© Bandai Namco Entertainment

Das Action-Rollenspiel orientiert sich stark am knüppelharten Dark Souls und würzt es mit einer gehörigen Prise God Eater. Kein Wunder, handelt es sich bei den Machern doch um das Team hinter der Spielereihe mit starkem Anime-Einschlag.

Code Vein macht sich drauf und dran eine Lücke zu schließen, die Publisher Bandai Namco Entertainment mit der hauseigenen Marke Dark Souls hinterlassen hat. Der Vergleich mit From Softwares Rollenspiel-Reihe wird mittlerweile inflationär gebraucht, ist hier aber mehr als angebracht.

Denn Code Vein basiert auf dem gleichen Spielprinzip und will ebenfalls mit Zuckerbrot und Peitsche für Spielspaß sorgen. Wir haben eine Vorschau-Version bereits ausprobieren können. Beim Anspieltermin kristallisiert sich aber auch noch eine weitere, ebenfalls recht offensichtliche Inspiration heraus: God Eater.

Wie genau das zusammenpasst, wieso das Spiel fast ein Jahr verschoben wurde und warum wir ausgerechnet einen Vampir spielen, zeigt unsere Preview.

Lineares Storytelling

In Code Vein ist die Welt am Ende. Die Apokalypse ist ausgebrochen, der Grund ist unklar. In einer Großstadt sind die Gebäude zerstört, ein ganzes Gebiet in einen roten Nebel eingehüllt und als ob das noch nicht genug wäre, leben Vampire in dieser Zone. Genau in dieses Szenario wirft uns das Spiel zu Beginn.

Mehr noch: Wir bauen uns vor Spielstart in einem ausführlichen Charaktereditor einen eigenen Wiedergänger, oder eine Wiedergängerin – so heißen die Blutsauger im Spiel. Wir torkeln nach einem kurzen Tutorial durch kaputte Straßen zu einem weißen Gewächs, über dem unsere Figur das eigene Blut ausschüttet.

Fans von God Eater erkennen den Stil sofort wieder. Im Editor können wir unsere Figur detailliert selbst zusammenbauen. | © Bandai Namco Entertainment

Daraufhin wachsen Blutperlen an dem Baum – die einzige Quelle für Blut. Nicht ganz unproblematisch, denn innerhalb des roten Nebels sind nur wir und unsere Vampirverwandten. Menschen aussaugen ist nicht möglich und wer seinen roten Energiedrink nicht rechtzeitig bekommt, verwandelt sich in abscheuliche Monster alias unsere Gegner in Code Vein.

Schon die ersten Minuten machen klar, dass das Rollenspiel offensiver mit seiner Geschichte als das große Vorbild umgeht. Wir treffen während des ersten Gebiets auf mehrere Figuren und erleben direkt nach dem ersten Boss eine wichtige, kleine Story-Wendung, auf die wir später noch einmal zurückkommen werden.

Die Vampire heißen Wiedergänger und müssen irgendwie ohne menschliches Blut überleben. | © Bandai Namco Entertainment

Im Interview mit Producer Keita Iizuka haben wir zudem erfahren, dass der Titel seine Handlung auch im späteren Spiel linear erzählt. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht immer wieder auch abseits der Hauptpfade die Welt erkunden können.

Ein waschechtes Souls-like

Abgesehen von der Anime-Optik und der stärkeren Inszenierung fühlen sich Souls-Spieler im ersten kleinen Dungeon sofort heimisch. An einem kleinen Mistelgewächs regenerieren wir unsere Heilitems, leveln uns bei Bedarf auf und lernen neue Fähigkeiten. Das Gebiet ist zunächst linear, später schalten wir Abkürzungen frei und verbinden so alte und neue Bereiche.

Den ersten Gegner visieren wir ebenfalls wie gewohnt an und fangen an, ihn zu umkreisen. Mit einem normalen und einem starken Angriff sowie einer Ausdaueranzeige, die bei jeder Aktion abnimmt, spielt sich Code Vein sehr bekannt und sehr gut. Allerdings gibt es einige Besonderheiten. Zum einen gibt es zwei Blocktasten. Mit der einen wehren wir einfach Attacken ab, mit der anderen führen wir sofort einen Konter aus.

Wenn wir den Spezial-Block perfekt auslösen, ziehen wir dem Gegenüber mit schicken Animationen und Kamerafahrt viel Energie auf einmal ab. | © Bandai Namco Entertainment

Für Letzteres muss aber das Timing stimmen. Nur wenn wir unsere Deckung genau dann oben haben, wenn die feindliche Attacke kommt, gelingt der Gegenangriff – sonst stecken wir ordentlich ein. Wir können den Konterangriff aber auch mit einer gedrückten Taste als Spezialattacke einsetzen.

