Death Note: L Lawliet - gut oder böse
| ©Tsugumi Ohba, Takeshi Obata/Shueisha ©DNDP, VAP, Shueisha, Madhouse

Der Anime zu Death Note spaltet bereits seit der japanischen Erstausstrahlung die Geister vieler Fans rund um den Globus. Nicht nur in Bezug auf Light Yagami, sondern auch auf seinen Gegenspieler, L. Waren seine Taten wirklich so gut, wie es den Anschein hatte, oder war er tatsächlich der wahre Bösewicht? Wir gehen der Sache auf den Grund!

Nachdem wir uns letzte Woche bereits mit der Frage beschäftigt haben, ob Light Yagami ein guter oder schlechter Mensch war, muss sich nun auch sein scharfsinniger Kontrahent L der unerbittlichen Moralkeule der NinotakuDE-Redaktion stellen.

War es L, der im Anime zu Death Note die Rolle des Guten einnahm? Genießt er allein deswegen, weil er aufseiten der japanischen Polizei steht und im Rahmen seiner Ermittlungen für das Gesetz gekämpft hat, moralische Überlegenheit? War er im Anime zu Death Note eindeutig der rechtschaffene Held und Light der skrupellose Bösewicht der Geschichte?

Oder hat der exzentrische Verbrechensbekämpfer doch auch selbst zu viel Dreck am Stecken, um sich guten Gewissens einen moralischen Menschen nennen zu dürfen?


L als exzentrischer Egoist, der nur an Fällen arbeitet, die sein Interesse wecken?

Death Note: L grinst
Ls wählerische Art, seine euphorische Stimmung und die heitere Gelassenheit, mit der er an seine Fälle herangeht, erwecken eher den Eindruck eines Adrenalin-Junkies auf der Suche nach dem nächsten Kick. | ©Tsugumi Ohba, Takeshi Obata/Shueisha ©DNDP, VAP, Shueisha, Madhouse

Wenn wir Ls Vergangenheit und sein Verhalten im Fall Kira einmal genauer betrachten, wird schnell ersichtlich, dass sich der geniale Barfußverfechter zwar ganz ohne Zweifel deutlich weniger zuschulden kommen ließ als sein massenmordender Widersacher, bei seinen Ermittlungen allerdings lange nicht so gewissenhaft und moralisch korrekt vorging, wie er selbst es stets darzustellen versuchte und wie es seine Kollegen von der Polizei auch tatsächlich taten.

Obwohl L im Namen der Gerechtigkeit handelte, erweckt es den Anschein, als wäre Ls Motivation, Light Yagamis übernatürliche Mordserie zu stoppen, überhaupt nicht durch seine persönliche Vorstellung von Moral oder Gerechtigkeit, sondern viel eher durch egoistische, selbstbezogene Gründe motiviert gewesen.

Es ging ihm nicht hauptsächlich – oder überhaupt – darum, das Böse zu bekämpfen, unschuldige Leben zu retten und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Stattdessen nutze er diesen vorgetäuschten Edelmut als Vorwand dafür, sich in eine neue Katz-und-Maus-Jagd zu stürzen. Selbst der Schöpfer von Death Note, Tsugumi Ōba, nannte L deswegen mit seinen eigenen Worten einen »Lügner« und »zumindest etwas böse«.

Und genau das war der scheinheilige Detektiv auch, denn für L war der geistige Kampf gegen Light Yagami nichts weiter als ein Spiel. Ein Spiel und ein intellektuelles Kräftemessen mit einem ebenbürtigen Gegner, das ihm nicht nur unheimliche Freude bereitete, sondern ihm auch eine Gelegenheit dazu gab, sein Genie erneut unter Beweis zu stellen und sein eigenes Ego mit neuen Errungenschaften zu füttern.

Genau für dieses eigenwillige Verhalten war L bereits vor Beginn seines letzten Falles bekannt, sodass auch in den Reihen der Polizei bereits üble Gerüchte über das detektivische Mastermind kursierten und L als ein »sehr egoistischer Mensch« beschrieben wurde, »der nur Fälle annimmt, die auch sein uneingeschränktes Interesse erwecken«.


Kein Mittel zu skrupellos – für die Gerechtigkeit natürlich!

