Dragon Ball Z: Kakarot geht neue Wege und fügt den Prügeleien von Son Goku und Co. einen Rollenspielanteil hinzu. Doch wie gut ist dieser Schritt gelungen?

In Dragon Ball Z wird viel gekämpft. Es ist also nur logisch, dass die meisten Umsetzungen zum erfolgreichen Manga und Anime Beat ‘em Ups sind. Allerdings hat die Reihe immer noch eine Geschichte zu erzählen und diese Tatsache haben die meisten Titeln eher stiefmütterlich behandelt.

Mit Kakarot ändert sich das auf PC, PlayStation 4 und Xbox One grundlegend. Denn das ist ein waschechtes Rollenspiel und legt seinen Fokus auf alle drei großen Arcs der Z-Saga. Aber schafft es dabei mehr als nur Fan-Service zu bieten?


Präsentation 1+ mit Sternchen

Schon im Intro fesselt das Spiel Fans mit dem bekannten Titelsong.

Bevor es richtig losgeht, startet Kakarot stilecht mit dem bekannten Anime-Intro samt original Titelsong »Cha-La Head Cha-La« – nur dass die Entwickler die Spielegrafik hierfür verwenden. Das versprüht sofort eine enorme Atmosphäre und entführt uns direkt in die Welt von Son Goku.

Die Geschichte selbst startet idyllisch mit dem Kämpfer und seinem Sohn Son Gohan, die für Ehefrau und Mama Chichi Zutaten fürs Mittagessen einsammeln sollen. Wir steuern also den Helden durch ein kleines Gebiet, angeln, fliegen auf der Wolke Jindujun nach Hause und erleben einen gemächlichen Einstieg.

Natürlich bleibt das nicht lange so und die verhängnisvollen Ereignisse beginnen mit der Ankunft von Raditz, einem außerirdischen Saiyajin. Was folgt, kennen Manga- und Anime-Fans nur allzu gut: Die Helden der Erde wehren sich gegen eine Invasion aus dem All, immer stärkere Feinde tauchen auf und Son Goku wächst immer wieder über sich hinaus.

Die Hauptmissionen warten immer wieder mit sehr schicken Zwischensequenzen auf.

Genau wie das Intro bleiben die drei großen Arcs um Freezer, Cell und Boo inszenatorisch auf hohem Niveau. Zwar gibt es immer wieder Gespräche, in denen die Charaktere einfach nur voreinander stehen und sich mit dem Minimum an Animationen unterhalten. Dennoch warten immer wieder Zwischensequenzen auf uns, die dem Anime in nichts nachstehen.

Dazu dröhnen die bekannten Stücke der Serie und einige Variationen von ihnen aus den Lautsprechern und die Originalsprecher aus Japan klingen aus den Mündern der Figuren. Einzige Wermutstropfen: Eine deutsche Vertonung gibt es nicht und nicht alle Szenen tauchen im Spiel auf.

Kakarot verkürzt beispielswiese die Ankunft von Trunks aus der Zukunft, was grade bei Neulingen für Verständnisprobleme sorgen könnte. Insgesamt kommen aber auch Einsteiger gut klar, weil der Titel viel erklärt und wir es im Zweifel in der Enzyklopädie im Hauptmenü nachlesen können.


Spaßige Kämpfe mit Abstrich in der B-Note

Kämpfe sind der Fokus des Abenteuers und machen trotz einfachem System viel Spaß.

Trotz Story-Fokus bleibt Kakarot immer noch ein Spiel. Will heißen: Wir müssen auch etwas tun und das bedeutet selbstverständlich die meiste Zeit Kämpfen. Zu Beginn sind wir noch überfordert, weil der Titel uns nur mit erklärenden Texttafeln kalt ins Wasser schmeißt. Dank der seichten Gegner finden wir uns aber schnell ein.

Die Prügeleien finden in der Luft statt und wir schlagen mit Kreis/B zu, oder schießen mit Viereck/X KI auf den Feind. Mit L2/dem linken Trigger gehen wir in Verteidigungshaltung, mit Kreuz/A weichen wir aus. Außerdem sausen wir mit dem Druck auf den linken Analogstick direkt auf den Gegner zu und verpassen ihm ein paar Ohrfeigen.

