analyse enthält Spoiler zur aktuellen Episode des Sword Art Online-Animes! Weiterlesen auf eigene Gefahr!
Außerdem enthält dieser Artikel Meinungen und basiert auf der persönlichen Interpretation des Verfassers. Es ist nicht garantiert, dass der Autor von Sword Art Online diese Vermutungen unterstützen würde.


Du entscheidest, wer du sein willst!

©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

Zwischen den zahlreichen Begegnungen, die Alice kurz nach ihrer Ankunft im Feldlager des Human Territory macht, sticht besonders die mit Thiese und Ronye hervor! Nicht nur sind die beiden ehemaligen Knappinen von Kirito und Eugeo seit ihrem umstrittenen Auftritt in der ersten Hälfte im Charakterregister ein wenig untergegangen, sondern nun auch Auslöser eines der interessantesten Dialoge der gesamten Serie:

Die beiden Mädchen zeigen sich nicht nur von Eugeos Tod und Kiritos gebrochenem Zustand reichlich geschockt, sondern machen sich auch für ebendiesen verantwortlich, da ihr Kampf gegen Humbert und Raios die Ereignisse in der Central Cathedral und den Kampf gegen Administrator erst losgelöst haben. Obwohl damals das schlimmste abgewendet werden konnte, können sich die beiden den typischen Gedankengängen eines Vergewaltigungsopfers nicht entziehen und fühlen sich durch die Übergriffe auch körperlich beschmutzt, sodass sie sich selbst die Liebe zu ihren Mentoren nicht zugestehen.

Thiese und Ronye fühlen sich für den Zustand ihrer Mentoren verantwortlich. | ©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

Im Gespräch mit Alice taucht anschließend wieder das Thema der Seele auf, das allgegenwärtig über der Erzählung von War of Underworld liegt und auch dieses Mal wieder auf interessante Art und Weise verarbeitet wird: Denn Alice ist der festen Überzeugung, dass die Seele einen Menschen definiert und der Körper nicht viel mehr als ein Gefäß für diese darstellt. Was im Kontext der Soul Translator-Technologie von SAO und Alices’ Dasein als künstliche Intelligenz ziemlich plausibel klingt, entpuppt sich auf einer Meta-Ebene als tiefgründige Botschaft:

Betrachtet man den »Körper« als eine Metapher für die Umstände, die einen Menschen nach außen hin definieren wie etwa Herkunft, Geschlecht oder Hautfarbe und die »Seele« als das Gedankengut eines Menschen, seine Wünsche, Hoffnungen, Träume und Überzeugungen, erhält diese Ansicht eine weitere Bedeutung: Und zwar dass nur man selbst bestimmt, wer man sein möchte.

Alice hat sich von den einengenden Umständen losgerissen- und ist nun genau die, die sie sein möchte! | ©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

Kommt man aus einer sozial prekären Familie, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch das Umfeld einen als rückständig und grob wahrnimmt, während Klischees und Rollenbilder Angehörige beider Geschlechter gerne in eine fixe Position rücken – ein Problem, mit dem sich in der gleichen Serie Fanatio konfrontiert sieht. Doch egal welches Urteil sich das äußere Umfeld anhand derartiger Oberflächlichkeiten erlaubt, bestimmt man im Inneren doch stets selbst, wer man sein möchte und wie man wahrgenommen werden will:

So wie sie bislang in ihrem Leben in die Rollen des Dorfmädchens Alice Zuberg und der Ritterin Alice Synthesis Thirty gedrängt wurde, verbirgt sich im Inneren dieser Rollen doch Alice – ein Mädchen, das sich keiner der beiden Rollen, doch gleichzeitig beiden zugehörig fühlt und letzten Endes das ist, was sie selbst in sich sieht. Die Grenzen, die einen zurückhalten sind letzten Endes immer noch die, die man sich selbst setzt …


Helden des Kriegs

©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

Abgesehen von dem weiteren Exkurs in Alices’ Psyche, hatte die Episode noch weitere Bedeutung für den Verlauf des Arcs: Denn für den Fall, dass sie während der halbjährlichen Pause in Vergessenheit geraten sein könnten, wurden die Ritter des Human Territory noch einmal vorgestellt und zeitgleich auf deren Gedankenwelt eingangen, die in den emotional aufgeladenen Kriegswirren mit ziemlicher Sicherheit noch große Bedeutung erlangen wird:

Eldries Welt wird beispielsweise stark erschüttert, nachdem Alice nicht mehr die Meisterin zu sein scheint, die ihn einst ausgebildet und auf die er seine gesamte Selbstwahrnehmung als Integrationsritter gebaut hat. Zwar kann ihn Bercoulis Demonstration überzeugen, dass Kirito keine tote Last ist, die Alice in den Tod treiben wird, doch die herrische Mentorin mit dem eiskalten Blick von damals ist definitiv Geschichte.

