© Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotable

Seit Beginn der Spring Season bewegt die Geschichte von Teufelsjäger Tanjirou und seiner zum Biest gewordenen Schwester Nezuko tausende Herzen – doch steckt vielleicht mehr hinter der Story als ein emotionaler Action-Anime? Wir haben für euch genauer hingeschaut!

Als hätte der Tod seines Vaters den dreizehnjährigen Tanjirou nicht schon genug gebeutelt, findet er eines Tages seine gesamte Familie aufs Grausamste massakriert als Opfer der menschenfressenden Teufel vor – die einzige Überlebende ist seine Schwester, die selbst zum Teufel geworden nun zum Mittelpunkt seines Lebensziels wird: Nezuko wieder zu einem Menschen zu machen.

Nach seinem pompösen Auftakt entfaltet Hype-Anime Demon Slayer nicht nur einen brachialen Shounen-Epos, vollgestopft mit bildgewaltigen Kampfsequenzen aus dem renommierten Studio Ufotable, sondern auch eine emotionale Geschichte um die Bindung zweier Geschwister. Was uns das Verhältnis zwischen Tanjirou und Nezuko über menschliche Bande verrät, wie Demon Slayer mit seiner eigenen Message umgeht und ob Familienleben in der Welt von Demon Slayer immer rosaroten Frohsinn bedeutet, erfahrt ihr in unserer Analyse!

Wo kann ich den Anime schauen?

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Die actionreichen Episoden von Demon Slayer stehen euch hierzulande beim Streaming-Anbieter Wakanim zur Verfügung. Dort könnt ihr die Serie auf Japanisch mit deutschen Subs entweder als Teil eines Abos für 5,00€ monatlich schauen oder als Einzelkauf für insgesamt 20€ dauerhaft eurer Sammlung hinzufügen, womit euch auch die Möglichkeit freisteht, die Folgen zu downloaden.

Ein Release auf Blu-ray und DVD seitens Peppermint Anime ist für Frühjahr 2020 geplant, weitere Details dazu gibt es jedoch noch nicht.

Beim Leben meiner Schwester

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In den einzelnen Handlungsbögen von Demon Slayer, zwischen all den Kämpfen, Dialogen und Handlungen, zwischen der finalen Auslese und dem Haus des Trommlerteufels gibt es ein Thema, das wie ein roter Faden immer wieder erscheint: Die Familie. Wie in fast jedem Shounen-Anime spielen soziale Bande in Demon Slayer eine gravierende Rolle für die Charaktere, jedoch sticht unter all den Beziehungen in der Welt die zwischen Tanjirou und Nezuko besonders heraus, da sie ein perfektes Beispiel dafür ist, warum das soziale Konstrukt der Familie überhaupt existiert.

Denn warum spielt im Leben eines Menschen kulturübergreifend die Familie eine wichtige Rolle? Warum bedeuten uns unsere Verwandten etwas, obwohl wir uns nicht, wie im Falle einer Freundschaft oder Liebesbeziehung, aus freien Stücken dazu entschieden haben, unser Leben mit ihnen zu verbringen, sondern mehr oder weniger in die Familie »hineingeboren« wurden? Die Antwort ist relativ simpel: Der Mensch ist ein Herdentier.

Nicht nur Nezuko kann sich in ihrer unglücklichen Situation voll auf ihren Bruder verlassen – auch Tanjirou profitiert durch den Schutz ihrer übernatürlichen Kräfte. | © Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotable

Menschen sind soziale Lebewesen und haben sich nicht ohne Grund in Gemeinden zusammengefunden, den Tauschhandel und später die Währung eingeführt, um von den Leistungen anderer zu profitieren und sich, zumindest in den meisten Kulturen, zur Monogamie verpflichtet. Abgesehen davon, dass für Säuglinge die Fürsorge ihrer Eltern überlebenswichtig ist, kommt jeder Mensch früher oder später mal in eine Situation, die er nicht allein bewältigen kann – entweder, da ihm die Fähigkeiten dazu fehlen oder weil er zu geschwächt oder anderweitig nicht in der Lage ist, sich eigens zu behelfen. Die Verpflichtung gegenüber seinen Verwandten, die eine Familie mit sich bringt, ist auf rationaler Ebene ein doppelter Boden, der stark und konsequent bestehen bleibt, während Freundschaften und Liebschaften eher als lockeres und eventuell auch vergängliches Verhältnis angesehen werden – denn »Blut ist dicker als Wasser«.

