© 1999 TOEI ANIMATION CO.,LTD.,JAPAN

Seit 23 Jahren segeln die Strohhutpiraten um Kapitän Monkey D. Ruffy erfolgreich durch die Anime- und Manga-Welt. Doch welcher kreative Kopf steckt hinter dem bekanntesten japanischen Medienfranchise aller Zeiten? Wir stellen euch Mangaka Eiichiro Oda vor und geben euch einen Einblick in seinen außergewöhnlichen Werdegang …

Mit einem geschätzten Umsatz von über 20 Milliarden US-Dollar, 96 Mangabänden und 925 Anime-Episoden ist One Piece eine der langlebigsten und mit Abstand erfolgreichsten Domänen im japanischen Entertainment-Kosmos.

1997 gestartet, prägte die Geschichte um den aufgeweckten Gummipirat Ruffy, der unbedingt den namensgebenden Schatz finden und König der Piraten werden möchte, nicht nur zahllose Kindheiten, sondern auch den Stil vieler namhafter Künstler.

Mit seinem enormen Umsatz ist das »One Piece«-Franchise erfolgreicher als viele westliche Erfolge wie etwa »Game of Thrones«. | © 1999 TOEI ANIMATION CO.,LTD.,JAPAN

Erdacht wurden der Strohhutträger und seine Mannschaft von Eiichiro Oda. Am 01. Januar 1975 wurde der Mangaka in der japanischen Metropole Kumamoto geboren und gehört mit einem Gewinn von ca. 26 Millionen Euro jährlich zu den bestbezahlten Comiczeichnern weltweit.
Wir stellen euch Odas Werdegang vor, führen euch in seinen Berufsalltag ein und klären die Frage, wie es einem einzigen Mann gelingt, die Augen von Millionen Lesern Woche für Woche zum Leuchten zu bringen …


Wo kann man den Anime schauen?

Streaming

Disc

  • DVD (Bis Folge 656, GerDub)*

Von Herzblut und Ehrgeiz …

© 1999 TOEI ANIMATION CO.,LTD.,JAPAN

Obwohl Eiichiro Oda aus einer gewöhnlichen japanischen Mittelstandsfamilie stammt, ist seine Freude am Zeichnen mehr oder weniger angeboren. Sein Vater, von Beruf Büroangestellter, hegte eine rege Leidenschaft für Ölgemälde, während er selbst schon in frühester Kindheit seine Begeisterung für Manga entdeckte.

Im Alter von vier Jahren entschloss er sich schließlich, selbst Mangazeichner zu werden, da diese »keiner ‘richtigen’ Arbeit nachgingen, doch trotzdem Geld verdienten«. Nichts klang für den kleinen Eiichiro abschreckender, als geschniegelt und gebügelt tagein, tagaus dieselben Geschäfte abzuwickeln und sich durch den immer gleichen Alltagstrott zu schleppen.

Odas Heimat Kumamoto ist eine der größten und geschichtsträchtigsten Städte der Insel Kyushu. | © 663highland / Wikimedia

So probierte er sich an eigenen Kurzgeschichten aus und reichte seine Resultate im Jugendalter immer wieder bei verschiedenen Verlagen und Wettbewerben ein. Mit 17 Jahren gelang ihm schließlich der erste Schritt in die Mangabranche, als er seine Westerngeschichte »Wanted!« beim Tezuka-Award des Shueisha-Verlags einreichte und in der Endausscheidung den zweiten Platz abstauben konnte.

Die Geschichte erschien zunächst noch unter einem Pseudonym, denn Oda wollte nicht, dass seine Eltern oder Lehrer von seinen unkonventionellen Zukunftsplänen Wind bekamen. So verfolgte er zunächst einen »normalen« Karriereweg und nahm ein Studium der Architektur an der Universität seiner Heimatstadt Kumamoto auf.

Schon früh wollte sich Oda mit seinen Manga vom damals typischen »Kulleraugen-Stil« abheben – und entwickelte sein markantes Design. | © Eiichiro Oda / Shueisha

Shueisha jedoch erkannte ein gewaltiges Talent in dem jungen Mann und regte ihn zu weiteren Zusammenarbeiten an, woraufhin die Kurzgeschichte »Kami kara mirai no Purezento« in der JUMP Original veröffentlicht wurde. Mit dem Oneshot »Ikki Yakou« wurde er schließlich erneut zum Preisträger, diesmal des Hop-Step-Awards der populären »Weekly Shounen Jump«.

