© Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Aus und vorbei – nachdem gestern die letzte Episode der aktuellen Attack on Titan-Staffel in einem fulminanten Finale ihr Ende fand, kehrt das Epos zunächst in einen tiefen Schlaf zurück. Wir ziehen unser Resümee aus dem bisher spannendsten Kapitel der Geschichte.

Ein altes Sprichwort besagt »Wo ein Anfang ist, muss auch ein Ende sein«. Diese Weisheit lässt sich nicht nur auf die unterschiedlichsten Lebenslagen, sondern auch auf unser Hobby anwenden, sodass wir uns mit der Ausstrahlung der mittlerweile 59. Episode vorerst wieder vom Attack on Titan-Anime verabschieden müssen.

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Die hinter uns liegenden Wochen voller halsbrecherischer Manöver, glorreicher Taten, herzzerreißender Schicksale und markerschütternden Offenbarungen bieten einiges an Diskussionsbedarf, sodass wir die zweite Hälfte von Attack on Titan 3 einmal Revue passieren lassen und ein Fazit aus der bislang wendungsreichsten und aufregendsten Staffel von Hajime Isayamas Erfolgs-Epos ziehen wollen.

Die folgende Analyse enthält Spoiler zur aktuellen Episode des Attack on Titan-Animes! Weiterlesen auf eigene Gefahr! Außerdem enthält dieser Artikel Meinungen und basiert auf der persönlichen Interpretation des Autors. Es ist nicht garantiert, dass der Autor von Attack on Titan diese Vermutungen unterstützen würde.


Eine Zeit der Offenbarungen

© Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Als die erste Hälfte von Attack on Titan 3 vor ungefähr einem halben Jahr endete, machten sich unter Fans und Kritikern zwar überwiegend positive, aber gemischte Gefühle breit. Kein Wunder, denn selbst Schöpfer Hajime Isayama zweifelt heute selbst an seinem Uprising-Arc und verlangte vom Anime-Team beim Studio Wit, die Geschichte für ihre Adaption ein wenig zu straffen.

Der Return to Shiganshina-Arc treibt die Spannung in Isayamas Titanen-Epos erneut voll auf die Spitze. | © Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Von der sehr dialog- und politiklastigen Story der Staffel mag man halten, was man will, doch sie legte den Grundstein für etwas großes, gravierendes, das die Sicht auf die gesamte Erzählung für immer verändern sollte: Und zwar den Return to Shiganshina-Arc. Nicht nur spielt sich zwischen den überwucherten Fachwerk-Ruinen von Erens Heimat ein halsbrecherischer Showdown ab, auch kommt es endlich zur Offenbarung des Geheimnisses, auf das Fans seit Grishas Versprechen an seinen Sohn zum Beginn der ersten Staffel gewartet haben: Den Inhalt des Kellers.

Bedeutungsschwanger im Opening angeteasert, dreht sich die gesamte zweite Hälfte der Staffel um den Inhalt von Grisha Jägers geheimnisvollen Keller. | © Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Und es war kein Stück Übertreibung, als der charismatische Doktor mit dem Pferdeschwanz den Inhalt seines Refugiums als »das Geheimnis dieser Welt« bezeichnete. Über drei Staffeln hinweg war das Innere der drei Mauern Sina, Rose und Maria der gesamte Handlungsort des Anime und das komplette Ausmaß der Realität gewesen, die wir und die Charaktere kannten.

Nun wissen wir von der Nation Marley, dem Geheimnis hinter der Entstehung der Titanen, dem Ursprung der Eldian und Grishas rätselumwobener Vergangenheit. Es wäre wohl nicht zu viel, zu behaupten, dass dieser Plottwist die Geschichte des zunächst als actionreiche Shounen-Story begonnen Anime auf ein ganz neues Level der Komplexität hievte, sodass sich alles vorangegangene rückblickend wie ein sehr, sehr langer Prolog anfühlt.

Die Geschichte um die Eldia und die Vergangenheit der Menschheit wirft ein völlig neues Licht auf die gesamte Serie. | © Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Die Erwartung an das ewig gehütete Mysterium des Kellers waren groß und kaum zu erfüllen, doch genau wie Hajime Isayama seine Welt bis zu diesem Punkt bereits mit Einfallsreichtum und viel Liebe zum Detail befüllte, schaffte er es wieder einmal, trotz aller vorangegangenen Superlativen seinen Fans den Atem zu rauben.

Dabei ist nicht nur der ausgefeilte und komplizierte Storyverlauf an sich, sondern auch die in ihm verborgene Meta-Ebene grandios. Von Anfang an war Attack on Titan von einer starken militärischen Aura geprägt. Wir folgten den Abenteuern eines Soldatentrupps, kämpften gegen einen übermächtigen Feind und opferten unsere Herzen dem Frieden der Heimat.

