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18 Jahre ist es mittlerweile her, dass der traditionsreiche Animexx-Verein zum ersten Mal  die Tore der Connichi aufstieß – eine Convention mit Herzblut, von Fans für Fans. 2019 wehte ein frischer Wind durch die Hallen des Congress-Palais, doch was genau erwartete die Fans im Herzen Kassels? Wir haben uns für euch auf den Weg gemacht!

Die Connichi hat eine lange und traditionsreiche Geschichte hinter sich – 2002 zum ersten Mal in Ludwigshafen ausgetragen, zog das Event ein Jahr später zu seinem heute angestammten Standort in Kassel und ist seitdem ein fester Bestandteil der deutschen Convention-Landschaft und zu einem vom japanischen Außenminister persönlich ausgezeichnetem Teil der »Big 4« geworden.

Doch nachdem die anderen, ehemals überschaubaren Cons besucherzahlentechnisch an dem Kassler Treff vorbeizogen, wollte man dieses Jahr mit jeder Menge neuer Gesichter in den Reihen der Orga, die ungefähr ein Drittel des alten Teams ersetzten, die Gleise für eine glorreiche Zukunft legen. Wir waren ebenfalls in Kassel vor Ort und berichten euch, ob sich eine Reise in die hessische Großstadt lohnt!

Händler & Publisher – für Jäger und Sammler

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Gerade in der alt-eingesessenen Convention-Szene sind Traditionen dazu da, um gewahrt zu werden – und Geldbeutel da, um geleert zu werden! Wie üblich gab sich auch in Kassel fast alles, was in der deutschen Anime-Branche Rang und Namen hat, die Klinke in die Hand und so boten die Anime-Publisher Kazé, KSM, AniMoon, Crunchyroll, Anime House und Nipponart, sowie die Manga-Verlage Manga Cult, Altraverse, Tokyopop und Carlsen einen weiten Teil ihres Angebots in fantasievoll dekorierten Ständen feil, widmeten sich jedoch nicht nur kaufwilliger Kundschaft, sondern auch dem ungefilterten Feedback der Fans.

Im Händlerraum konnte sich Merch-Jäger nach Herzenslust austoben. | © NinotakuDE

Natürlich landeten nicht nur Blu-rays, DVDs und Manga in den Koffern der Connichi-Pilgerer, sondern auch mal mehr, mal weniger seltenes Merchandise von den Händlern, die jeden noch so ausgefallenen Fan-Wunsch zu erfüllen versuchten. Ob der legendäre Düsseldorfer Buchladen Takagi oder der renommierte Figuren-Ausstatter Figuya, ob Artbooks, Wallscrolls oder Dakimakuras, ob Re:Zero oder Evangelion, mit ein bisschen Glück und den entsprechenden Finanzen konnte jeder Fan einen heiß begehrten Schatz nach Hause tragen. Denn obwohl der Bereich nicht ganz an die Dimensionen einer DoKomi-Messehalle heranreichte, legte man sich merklich für ein möglichst breit gefächertes Angebot ins Zeug.

Wie immer stapelten sich vor allem Figuren über Figuren in den Vitrinen und Regalen. | © NinotakuDE

Dabei erschien der Händlerraum im Vergleich zur deutlich luftigeren Publisher-Area jedoch ein wenig gedrungen und auch vom Aufbau her stellenweise etwas ungünstig – so waren beispielsweise die Stände auf der rechten Seite des Raumes ein kleines Bisschen versteckt. Positiv fiel dagegen vor allem im sonntäglichen Nieselregen die überdachte Warteschlange zum Bring & Buy-Zelt auf, wo seltene Manga, günstige Figuren und DVDs aus längst vergangenen Tagen nach alter Tradition auf einen neuen Besitzer warteten.

Die Panels – für jeden was dabei!