Zum anderen ist ein Angriff von hinten möglich, der deutlich schwieriger auszuführen ist, als etwa bei Dark Souls. Wir müssen exakt hinter dem Gegner stehen und haben auch nur ein extrem kurzes Zeitfenster. Schaffen wir es, ziehen wir auch starken Monstern auf einen Schlag besonders viel Energie ab.

Bei den Feinden handelt es sich um Vampire, die nicht mehr rechtzeitig eine Blutperle schlürfen konnten. | © Bandai Namco Entertainment

Für besiegte Kreaturen hagelt es Dunst, die Währung von Code Vein. Dafür kaufen wir am Ruhepunkt Fertigkeiten, oder steigen in der Stufe auf. Alternativ holen wir uns damit neue Ausrüstung im Basislager des Spiels.

Natürlich verlieren wir unseren gesammelten Dunst, wenn uns ein Gegner tötet und wir erhalten eine Chance, alles am Ort des Todes wieder einzusammeln. Ein weiterer Gang über den Jordan lässt alles verschwinden.

Der God-Eater-Einschlag

Obwohl das Action-Rollenspiel eher an From Softwares Titel angelehnt ist, machen sich auch die Erfahrungen des Entwicklers mit God Eater bemerkbar. Das fängt ganz banal mit der Tatsache an, dass wir eine Karte haben, die wir mit jeder aktivierten Mistel vervollständigen. Aber auch die Basis, in der wir bei Händlern neue Schleier, Waffen und Items kaufen können, erinnert an Bandai Namcos andere Serie.

Von dort aus reisen wir in die einzelnen Dungeons, in denen es Missionen zu erledigen gilt. Trotz dieser Struktur ist die Welt innerhalb des roten Nebels im Übrigen eine zusammenhängende, wie uns Iizuka bestätigt hat.

Doch damit hören die Parallelen nicht auf. Genau wie in God Eater haben wir auf Wunsch immer einen KI-gesteuerten Kollegen dabei und kämpfen zusammen gegen die Monster. Wir können zudem einen echten Mitspieler noch dazu holen und zu dritt losziehen.

In der Regel seid ihr nie allein unterwegs. Die KI macht in der Preview-Version einen guten Eindruck und ist in brenzligen Situationen äußerst nützlich. | © Bandai Namco Entertainment

Außerdem ist God Eater auch »Schuld« daran, dass wir es in Code Vein mit Vampiren zu tun haben. Beim Stil des Spiels haben sich die Entwickler offensichtlich an ihrer bisherigen Arbeit orientiert und auch die Tatsache, dass wir durchs Besiegen der Feinde stärker werden und neue Fähigkeiten erlangen, ist an die Reihe angelehnt.

Feinde besiegen, ihre Fähigkeiten aussaugen: Laut Iizuka ist die Wahl auf Vampire nur logisch und passt ebenfalls zu der Souls-Mechanik des Wiederauferstehens.

Dass wir Vampire steuern, hat sich laut Machern fast schon organisch aus dem Spieldesign ergeben. | © Bandai Namco Entertainment

Blutschleier, Blutcodes, Items & Aufleveln

Wie aber genau funktioniert nun der Rollenspiel-Anteil in Code Vein? Fans klassischer RPGs müssen hier etwas umdenken. Denn der Fokus des Titels liegt auf der Ausrüstung und nicht der perfekten Werteverteilung. Das merken wir beim Aufleveln, bei dem wir lediglich eine neue Stufe freischalten. Welche Attribute besser werden, übernimmt das Spiel für uns automatisch.

Einfluss auf unsere Figur nehmen wir in erster Linie mit Blutschleiern und Blutcodes. Erstere sind verschiedene Outfits, die nicht nur unsere Statuswerte, sondern auch unseren zweiten Block und damit Konter beeinflussen. Zu Beginn greift unser Vampir etwa auf Klauen zurück, mit denen wir die Feinde einen Kopf kürzer machen.

Mit einem neuen Schleier ist der Protagonist hingegen mit einem beachtlichen Stachel ausgestattet, was eine höhere Reichweite bedeutet. Blutcodes ersetzen hingegen das Klassensystem. Erinnert ihr euch noch an die erwähnte Story-Wendung? Nach dem ersten Boss stellt sich heraus, dass unser Charakter eine besondere Blutgruppe besitzt und damit den Code von anderen übernehmen kann.

Blutcodes ersetzen ein Klassensystem und machen unsere Figur äußerst anpassungsfähig. | © Bandai Namco Entertainment

»Kämpfer« ist etwa für offensivere Spieler gedacht, »Ranger« für defensive und »Zauberwirker« für Fernkämpfer. Jeder Code bietet verschiedene aktive und passive Fertigkeiten, die wir im Kampf einsetzen können. Manche davon finden wir in mehreren Codes wieder. Aber da hört das System noch nicht auf: Iizuka verspricht dutzende Codes und gibt zudem an, dass die Macher das zusätzliche Jahr Entwicklungszeit in den Feinschliff und das Balancing der Codes gesteckt haben.

