Dr. Stone - lustig
© 米スタジオ・Boichi/集英社・Dr.STONE製作委員会

Der Anime Dr. Stone verbindet auf geniale Art und Weise realistische Wissenschaft mit fantastischen Elementen. Dennoch weist die Geschichte einige kleine Fehler auf. Wir zeigen euch, welche!

Wie unser Faktencheck zur Dr. Stone erst neulich bewiesen hat, haben die beiden Autoren der abenteuerlichen Steinzeitgeschichte insgesamt ganze Arbeit geleistet und ihre Hausaufgaben gründlich erledigt.

Dennoch haben sie sich allem Anschein nach zumindest ein paar kleine Schnitzer geleistet, die wir euch, anknüpfend an unseren ersten Teil dieser kleinen Artikelreihe, im Folgenden etwas genauer erklären wollen.

Weinproduktion in der Steinzeit

Dr. Stone Wein
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Im Grunde hat Senku vollkommen recht: Um minderwertigen Wein herzustellen, der ungefähr so gut schmeckt wie jahrhundertealtes Brackwasser mit einer Handvoll Fallobst, muss man eigentlich nicht mehr tun, als Trauben oder Rosinen zu zerstampfen und das Erzeugnis anschließend in einem verschlossenen Behälter gären zu lassen.

Zur Herstellung von Wein mit einem höheren Alkoholgehalt – welcher immerhin für die Rezeptur von Senkus Wunderelixir von großer Wichtigkeit ist – wird allerdings entweder Hefe, Zucker oder beides hinzugegeben. In den meisten Fällen wird Hefe verwendet, welche durch ein Enzymgemisch namens Zymase beim Gärungsprozess als Katalysator fungiert und dafür sorgt, dass der Zucker im Behälter zu Ethanol umgewandelt wird.

Mehr Zucker und Hefe = Mehr Alkohol

Da die Anwesenheit von Zucker die Grundvoraussetzung zur Entstehung von Ethanol ist, kann außerdem auch noch zusätzlicher Zucker in die Mischung gegeben werden, um den Alkoholanteil zu steigern. Doch während Hefe und Zucker auf jeden Fall dafür Sorge tragen, dass der fertige Wein am Ende einen höheren Ethanolgehalt besitzt, ist es dennoch ohne Weiteres möglich, auch ohne diese Zutaten Wein herzustellen.

Das liegt daran, dass sich zu Senkus und Taijus Glück auch auf der Haut von Trauben und Rosinen eine ganze Menge Hefebakterien tummeln. Diese fressen den natürlich vorkommenden Fruchtzucker, verstoffwechseln diesen und scheiden anschließend als Abfallprodukt Ethanol aus.

Dr. Stone Trauben
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Ja, ihr habt richtig gelesen, die Hefe benutzt den Wein ganz ungeniert als Toilette und wir Menschen hielten es da natürlich für eine absolut geniale Idee, diesen edlen Tropfen als kulinarisches Kulturgut auszuerkiesen und anschließend jahrhundertelang damit anzugeben, wer von uns die ältesten und exquisitesten Hefeexkremente in seinem Weinkeller gelagert hat.

Aaaaber egal, genug davon. Der Punkt ist, dass der Zuckergehalt in natürlich vorkommenden Trauben, die nicht in selektiver Zucht von Menschenhand angebaut wurden, nur so hoch wie gerade nötig ist. Sprich, es ist nur so viel Zucker vorhanden, wie die Weinrebe für die Produktion ihrer Samen braucht.

Hinzu kommt noch, dass Hefe, die zur alkoholischen Gärung eingesetzt wird, bei zu wenig Zucker und einer daraus resultierenden zu geringen Alkoholkonzentration absterben kann. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Senkus Wein letztendlich wahrscheinlich entweder einen extrem geringen oder gar keinen Alkoholanteil vorzuweisen hatte.

Klüger wäre es hier gewesen, sich einen Bienenstock zu suchen und mithilfe des glukosehaltigen Honigs hochprozentigen Met herzustellen.

Kupferionen sind reines Gift für die meisten Pflanzen

Dr. Stone Buddha
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Diese Behauptung ist gar nicht unbedingt falsch. Allerdings hat der gute Senku hier ein paar wichtige Informationen unter den Tisch fallen lassen, womit sich seine Aussage eher auf Halbwahrheiten als auf unumstößliche, harte Fakten stützt.

Denn auch wenn es vielleicht erst mal logisch klingt, dass Spuren von Schwermetallen im Boden den umliegenden Pflanzen ganz schön auf die Nier… Vakuolen schlagen müssten, ist in den allermeisten Fällen doch eher das Gegenteil der Fall. Tatsächlich brauchen die meisten Pflanzen sogar Kupfer, sodass sich ein mit dem Metall durchsetzter Nährboden im Grunde sehr förderlich auf die Vegetation auswirken kann.

Kupfer als überlebenswichtiger Pflanzennährstoff

Bei vielen Gewächsen übernimmt Kupfer als Bestandteil verschiedener Enzyme zum Beispiel eine entscheidende Rolle beim Transport von Elektronen, die für die lebensnotwendige Fotosynthese verwendet werden. Pflanzen, die zu wenig natürlich vorkommendes Kupfer auf ihrem Nährboden gewinnen können, werden in ihrem Wachstum gehemmt, verlieren ihre grüne Farbe oder sterben sogar komplett ab.

Auf der anderen Seite heißt es allerdings wie bei so vielen Dingen: Die Dosis macht das Gift. Denn genauso, wie wir Menschen sogar durch Wasserüberschuss sterben können – nein, Kevin, ich meine nicht Ertrinken – so können auch Pflanzen durch einen Exzess an Kupfer zugrunde gehen. Dieses Phänomen tritt allerdings nur extrem selten auf.