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Wer das ausgiebige Shoppen hinter sich gebracht hat und sich nun in die Essenz des Anime-Fandoms einarbeiten wollte, hatte die Möglichkeit, seine Zeit in zahllose interessante Panels zu investieren, die über die drei Tage verteilt Themen aus den unterschiedlichsten Sparten des Anime- und Japan-Interessenskreises aufgriffen. So reichte die Vielfalt von Themen wie dem Katzen-Boom in der Heisei-Ära über Spekulationen zur Entwicklung des Anime- und Manga-Marks bis hin zur kritischen Hinterfragung von funkelnden Manga-Realitäten im Vergleich zum tatsächlichen Schulleben in Japan.

Natürlich kam auch Animexx selbst einmal zu Wort und stellten sich und ihren Verein, sowie die Connichi vor. Wer sich auf der Con allein nicht zurechtfand, konnte sich zudem begleiteten Führungen anschließen, in denen jeder Winkel des zum Otaku-Utopia gewordenen Kongress-Palais ganz genau beleuchtet wurde. All die Vorträge wecken früher oder später zwangsläufig das Interesse, selbst aktiv zu werden, und so luden eine Reihe an Workshops zum Schneiden von AMVs, Stylen von Cosplay-Perücken oder in Szene setzen der vollendeten Kostüme ein.

Auch im Innenhof herrschte trotz des regnerischen Wetters ein buntes Treiben. | © NinotakuDE

Was an dieser Stelle noch einmal betont werden soll, ist der wirklich abwechslungsreiche und vielfältige Themenmix, der das Programm für jedes noch so nischige Fan-Interesse zugänglich macht – ob deutsche oder japanische Industrie, Cosplay oder AMV, Analysen oder Besprechungen, Begeisterten jedes Bereich wurde ein Raum zur Entfaltung und die Möglichkeit zum Interagieren, diskutieren oder auch einfach amüsieren mit anderen geboten und somit die Essenz, das Ziel und die Kraft einer Convention passgenau eingefangen.

Die Connichi-Couch

© Connichi

Wer es nicht zur Connichi geschafft hat, war zwar zu Hause, aber noch lange nicht zurückgelassen: Denn ganz im Stil einer klassischen Talkshow sendete die Connichi-Couch rund um die Uhr ein buntes Programm aus Spielen, Diskussionen und Vorträgen, die über den entsprechenden Twitch-Account live mitverfolgt werden konnten. Dabei reichte auch hier das Themenfeld von sozialen Themen wie die Repräsentation von LGBTQ+ in Anime, als auch interessanten Facts über das Arbeiten in der Industrie bis hin zur angeregten Otaku-Diskussion über die Tops und Flops der Summer Season 2019, in der vielleicht ein bekanntes Gesicht zu erspähen war.

Wer die Couch verpasst hat, kann das gesamte Programm auch im Nachhinein noch über die Aufzeichnungen auf dem Twitch-Kanal nachholen!

Das Rahmenprogramm – alles komplett!

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Nicht nur was aktives Programm anging, war die Connichi bis obenhin mit Möglichkeiten zum Mitmachen vollgestopft – so waren auch über das gesamte Gelände verschiedene conventiontypische Aktivitäten verteilt. So etwa der Games-Room, in dem sich Interessierte ihr Talent an den Tasten verschiedenster Anime-Spiele messen konnten, während in der TCG-Area zwar offline, aber nicht weniger hitzig gezockt wurde.

Eine ganz andere Art des Wettbewerbs bot der Karaoke-Raum im angrenzenden H4-Hotel, das aktiv in die Convention einbezogen wurde und so auch die Heimat der Zeichnermeile darstellte – hier boten Doujin-Künstler der unterschiedlichsten Stilrichtungen ihre selbst gemachten Kunstwerke feil, die sich von Moe, Yaoi, Yuri und Shounen bis hin zu ausdetailliertem Shoujo-Stil erstreckten und sowohl in kreativen Eigenkreationen als auch in liebevoller Sekundärkunst den Puls des Fandoms aufleben ließen.