Misa Amane in Gefangenschaft
In ihrem gefährlichen Liebeswahn wurde auch die später unschuldig geglaubte Misa Amane eines der Opfer, die L für seine eigenen Zwecke bereitwillig mehrmals in Lebensgefahr brachte, nachdem er sie bereits zuvor unter menschenverachtenden Bedingungen festgehalten hatte. | ©Tsugumi Ohba, Takeshi Obata/Shueisha ©DNDP, VAP, Shueisha, Madhouse

Eine Unterstellung, die sich durch Ls Ermittlungsmethoden im Fall Kira bewahrheiten sollte. Denn hatte er erst mal einen Fall gefunden, der ihn in seinen Bann ziehen konnte, war er schnell dazu bereit, sämtliche Skrupel über Bord zu werfen und zu Mitteln zu greifen, die auch bei Inspektor Soichiro Yagami und den restlichen Polizisten von Ls Ermittlungstruppe immer wieder zu Empörung und ungläubigem Kopfschütteln führten.

Nicht zu vergessen, dass L, nachdem Light Yagami sein Gedächtnis verloren hatte, sogar mit dem Gedanken spielte, den Fall einfach zu den Akten zu legen, da er nun laut eigener Aussage das Interesse verloren habe und sich nur noch langweilen würde. Doch auch abgesehen von seiner bedenklichen Arbeitsmoral leistete sich der Meisterdetektiv einige gravierende moralische Fehltritte.

Angefangen bei der provokanten Finte, mit der er Light Yagami aus der Reserve lockte und dabei einen verurteilten Straftäter vor Augen der ganzen Nation ans Messer lieferte, über Misa Amanes menschenverachtende Behandlung in Gefangenschaft oder Ls fixer Idee, den dritten Kira weiterhin Amok laufen zu lassen, um durch die weiteren Todesopfer noch mehr Beweise sammeln zu können, bis hin zu noch mehr Unschuldigen, die L in seinem siegestrunkenen Wahn als menschliche Köder benutzte.

Solange L nicht selbst derjenige sein würde, der diesen Menschen den Todesstoß verpasste und sich nicht seine eigenen Finger schmutzig machen müsste, hielt der von Ehrgeiz besessene Detektiv es offenbar für vollkommen in Ordnung, die Leben seiner Mitmenschen zu opfern, und zeigte auch nachträglich beinahe kein einziges Mal auch nur einen Funken Reue.


Ein Spiel ohne Risiken – anonym, unterhaltsam und sicher

Death Note: Ls erster Auftritt
Erst als L keinen anderen Weg mehr sah, um zu gewinnen, offenbarte er seine wahre Identität und bezeichnete diesen Schritt als eine persönliche Niederlage. | ©Tsugumi Ohba, Takeshi Obata/Shueisha ©DNDP, VAP, Shueisha, Madhouse

Dabei war es L selbst, der zu Beginn der Ermittlungen und auch bei all seinen vorherigen Fällen stets die eigene Identität hinter einem mysteriösen Buchstaben verstecken und damit sein eigenes Leben schützen wollte. Erst nachdem er im Fall Kira an seine Grenzen gestoßen war, trieb ihn sein krankhafter Ehrgeiz dazu, diese Tradition zu brechen und sich den letzten Polizisten zu offenbaren, die noch bereit waren, weiterhin mit ihm zusammenzuarbeiten.

Eine Geste, die ihm ironischerweise von Inspektor Yagami und seinen Kollegen hoch angerechnet wurde, obwohl sie selbst es doch eigentlich schon von Anfang an als Selbstverständlichkeit empfanden, im Kampf gegen das Verbrechen tagtäglich ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen. L hingegen sah in seiner Entscheidung laut eigener Aussage hauptsächlich eines: eine persönliche Niederlage.

Er, der sein ganzes Leben lang mühelos einen Verbrecher nach dem anderen seiner gerechten Strafe zuführen und sich immer mehr im Glanz seiner eigenen Erfolge sonnen konnte, stand nun vor einer Sackgasse. Er war gezwungen, sich auf das Niveau gewöhnlicher Polizisten »herabzubegeben«.

Doch warum ließ er sich zu diesem drastischen Entschluss hinreißen, wenn es ihm doch offenbar so wichtig war, anonym zu bleiben und keine Risiken eingehen zu müssen? Wieso gab er sich zu erkennen – nicht nur seinen Kollegen von der Polizei, sondern sogar seinem gefährlichen Hauptverdächtigen – und setzte damit zum ersten Mal auch sein eigenes Leben aufs Spiel?


