©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotable

Der Spring Season-Anime Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba haucht einigen Figuren Leben ein, die mehr Charaktertiefe besitzen, als es zuerst den Anschein macht. Wir stellen euch diese Figuren vor: Wer sie sind, was sie denken und was sie antreibt.

Nachdem ich in meiner Charakteranalyse zu Tanjirou Kamado bereits den Hauptcharakter von Demon Slayer vorgestellt habe, werfen wir nun einmal einen Blick auf Giyuu Tomioka, den geheimnisvollen Schwertmeister, der die finsteren Wälder auf der Jagd nach Teufeln durchstreift.


Dieser Artikel enthält persönliche Interpretationen des Autors, die nicht zwingend den eigentlichen Intentionen des Autors von Demon Slayer entsprechen müssen.


Giyuu Tomioka: Ein Mann mit einer Mission

Nicht nur Tanjirou Kamado wird als sympathische und glaubwürdige Persönlichkeit vorgestellt, sondern auch der geheimnisvolle Teufelsjäger Giyuu Tomioka erweist sich als ein gut durchdachter Widersacher mit ausgefeiltem Charakter.

Im Gegensatz zum typischen Bösewicht kämpft er nicht für ein eigennütziges Ziel. Es geht ihm nicht um Ruhm, Geld oder Macht, sondern ausschließlich darum, den Frieden dieser grausamen Welt zu bewahren und die Menschheit vor der Bedrohung der Teufel zu beschützen.

Denn wäre er tatsächlich der eiskalte Killer, als der zuerst in Erscheinung tritt und der ohne einen Hauch von Menschlichkeit im Abschlachten von Teufeln nichts als einen unterhaltsamen Zeitvertreib sieht, hätte ihn rein gar nichts daran gehindert, kurzen Prozess zu machen und den armen Tanjirou zusammen mit seiner sterbenen Schwester in den Armen im Schneegestöber zurückzulassen.

Mitten im Gefecht lässt der Teufelsjäger plötzlich seine Maske fallen und gibt sich einem Gefühlsausbruch hin. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Doch ganz offensichtlich gab es etwas, das ihn davon abhielt. Wieso sonst hätte er seine Zeit damit verschwendet, sich auf ein sentimentales Gespräch mit Tanjirou einzulassen? Ein Gespräch, das er wahrscheinlich schon unzählige Male mit anderen Menschen geführt hatte, die Tanjirous Schicksal teilten.

Es gibt keinen Grund, wieso Tanjirou in seinen Augen nicht einfach nur ein einfältiger Bengel sein sollte, der sich in seiner blinden Ignoranz in gefährlichem Wunschdenken verirrt und selbst dazu bereit war, das eigene Leben sinnlos wegzuwerfen.

Und sein wir mal ehrlich, genau das war Tanjirou auch. Und trotzdem zeigte er Mitleid. Trotzdem hörte er dem dummen Jungen zu, der so bereitwillig sterben wollte. Warum? Ich kann nur mutmaßen, aber ich vermute, dass auch er ähnliche Grausamkeiten erleben musste und Tanjirous Schmerz deshalb gut nachempfinden kann. Eine Vermutung, die durch seinen plötzlichen Gefühlsausbruch in Episode 01 nur noch bestärkt wird.

Der Stärkere überlebt: Man kriegt im Leben nichts geschenkt

Mit zorniger Mine erklärt der Teufelsjäger Tanjirou, wie die Welt funktioniert – oder zumindest, mit welchen Augen er sie sieht. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Im Gegensatz zu Tanjirou weiß er jedoch, dass Betteln und Winseln einen nicht weiterbringen. Dass den Menschen ihre eigenen Motive stets wichtiger sein werden, als Rücksicht auf die Wünsche anderer zu nehmen, und dass es zwecklos ist, an das Mitgefühl seiner Feinde zu appellieren.

Doch offenbar verbirgt sich hinter seiner harten Schale ein weicher Kern und eine nahezu väterliche Fürsorge, mit der er dem jungen Tanjirou die Augen öffnen und ihm den Weg weisen wollte. In seinem zornigen Redeschwall erklärte er Tanjirou aufbrausend, dass in dieser Welt nur die Starken überleben und sich behaupten können.

Dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist und Glaube im Angesicht des Todes eben doch keine Berge versetzen kann. Wenn er etwas haben soll, dann soll er es sich nehmen. Wenn er jemanden beschützen will, dann soll er kämpfen. Nicht winseln, nicht um Gnade flehen, nicht auf ein Wunder hoffen, sondern dieses Wunder selbst in die Hand nehmen.

Kaltblütiger Killer oder Beschützer der Menschheit?

Auf den ersten Blick wirkt der Teufelsjäger herzlos und gefühlskalt, doch verbirgt sich mehr hinter seiner eisernen Fassade. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Im weiteren Verlauf des Kampfes zeigt sich erneut deutlich, dass er nicht der reinen Grausamkeit oder Mordlust wegen auf die Jagd nach Teufeln geht. Er will keine Teufel abschlachten oder seinen eigenen Rachedurst stillen. Er will die Menschen beschützen. Aus diesem Grund war er selbst im Eifer des Gefechts dazu bereit, seine eigene Weltanschauung komplett infrage zu stellen.