Wer ein wenig im Glanz und Glemour der japanischen Industrie baden wollte, für den gab Ehrengast und Drehbuchautor Taku Kishimoto neben Signierstunden und Q&As ein ausschweifendes Erklärpanel zum 3-Akte-Modell, während Sprecherin Yui Horie sich in zwei Signierstunden und einem Q&A ebenfalls der Neugier ihrer Fans stellte.

Das Matsuri – Japanischer Sommer in Kassel

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Mein persönliches Highlight und absolutes Alleinstellungsmerkmal der Connichi ist das Matsuri – ein im abgetrennten Garten der Con gelegenes, authentisches japanisches Sommerfest, das kein Anime-Klischee ausließ und so trotz zuweilen frostiger Temperaturen für stimmige und auch etwas sommerliche Atmosphäre sorgte.

Wie die großen Vorbilder aus Anime wie Higurashi, Free oder Lucky Star schlenderten die Besucher mit Eis, Takoyaki, Onigiri oder Crepe in der Hand zwischen den vor allem in den Abendstunden in das mystische, orangene Licht der Lampions getauchten Ständen hindurch, die gerade durch die bunten und fantasievollen Cosplays in den Reihen der Besuchern wie eine eigene, kleine, perfekte Anime-Welt wirkten.

Das Highlight des Matsuris war das überraschend lange Feuerwerk, das den kasseler Himmel in bunte Farben tauchte. | © NinotakuDE

Die Krönung der Veranstaltung war das obligatorische, den Himmel über der Connichi hell erstrahlen lassende Feuerwerk, das zeigt, mit wie viel Detailverliebtheit hier vorgegangen wurde, um wirklich das letzte Potenzial aus der Location rauszuholen – spätestens hier ist jedem Besucher klar: Hier waren Fans am Werk.

It’s Partytime! Die Connichi-Party!

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Von der gemächlichen Sommer-Atmosphäre zu den heißblütigen Impulsen auf der Tanzfläche: Wer auch im Schatten der Nacht nicht genug von quirliger Anime-Gesellschaft kriegen konnte, dem bot die Con in Zusammenarbeit mit dem fußläufig doch leider etwas weit entferntem Club MusikTheater am Freitagabend eine waschechte Otaku-Party gegen 5€ Aufpreis.

Zwischen den im charmanten asiatischen Stil gehaltenen Mauern des Clubs gaben dabei ganz klar die Anime-Fans, wortwörtlich, den Ton an. So gab es ausgewählte und schmackhafte Themencoctails zu schlürfen, bevor auf der mit, wie sollte es anders sein, fernöstlicher Musik beschallten Tanzfläche das rhythmische Geschick unter Beweis gestellt wurde. Dabei ließen die Boxen eine Mischung aus mal mehr, mal weniger discotauglichen japanischen und deutschen Anisongs, Gaming-Hits wie der League of Legends-Song »Popstar« und japanischer Discomusik auf die tanzwütige Menge los – ein stimmiger Abend!

Das Showprogramm – pure Bühnenromantik

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Wer zwischen all dem Trubel einen Ort zum Hinsetzen und Verweilen suchte, stieß beim Bühnenprogramm auf, wie überall auf der Con, abwechslungsreiche Unterhaltung: So wurde der große Festsaal zum Schauplatz eines schrecklichen Mordfalls, zum Austragungsort fiebriger Wettbewerbe und zur explosiven Rockbühne – Showgruppen, Musiker und Acts ließen sich nicht lumpen und luden zum sehen, staunen und manchmal auch Abgehen ein.

Ein ganz besonderes Highlight war dabei natürlich das Konzert der legendären Rockband FLOW, die den Saal in einer kompromisslos rockigen Bühnenshow mit Hits aus Serien wie Code Geass oder Naruto zum Glühen brachte. Ähnlich viel Begeisterung ernteten die Teilnehmer der Wettbewerbe wie etwa des Cosplay-Video-Contests, in dem der erste Platz, ein Overwatch-Kurzfilm, die Zuschauer mit einem an Hollywood erinnernden Qualitätsstandard begeisterte.