L – Ein Mann, der nicht verlieren kann

Death Note: Light Yagami und L spielen Tennis
Bereits bei der ersten Begegnung zwischen L und Light gab der Detektiv nach dem erbitterten Tennismatch der beiden zu, dass er absolut nicht verlieren kann. | ©Tsugumi Ohba, Takeshi Obata/Shueisha ©DNDP, VAP, Shueisha, Madhouse

War er vielleicht doch ein guter Mensch, der sich früher nur in Geheimnisse hüllte, weil es einfach nicht notwendig war, selbst in Erscheinung zu treten und nun alles in seiner Macht Stehende tun wollte, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen? Ein schöner Gedanke, bei dem zumindest ein Protagonist des Animes auf moralischer Ebene vielleicht noch mal mit einem blauen Auge davonkommen könnte, doch auch ein sehr unwahrscheinlicher.

Der wahren Grund für die Änderung seiner Strategie ist jedoch in seinen eigenen Worten zu finden: L hasst es, zu verlieren. Allein der Gedanke, dass er – der ungeschlagene Meister seines Faches – nun doch einmal den Kürzeren ziehen würde, ließ ihm keine Ruhe. Sein ganzes Leben hatte er damit verbracht, das Verbrechen zu bekämpfen und als Detektiv zu brillieren. Erst Light Yagami schaffte es, ihn vor eine nie dagewesene Herausforderung zu stellen, die L letzten Endes mit dem Leben bezahlen musste.

Dadurch ergibt sich jedoch leider keinesfalls das Bild eines stolzen Märtyrers, der selbstlos für seine Überzeugungen in den Tod ging, sondern eher das eines trotzigen, unsicheren jungen Mannes, dem sein fragiles Ego letztendlich wichtiger war als sein eigenes Leben sowie das vieler anderer.


War L ein guter Mensch? Was ist überhaupt eine gute Tat?

Death Note: L gelangweilt
Ls Motivation waren die Herausforderung, das Gewinnen und das Vertreiben seiner Langeweile. Doch macht ihn das zu einem schlechten Menschen, solange das Ergebnis seiner Taten gut ist? | ©Tsugumi Ohba, Takeshi Obata/Shueisha ©DNDP, VAP, Shueisha, Madhouse

Doch genug mit den Verurteilungen, dem Fingerzeigen und dem Mit-Dreck-Bewerfen. Bevor wir den zuckersüchtigen L nun für schuldig oder unschuldig erklären, stellen wir uns doch erst einmal die Frage, welche Rolle die ursprünglichen Intentionen einer Tat überhaupt für deren moralische Beurteilung spielt. Ist eine gute Tat erst dann gut, wenn die Motivation dahinter selbstlos ist?

Ist eine gute Tat, die aus egoistischen Gründen oder zumindest mit selbstbezogenen Hintergedanken begangen wurde, eine schlechte Tat? Eine Frage, bei der sich die Geister scheiden, wie die vielen, völlig unterschiedlichen Reaktionen auf vermeintlich wohltätige Aktionen im Internet vermuten lassen. So können wir zum Beispiel oft folgendes Phänomen beobachten:

Ein großer Youtuber oder eine bekannte Person des öffentlichen Lebens filmt sich dabei, wie er oder sie einem Obdachlosen Geld schenkt, ihm einen Friseurtermin und schicke Kleider spendiert oder ihm sonst irgendwie etwas Gutes tut. Darauf folgt eine Flut an Kommentaren. Die einen sind begeistert von der »guten Tat« und sprechen ihr Lob aus, während die anderen mit Vorwürfen der Selbstinszenierung reagieren und behaupten, dass es dem Helfenden doch sowieso nur um Klickzahlen und positive Publicity ginge.

Doch selbst wenn die zuletzt genannte Personengruppe recht behalten sollte, verliert die gute Tat somit automatisch ihren Wert? Ist es verwerflich, einen persönlichen Nutzen daraus zu ziehen, etwas Gutes zu tun? Oder entscheidet letztendlich nur das Resultat, ob wir nun von einer guten oder schlechten Tat sprechen dürfen?


Wieso wir Menschen nicht zur Selbstlosigkeit fähig sind

Death Note: Souichiro Yagami ist wütend
Selbst Oberinspektor Yagami, der sich zum Beweis der Unschuld seines Sohnes tagelang inhaftieren und anschließend zu einem lebensgefährlichen Manöver breitschlagen ließ, tat dies nicht NUR für seinen Sohn, sondern auch für sich selbst, um nicht mit der Schande und Enttäuschung leben zu müssen, einen Massenmörder großgezogen zu haben. | ©Tsugumi Ohba, Takeshi Obata/Shueisha ©DNDP, VAP, Shueisha, Madhouse

Ich persönlich würde behaupten, dass Letztes zutrifft, und würde dabei sogar so weit gehen, dass kein Mensch auf dieser Welt – kein Arzt, kein Polizist, kein Richter und auch kein Heiliger – jemals aus völlig selbstlosen, edlen Beweggründen handelt. Doch versteht mich nicht falsch, das bedeutet nicht, dass diese Personen keine guten Menschen sind, und auch nicht, dass es auf dieser Welt keine guten Taten gibt.