Halten wir L1/den linken Bumper gedrückt, öffnet sich zudem ein Menü und wir wählen Superangriffe aus, etwa das klassische Kamehameha. Später lösen wir mit L2 und R2/dem linken und rechten Trigger außerdem Transformationen aus und setzen mit R1/dem rechten Bumper Freunde als Unterstützung ein, etwa Piccolo als Verstärkung in der Offensive.

Später schlüpfen wir auch in die Haut von anderen Helden.

Weil die Bosse und Feinde nicht in einem Versus-Modus ebenfalls funktionieren müssen, fühlen die Schlachten sich sehr gut an. Freezer ist der extrem überlegene Bösewicht und auch Boo weist uns oftmals in die Schranken. Die große Tiefe erwartet uns aber in den Gefechten nie. Es reicht selbst bei den schwersten Gegnern die Block- und Ausweichtaste zu bemühen und dann immer wieder Nadelstiche zu setzen. Das Kämpfen ist nach einiger Zeit damit viel zu leicht.

Ebenfalls bedauerlich ist es, dass Entwickler CyberConnect2 nicht die Quick-Time-Events aus ihrer Ultimate-Ninja-Storm-Reihe übernommen hat. Damit hätten einige Gefechte ein noch deutlich intensiveren Abschluss bekommen. Das Trefferfeedback bleibt aber auch ohne die QTEs enorm befriedigend, weil es akustisch knallt und die Gegner gerne mal Kilometer weit wegfliegen.


Der kleine, aber feine Rollenspielanteil

Fertigkeiten kaufen wir uns für die überall in den Arealen verstreuten Z-Orbs.

Neben den Schlachten will sich Kakarot vor allem mit seinen RPG-Elementen absetzen. Dementsprechend gibt es ein Levelsystem, ein Fertigkeitenbaum, ein Kochsystem und ein Community-Board.

Ersteres funktioniert recht klassisch: Für besiegte Gegner und erledigte Quests hagelt es Punkte, mit denen ihr nach und nach aufsteigt. Wir verbessern dabei allerdings nicht selbst die Attribute, sondern erhalten einfach vordefinierte Boni.

Im Fertigkeitenbaum entscheiden wir dafür, welche Fähigkeiten wir freischalten. Wir schalten hier neue Superattacken für Son Goku und Co. frei – denn wir steuern nicht nur den titelgebenden Helden. Story-bedingt wechselt die Spielfigur, also müssen wir auch Piccolo, Son Gohan und mehr verbessern. Wir stärken entweder bereits bekannte Angriffe, oder schalten neue frei. Dafür sammeln wir Z-Orbs ein, die überall in der Welt herumschweben. Blaue Kugeln sind am Wasser, grüne in Wäldern und so weiter.

Ebenfalls am blauen Nass finden wir immer wieder kleine Angelstellen vor, an denen Son Goku riesige Fische an Land zieht. Alternativ erledigen wir Tiere an Land und erhalten so deren Überreste. Aus den Zutaten bereiten wir dann an Lagerfeuern haufenweise Gerichte vor, die uns temporäre Boni für den Kampf verleihen – etwa einen härteren Schlag. Allerdings kommt das System nicht über ein »nett« hinaus, weil wir die Statuseffekte für die Gefechte nie brauchen. Immerhin sind die nach kurzer Eingewöhnung nicht unbedingt schwer.

Das Community-Board bleibt motivierend, weil es nicht DIE perfekte Zusammenstellung gibt.

Dafür motiviert das Community-Board sehr. Erledigen wir Haupt- und Nebenmissionen, erhalten wir Seelenabzeichen (in Form von Münzen) bekannter Charaktere. Die setzen wir auf einem Brett ein und verbessern so unsere Statuswerte. Durch bestimmte Kombinationen aktivieren wir aber auch Community-Fähigkeiten.