Für Eldrie ist es nicht einfach, das Erwachen seiner Meisterin zu verarbeiten. | ©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

Fanatio hingegen scheint ihre Gefühle für Kirito gefunden zu haben, nachdem dieser sie als erster männlicher Gegner im Kampf ernstgenommen hat, obwohl er um ihr wahres Geschlecht wusste, während Bercouli selbst sich den Kopf um einen erfolgreichen Ausgang der Schlacht zerbricht.

Die Ritter übernehmen im heranrollenden Krieg so etwas wie die Rolle der Protagonisten und müssen sich in den nächsten Folgen mit Sicherheit markerschütternden Schicksalsschlägen stellen, die ihren Charakteren noch mal einiges an Tiefe verleihen und zeigen, dass Alicization wohl einer der besten Sword Art Online-Arcs überhaupt ist – denn hier wird der erzählerische Fokus nicht nur auf die Hauptcharaktere gelegt, sondern eine denkende Welt erschaffen, die in ihrer lebhaften Erzählung Underworld selbst gar nicht mal so unähnlich ist …


Fazit – In den Tiefen von Underworld

©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project

Die fünfte Folge von War of Underworld gehört zu den tiefsinnigsten Episoden, die die Sword Art Online-Welt bislang zu Gesicht bekommen hat und hebt gemeinsam mit Episode 04 die jugendliche Scifi-Geschichte von damals sowohl schreiberisch als auch moralisch auf ein spannendes, erwachseneres Niveau.

Gleichzeitig schließt das Drehbuch den Auftakt mit dem gewaltigen Paukenschlag von Alices’ Einstellung zur Selbstbestimmung und der Gedankenwelt der Ritter passend ab und stellt somit alle Weichen für das, was nun kommen wird. Sollte sich die Action in War of Underworld nicht nur spannungs-, sondern auch meta-technisch auf einem ähnlichen Niveau befinden wie die ersten Episoden, könnte die Staffel ihrem Vorgänger noch einmal ein gewaltiges Schnippchen schlagen!


Lust auf mehr Lesestoff aus der Cyberwelt von Sword Art Online?


Jetzt seid ihr gefragt!

Wie steht ihr zum Thema Identitätsbildung – bestimmt das Umfeld, wer du bist oder nur du allein? Und welchen der Ritter aus dem Human Territory findet ihr besonders interessant?

Schreibt es uns in die Kommentare!

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
10 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nijuga

Diese Folge war meiner Ansicht nach ein gelungener Aufbau für die kommende Schlacht in der nächsten Folge.
Generell empfinde ich die 3. und jetzt 4. Staffel äußerst spannend und meiner Ansicht nach auch weit besser als die 2. Staffel. Ebenfalls hoffe ich, dass nicht weiter auf die ganzen vorherigen Charaktere aus Staffel 1 und 2 eingegangen wird, abgesehen von Kirito und Asuna. Und um bei Asuna zu bleiben, finde ich es höchst spannend wann wir sie zu sehen bekommen und wie Kirito und Alice auf das Erscheinen reagieren werden, denn ich denke, dass Asuna ein entscheidender Faktor in der Schlacht zwischen Human Territory und Dark Territory werden könnte, da diese ja mit einen Highlevel Account in Underworld dived.
Es bleibt spannend, die nächste Folge wird sicher sehr actiongeladen, jedoch hoffe ich, dass man versucht weiterhin an der Tiefe der aktuellen Folge dran zu bleiben.

Rei hakase

Hahahahahahahaha Kirito hat nur noch einen Arm! Das ist einfach genial. Bin echt gespannt, was als nächstes passiert. Mal schauen ob der Antagonist was tolles macht.

Marcel Abicht

Da die Seele den Körper beeinflusst und ihn formt, könnte ihn sein zweiter Arm wieder nachwachsen.

Iksweikam

Bin mir ziemlich sicher das sich das im Laufe der folgen wieder ändert und es ist sehr wahrscheinlich das Kirito am Ende seinen Arme regeneriert und den Boss Kampf gegen Miller bestreitet, was sicherlich dann der große final Showdown wird.

Ich frag mich wann Asuna auftaucht, im Trailer ist ja zusehen wie die Integral Ritter alleine gegen die Dunklearmee antreten, ich vermute fast das es vielleicht am Ende von Episode 6 den ersten Höhepunkt mit kleinen cliffhanger gibt und in Episode 7 dann der erwachte Kirito wieder mal die Welt rettet.