Wenn wir nun zu Demon Slayer zurückkehren, zeigt sich genau diese Rückfallebene im Verhältnis von Tanjirou und Nezuko: Was wäre wohl aus Nezuko geworden, hätte sich ihr Bruder nicht unter Einsatz seines Lebens dazu entschlossen, sie vor Giyuu zu beschützen? Was, wenn ihr die Wärme ihrer Familie nie zuteilgeworden wäre? Das enge familiäre Band der beiden sorgt dafür, dass ihr Bruder es notfalls mit der gesamten Welt aufnehmen würde, um Nezuko wieder zum Menschen zu machen – denn dazu ist Familie schließlich da.

Es ist nicht alles Gold … 

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Doch proklamiert Demon Slayer nun in einer Tour den Wert familiären Zusammenhalts und verschließt die Augen vor all den Fällen übergriffiger, gewalttätiger, konfliktbestückter oder anderweitig toxischer Familienbeziehungen? Nein, denn ein perfektes Gegenstück zu Tanjirou und seiner extrem positiven Auffassung von Familie ist Rui aus dem Natagumo-Arc. Hier zeigt sich deutlich, dass die Familie und insbesondere das Elternhaus einen starken Einfluss auf die Selbstfindung junger Menschen haben und dieser nicht nur positiv ausfallen, sondern durch mangelnde Empathie auch massiv ins Negative abrutschen kann.

Rui, der mit einem extrem schwächlichen Körper geboren wurde, entscheidet sich bei der Begegnung mit Muzan Kibutsuji zum Teufel zu werden und mithilfe seiner neugewonnenen Kraft ein ganz normales Leben zu führen. Doch als seine Eltern rausfanden, dass er zu einem menschenfressenden Schattenwesen geworden war, versuchten sie, ihn zu töten, obwohl sie sich zuvor über seine augenscheinliche Genesung gefreut hatten.

Aufgrund seiner Vergangenheit entwickelte Rui ein gestörtes Verhältnis zum Thema Familie. | © Koyoharu Gotoge / SHUEISHA, Aniplex, ufotable

Ob der Impuls der Eltern in diesem Moment richtig oder falsch war, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden, schließlich stand das Leben der Dorfbewohner auf dem Spiel. Doch relativ sicher ist, dass der Betrug seiner einzigen Bezugspersonen (schließlich war er vor seiner Verwandlung nicht in der Lage, überhaupt das Haus zu verlassen) in Rui einen schweren Vertrauensbruch und ein gestörtes Verhältnis zum Thema Familie auslöste. Anstatt ihren Sohn verstehen zu wollen oder eine Lösung für sein Problem zu suchen, wollten seine Eltern ihn schlicht und ergreifend loswerden.

So geht er von nun an mit erbarmungsloser Gewalt gegen Vertrauensbrüche vor und hält seine »Familienmitglieder« aus verzweifelter Angst vor Enttäuschung unter einem strengen Regiment, ganz entgegen des Konzepts der eigentlich selbstlosen Liebe, die ihn beim Anblick von Tanjirou und Nezuko völlig aus dem Konzept bringt und ihm lehrt, dass diese Zuneigung nicht erzwungen werden kann …

Gemeinsam sind wir stark!

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Müsste ich eine Gesamtbotschaft aus Demon Slayer herausziehen, wäre es wohl passend zum Aufbau der Geschichte ein shounen-mäßiges »menschliche Bande machen das unmögliche möglich«. Dabei proklamiert der Anime jedoch nicht die schon etwas altbackene Macht der Freundschaft, sondern in erster Linie die der Familie, die jedoch auch kritisch betrachtet und mit einem Negativbeispiel umso mehr hervorgehoben wird.

Nichtsdestotrotz, alleine türmen sich die Schwierigkeiten im Leben eines Menschen und es ist für den Einzelnen nahezu unmöglich, sie alle ganz allein zu bewältigen. Ein perfektes Zusammenspiel zwischen Menschen besteht daraus, sich gegenseitig zu helfen – sei es nun die Familie, die Freunde oder der Lebenspartner, auch wenn man das Verlangen in sich trägt, stets nur zu sich selbst zu halten und niemand anderem zur Last zu fallen, tut es gut, sich ab und an auf andere verlassen zu können und ist manchmal sogar unerlässlich.

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Was ist eurer Meinung nach die Kernaussage von Demon Slayer? Und als wie wichtig schätzt ihr soziale Beziehungen ein?

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Natürlich sind die deutschen natürlich mal wieder viel zu spät auf dem bandwagon