In seinen Augen waren Teufel immer nur niederträchtige Kreaturen, die für menschliches Fleisch selbst ihre eigenen Familien abschlachten würden. Wieder und wieder hatte er miterlebt, wie Menschen ihre Liebsten auch nach deren Verwandlung in einen Teufel nicht aufgeben wollten – und dafür letztendlich mit dem Leben bezahlten. Diese Erfahrungen haben sich in sein Gedächtnis eingebrannt und sein Weltbild geprägt.

Wenn das eigene Weltbild zu zerbrechen droht …

Als Teufel sollte Nezuko eigentlich Sklavin ihres Blutdurstes sein, und dennoch wirft sie sich schützend vor ihrem geliebten Bruder. | Copyright: ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

Doch nun stand er vor einem Teufel, der sich trotzdessen seinen mörderischen Trieben widersetzte. Der sich nicht nur schützend vor den eigenen Bruder warf, sondern tatsächlich gegen ihn, den Schlächter der Teufel, kämpfen wollte. Nicht, wie er es sonst kannte, um sich am Ende den Bauch mit Menschenfleisch vollzuschlagen, sondern aus reiner, aufrichtiger Geschwisterliebe.

Einige würden nun sicher sagen, dass es doch ganz logisch wäre, dass Giyuu Nezukos Leben nach dieser Erkenntnis verschonte. Doch nur weil es logisch ist, heißt das nicht, dass viele Menschen ebenfalls so gehandelt hätten. Jeder, der schon mal eine hitzige Diskussion über Gott und die Welt geführt hat, weiß, was ich meine.

In den meisten Fällen ist es leider nahezu unmöglich, einen Menschen zur Einsicht zu bewegen, wenn dieser sich bereits auf eine Meinung festgefahren hat. Umso schwieriger wird es, wenn dabei das Weltbild angefochten wird, worauf diese Person einen wichtigen Teil ihrer Identität stützt.

Wieder und wieder hatte der Teufelsjäger erlebt, wie Teufel über ihre Familien herfällt, und sie im Glauben, das Richtige zu tun, dafür mit dem Tode bestraft. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotabl

In diesem speziellen Fall ging es sogar darum, dass der Giyuu sich eingestehen musste, dass seine größte Überzeugung womöglich auf einem reinen Irrglauben aufbaute. Das bedeutet nicht nur, dass seine bisherige Sicht auf das Leben und die Welt nicht der Realität entsprach, sondern dass er womöglich auch unzählige Teufel auf dem Gewissen hatte, in denen möglicherweise doch noch ein Funken Menschlichkeit steckte und die noch hätten gerettet werden können.

Messerscharfe Rationalität oder ein geheimer Wunsch?

Viele Menschen würden in einer solchen Lage sofort auf Durchzug schalten, die Augen vor der Wahrheit verschließen und schließlich genauso weiterleben, wie sie es vorher getan hatten. Ein einfacher, doch kein kluger Weg.

Giyuu hingegen schlug einen ganz anderen Pfad ein und lehrt uns damit, wie wichtig es ist, sich nicht von negativen Gefühlen wie Zorn oder Vergeltungsdrang leiten zu lassen und im Angesicht einer wichtigen Entscheidung stets offen dafür zu sein, eines Besseren belehrt zu werden.

Ob das nun bedeutet, dass er ein sehr rationaler und vernünftiger Mensch ist oder ob er sich insgeheim ohnehin schon gewünscht hatte, einen Grund zu finden, diesmal kein Blut vergießen zu müssen, wird sich im Laufe der Serie hoffentlich noch herausstellen.


Nezuko Kamado: Faucht, kratzt und beißt gerne

Obwohl Nezukos Hunger nach Menschenfleisch sie ständig plagt, versucht sie mit aller Kraft, sich ihren Trieben zu widersetzen. | ©Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotable

Als kleinen Bonus gibt es auch noch ein paar Zeilen über Nezuko Kamado!

Wie ihr schon an der Überschrift erkennt, gibt es über Tanjirous Schwester im Moment jedoch leider noch nicht viel zu sagen. Seit sie sich in einen Teufel verwandelt hat, beschränken sich ihre Wortäußerungen ausschließlich auf Fauchen, Kreischen und Knurren. Manchmal kratzt sie auch. Aber zumindest ist sie dabei süß. Auch wenn sie ab und zu sabbert.

Da sie sich allerdings trotz ihres Blutdurstes ihren teuflischen Trieben widersetzen konnte, liegt die Vermutung nahe, dass auch sie ähnlich wie Tanjirou eine sanfte Seele ist, die ihre Familie sowie die Gemeinschaft, in der sie lebte, über alles liebte und nur deshalb aus der mörderischen Trance der Teufel erwachen konnte.

Mehr ist bis jetzt nicht bekannt, da die kurze Zeit, in der wir Nezuko als Menschen erlebt haben, leider noch keine wirklichen Rückschlüsse über ihren Charakter zulassen.


Jetzt seid ihr gefragt!

Wie findet ihr Giyuu Tomioka? Hat der geheimnisvolle Teufelsjäger euer Interesse geweckt oder ist er in euren Augen nur ein weiterer unter tausenden Möchtegerns, die einfach nur gerne große Reden schwingen? Schreibt es uns in die Kommentare!

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habsgleich

Ich bin mal wirklich auf die Entwicklung der Schwester gespannt!

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