Nehmen wir doch einmal an, dass ich aus reiner Tierliebe einem verwundeten Tier helfe, auf eigene Kosten zum Tierarzt bringe und anschließend wieder gesund pflege. Wenn ich das tue, entsteht dadurch zwar kein auf den ersten Blick erkennbarer persönlicher Nutzen für mich, ich ziehe allerdings trotzdem einen ganz entscheidenden Vorteil daraus: Ich fühle mich gut dabei. Ich fühle mich gebraucht und bin froh, etwas Gute in der Welt bewirkt zu haben.

Doch hätte ich es nicht getan – hätte ich das Tier einfach am Straßenrand versauern lassen und seinem Schicksal überlassen – wäre es genau umgekehrt: Ich würde mich schlecht fühlen und für meine eigene Herzlosigkeit verurteilen. Durch die Rettung des Tieres habe ich mich also nicht nur vor einem schlechten Gewissen bewahrt, sondern auch noch Freude daraus gewonnen, die mir die paar Euro, die ich beim Tierarzt ausgegeben habe, niemals hätten kaufen können. War es eine gute Tat? Ja. Doch war es wirklich selbstlos? Nein, eher nicht.

Doch was ist nun der Unterschied, wenn wir diese Logik auf das Youtuber-Beispiel oder auch auf L übertragen? Ist der Youtuber ein schlechter Mensch, weil seine gute Tat ihn hauptsächlich nur durch die positiven Reaktionen und die Bestätigung seiner Mitmenschen glücklich gemacht hat? Ist L ein schlechter Mensch, weil ihm das Lösen seiner Fälle den eigenen Wert bestätigt und ihn damit glücklich gemacht hat?


Wer ist besser: Der, der Gutes fühlt, oder der, der Gutes tut?

Light Yagamis Vater stirbt
Nach dem Tod seines Vaters ist Light Yagami am Boden zerstört. Macht ihn allein dieses Mitgefühl bereits zu einem guten Menschen? | ©Tsugumi Ohba, Takeshi Obata/Shueisha ©DNDP, VAP, Shueisha, Madhouse

Ist es zwingend erforderlich, dass uns einzig und allein das direkte Resultat – also das Glück der Person oder des Lebewesens, dem wir geholfen haben – glücklich macht, damit wir uns am Ende auf die Schulter klopfen und unser Handeln als »gut« bezeichnen dürfen? Und wenn ja, wieso sollte das so sein, obwohl wir als Menschen doch überhaupt keinen Einfluss darauf haben, was uns glücklich macht?

Ist ein Psychopath, der eigentlich Spaß am Töten hätte, aber sich dennoch seinen kranken Trieben widersetzt, seinen Mitmenschen hilft und ein aufrichtiges Leben führt, ein böser Mensch? Nur weil ihm die Natur nicht die Fähigkeit gegeben hat, Empathie und durch Hilfsbereitschaft Glück zu empfinden? Oder macht es ihn nicht eher zu einem besonders guten Menschen, da er trotz seiner persönlichen Gefühle entschieden hat, das zu tun, was er rational für das Richtige hält, und damit schließlich Gutes bewirkt hat?

Die Antwort auf diese Fragen ist sicherlich nicht einfach zu finden – und eine universelle Antwort gibt es ohnehin nicht – doch meine persönliche Meinung zu diesem Thema ist, dass das Ergebnis der Tat und nicht die dahinter stehende Motivation entscheidend ist.

Denn wäre es nicht so, müssten wir uns wohl mit dem traurigen Gedanken abfinden, dass alle Menschen bereits von Geburt an in Gut und Böse eingeteilt werden und im Laufe ihres Lebens nichts mehr tun können, um ihr Schicksal zu ändern und die Seiten zu wechseln.


Der Zweck heiligt die Intention, aber nicht die Mittel

Nachdem Light seine Erinnerungen verloren hatte und der dritte Kira in Erscheinung trat, wollte L diesem noch mehr Zeit dafür lassen, unschuldige Opfer zu töten, damit er selbst somit mehr Beweise sammeln könnte. | ©Tsugumi Ohba, Takeshi Obata/Shueisha ©DNDP, VAP, Shueisha, Madhouse

In diesem Sinne spielt es meiner Meinung nach also keine Rolle, was L in seinem Kampf gegen das Verbrechen überhaupt erreichen wollte. Ob er nun einfach nur Spaß haben, sein Ego füttern, sich die Langeweile vertreiben oder meinetwegen auch nur genug Ruhm und Reichtum anhäufen wollte, um sämtliche Süßwarenhersteller des Planeten aufkaufen zu können – es ist vollkommen egal.