Liegen Son Goku und Sohn Son Gohan direkt nebeneinander, schalten wir den Bonus »Ultimatives Vater-Sohn-Team« ein und verbessern unsere Unterstützungsanzeige im Gefecht. Wir finden dutzende von den Münzen im Spiel und schalten nach und nach noch sechs weitere Bretter frei, in die wir alle einsetzen können. Weil sich die Boni im Kampf bemerkbar machen und wir selbst herumtaktieren, macht dieses RPG-Element enorm viel Spaß.


Die leere »Open World«

Das Fliegen macht enorm viel Spaß, weil es sich einfach gut anfühlt.

Die größte Schwäche von Kakarot ist leider seine offene Welt, beziehungsweise seine offenen Gebiete. Denn wir reisen per Weltkarte zwischen Arealen hin und her, in denen wir uns frei bewegen. Nur gibt es darin nicht viel zu sehen. Die Orb-Suche macht anfangs noch Spaß, weil das Fliegen durch die hübschen Gebiete einfach gut funktioniert.

Aber ansonsten gibt es hier nicht viel zu tun: Viel zu schwache Gegner überraschen uns immer mal wieder, wir sammeln Zutaten ein, finden Dragon Balls und erledigen Nebenmissionen. Insbesondere letztere sind enorm verschenkt, da sie spielerisch sehr eintönig ausfallen. Wir absolvieren ein kleines Gefecht, oder holen Gegenstände. Mehr Varianz gibt es nicht.

Dass diese Filler-Folge im Spiel ist, ist großartig. Dennoch bleiben die Nebenmissionen recht dröge.

Das ist insofern schade, weil Kakarot hier immer wieder Filler-Folgen des Anime einbaut. Wer kann sich zum Beispiel an die Folge erinnern, in der Son Goku und Piccolo den Führerschein machen? Die gibt es hier, bleibt inszenatorisch und spielerisch aber völlig unter ihren Möglichkeiten. Zur Belohnung gibt es hier auch ein Auto, das wir nie brauchen, weil das Fliegen sowieso schneller ist.

Die Suche nach den sieben Dragon Balls bleibt ebenfalls doch recht unspektakulär, weil Wünsche wie »Sehr viele Orbs« nicht das ausschöpfen, was die Wunderkugeln hergeben würden. Es tut den Gebieten zudem nicht gut, dass sie zwar toll aussehen, aber sehr statisch bleiben. Es wuseln etwa kaum NPCs durch die Städte und es gibt nur wenige Tiere in der freien Wildbahn. Dadurch fühlen sich diese Abschnitte häufig wie Füllwerk an.


Fazit

Dragon Ball Z: Kakarot ist nicht der Messias der Anime-Spiele, dafür krankt es einfach an zu vielen Stellen. Insbesondere die offenen Areale sind eine vertane Chance, weil sie kaum Anreize zur Erkundung bieten – Community-Board-Münzen hin oder her.

Das ist schade, denn würde der Titel mich hier mehr bei der Stange halten, wenn er die Welten lebendiger gefüllt, oder zumindest die Aktivitäten darin abwechslungsreicher gestaltet hätte. So triebt mich vor allem meine Nostalgie an, die bekannten Bereiche zu finden und zu erkunden.

Dennoch bleiben vor allem die vielen positiven Erinnerungen zurück. Kein anderes Dragon Ball-Spiel hat die kompletten drei Arcs so gut inszeniert und mir das Gefühl gegeben, meine Kindheit nachzuspielen. Ich kann in diesem Zug auch nur betonen, wie wichtig und gut der originale Soundtrack dabei ist.

Kakarot ist damit kein Spiel, dass man als Nicht-Kenner der Vorlage gespielt haben muss. Man wird dennoch eine gute Zeit mit dem Titel haben und für Fans ist das Spiel sowieso Pflicht. Denn aller Kritik zum Trotz ist das die beste Nacherzählung der Reihe, die jemals über den Bildschirm geflimmert ist.

Wertung der Redaktion: 4/5

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Matze162

Leider lässt das Spiel nach Freezer arg nach.

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