Geleitet von den zahlreichen Erfolgen, brach Oda im Jahr 1995 schließlich endgültig sein Studium ab, zog nach Tokyo und widmete sich voll und ganz seiner Zeichnerkarriere. So sammelte er als Assistent bekannter Künstler wie Shinobu Kaitani (»Liar Game«), Masaya Tokuhiro (»Fuguman«) oder Nobuhiro Watsuki (»Rurouni Kenshin«) Erfahrung und versuchte gleichzeitig, eigene Geschichten auf die Beine zu stellen …


Das letzte Ass im Ärmel …

© 1999 TOEI ANIMATION CO.,LTD.,JAPAN

Trotz aller Bemühungen schien Odas Glückssträhne allmählich aufgebraucht, denn keine seiner eingereichten Ideen stieß bei den Redakteuren des Shueisha-Verlags auf sonderlich viel Anklang. So setzte der Zeichner auf das letzte Ass, das er bereits seit der Mittelschulzeit im Ärmel versteckte:
Die Kurzgeschichte »Romance Dawn« drehte sich um einen Gummimenschen, der mit übernatürlichen Fähigkeiten eine Insel von der Tyrannei eines skrupellosen Seeräubers befreit.

Romance Dawn – das ist der Ursprung von One Piece!

Nachdem die erste Variante der Story in einer Spezialausgabe der »Shounen Jump« auf eine Menge positiver Resonanz stieß, schmiedete Oda in gerade einmal 14 Tagen eine überarbeitete Version. Nachdem diese als Lückenfüller in der regulären »Jump« veröffentlicht wurde, kämpfte der junge Künstler an der Seite seines Redakteurs mit allen Mitteln darum, aus der Shortstory eine voll ausgewachsene Serie zu machen.

Obwohl sich die Geschichte noch in vielen Punkten von »One Piece« unterscheidet, legte »Romance Dawn« den Grundstein für den späteren Welterfolg. | ROMANCE DAWN © 1996 by Eiichiro Oda/SHUEISHA Inc.

Am 22. Juli 1997 hielten die Leser der »Shounen Jump« schließlich das erste Kapitel von »One Piece« in den Händen, dessen Faszination schnell um sich griff und die Reihe zu einem massiven Erfolg werden ließ. 1998 erschien mit der OVA »Taose! Kaizoku Ganzack« eine erste Anime-Umsetzung vom Studio Production I.G, bevor im Oktober 1999 die erfolgreiche Serie von Toei Animation ihre Premiere feierte und bis heute ihrer Vorlage in Sachen Beliebtheit in nichts nachsteht.

Auf dem Jump Festa 2002 lernte Oda Chiaki Inaba kennen. Das junge Model verkörperte bei einem Bühnenauftritt zu »One Piece« die Navigatorin Nami und verstand sich prächtig mit dem Serienschöpfer. 2004 legten die beiden schließlich das Ehegelübde ab und durften sich 2006 zum ersten Mal über Nachwuchs freuen. Heute ist Oda der stolze Vater von zwei Töchtern.

Die Begeisterung über die Zusammenarbeit in »Cross Epoch« war groß – schließlich zählt Oda ein Autogramm Akira Toriyamas zu seinen größten Schätzen. | © Akira Toriyama / Eiichiro Oda / Shueisha

Im gleichen Jahr wie die Geburt seines ersten Sprösslings, wurde dem Mangaka eine gewaltige Ehre zuteil: Er durfte gemeinsam mit seinem großen Vorbild und Schöpfer der »Dragon Ball«-Reihe, Akira Toriyama, den Oneshot »Cross Epoch« zu Papier bringen.