Was jedoch nicht egal ist, sind die unschuldigen Menschen, die L auf seinem Weg zu Kira mit in den Tod gerissen hat. L hat ohne Frage nicht immer moralisch korrekt gehandelt und ist in meinen Augen auch ganz sicher kein guter Mensch. Nicht jedoch, weil seine Motive egoistisch waren, sondern nur, weil ihm für den Sieg kein Mittel zu skrupellos war und er genau wie Light Yagami in Kauf nahm, für die Erfüllung seiner guten Tat auch zahlreiche schwerwiegende, schlechte Taten zu begehen.

Ob L nun letzten Endes für euch ein guter oder schlechter Mensch war, hängt hauptsächlich von eurer persönlichen Antwort auf die moralische Frage ab, ob der Zweck tatsächlich die Mittel heiligt und die Voraussetzung für eine gute Tat nur ist, dass am Ende das Gute das Schlechte überwiegt.

Doch wenn wir L nach diesem moralischen Grundsatz von seiner Schuld freisprechen, dann müssen wir das nach dieser Logik auch für Light tun. Denn im Großen und Ganzen war es sowohl Lights als auch Ls Ziel – oder zumindest wäre es das Resultat ihres Handelns gewesen – das Böse zu bekämpfen und deutlich mehr Menschen das Leben zu retten, als sie selbst auf dem Gewissen hatten.

Im Falle von L war es zwar oft auch so, dass seine Vorgehensweisen und Vorschläge – wie zum Beispiel den dritten Kira weiterhin morden zu lassen, da es noch nicht genug Beweise gab – objektiv gesehen die effizienteste Lösung darstellte. Doch hätte er deswegen jegliche Menschlichkeit und Moral über Bord werfen müssen oder wäre es nicht das Richtige gewesen, eine andere, womöglich weniger effiziente Lösung zu finden, die nicht so viele Opfer kosten würde?


Fazit: Wer hatte Recht? Light Yagami oder L?

In der Geschichte um Kira trafen zwei radikale, extremistische Weltanschauungen aufeinander. | ©Tsugumi Ohba, Takeshi Obata/Shueisha ©DNDP, VAP, Shueisha, Madhouse

Mein persönliches Fazit zum Wettstreit von Massenmörder und Detektiv ist, dass keiner von beiden sich letztendlich einen guten Menschen nennen darf. Keiner von beiden hatte ausschließlich edle Beweggründe, keiner von beiden ließ sich keine bösen Taten zuschulden kommen und keiner von beiden schreckte davor zurück, Unschuldige zum Schafott zu führen.

Letzten Endes verfolgte zwar sowohl Light als auch L teilweise moralisch richtige Ansätze – und auch wenn L meiner Meinung nach insgesamt deutlich weniger Böses getan hat, hatte doch niemand von ihnen recht. Beide waren sie nichts weiter als zwei junge Männer, die glaubten, die Welt zu verstehen, und sich in ihrer grenzenlosen Arroganz von einem gefährlichen Extremismus mitreißen ließen, der ihnen die Sicht auf ihre eigenen Fehler versperrte.


Jetzt seid ihr gefragt!

Wie beurteilt ihr Ls moralische Gratwanderung? Hat der junge Meisterdetektiv eurer Meinung nach im Großen und Ganzen das Richtige getan oder hat er sich durch seine bedenklichen Praktiken auf dasselbe Niveau herabbegeben wie Light Yagami? Schreibt es uns in die Kommentare!

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Wolfgang8433

Ich glaube am Anfang war Light gut und hatte gute Absichten, aber mit der Zeit hat er alles immer besser geplant um nicht erwischt zu werden und wurde der Böse….
L ist meiner Meinung nach der Gute, er hat zwar auch fragwürdige Dinge getan, aber nur um die Wahrheit zu finden und den Schuldigen zu finden und gefangen zu nehmen.
(Ich habe nur den Anime im Fernsehen gesehen….)

MissEllieD.

Genau aus diesem Grund mag ich Near schon immer noch mehr als L. Near will wenigstens sauber gewinnen, was er letztendlich auch geschafft hat. Seine Motivation war immer besser als die von L und trotzdem ist Near merkwürdigerweise stets unbeliebt bei allen. Warum auch immer….dabei ist er, was das moralische angeht, die Person mit der bei weitem höchsten Moral. Und er sieht Light als das, was er eben ist: einen einfachen Mörder und Psychopathen.