Attack on Titan wandelte sich vom Action-Hit zum philosophischen Seinen-Epos. | © Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Doch je weiter die Story voranschritt, desto kritischer persiflierte die Serie ihr eigenes Grundthema – nach dem grausamen Blutvergießen in Shiganshina wirkt das dritte Opening mit dem Titel »Opfert eure Herzen« fast schon sarkastisch, denn der Truppengeist des Aufklärungstrupps war für nicht wenige Soldaten eine Schnellstraße in den jungen Tod.

Doch Attack on Titan ist kein Werk, das mit mahnendem Zeigefinger die Grausamkeit des Krieges zu verteufeln versucht – denn ohne die zahlreichen Opfer hätten es Eren und seine Freunde nie an den Punkt geschafft, an dem sie heute stehen. Der Zuschauer wird selbst zum Nachdenken angeregt und so darf sich jeder angesichts kontroverser Schicksale wie dem Erwins eine eigene Meinung bilden, ob es rechtens ist, Menschenleben für ein höheres Ziel zu opfern.


Eine Umsetzung wie aus Hollywood

© Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Regisseur Tetsuro Araki ist nicht erst seit gestern für seine stark von westlichem Popcornkino geprägte, bombastische und epische Ader bekannt. Vor Attack on Titan inszenierte der »Michael Bay der Anime« bereits Hype-Titel wie Guilty Crown oder Death Note, die ebenfalls durch kiloweise Theatralik, bedeutungsschwangere Botschaften und gänsehauterregende Epik bekannt waren.

Das mittelalterliche Fantasy-Epos passt daher wie die Faust aufs Auge zur Stilistik des Filmemachers, der sich mit Soldatenparolen, Orchestralmusik und dynamischen Schlachten wie ein Fisch im Wasser zu fühlen scheint. Seit Staffel 2 nimmt Araki jedoch nur noch eine beratende Position ein und der bis dato unbekannte Director Masashi Koizuka setzt sich ans Steuer.

Das Team um Koizuka und Araki inszenierte erneut eine so dichte Stimmung, dass man sie mit einem Messer durchschneiden könnte. | © Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

So wird der explosive Bombast seitdem durch zarte Untertöne ergänzt, die der Serie vor allem in der survival-artigen Horrorstimmung der zweiten Staffel passend zur immer komplexer werdenden Handlung eine düstere und ernsthafte Note verliehen.

Die apokalyptische Stimmung in Shiganshina kommt insbesondere durch die bewusst gewählte, kalte Farbpalette zu tragen. | © Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Mit Attack on Titan 3 (Part 2) legt das Regie-Dou jedoch sein absolutes Meisterwerk hin, denn nichts im Anime scheint dem Zufall überlassen und die apokalyptische Atmosphärische wirkt so immersiv, dass man als Zuschauer selbst das Gefühl hat, zwischen den Mauern Shiganshinas zu stehen. Doch egal ob Kameraspiele und -fahrten, ein stimmiges Soundbild oder der großartige Soundtrack von Komponist Sawano, Einfälle wie Erens und Mikasas langsamer, mit Details gespickter Gang durch die Gassen ihrer ehemaligen Heimat zum Keller der Jägers zeigen, dass das Team sich der Bedeutung der Geschichte wohl bewusst ist und alles in seiner Macht stehende tut, uns Zuschauer in Gänsehaut zu versetzen.

Wenn es drauf ankam, war auf das bekannte Animationsteam aus dem Studio Wit stets Verlass. | © Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Obwohl die viel besungene, chaotische Produktion aus dem Studio Wit durchaus ihre Probleme damit zu haben scheint, den großen Ambitionen der Kreativen gerecht zu werden, hat das Team rund um die Animationsregisseure Kyoji Asano und Satoshi Kadokawa doch einen beeindruckenden Job gemacht und konnte mit einigen mitreißenden Action-Szenen punkten.

Während in unwichtigeren Szenen ein merkwürdig proportionierter, kollosaler CGI-Titan in Shiganshina herumirrte und Dialoge zum Großteil aus Standbildern bestanden, brachte Zeichner Arifumi Imai und sein Team aus Animatoren in den actionreichen 3D-Manöver-Szenen erneut eine beeindruckende Performance aufs Papier.


Die Zukunft ist ungewiss

© Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Spitzt man die Augen und Ohren ein wenig nach den feinen Untertönen, die die Produktion von Attack on Titan 3 (Part 2) durchschimmern lässt, fällt auf, dass das gesamte Team mit größter Leidenschaft und Überzeugung an den Episoden gearbeitet haben muss. Doch war diese Begeisterung nur ein Endspurt?

Relativ früh nach Ausstrahlung der ersten Folgen kam im Internet das Gerücht auf, dass sich das Animationsstudio aus dem Attack on Titan-Franchise zurückziehen und die Produktion der nächsten Fortsetzung nicht mehr übernehmen wird. Insider, die sich beispielsweise gegenüber Sakugabooru äußerten, bestätigten diese Vermutung.

