© 安部真弘/週刊少年チャンピオン

»Season« und »Cour« gehören zu den ersten Vokabeln, die ein frischgebackener Anime-Fan bei seiner Feuertaufe in der Fan-Szene aufschnappt. Doch was bedeuten sie eigentlich? Und wie werden Anime in Japan überhaupt veröffentlicht? 

Ein altes Faktenbild, das sich seit Jahren hartnäckig unter Neulingen in der Anime-Szene hält und zu den beliebtesten Funfacts des Mediums gehört, spricht davon, dass im japanischen Fernsehen jede Woche über 100 neue Anime starten. Während die Zahl in Hochphasen des Mediums selbst auf die wöchentlich ausgestrahlten Episoden gerechnet utopisch ist und der Fact nicht viel mit der tatsächlichen Realität zu tun hat, gibt es in Fernost tatsächlich ein ähnliches Modell: Die Anime-Seasons.

Während in den USA neue Serienkonzepte traditionell im Herbst das Fernsehen bevölkern, starten in Japan jedes Vierteljahr ein ganzer Schwung neuer Anime – doch was bedeutet der Begriff »Season« eigentlich genau? Und ist eine Season dasselbe wie ein Cour? Wir haben die Antwort auf genau diese Fragen für euch!


Was ist eine Anime-Season eigentlich?

© 美水かがみ/らっき一☆ばらだいす

Ungefähr alle drei Monate ist es so weit: Japanische Anime-Fans klemmen sich voller Begeisterung vor den heimischen Fernseher oder Monitor, um den spannendsten Anime-Neustarts beizuwohnen. Auch hier bei Ninotaku ist der Start einer neuen Season von großer Bedeutung, denn an diesem Zeitpunkt wird eine ganze Welle an neuen Serien auf die Anime-Fanbase losgelassen.

Die Ausstrahlungszyklen gestalten sich dabei passend zu den Jahreszeiten folgendermaßen:

  • Winter Season – Von Januar bis März
  • Spring Season – Von April bis Juni
  • Summer Season – Von Juli bis September
  • Fall Season – Von Oktober bis Dezember

In diesen Monaten starten neue Anime und veröffentlichen von nun an wöchentlich weitere Episoden im japanischen Fernsehen, sowie auch auf internationalen Streamingdiensten. Mit ihrer üblichen Länge von 12 bis 26 Episoden fügen sich die meisten Anime-Staffeln ideal in dieses Zeitfenster ein, denn das Längenprofil ist schon seit geraumer Zeit im japanischen Fernsehen vertreten: Vor der Anime-Ära wurden bereits Live Action-Serien in der Season-Einteilung veröffentlicht und als japanischer Zeichentrick sich langsam von einer kleinen Nische zu einer ausgewachsenen Industrie entwickelte, nahmen Anime ebenfalls diesen Zyklus an.

Die vierte Season zu My Hero Academia ist der wohl beliebteste Titel der aktuellen Fall Season 2019. | BOKU NO HERO ACADEMIA © 2014 by Kohei Horikoshi/SHUEISHA Inc.

Dabei laufen die allermeisten Anime während ihrer Erstausstrahlung noch in einer unfertigen TV-Version, die bedingt durch knappe Zeitpläne optisch noch nicht ganz ausgereift sein kann oder aufgrund von rechtlichen Beschränkungen Zensur bei Gewalt oder Ecchi enthält, so wie beispielsweise The Seven Deadly Sins oder Vinland Saga. Für die Home Video-Veröffentlichung auf Blu-ray und DVD werden die Zeichnungen, sofern der Zeitplan es zulässt, oft noch einmal kräftig aufpoliert und etwaige Zensur ins Nirwana geschickt.


Was bedeutet »Cour«?

© 2015 サンカクヘッド/集英社 「干物妹!うまるちゃん」製作委員会

Neben dem Begriff der Season als fester Zeitrahmen neuer Anime-Runs schwirrt außerdem das Wort »Cour« durch die Anime-Spähre und hinterlässt gerade bei unerfahrenen Fans häufig mehr Fragezeichen als Verständnis. Dabei bezeichnet ein Cour im Grunde etwas ähnliches wie eine Season – und zwar einen Ausstrahlungszeitraum von ungefähr drei Monaten oder, auf den Anime übertragen, 10 bis 14 Episoden. Der Unterschied liegt darin, dass es sich bei einem Cour sozusagen um eine Maßeinheit einer einzelnen Serie handelt, anstatt um einen fixen Termin wie beispielsweise die Spring Season.

So besitzt etwa Attack on Titan mit seinen 25 Episoden eine Laufzeit von zwei Cours und ist damit ein sogenannter »Two-Cour«-Anime, während One-Punch Man mit seinen 12 Episoden zur Kategorie der »One-Cours« gehört. Eine Besonderheit sind in dieser Riege Split-Cour-Serien wie aktuell etwa Sword Art Online: Alicization. Anime wie Kiritos mitreißendes Abenteuer in den Weiten von Underworld werden in einem Rutsch produziert und sind damit offiziell eine zusammenhängende Staffel, jedoch getrennt voneinander mit einer oder mehreren Seasons Pause ausgestrahlt.

Dr. Stone ist mit seiner Laufzeit von 24 Folgen ein Two-Cour-Anime und begleitet seine Fans über die Summer Season hinaus in die Fall Season hinein. | © 米スタジオ・Boichi/集英社・Dr.STONE製作委員会

Dieser Schritt wird gerne ergriffen, um dem Kreativteam hinter dem Anime in der von Stress und knallengen Deadlines geplagten Anime-Industrie die Zeit einzuräumen, auch die späteren Episoden auf einem gleichbleibenden Qualitätsniveau zu halten. Ob man Split-Cour-Serien wie gesonderte Staffeln oder als zusammenhängendes Werk behandelt, ist oft auch innerhalb der Industrie nicht ganz klar – während einige Serien wie etwa Fate/Zero oder Aldnoah.Zero ihre zerstückelte Laufzeit in Blu-ray und DVD-Releases ignorieren und als Gesamtwerk vermarktet werden, grenzt sich der aktuelle War of Underworld-Arc aus Sword Art Online mit seinem Untertitel deutlich vom vorherigen Two-Cour ab.


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Welche Anime-Vokabel bedarf eurer Meinung nach noch einer ausführlichen Erklärung? Und welche Season war eurer Meinung nach die beste aller Zeiten?

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Balmung
Gast
Balmung

Das mit den Cour war mir noch nicht ganz klar, ich hab da bisher immer von 2 Seasons geredet. Muss auch sagen, dass mir der Begriff Cour generell recht neu war und ich schaue Anime schon seit weit über 30 Jahren.

Sindhara
Gast
Sindhara

Meine Lieblingsanime stammen aus Zeiten in denen ich noch nicht in Seasons gedacht habe. Habe also auch keine Lieblingsseason.

Begriffe, die ich noch erklärenswert sind, sind mMn die Zielgruppen – sprich Shounem, Shoujo, Seinen, Josei. In dem Zug könnte dann erklärt werden, wie Manga und Anime in Japan veröffentlicht werden.

ToshiroKuroko
Gast
ToshiroKuroko

Zu den Shonen, shojo, seinen, josei Kram, gibt es schon ein mehrteiligen Gast Beitrag auf dieser Seite.