Hiru

Ich denke die meisten mögen Near einfach nicht da er L stelle eingenommen hat und dies einige nicht rechtfertigen konnten.

Insp3ctorJon3s

Wie aus meinem Kommentar zu entnehmen, wusste Near durch L schon zu Beginn seiner Ermittlungen von der Existenz des übernatürlichen Notizbuchs und hatte weitere Informationen. Wer weiß wie er die Ermittlungen anstatt von L begonnen oder geführt hätte. Er wäre eventuell mit einer ähnlichen Herangehensweise vorgegangen.

P.B.

Das war genau der Grund warum ich Death Note auch so gerne mochte. Weil es nicht glasklar Gut gegen Böse gab, sondern zwei unterschiedliche Interpretationen von Gerechtigkeit und dem was richtig ist aufeinandertreffen und man selbst entscheiden muss, was man für richtig hält. Dadurch wurde meine Meinung nach eine Reflexion des Zuschauers mit der eigenen Moralvorstellung angeregt, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn man sich bequem auf L als reinen gutem und nur rechtschaffenen Charakter hätte stützen können. Sehr gelungen also und so auch viel spannender.

Insp3ctorJon3s

Was L bewegte nennt man “gesunden Egoismus”. Also Taten vollziehen, welche einem oder mehreren Menschen Vorteile verschaffen oder Ihnen helfen, welche aber nicht aus Selbstlosigkeit vollzogen werden, sondern um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. In seinem Fall um für sich selbst zu beweisen, besser als Kira zu sein oder um an diesem Fall Spaß zu haben (viele machen dies auch nur um sich besser zu fühlen oder um auf sich selbst ein wenig stolz zu sein, etwas Gutes getan zu haben, dann ist eine Tat nicht mehr selbstlos sondern gesund egoistisch, weshalb man sagen kann, dass sehr viele oder fast alle vermeintlich selbstlosen Taten eigentlich aus egoistischen Gründen begangen werden). Und welcher so rational denkende Mensch wie L es war, denkt den bitte daran, dass ein übernatürliches Notizbuch existiert, mit welchem man Morde begehen kann? Ich zumindest nicht. Und schon relativ früh in der Story, war er sich ja sicher, dass Light Kira sein muss, nur schloss er das übernatürliche aus und hatte keinen Beweis. Wer weiß, ob er so skrupellos handeln würde, wäre die Existenz des Übernatürlichen allgemein in der Welt bekannt gewesen.

Skrupelloser ist jedoch Kira, welcher vielleicht Millionen tötet, um sein Ziel zu erreichen, und es macht ihn scheinbar nichts aus, da er nicht mit den Opfern in Kontakt kommt. Müsste er diese mit eigenen Händen töten, wäre dies mit seiner Moralvorstellung nicht vereinbar gewesen. Da er jedoch keine Probleme damit hat und ein Gott werden möchte macht ihn das zu einem skrupellosen, psychopatischen Massenmörder, dessen Motiv man noch nicht einmal gesund egoistisch nennen kann, da Millionen andere Menschen zu Schaden kommen. Sonst müsste man ein gewisses Staatsoberhaupt ebenfalls als gesund egoistisch bezeichnen, welcher mehrere Völker zugunsten eines anderen (seinen) Volkes ausrotten wollte.

Betrachtet man also alle Menschen als gesunde Egoisten, ist L definitiv ein guter Mensch, abgesehen davon da im Vergleich zu Kira wenige Menschen zu schaden kamen.

D.F.

Sehr guter Artikel, ich sage das nicht oft, aber das war einer der besten Artikel, den ich je gelesen habe. Ihr habt L’s handeln (bzw. im vorherigen Lights) wirklich gut analysiert und beurteilt und ich finde für solch gute Artikel ist das mindeste was ich tun kann einfach mal Danke sagen, dafür dass ihr euch so viel Mühe bei euren Beiträgen gebt.

Ich persönlich würde weder L noch Light in irgendeine Sparte wie “gut” oder “böse” stecken. Ich denke ihr seid schon zur genüge auf die beiden eingegangen, weswegen ich das nicht groß begründen werde. Light war zwar kurz vor dem Wahnsinn und hatte einen ausgereiften Gottkomplex, jedoch war er zu anfang noch nicht ganz so schlimm und auch er hatte (zumindest teilweise) verständliche und bis zu einem gewissen Grad sogar vertretbare Motive. Das ganze ist ihm zwar sehr schnell zu Kopf gestiegen, jedoch finde ich, dass weder er noch L bis ins kleinste verdoben war , ich sehe mich aber nicht in der Position ein Urteil darüber zu fällen, wer von beiden Recht hat, denn däzu bräuchte ich eine Subjektive Einschätzung von Gerechtigkeit und (auf diesen Fall bezogen) damit tu ich mir schwer.