So wie Oda eine Menge Bewunderung für Toriyama-sensei in sich trägt, ist er selbst mittlerweile Vorbild unzähliger Zeichner und sein Strohhutpirat Ruffy ein fester Bestandteil der japanischen Popkultur geworden.
Auch 23 Jahre nach seinem Start segelt »One Piece« weiterhin auf Erfolgskurs und zeigt, wozu pure Willenskraft imstande ist …


Ein harter Alltag

© 1999 TOEI ANIMATION CO.,LTD.,JAPAN

Wer den erfolgreichsten Manga aller Zeiten zu Papier bringen will, der muss früh aufstehen – oder darf nur drei Stunden am Tag schlafen, so wie Oda es tut. Von seinen Freunden und Kollegen als hoffnungsloser Workaholic bezeichnet, blüht der Zeichner erst in seiner Arbeit so richtig auf und verbringt den Großteil seiner Freizeit damit, an seinem Werk zu feilen.

Um dabei ungestört zu sein, lebt er getrennt von seiner Familie, die etwa einmal in der Woche zu Besuch vorbeikommt. Falls der Workload ihn doch einmal überfordert, stehen fünf Assistenten bereit, um ihm kleinere Aufgaben abzunehmen.
Obwohl er nichts gegen diesen Lebensstil einzuwenden zu haben scheint, würde Oda laut eigener Aussage keinen Longrunner-Manga mehr beginnen. »Mein körperlicher Zustand erlaubt es mir schlichtweg nicht mehr«, räumte er im Jahr 2009 ein.

Wer mit Oda zusammenarbeiten will, muss seine disziplinierte Arbeitsweise übernehmen: So sollte ein »One Piece«-Redakteur seiner Aussage nach bereit sein, »für die Serie zu sterben«.
Schon in jungen Jahren pfiff Oda auf Hierarchien und ließ sich von nichts und niemandem in die Suppe spucken. In ellenlangen Diskussionen setzte er sich schon zu Anfang seiner Karriere oft gegen seine Redakteure durch und behielt die völlige inhaltliche Kontrolle über seine Werke.

Die erschafft er trotz der fortschreitenden Digitalisierung immer noch vollständig von Hand, wobei er gern auf Graustufen verzichtet und seine Manga so fast vollständig in starkem Schwarz/Weiß-Kontrast in Szene setzt.

In seinen Zeichnungen verzichtet Oda häufig auf detaillierte Grautöne, sondern arbeitet mit harten Kontrasten. | ONE PIECE © 1997 by Eiichiro Oda/SHUEISHA Inc.

Trotz seiner beruflichen Strenge steckt in »Odacchi« ein lockerer und umgänglicher Typ, der seinen Fans gegenüber gerne mit einer gesunden Portion Ironie und einer entspannten Attitüde begegnet …


Die Zukunft jenseits des Horizonts

© 1999 TOEI ANIMATION CO.,LTD.,JAPAN

Im Jahr 2019 verriet Oda in einem Interview mit der Youtuber-Truppe »Fischer’s«, dass in ungefähr fünf Jahren das Ende des »One Piece«-Mangas erreicht sein sollte. Sein Redakteur zweifelte zwar an dieser Einschätzung, bestätigte jedoch: »Wenn Oda sagt, dass es so kommen wird, dann wird es das auch«.

Das Ende habe der Künstler schon von Anfang an im Kopf, doch natürlich ist das Finale ein streng gehütetes Geheimnis. Sollte ein Fan es im Vorfeld erraten, wird der Meister es ohne zu zögern abändern, um niemandem die Überraschung zu verderben.

Wohin die Reise auch geht – feststeht, dass sich Fans nun auf fünf actiongeladene Jahre voller spannender Plottwists freuen dürfen! | © 1999 TOEI ANIMATION CO.,LTD.,JAPAN

Was die Zukunft nach der Trennung von seinen Strohhüten angeht, spielt Oda laut dem Databook »One Piece Blue« mit dem Gedanken, einen Mecha-Manga zu zeichnen.
So lässt er sich auch nach 26 Jahren im Business seine Begeisterung für das Medium offensichtlich nicht nehmen, dem er mit viel Liebe, Hingabe und Willenskraft zum Durchbruch verholfen hat …


Das könnte dich auch interessieren!

*Die hier aufgeführten Angebote sind mit sogenannten Affiliate-Links versehen. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Ninotaku: Ohne Auswirkung auf den Preis erhalten wir vom Anbieter eine kleine Provision.


Jetzt seid ihr gefragt!

Welche Frage würdet ihr Eiichiro Oda gerne einmal stellen? Und was ist eurer Meinung nach das Faszinierendste an »One Piece«?

Schreibt es uns in die Kommentare!

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei