© 2001 CLAMP, Kodansha Ltd.

15 Jahre, nachdem der legendäre Zeichnerkreis CLAMP mit »Chobits« zum ersten Mal die Frage nach der Rechtmäßigkeit virtueller Liebe aufgeworfen hat, veröffentlicht der Manga-Publisher Egmont den Klassiker in neuem Glanz. Wir haben die Luxury Edition für euch unter die Lupe genommen!

Der Computer und das Internet sind die wohl einflussreichsten Erfindungen der Menschheit seit dem Rad und haben unsere Gesellschaft gravierend verändert. Für viele Menschen sind ihr Handy und PC fast schon zum Familienmitglied geworden und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – genau diese Entwicklung beschrieb die legendäre Zeichnergruppe CLAMP in ihrem 2000 veröffentlichten Manga-Hit »Chobits«.

CLAMP wurde 1989 von den Zeichnerinnen Nanase Ohkawa, Mokona, Tsubaki Nekoi und Satsuki gegründet und ist Anime-Fans durch ihren sehr individuellen Stil und die charakteristische Mischung aus schillernder Unterhaltung und tiefgründigen Thematiken in Werken wie »X«, »Tsubasa – Reservoir Chronicle« oder »Kobato« bekannt. Im Jahr 2000 erschien im »Young Magazine« des Publishers Kodansha das erste Kapitel von »Chobits«. 20 Jahre später lässt der Manga-Publisher Egmont die Reihe mit der Luxury Edition in völlig neuem Glanz erstrahlen – wir haben den Release unter die Lupe genommen und verraten euch, ob der Manga heute noch überzeugen kann und auch alte Hasen ungeniert zum Wälzer greifen können.


Alle Infos zu »Chobits«

Originaler Titel: Chobits
Genre: Romance, Drama, Comedy
Verlag: Egmont Manga
Mehr Infos: Beschreibungen und Preise
Story: Nanase Ohkawa (CLAMP)
Zeichnungen: Mokona (CLAMP)
Original erschienen bei: Kodansha
In Japan erschienene Bände: 8 (abgeschlossen – erscheint in Deutschland in Form von zwei Luxury Editions zu jeweils 4 Bänden)
Deutscher Rhythmus: Band 2 am 03. September 2020


Darum geht es in »Chobits«!

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Nach jahrelanger harter Arbeit ist es dem aus einfachen Verhältnissen stammenden Hideki endlich gelungen, seine Heimat hinter sich zu lassen und nach Tokyo zu ziehen – schade nur, dass er die Aufnahmeprüfung seiner Wunschuni vergeigt hat und sich deshalb mit Nachhilfeschule und Nebenjobs durchs Leben schlägt. Dabei hält seine in Neonfarben getauchte neue Heimat so manches Mysterium bereit, so wie etwa die Existenz der PCs: Menschenähnliche Roboter, die mit hoher künstlicher Intelligenz den Alltag durch verschiedenste Hilfestellungen erleichtern!

Hideki selbst hätte natürlich nichts gegen eine niedliche PC-Assistentin, doch die gähnende Leere in seiner Brieftasche verwandelt diesen Wunsch in einen illusionären Traum, bis er schließlich eines Tages durch Zufall ein platinblondes Androidenmädchen zwischen Müllsacken in einer Seitengasse findet. Das Geschöpf mit den tiefbraunen Kulleraugen bringt außer »Chi« kein Wort über die Lippen und scheint auch sonst seinen Artgenossen in Sachen Funktionsumfang ordentlich hinterherzuhinken, doch Hideki ist motiviert, selbst mit anzupacken, um Chi zu einem voll funktionsfähigen PC auszubilden!


Ein Eulenspiegel-Manga

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Was den Inhalt der Geschichte betrifft, so baut »Chobits« seine Story auf einem im Jahr 2020 etwas angestaubten Konzept auf: Ein Junge ohne besondere Eigenschaften begegnet einem auf irgendeine Art und Weise besonderen hübschen Mädchen, das sich Hals über Kopf in ihn verliebt und an dessen Seite er ein lustig-dramatisches Abenteuer durchlebt. So weit, so bekannt – wer schon mal in Reihen wie »Elfen Lied«, »Angeloid« oder »To Love-Ru« geblättert hat, für den lesen sich die ersten Kapitel des Mangas vertraut:

So gibt es den klassischen Brustgrapscher-Slapstick, niedliche Kulleraugen-Momente und pubertäre Ecchi-Comedy. Innovativ ist das alles nicht, doch durch die geschickte Delivery der Zeichner kann Chis Tapsigkeit dem Leser doch trotz generischer Elemente noch ein Schmunzeln entlocken, vor allem, wenn in der Comedy doch etwas variiert wird und die Androidin Wörter missversteht oder auf ihre eigenwillige Fingererkennung hingewiesen wird.

Neben seiner tiefgründigen Thematiken besitzt »Chobits« auch eine ganze Menge an Ecchi-Humor – nicht jedermanns Sache. | © 2001 CLAMP, Kodansha Ltd.

