© Asako Yuzuki / Ayuko / Shueisha

Die Seele eines jungen Mädchens ist fragil wie Glas – doch was passiert, wenn das Übernatürliche ins Leben tritt? Wir haben uns die Shoujo-Neuheit Die Freundin der Hexe geschnappt und erklären euch, warum der Manga mehr verbirgt, als es zunächst den Anschein macht. 

Die Mystifizierung der weiblichen Charakterentwicklung hat vor allem im Anime- und Manga-Bereich eine lange Geschichte und ist immer wieder der Mittelpunkt verschiedenster Werke – so auch im knuffigen Zweiteiler Die Freundin der Hexe, den der Tokyopop-Verlag am 19. September auf den deutschen Buchhandel losgelassen hat und der den steinigen Weg der Mauerblümchens Soyo beschreibt, nachdem diese die markerschütternde Bekanntschaft einer Hexe macht.

Wir haben uns beide Bände der Geschichte durchgelesen und verraten euch, ob sich ein Griff zur Hexenstory lohnt und warum Soyos Straße zum Erwachsenwerden ein überraschend tiefgründiges Kunstwerk darstellt.

Alle Infos zu Die Freundin der Hexe!

Originaler Titel: Mahoutsukai no Shinyuu
Genre: Slice of Life, Abenteuer, Romance, Supernatural
Verlag: Tokyopop
Mehr Infos: Beschreibungen und Preise
Story: Asako Yuzuki
Zeichnungen: Ayuko
Original erschienen bei: Shueisha
In Japan erschienene Bände: 2 (Abgeschlossen)
Deutscher Rythmus: Abgeschlossen


Darum geht es in Die Freundin der Hexe!

© Asako Yuzuki / Ayuko / Shueisha

In der Schulklasse der 14-jährigen Bäckerstochter Soyo herrschen felsenfeste Regeln: Wer sich nicht anpasst, wird von der fiesen Karen und ihren Handlangern ordentlich schikaniert, sodass sich keine der Schülerinnen traut, ansatzweise aus der Reihe zu tanzen. Auch Soyo hat deftigen Respekt vor Karens Gemeinheiten und führt daher ein unauffälliges Leben zwischen Süßkram, Hausaufgaben und ihren unschuldigen Gefühlen für Schulschwarm Ryohei.

Gleichzeitig taucht die Hexe Lisa in der Menschenwelt auf, um dort einer Mission von gravierender Bedeutung nachzugehen: Sie soll die vor 200 Jahren verbannte Prinzessin der Unterwelt suchen, um die in ihrem Herzen verborgene Lotusblüte zu bergen und damit die völlig ausgebrannten Energiereserven der Hexenheimat wiederherzustellen.

Als Lisa auf ihrer Suche als Neuzugang in Soyos Klasse spaziert, wirbelt sie das Leben des zurückhaltenden Mädchens ordentlich durcheinander – denn das durch ihre außerordentliche Schönheit, Intelligenz und sportliche Leistungsfähigkeit hervorstechende Mädchen lebt ganz nach seinen eigenen Regeln – und dampft damit natürlich mitten in Karens strenges Regiment


Weise wie eine Lotusblüte

Nimmt man den ersten Band von Die Freundin der Hexe vor dem örtlichen Bücherregal in die Hand, wirkt die Geschichte wie ein heiteres Shoujo-Abenteuer, in der eine niedliche Protagonistin eine übernatürliche Begegnung macht und anschließend mit einer spannenden Aufgabe im Schlepptau verrückt-quirlige Abenteuer erlebt.

Doch bereits in den ersten Panels entpuppt sich der Manga als eine überraschend gesellschaftskritische und realistische Coming-of-Age-Geschichte, die das Thema der Selbstfindung, sowie Mobbing und Zivilcourage in den Mittelpunkt rückt. Im Nachwort des ersten Bandes spricht Autorin Asako Yuzuki davon, dass sie sich stets mit anderen verglichen hat und Soyo somit in gewisser Hinsicht sie selbst repräsentiert.

© Asako Yuzuki / Ayuko / Shueisha

Das merkt man auch, denn statt einer warmherzigen Heldin, die stets nur Gutes tut, ist Soyo zu Anfang der Geschichte fast schon unangenehm und vertritt mit Überzeugung ihre verquere Weltanschauung voller Charakterschwäche und Unsicherheit, bevor sie im Laufe der Story dazulernt und sich als Persönlichkeit weiterentwickelt.

Das Symbol der Lotusblüte kommt dabei nicht von Ungefähr, denn die Blume steht für Reinheit, Weisheit und Vollkommenheit und symbolisiert mit ihrer Blüte in den Herzen der Charaktere direkt die Message der Geschichte, hinter seinen eigenen Idealen zu stehen und seine Persönlichkeit voll auszuspielen, statt sich von anderen gesetzten Wertvorstellungen unterzuordnen und so zu einer leeren Hülle zu verkommen, die sich einer fremden Lebensweise beugt.

