Candy & Cigarettes Manga Review
© 2017 by Tomonori Inoue / Kodansha Ltd.

Knarren, Blut und … ein kleines Mädchen? Ob Drama-Manga »Candy & Cigarettes« mit dieser skurrilen Mischung aus Gewalt und Unschuld überzeugen kann, verraten wir euch in unserem Ersteindruck!

Wer schon mal den Filmklassiker »Léon – Der Profi« gesehen hat, weiß genau, wie interessant die Kombo zwischen einem kleinen Mädchen und einem Auftragsmörder sein kann. Doch was ist, wenn diese Grundprämisse umgedreht wird und die Kleine selbst zur Waffe greift?

Bevor Mangaka Tomonori Inoue die Zeichenutensilien für »Candy & Cigarettes« in die Hand nahm, arbeitete er bereits an der mit 26 Bänden abgeschlossenen Reihe »Coppelion«. Diese dürfte hierzulande primär durch die Anime-Adaption bekannt sein, welche KAZÉ Anime bereits vor einigen Jahren für den hiesigen Markt lizenzierte.

Während »Coppelion« in Manga-Form vermutlich nie ein deutsches Release erhalten wird, traut sich der Hamburger Verlag altraverse an den Nachfolger heran.


Jap. Titel: Candy & Cigarettes
Genre: Drama, Mystery, Action
Autor/Mangaka: Tomonori Inoue
In Japan erschienene Bände: 8 (Laufend)
Deutscher Rhythmus: Alle 2 Monate
Verlag: altraverse
Original erschienen bei: Kodansha (Young Magazine the 3rd)


Darum geht es in »Candy & Cigarettes«!

Raizo Hiraga hat sein ganzes Leben als Polizist gearbeitet und geht nun in Pension. Normalerweise wäre das ein Grund zum Feiern, doch ein ruhiges Rentnerdasein ist dem alten Herrn nicht gegönnt. Vielmehr muss er sich von Job zu Job quälen, um so viel Geld wie möglich zu verdienen.

Dieses benötigt er dringend, um für die Krankenhauskosten seines Enkels Shota aufzukommen, der an der Schlafkrankheit Chesterton Encephalitis lethargica leidet. Da der Staat nicht den Anlass sieht, Raizos Familie zu unterstützen, sucht er immer verzweifelter nach einem Arbeitsplatz, der auch nur ansatzweise genug Geld einbringt, um die Behandlungskosten zu stemmen.

Als er bereits am Rande der Verzweiflung steht, entdeckt er eine Stellenanzeige, die damit wirbt, dass man eine Million Yen pro Monat verdienen könnte. Sogar die Kampfsport- und Waffenskill-Voraussetzungen erfüllt Raizo zu 100 %.

Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, macht er sich auf den Weg zur sogenannten Doppel-S-Agency, die sich im starken Kontrast zu den Voraussetzungen in einem Antiquariat befindet. Dort wird er von einem sehr jungen Mädchen empfangen, welches ihn direkt zu einer Dame führt.

Diese stellt sich als Kinume vor und entscheidet nach einem kurzen Gespräch, ihm den Job anzuvertrauen. Obwohl er nicht einmal weiß, was seine Aufgaben sind, macht er sich schnurstracks auf den Weg zu seinem ersten Auftrag. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen betritt er als Reinigungskraft verkleidet das als Ziel bestimmte Hotelzimmer und wird dort direkt mit einer Leiche konfrontiert.

Der tote Mann war das Auftragsziel eben jenes jungen Mädchens, Miharu Suzukaze, das er bereits im Antiquariat traf. Seine zukünftige Aufgabe ist es, gemeinsam mit ihr Verbrecher zu liquidieren, die auf dem herkömmlichen Weg nicht dingfest gemacht werden können. Eine ziemlich gefährliche Arbeit, doch wenn er damit seinen Enkel retten kann, ist ihm alles recht.


Pure Action oder bittere Tragödie?

Während der Manga zunächst mit unbarmherziger Gewalt aufschlägt, kristallisiert sich jedoch schnell heraus, dass die gefühlskalte Miharu nicht einfach nur als Mittel zum Zweck dient. Ein Schlüsselmoment in ihrer Vergangenheit ließ sie in Notwehr zur Mörderin werden.

Innerlich zerbrochen wurde sie von Kinume als Rohdiamant in die Doppel-S-Agency aufgenommen, um ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben. Während Miharu beim Töten immer eine kaltblütige Mine zeigt, sieht man außerhalb ihres Jobs Stück für Stück auch ihre kindlichen Seiten.

Dennoch vergisst man als Leser immer wieder, dass das, was dieses kleine Mädchen ohne zu zögern tut, eigentlich absolut grauenhaft ist. Ob sie für immer in diesem brutalen Job gefangen sein wird oder ob sie irgendwann endlich ein ruhiges, normales Leben führen kann, steht dabei noch in den Sternen.


Cartoon trifft auf Manga

Schon beim ersten Blick fällt auf, dass der Stil für die Seinen-Zielgruppe etwas aus der Reihe tanzt. Besonders die Männer wirken teilweise wie Randfiguren von bekannten Cartoon-Serien aus dem letzten Jahrhundert. In Kontrast dazu hat Inoue es sich nicht nehmen lassen, die weiblichen Figuren nichtsdestotrotz in manga-typischer Niedlichkeit darzustellen.

Obwohl sich das erst einmal wie eine unverträgliche Mischung anhört, hat er es ohne Probleme geschafft, einen vollwertigen und schön abgerundeten Stil zu kreieren, der keinen Moment an seinem Mangaka-Talent zweifeln lässt.

Detailverliebt kann man den Stil zwar nicht nennen, jedoch muss er das auch gar nicht sein. Eher versucht er mit dicken Outlines, einem gut strukturiertem Paneling und auf Action fokussierten Einzelbildern seinem Gesamtstil gerecht zu werden – und das schafft er ausnahmslos.

Besonders im mit Bedacht gewählten Großformat kommt die Action gut zur Geltung. Um die Wertigkeit noch ein Stück in die Höhe zu treiben, spendierte altraverse dem ersten Band Klappbroschuren, die jeweils Raizo in coolen Posen zeigen.

Für die Beschichtung entschied man sich für ein mattes Cover, auf dem jedoch Miharu mit partiellem Spotlack hervorgehoben ist. Die Banderole, die an eine handelsübliche Zigaretten-Packung erinnert, ist ebenfalls eine nette Idee und rundet das Gesamtpaket gut ab.


»Candy & Cigarettes«
Original
Deutsche Umsetzung

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Feidl

Da es ein altraverse Manga ist, wurde wahrscheinlich, wie alle mir bekannten altraverse Mangas, die ich schon in den Händen hätte (auch Großformate), wieder zu dünnes Papier genutzt, so das man da leicht durchschauen kann. Eine 5/5 für Verarbeitung ist daher meiner Ansicht nicht gerechtfertigt.

Ldief

Könnte man im Bezug zu Umweltschutz genauso gut als Plus sehen, aber ich verstehe was du meinst 🙂

Zuletzt bearbeitet 1 Monat zuvor von Ldief
Feidl

Plus ist eher der Gewinn, der dadurch höher ausfällt, weil preislich ist altraverse teurer als Verlage, die ordentliches Papier verwenden (z.B. Kazé)

Nino Singer

altraverse berechnet beispielsweise für die Kleinformate fast durchweg 7,00 €, während andere Verlage oft 7,50 € oder 8,00 € verlangen. Auch wenn mal ein Band deutlich mehr Farbseiten hat, geht der Preis nicht hoch. Ob altraverse wegen des Papiers weniger pro Band an die Druckerei zahlen muss, ist nur Spekulation. Das kann man als Außenstehender nur schwer einschätzen.

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