Das kompetitive Highlight der Con spielte sich wie gehabt erneut am Samstagabend ab – im großen, traditionsreichen AMV-Wettbewerb legten sich nationale und internationale Editoren erneut mit ihren selbstgeschnittenen Meisterwerken ins Zeug, die von lustig über emotional bis künstlerisch die volle Breitseite boten.

Der erste Platz, ein ironischer Zusammenschnitt verschiedener Serien zu einem Mashup unterschiedlicher Popsongs, versetzte das Publikum in quasi anhaltendes Gelächter, das übrigens mittels einer speziellen Website direkt nach der Vorstellung sein Votum zu den einzelnen Clips abgeben konnte.

Die große Cosplay-Galerie

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Cosplay ist das Blut in den Adern einer Convention – genau deswegen haben wir auch auf der Connichi wieder unsere Kamera gezückt und haufenweise beeindruckende Kostüme vor die Linse bekommen. Da auf der Connichi so viel zusammengekommen ist, dass es diesen Bericht sprengen würde, findet ihr die Cosplay-Galerie diesmal in einem separaten Artikel:

Fazit – von Fans für Fans

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Verbringt man längere Zeit auf der Connichi und wirft einen genaueren Blick in das Programm, wird in erster Linie eines deutlich – es ist eine Convention mit Herzblut. Statt gewinnfokussierte Eventplaner oder studierte Bürohengste sitzen Menschen mit aufrichtiger Begeisterung für das Medium in der Orga, die sowohl im Aufbau, Präsentation als auch Programmplan deutlich spürbar ist.

Ob die freundlichen und selbst im größten Stress umgänglichen Helfer, das einzigartige Matsuri, die Themenvielfalt der Workshops und Panels oder die sorgfältige Auswahl der Ehrengäste – der Geist der Fan-Szene ist tief in Animexx verankert und schlägt sich in einer echten Fan-Convention wieder, die es in Sachen Größe und Glemour vielleicht nicht ganz mit anderen Events aufnehmen kann, doch trotzdem einen tiefen Respekt vor der ehrenamtlichen (!) Leistung der Verantwortlichen verdient, die Tag und Nacht unter Hochdruck daran arbeiten, doch noch ein paar Programmpunkte mehr zu bieten und jedem einzelnen Besucher eine unvergessliche Zeit zu bescheren.

Das macht sich auch deutlich in der ausgelassenen und positiven Stimmung der Besucher bemerkbar, überall ploppen Gespräche auf, wird sich in die Arme gefallen. eifrig diskutiert und sein Hobby gefeiert. Ebendiese über allem schwebende Begeisterung ist es, die die Connichi ausmacht und zu einem Highlight der Convention-Saison werden lässt, das sich definitiv nicht vor den großen Brüdern zu verstecken braucht.

Ihr wollt mehr spannende Einblicke in die deutsche Con-Landschaft?

Jetzt seid ihr gefragt!

Wart ihr schon mal auf der Connichi? Was sind eure Eindrücke?

Schreibt es uns in die Kommentare!

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A.Ribbe
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A.Ribbe

Connichi ist für uns gestorben. Wir wahren seit Jahren begeisterte Besucher der Connichi, bis dieses Jahr die Eltern Tickets ersatzlos abgeschafft wurden! Wir begleiten unsere Kinder in ihren aufwendigen Kostümen als “Wasserträger, Maskenbildner und mobile Kostümretter” zu einigen Veranstaltungen. Bisher kostete uns das Wochenende ca. 150€ für uns als Familie, nun sind wir plötzlich alle Vollzahler . Das bedeutet wegen der Abschaffung der Eltern Tickets, müssten wir fürs Wochenende jetzt 260€ bezahlen! Das neue Orgateam sollte sich schämen, denn damit wurde eine seit Jahren tolle Veranstaltung ,auch für Familien zerstört. Wir und einige befreundete Familien hoffen darauf das sich das… Weiterlesen »

Natascha
Gast
Natascha

War dieses Jahr das erste Mal auf der Connichi und es war super!
So viele nette Leute, tolles Essen und eine stimmige Atmosphäre. Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder 🙂