Da in der Welt von Dr. Stone jedoch bereits 3700 Jahre ins Land gegangen sind, in denen immer mehr Kupferionen in den Boden unter dem großen Buddha von Kamakura sickern konnten, liegt eine solche Entwicklung eventuell sogar wirklich im Bereich des Möglichen.

Traubenzucker in Schwarzpulver?

Dr. Stone Schwarzpulver
Nach dem Vorbild des großen Jesse Pinkman aus Breaking Bad, der es für eine coole Idee hielt, sein Crystal Meth mit Chillipulver zu strecken, streckt Senku nun auch sein Schwarzpulver mit Traubenzucker. | © 米スタジオ・Boichi/集英社・Dr.STONE製作委員会

Als Senku plötzlich mit einem süffisanten Siegerlächeln auf den Lippen ein Fläschchen mit Traubenzucker aus seinem Lendenschurz zog und es anschließend in die fertige Schwarzpulvermischung kippte, kam mir das sofort etwas spanisch vor. Aber hey, ich hab mir zuerst nicht viel dabei gedacht und bin einfach davon ausgegangen, dass ich ungebildeter Kretin einfach keine Ahnung von der hohen Kunst der Wissenschaft habe.

Eine kurze Recherche später, bei der ich unter anderem auch einen amüsanten Schriftwechsel zwischen einer Gruppe leidenschaftlicher Explosionsliebhaber aus einem englischen Forum für Pyrotechnik mitverfolgen durfte, die sich über diese »absolut hirnverbrannte Idee« aufregten, bin ich jedoch irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass sich die Autoren von Dr. Stone da anscheinend doch einen kleinen Patzer geleistet haben.

»Allet Humbug, Minjung!« – Herbert* (45), Pyrotechniker

Glukose kommt allem Anschein nach in keiner bekannten Rezeptur für Schwarzpulver vor und kann in großen Mengen die Explosionskraft des Endprodukts sogar reduzieren. Denn Zucker brennt zwar tatsächlich, hat allerdings nicht mal eine halb so große Dichte an thermischer Energie wie Holzkohle vorzuweisen.

Da Senku außerdem auch gar nicht weiter erklärt hat, warum er denn nun den Zucker mitreingemischt hat – außer, dass er »das Endprodukt etwas aufmöbeln« wollte – beschleicht mich hier das Gefühl, dass die Autoren eventuell selbst nicht so genau wussten, was diese ganze Aktion überhaupt soll.

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Jetzt seid ihr gefragt!

Habt ihr irgendwelche Ideen, die diese Fehler erklären oder sogar berichtigen könnten? Oder habt ihr vielleicht auch selbst noch weitere Lücken in der Story von Dr. Stone gefunden? Schreibt es uns in die Kommentare!

Quellen: Reddit (Dr. Stone-Subreddit), Wikipedia (Weinherstellung), Wikipedia (Schwarzpulver), kali-gmbh.com, hausgarten.net

*Name von der Redaktion abgeän… frei erfunden. Genau wie das Zitat auch.

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Daniel
Gast
Daniel

Zu der Sache mit dem Traubenzucker. Es macht aus meiner Sicht schon Sinn. In Modell Raketen Bau wird öfter ein Treibstoff aus zum Teil Zucker verwendet und da wird so eine höhere Leistung als mit schwarzpulver erzielt. Alternativ könnte ich es mir auch vorstellen das er damit mehr Rauch erzeugen wollte um es eindrucksvoller erscheinen zu lassen.

Mesodras
Gast
Mesodras

Ja ihr habt recht, der Anteil von Alkohol in dem Wein ist vermutlich nur sehr gering, aber das ist egal da man ja sehen kann das er mehr davon hatte, denn es wurde erwähnt das er den wein destiliert. Er erhöht die Konzentration einfach und benutzt das dann zur Herstellung des Niltals.

Aslan Golzine
Gast
Aslan Golzine

ich freu mich auch schon auf el camino

AnTi
Gast
AnTi

Also im großen und ganzen sind das alles keine Fehler sondern Sachen die man auch anders machen kann also ist dieser komplette post sinnlos. Hast du gut gemacht. 🙂

Nees
Gast
Nees

Er einfach so einen Bienenstock anzugreifen, nur weil es höhere Chancen bei der Alkoholherstellung hervorbringen kann, ist auch nicht die richtige Lösung. In dieser Zeit ohne Heilmittel ist es gefährlich sich einfach so dem zwar gringen aber dennoch vorhandenen Gift der Bienen auszusetzen, da eine Unverträglichkeit in Kombination mit der vermutlich hohen Menge an Gift, durch eine Enorme Anzahl an Bienen, doch sehr gefährlich sein kann. Also ist die Option mit dem Wein doch um einiges angenehmer und sicherer, würde ich vermuten.

Flat
Gast
Flat

Also zur der Sache mit dem Wein, wenn es destiliert wird, denn kommt am ende immer etwas hochprozentiges raus, wenn man die Temperatur dabei bedacht. Die Menge die entsteht, kommt von der Konzentration und dem Ausgangsvolumen an.

Zum Thema Schwarzpulver herstellen. Der Zucker gehoert da gar nicht dazu.
Mit Zucker und Kaliumnitrat kann man ein Rauchbombe bauen und nicht mehr.
Fuer die Herstellung von Schwarzpulver ist es irrelevant. Da braucht man nur Schwefel. Holzkohle und Kaliumnitrat im richtigen Verhaeltnis.

Kris
Gast

Wieder mal ein toller Artikel! Super geschrieben! 🙂 And again – made my day! 😉