Wird sich Studio Wit tatsächlich von seinem Flagschiff trennen? | © Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Sollten die Gerüchte stimmen und das Studio die 3D-Manöver-Ausrüstung tatsächlich abgelegt haben, ist in jedem Fall ziemlich sicher, dass die Planungen zu Attack on Titan 4 noch in den Kinderschuhen stecken. Die Anime-Branche ist schließlich ziemlich beschäftigt und Studios häufig mehrere Jahre im Vorraus mit Projekten ausgelastet – so fließt noch eine Menge Wasser durch den Rhein, bevor Wits Nachfolger Eren und co erneut Leben einhaucht.

Ob uns dank des Verlusts der die Atmosphäre von AoT sehr prägenden Wit-Crew ein Stilbruch marke High School DxD erwartet, lässt sich ohne genauere Informationen noch nicht so genau sagen. Bleibt das Franchise nämlich innerhalb des Mutterkonzerns IG Port und wird eventuell von Schwesternstudio Production I.G. übernommen, sollte sich innerhalb der künstlerischen Besetzung nicht allzu viel ändern.

Sollte Schwesternstudio Production I.G. die Produktion übernehmen, sollte sich an der künstlerischen Umsetzung nicht allzu viel ändern. | © Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Auch über die Gründe kann ohne genauere Einsicht in die Gespräche hinter verschlossenen Türen nur spekuliert werden. Denkbar wäre beispielsweise, dass sich das Studio in nächster Zeit auf seine Eigenproduktionen konzentrieren möchte. Denn obwohl Attack on Titan weltweit Millionen umsetzen konnte, bekam Wit wohl nicht mehr als das gegebene Budget für den Anime zu sehen, da sie nicht im Produktionskomittee vertreten sind.

Vielleicht möchten die Firmenbosse mit ihrem Vorhaben die Rechteinhaber zu einem größeren Anteil bewegen, vielleicht hat man aber auch keine Lust mehr, sich dem immensen Druck der Produktion auszusetzen und arbeitet als seit der Entstehung von Staffel 1 längst »flügge gewordenes« Studio lieber an eigenen Projekten wie Kabaneri of the Iron Fortress weiter.


Fazit – die beste Attack on Titan-Staffel

© Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Eine Sache ist und bleibt nicht von der Hand zu weisen – die Mühen der Besetzung haben sich voll und ganz gelohnt und Attack on Titan 3 (Part 2) war ein enormer Erfolg bei Fans und Kritikern zugleich. Während die Episode »Helden« weiterhin in Konkurrenz zu beliebten Realserien wie Game of Thrones in der imdb-Topliste der besten Einzelfolgen aller Zeiten verweilt, zog die Staffel beim Bewertungsportal Myanimelist sogar an Makoto Shinkais Welterfolg Your Name vorbei.

Nicht nur Autor Isayama, auch die Verantwortlichen der Anime-Adaption sind voll und ganz über sich hinausgewachsen und reizen das gesamte Potenzial, dass Attack on Titan als Serie bietet bis aufs Äußerste aus. Egal ob spannende Erzählung, komplexer Hintergrund, moralische Konflikte, epische Animationen oder gänsehauterregender Soundtrack. Alles scheint so, als wollte Wit seine Titanen-Karriere mit einem Paukenschlag beenden und einen kilometerlangen Fußstapfen in der Welt von Eren und co hinterlassen.

Egal, wie die Geschichte der Mauernzivilisation nun weitergeht – es bleibt auf jeden Fall spannend. | © Hajime Isayama, Kodansha / “ATTACK ON TITAN” Production Committee

Die Zukunft ist ungewiss und niemand weiß, wohin die Reise des Franchises noch führen wird. Doch bis wir die ersten Momente des nun folgenden, epischen Marley-Arcs in Anime-Form erleben dürfen, bleiben wir standhaft. Denn nach wie vor gilt: Seid ihr das Essen? Nein, wir sind die Jäger!


Jetzt seid ihr gefragt!

Was ist euer Fazit zu Attack on Titan 3 (Part 2)? Und wie sieht für euch die Zukunft des Attack on Titan-Franchises aus?

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Sebastian

Ich fand das Staffelfinale spitzenmäßig. Selten hat ein Ende einer Staffel einen so großen Bittersüßen Abdruck hinterlassen. Die Synchronsprecher und Sprecherinnen haben wieder einmal herausragend gearbeitet und Lust auf mehr gemacht. Genauso gut könnte der Anime an dieser Stelle aber auch Enden und der Fantasie der Zuschauer freien Lauf lassen.

Ich musste damals 5x versuchen einen Weg in den Anime zu finden, denn ich konnte keine Verbindung dazu aufbauen. Bis ich irgendwann merkte, dass Hiroyuki Sawano die Musik dafür produziert.
Nach der 2. etwas versemmelten Staffel (Die Erwartung lag wegen der enorm langen Wartezeit einfach sehr hoch) hat die Dritte zu Beginn nicht gerade Viel Lust auf mehr gemacht. Bis kurz vor Schluss der ersten Hälfte, da wurde nochmal richtig aufgekocht.

Ich lese keinen Manga aber bin SEHR gespannt was auf dieses schöne und dennoch traurige Ende hin folgt.

Anon

Die vierte Staffel wurde doch bereits für nächstes Jahr angekündigt und wird auch wieder von Wit gemacht

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