Ein Jemand, der Kiras Ansichten nachvollziehen kan

Wieso herabgegeben? Light hatte ein meiner Meinung nach hohes Niveau. Ach und random Fakt über mich: Ich könnte ein Death Note benutzen und würde wahrscheinlich nicht Mal Schuld verspüren. Aber ich würde nur die umbringen, die es verdient haben. Ich konnte schon immer unparteiisch denken, ohne mich von meinen Gefühlen leiten zu lassen. Naja… fast immer. Aber ich weiß, dass ich es jetzt kann. Ich kenne mich. Und vielleicht hätte ich das Potenzial zu einem Kira, vielleicht zu einem L. Auf jeden Fall hat jeder Test, den ich je gemacht habe, ergeben, dass ich charakteristisch L am ähnlichsten bin. Aber er und Kira hatten einen sehr ähnlichen Charakter. Also falls irgendwann ein echter Kira kommt – vielleicht bin ich es xD
Denn Light hatte schon Recht. Wer Böses tut, einfach nur um des Bösen Willen, der hat es eigentlich nicht verdient zu leben. Ich bin schon in der Grundschule auf den Gedanken gekommen, dass die Welt eigentlich nur dann ”gut“ ist, wenn man die Verbrecher auslöscht, lange, bevor ich Death Note kannte. Und gäbe es mich in der Welt von Death Note – ich weiß ehrlich gesagt nicht, auf wessen Seite ich stehen würde.

Franky

Das ist gemein L einen Egoisten und einen Bösen Mörder zu nennen ehr ist Light ein egoistischer wahnsinniger herzloser Massen Mörder weil er sich heraus nimmt sich einen Gott zu nennen der eine neue welt erschaffen will ohne Gewalt aber dabei unter drückt er die freie Meinung der Menschheit und verbreitet Angst und schrecken und tötet unschuldige Menschen L will nur diesen kira ein buchten damit die Welt sich nicht mehr ängstigen muss von kira umgebracht zu werden nur weil sie sich frei über kira äusern kira hält die ganze Welt unter seiner Herrschaft gefangen und unter seinen regeln das ist keine Freiheit das ist ein Gefängnis ohne grenzen L macht genau das richtige und werd sich und will die Welt aus dieser gefangen schafft befreien damit die Welt wieder auf atmen kann ohne Angst zu haben unter kiras Herrschaft seine freie Meinung zu äusern und Angst zu haben von kira gerichtet zu werden so das war meine Meinung was sagt ihr dazu?

DrNayjer

Eine Aneianderreihung von Behauptungen

Anna

1. Diesen Beitrag finde ich Mega Interessant und außerdem hat es mir die Augen geöffnet!
2. Ich war und bin Wahrscheinlich, aus der Sicht ohne dieser Frage, immer noch auf der Seite von L, im sinne auf der Seite der Polizei ^^
3. Nach dem ich das alles gelesen habe, stimme ich dem zu das beide Männer Falsch handelten doch beide hatten irgendwie gute Taten damit im sinn. Light wollte Verbrecher bestrafen und egal wieso aber L wollte Light für seine Taten Hinter Gitter bringen. Beide sitzen im Gleichen Boot.
4. Diese Speziale Frage zu beantworten geht wohl wirklich nicht, doch ich Danke dir für diesen sehr Guten und Inspirierenden Beitrag ! ^^

Cyn

Zu “Gut” und “Böse” kann ich nur sagen, dass es für denjenigen dem geholfen wird, aus welchen Beweggründen auch immer, als positiv betrachtet werden kann, wenn man ihn aus irgendeiner negativen Situation rettet.

Für den Handelnden selbst ist das aber eine ganz separate Angelegenheit, denn dabei ist es meiner Meinung nach wichtig, was das Herz tatsächlich in sich trägt. Wenn ich einem Mörder das Leben rette, weil ich will, dass er weiter mordet dann habe ich ein Problem in meinem Herzen, sodass mir diese Tat nach Betrachtung des Herzens nicht als etwas Gutes angerechnet werden kann, da ich “negatives” zu der Angelegenheit in mir trage. Rette ich ihn aber allein deswegen, weil ich ein Menschenleben als wertvoll ansehe, dann kann mir im Ende niemand etwas vorwerfen. Also kommt es für den Handelnden selbst doch immer auf den Grund der Tat an, sonst kann auch jemand alle Menschen auf der Welt umbringen weil er jeden von seinem Leid befreien und den Planet Erde retten will.