Besonders interessant daran ist im Manga das Vorkommen des Übernatürlichen – denn nicht selten ist Magie in Geschichten für eine junge weibliche Zielgruppe eine Metapher für die Pubertät – für eine grundlegende Veränderung des Selbst, eine Zeit voller neuer Erfahrungen und die Herausbildung einer reifen, erwachsenen Persönlichkeit.


Ein Manga zum Verlieben

Trotz seines vielschichtigen Inhalts ist Die Freundin der Hexe kein bierernster Manga, sondern weiß seine Story durch gelegentlich eingestreute niedliche Passagen neben der charmanten Kulleraugen-Optik für Einiges an Auflockerung zu sorgen. Dabei sind es vor allem die zahlreichen knuffigen Details, die Sympathie wecken, so wie etwa das doppelte Geheimnis des Schulschönlings Ryohei, Lisas niedliche Begleiter oder zahlreiche ironische Anspielungen auf klassische Hexenliteratur, bei der auch gerne einmal die vierte Wand durchbrochen wird – schließlich spielen Hexengeschichten immer in Kunitachi.

Was auf dem Weg zum Erwachsenwerden natürlich mindestens genau so dazugehört wie die Findung eigener Wünsche und Ideale ist natürlich auch die Liebe und die ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Während am Anfang nur eine flüchtige Schwärmerei vorherrscht, wird es in Die Freundin der Hexe shoujo-untypisch später überraschend ernst und es entfaltet sich eine romantische, emotionale und angenehm unvorhersehbare Liebesgeschichte, die auf schöne Art und Weise die Bedeutung menschlicher Bande und den Weg, wie sich Liebe entwickelt, in den Handlungsverlauf einbettet.

Auf dem Weg durch seine acht Kapitel greift Die Freundin der Hexe also auf kreative Art und Weise verschiedene Themen aus der Gefühlswelt einer Jugendlichen auf, die er mit spaßigen Supernatural-Elementen vereint und so seine Message »Sei du selbst!« noch tiefer ins Herz seiner Leser gräbt.


Schön wie eine Blume

Auch bei der Covergestaltung schlägt sich Ayukos liebevoller Stil nieder. | © Asako Yuzuki / Ayuko / Shueisha

Optisch überzeugt Die Freundin der Hexe auf ganzer Linie – Zeichnerin Ayuko arbeitet mit unterschiedlichen Schattierungen, um die Straßen von Kunitachi wahlweise schmutzig und düster oder hell und einladend zu gestalten, und trifft den Stimmung-Nagel mit jeder einzelnen Illustration voll auf den Kopf.

Die in der Historie der Shoujo-Manga fest verankerte Blumensymbolik ist bei Die Freundin der Hexe nicht nur ein Teil der Geschichte, sondern auch optisch allgegenwärtig – mit viel Liebe und Authentizität legt die Zeichnerin hier Wert auf Symmetrie und kleine, aber feine Details und sorgt so für einen Mix aus Realismus und fast schon märchenhaftem, übernatürlichem Charme. Natürlich gilt das auch für die Darstellung der Charaktere, die in einer Geschichte über Persönlichkeitsentwicklung selbstverständlich nicht fehlen darf.

Auch hier zeigt sich Ayuko leichthändig und lässt ihre Figuren sowohl in Köperhaltung als auch Ausdruck extrem authentisch und realistisch wirken, sodass der Manga visuell über jeden Zweifel erhaben ist.


Fazit – ein echter Geheimtipp

Trotz seines unscheinbaren Äußeren ist Die Freundin der Hexe kein 08/15-Shoujo und auch mehr als eine nette Abenteuer-Geschichte: Nämlich ein tiefgründiges Coming-of-Age-Werk mit niedlichem Kulleraugen-Anstrich, das aus künstlerischer Sicht zu jedem Zeitpunkt seine Höchstleistung auffährt.

Von Mobbing über die erste Liebe bis hin zur Bedeutung der Freundschaft werden die verschiedensten Stationen auf dem Weg zum Erwachsenwerden abgeklappert und in eine spannende Story gehüllt, die ihre Leser mit einem Mix aus realistischem Alltag und magischer Fantasy in eine unfassbar dichte Stimmung zieht und schließlich mit einem wohligen Gefühl hinterlässt.

Wir bedanken uns herzlich bei Tokyopop für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars! 


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Jetzt seid ihr gefragt!

Was würdet ihr euch wünschen, wenn euch eine Hexe einen beliebigen Wunsch freistellen würde? Und was ist euer Eindruck zu Die Freundin der Hexe?

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Obiner

Schöner Artikel endorino, wenn ich ihn mal in die Finger bekommen sollte werd ich ihn auf jeden Fall mal lesen

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