Nach ein paar Kapiteln nimmt »Chobits« dann schließlich Fahrt auf und lässt erstmals so richtig durchblicken, warum die Story auch nach zwanzig Jahren noch als Meisterwerk gehandelt wird: In einer Mischung aus Slice of Life, Comedy und Scifi stellt sich der Manga auf der Meta-Ebene dem Thema der Beziehungen zu virtuellen Partnern. Das mag zunächst banal klingen, doch als fest verankerter Teil der Doujin-Szene ist CLAMP hautnah dran an japanischen »Otakus«, die sich wie die Menschen in »Chobits« ihren PCs fiktionalen »Waifus« oder »Husbandos« hingeben und in Extremfällen in all der zweidimensionalen Stimulation den Blick für die Realität verlieren. Gesamtgesellschaftlich sind auch beispielsweise die Verbreitung von Pornografie und die immer größere Abhängigkeit von Medien ein in den letzten Jahren vieldiskutiertes Problem, das in der Welt von »Chobits« in ähnlicher Form auftritt.

Jedoch diktiert »Chobits« keine Meinung, sondern stellt beide Seiten der Medaille dar, um den Leser selbst zum Nachdenken anzuregen: Während Yumi sich massive Sorgen darüber macht, als echte Frau mit naturgegebenem Aussehen und menschlichem Charakter nicht gegen die bildschönen und stets hörigen PCs ankommen zu können, stellt Hiroyasus Geschichte eine Antithese dar: Ist jemand in einer »künstlichen« Beziehung aus tiefstem Herzen glücklich, sei ihm dies zugestanden, denn auch wenn seine Partnerin künstlicher Natur ist, sind seine Glücksgefühle real.

Muss eine Beziehung »echt« sein, damit das empfundene Glück legitim ist? Dieser Frage stellt sich »Chobits« in seinen acht Bänden primär. | © 2001 CLAMP, Kodansha Ltd.

Oberflächlich betrachtet eine typische 2000er-Romcom-Klamotte, ist »Chobits« im Kern also eine tiefgreifende Diskussion über persönliches Glück, Liebe und zunehmende Technisierung. Zwar mögen einige Fanservice-Elemente des Mangas heutzutage plump rüberkommen, doch die niedliche Comedy kann immer noch genau so überzeugen wie die interessante Scifi-Story, die den Leser dank gezielt gesetzter Hinweise und chronischem Informationsmangel in Atem hält.


Charmanter Gothic-Kitsch

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Optisch zog Zeichnerin Mokona in »Chobits« alle Register und steckte die Charaktere in aufgeputzte Gothic-Kleidung, die Hand in Hand mit dem Motiv der »Eleganz« geht, das sich durch fast jedes Bild zieht. Vor allem in den emotionalen Szenen lässt die Zeichnerin Haare fliegen, Rasterfolie glitzern und verleiht den weiblichen Charakteren eine unnahbare Aura. Auch der Unterschied zwischen Mensch und PC wird mit der fast schon puppenartigen Gestalt der Androiden unterstrichen und kommt vor allem in den angesprochenen Szenen zu Tragen.

Mit langen Wimpern, zarten Gesichtszügen, wehenden Haaren und grazilen Posen ist Chi eine echte Schönheit – und ein Beispiel dafür, wie das Motiv »Eleganz« visuell verarbeitet wird. | © 2001 CLAMP, Kodansha Ltd.

Neben der Eleganz glänzt der Manga natürlich auch in seinen Comedy-Momenten durch witzige Reactionfaces, zackige Formen und einem pointierten Panelaufbau. Die Scifi-Elemente dagegen erinnern in ihrer Ausführung fast schon an Cyberpunk-Klassiker wie »Ghost in the Shell«, sodass man den Manga unterm Strich als optisch abwechslungsreich verbuchen kann.

Trotz dass der Zeichenstil hier und da ein wenig altbacken wirkt, haben CLAMP ihren Status als Stilikonen nicht umsonst inne: »Chobits« ist handwerklich schlichtweg verdammt hochwertig umgesetzt und lässt in seinen besten Momenten auch heute noch Leser mit offenem Mund über den Seiten hängen …


Ein Klassiker im Buchformat

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Nachdem »Chobits« in Deutschland von 2002 bis 2005 im stinknormalen Taschenbuchformat herausgegeben wurde, entschied sich Egmont bei der Neuauflage für eine edle Hardcover-Variante, die in zwei Ausgaben alle acht Bände der Reihe umfasst. Das Hardcover ist dabei punktuell mit glitzernden Goldstellen verziert und liegt hochwertig in der Hand, während gold-glänzende Seiten im Innenteil diesen hochwertigen Eindruck abrunden.

Dieser macht jedoch eine schlechtere Figur als die Außengestaltung, denn die Seiten sind verhältnismäßig dünn ausgefallen, sodass durch sie das Artwork der jeweils nächsten Seite meist schon sichtbar ist. Abgesehen von diesem Manko ist die Druckqualität jedoch durchaus passabel.


Chobits
Original
Deutsche Umsetzung

Wir bedanken uns herzlich bei Egmont Manga für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


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Jetzt seid ihr gefragt!

Findet ihr bei »Chobits« den Anime oder den Manga besser? Und wie sieht für euch der perfekte Manga-Release aus?

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NeonParias

Ach, das waren noch Zeiten als Clamp noch die Königinnen der Mangaszene waren.
Aber wenn ich mir z.B. (und besonders!!) Blood C so ansehe, dann haben sie storytechnisch ganz schön abgebaut. 😑

Ich hoffe ja immer noch auf die Fortsetzung von X, auch wenn ich es besser wissen sollte. 😂

Die Hoffnung stirbt ja wirklich zuletzt.

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