Wir dürfen die »Klassen« zudem jederzeit im Menü wechseln, um uns so den Gegnern anzupassen. Wenn Fernkampf gefordert ist, müssen wir also keine Angst haben nicht dafür gewappnet zu sein. Wir switchen einfach den Code und fertig.

Wie elementar diese Mechanik ist, zeigt das zweite Gebiet »Town of Sacrifice«, das wir in der Demo besuchen. Hier halten wir große Gegner mit Magie auf Distanz, müssen aber gleichzeitig auch schnelle Hunde-ähnliche Kreaturen ausschalten. Bei Bossen setzen wir auf einen defensiven Code, da wir nur dank der Fähigkeiten eine Chance bei den mächtigen Feinden haben.

Feinde lassen neue Waffen fallen, neue Blutcodes erhalten wir ebenfalls von besonderen Gegnern. | © Bandai Namco Entertainment

Auch der Begleiter und unsere Waffen werden hier unabdingbar. Die Schwerter und anderen Items finden wir überall in der Welt, oder nehmen sie Feinden ab. Im Lager werten wir sie gegen Materialien und Dunst auf. Das ist auch bitter nötig, denn die schiere Anzahl an Gegnern sorgt vor allem in dem zweiten Dungeon für einen enormen Anspruch.

Die Bosse belohnen uns mit neuen Codes, sind dafür aber besonders schwer zu knacken. | © Bandai Namco Entertainment

Einschätzung

Code Vein ist, und hier muss man auch einfach den Vergleich ziehen, ein waschechtes Souls-like. Harte Kämpfe, ein motivierendes, aber gnadenloses Tod-System und eine verzweigte Welt scheinen auch hier bestens zu funktionieren. Denn wie gut die Balance geraten ist, wie gut und abwechslungsreich der Rest der zerstörten Stadt ausfällt, lässt sich nach ein paar Stunden nicht abschätzen.

Die God-Eater-Einflüsse, die Inszenierung und der Anime-Look grenzt Code Vein aber bereits stark und angenehm vom großen Vorbild ab und setzt auch für Veteranen genügend eigene Akzente. Vor allem Schleier- und Blutcode-Systeme scheinen zugänglich und gleichzeitig angenehm komplex zu werden. Ob Mechaniken und Geschichte das gesamte Spiel über motivieren und funktionieren, muss die fertige Version zeigen.

Jetzt seid ihr gefragt!

Was erwartet ihr von Code Vein? Uninteressante Randerscheinung oder nächster großer Anime-Game-Hit?

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MiR4y
Gast
MiR4y

Muss sagen ich freu mich auf das Spiel und bin gespannt wie es am Ende sein wird und ob die Story dann eben auch passt. Werde es wohl auf jeden Fall spielen.

Generell wünsche mir schon lange ein “Anime”-Spiel, was mal einigermaßen Richtung AAA-Game geht. Denn sind wir mal ehrlich: Beispielsweise ein Division 2 wäre im Gun Gale Online-Gewandt halt mega aber bisher sind die Anime-Spiele ja grafisch oder Gameplaytechnisch meist eher durchschnittlich. Bin gespannt was die nächsten Jahre so bringen.

DeadPixel
Gast
DeadPixel

Mein GOTY, warte schon ewig drauf =D Was mich interessiert: 1. Ist das Waffensystem so wie in Dark Souls, sodass man eigentlich mit jeder Waffe das Spiel durchspielen kann? Irgendwie kommt kaum ein Entwickler darauf, dass das neben dem Kampfsystem eigentlich mit das beste bei Dark Souls ist. Viele Waffen/Waffenstile die sich unterschiedlich spielen und sich jede Waffe auflvln kann und keine einfach nur bessere stats hat. 2. Erzählen die Begleiter ihre eigenen Geschichten (evtl. Begleiterquests o.ä.)? In Mass Effect und Dragon Age fand ich es immer cool die Begleiter kennen zu lernen und ihnen bei ihren eigenen Problemen zu… Weiterlesen »

Benni
Gast
Benni

Ich bin schon ewig an dem Spiel interessiert.
1) Es gibt Vampire (bin auch auf vampire the masquerade blooodlines gespant)
2)Anime Game
3) Souls Like
4) Hilfe durch mitspieler

SEHR informative preview. 😀

RickyShikari
Gast
RickyShikari

Ich hatte das Game bis bir wenigen Wochen noch gar nicht auf dem Schirm, erst durch euch kam ich dazu. Und ich muss sagen, dass das Game echt gut aussieht, auch diese ganzen Darksouls Elemente scheinen verdammt gut zu funktionieren. Zumindest von dem was ich dem Artikel entnehme, freue mich es selber zocken zu können^^
Ein großes Plus beim dem Spiel ist der Koop Aspekt, wie geil muss das bitte mit Freunden sein XD