Moin

Ich kenne alle Arcs des SAO Universums und habe die erste Staffel mit Lust und Laune geschaut. Die darauf folgenden Staffeln oder Arcs, wie auch immer man das Bezeichnen will, waren ehrlich gesagt relativ schwach. Doch seit dem Erscheinen Alicizations bin ich wirklich extrem positiv überrascht. Ich denke wenn sie diese Restliche Staffel eine Tiefsinnigkeit wie in dieser Folge an den Tag legen, wird dies möglicherweise die erste Staffel SAOs gleich kommen

Darklink2001

Als Alice x Kirito shipper war ich echt glücklich als Alice versucht hat Kirito zu küssen aber so schön ist die Welt nicht und es müssten ja unbedingt Tiese und Ronye reinplatzen

GameWave

SAO: Alicization hat es echt geschafft das ich immer wenn ich davon höre traurig werde 🙁 und besonders jede neue folge schafft es mich noch trauriger zu machen 🙁 Ich finde es super das man nach Eugeos Tod nicht einfach stumpf weitergemacht hat als wäre nicht passiert sondern wirklich öfters wieder zeigt wie wichtig er für Kirito und andere Charaktere war (ganz besonders hat man das wieder letzte folge gemerkt). Ich hasse den Autor dafür das er einen Hauptcharakter geschaffen hat der einem so ans Herz wächst nur um ihn am ende sterben zu lassen 🙁 aber gleichzeitig liebe ich Ihn dafür da Alicization ohne dieses opfer niemals so gut sein würde. Der Autor hat mit diesem Arc wirklich eine 180 grad wende gemacht und gezeigt das man auch eine brutalere Richtung eingehen kann ohne es unrealistisch wirken zu lassen.

Philipp Phan

SAO3 ist bis jetzt überraschender Weise recht interessant. (Btw ich kann immer noch nicht glauben, dass ich angefangen habe SAO zu mögen, aber SAO3 u. Alternative uwu). Vorallem wenn es das Thema der Identität behandelt, ist es einfach mich zu locken. Alice, die auch wiederum nicht Alice ist – es wird gezeigt wie wichtig Erinnerungen sind um eine Persönlichkeit zu formen. Durch den Verlust der Erinnerungen und der Gewinnung neuer Erinnerungen sich ihr Alter Ego, Alice Synthesis Thirty, bildet und weiterhin existieren will. Jedoch gibt es noch Menschen, die sie als Alice Zuberg kennen und sie auch dementsprechend so behandeln, womit sie am Anfang ihre Schwierigkeiten hatte mit deren Abneigung wie auch Zuneigung. (Was Alice wohl auch etwas abhängig von Kirito gemacht hat, da er als einzige Person beide Persönlichkeiten kennt und auch beide retten wollte.) Wie sie diese Folge jedoch angefangen hat ihr vergangenes Ich zu akzeptieren, aber sich auch wiederrum abgegenzt hat … uvm mehr noch dazu und anderen Charakteren, was in der schicken Folgenanalyse durch Endo bereits gedeckt wurde. Also ich bin irgendwie schon ziemlich hyped zu SAO – aber nicht meinem vergangenen Ich per D-mail verraten! (Shout out to “Paprika” und “Perfect Blue” – rip Satoshi Kon)

Splitframe

Erstaunlich wie die Wahrnehmungen hier auseinander gehen. Für mich waren die letzten beiden Folgen die schlimmsten des gesamten Alicization Arcs. Der, bisher, sinnlose Aufbau von Charakteren welche nur anhand eines unverdient starken, cookie cutter Soziopathen sterben. Das ebendieser wohl selbst zu viele schlechte Shonen geschaut hat und in seiner stereotypischen”gelangweilter Imperator” Rolle voll aufgeht. Ein unglaublich peinlicher tryhard Moment von Bercouli um Kirito zu testen. Das schweigen des Operators über die Passwortlosen Accounts, ich sehe das “ich dachte es wäre nicht wichtig” o. ä. schon kommen. Das Eugeo’s Seele im Schwert noch irgendwie noch vorhanden ist, wenn auch nicht ganz so abwägig.

Ich bin gefühlt aus dem Augenrollen nicht mehr herausgekommen und da helfen auch die kleinen glimpse von guten Ideen wie Alice’s, verständliche, Selbstfindungsprobleme und die Traumabewältigung der Pagen leider nicht viel weiter da diese zu kurz, intensiv und knapp abgehakt werden um wirklich die, möglicherweise, schwere psychische Bürde klar zu machen. Einzig die Eldrie Situation hat nur soviel Aufmerksamkeit bekommen wie sie auch benötigt hat.

Vielleicht ist das Quellmaterial besser und sie mussten Abstriche machen, was aber nicht alles entschuldigen kann, als erzählerische Episoden finde ich die letzten beiden allerdings sehr schwach.

10
0
Sag uns Deine Meinungx
()
x