DrNayjer

Richtig, das ist der Widerspruch in Lights handeln, auf den Ryuk ihn aufmerksam gemacht hatte. Allerdings gibt es eine Differenzierung die Du nicht vornimmst. Der Widerspruch den du beschreibst bezieht sich auf eine Ethik, die alles Leid minimieren will. In diesem Fall ist es in der Logik der Moral, alle Menschen umzubringen, während das nicht der Fall wäre, wenn man nach dem größten Glück srebt (klassischer Utilitarismus). Glück und Nichts sind nicht identisch, Glück ist das Gegenteil von Leid, Nichts aber weder das Gegenteil von Glück oder Leid.

DrNayjer

Das ist nicht beleidigend gemeint, der Autor scheint den Anime aber nicht ganz verstanden bzw. vollständig gesehen zu haben (begründe ich später). Diese Reduzierung auf krankhaften Ehrgeiz erfolgt ohne richtige Begründung, das sind vieles peinliche Kommentare die aus dem unfassbar großen Verlangen des Autors alles in Gut und Böse einzuteilen hervorgehen, ein Dualist der nur Extreme erfassen kann (ja, das Fazit ist nicht gut oder böse, aber das Fazit ist eben nur der offensichtliche Kompromiss aus beiden Begriffen). Die Begründungen die am Anfang genannt werden, also die moralischen Fehltritte, sind nicht automatisch auf ein krankhaftes Ego zurückzuführen, auch nicht wenn er von persönlicher Niederlage spricht. Mehr Begründungen gibt es nicht, alles andere sind nur große Worte (in seinem siegestrunk…?). Triggert mich ein wenig, weil der Anime in Wahrheit viel komplexer ist, sowie auch die Philosophie dahinter.

Ls Handlungen waren alle auf keinen Fall psychopathisch, hätte er wirklich ein krankhaftes Ego, dann hätte man das bemerkt bzw. deutlich gemacht. Er ist zwar kindisch, deshalb aber noch kein Psychopath. Außerdem, wenn man mal ein bisschen beobachten würde, zeigt L sehr viel Emotionen, aber nur sehr verdeckt bzw. kommen die selten zum Vorschein, weil er sehr rational handelt. Ein Beispiel ist das starke Zittern, als der erste Polizeibeamte starb. Oder die Verabschiedung zum Polizeibeamten bei der Sache von Yotsuba, als dieser wegen seiner Familie gehen musste. Matsuda töten zu lassen wäre ein guter Beweis gewesen. All das sind Nuancen, die hier gar keine Beachtung finden.

Meiner Meinung nach waren Ls Gründe immer rational und verständlich, der Fernsehauftritt war mit einem sowieso in USA veurteilen zur Todesstrafe geschehen, er wäre ohnehin gestorben, dass die Todesstrafe schlecht ist kann man dennoch denken. Natürlich musste er Misa so behandeln, weil es offensichtlich! Hinweise gab, dass sie Kira 2 ist. Und auf jeden Fall musste er Kira 3 weiter Amok laufen lassen, damit sie einen eindeutigen Beweis kriegen bzw. es sehen. Hätten sie ihn sofort ergreift, dann wäre die Macht wieder auf einen anderen übergegangen ohne dass sie wissen, womit sie es zu tun haben. Merkt ihr es? Light hat es ja so eingefedelt, durch Ls richtigen Schachzug (der auch so durchdacht war, dass keiner stirbt btw.), wussten sie von dem Notizbuch, der komischen Regel, dem Shinigami usw.

Ein Unterschied zwischen Light und L in der Moral ist das Prinzip der Doppelwirkung von Thomas v. Aquin, L gebraucht den Tod als Folge in einer leicht utilitaristischen Ethik, während Light den Tod als Mittel in einer utilitaristischen gebraucht. L hat denke ich sowohl Tugend, als auch Egoismus in sich vereint.

Das nur die Folge einer Handlung moralisch entscheidend ist kann man durch Kant glaube ich schnell ad absurdum führen. Stellt euch eine Welt vor, in der jeder einander helfen würde und es weder Armut noch Krieg gebe, alle jedoch rein egoistische Motive haben und sich ausdrücklich nicht für das Leben eines anderen interessieren und am krankhaften Narzissmus leiden. Lieber lebe ich in einer Welt in der viele schlechte und wenige gute leben, es aber Hoffnung gibt. Und ich glaube das würde jeder, außer er ist ein Psychopath. 😉

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