© ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

Nach drei langen Jahren des Wartens lief letzten Dienstag endlich die erste Folge der zweiten Staffel von One Punch Man. Ich verrate euch, wie sich die erste Episode der legendären Superhelden-Parodie meiner Meinung nach geschlagen hat.

Der Vorhang fällt und endlich offenbart sich, ob die zweite Staffel von One Punch Man als würdiger Nachfolger in die Fußstapfen seiner Urserie treten kann.

Wie wir euch vor einigen Wochen in unserer Season Preview berichteten, bangten die Fans der Serie aufgrund gravierender Änderungen im Produktionsteam um die Qualität des heiß erwarteten Parodie-Animes, der mit dem atemberaubenden Stil seiner ersten Staffel einen gewaltigen Meilenstein in der japanischen Animationsgeschichte legen konnte.

Nun hat die Stunde der Wahrheit geschlagen und wir werfen einen Blick darauf, ob die erste Episode von One Punch Man 2 tatsächlich in die befürchtete Katastrophe ausartete oder ob Saitama nicht nur die Welt vor Monstern, sondern auch seine treuen Fans vor einer gewaltigen Enttäuschung retten konnte.

Wo könnt ihr One Punch Man 2 auf Deutsch schauen?

One Punch Man 2 Key Visual Titel: One Punch Man 2
Art: Serie, Fortsetzung
Episoden: 12
Genre: Action, Comedy, Fantasy, Parodie, Seinen
Studio: J.C.Staff (Toradora!, Food Wars!)
Regisseur: Chikara Sakurai (Food Wars! The Second Plate)
Vorlage: Manga, Webcomic
© ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

One Punch Man 2 erscheint jede Woche dienstags um 19:05 Uhr beim Simulcast-Anbieter Anime on Demand und steht dort in japanischer Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln zum Abruf bereit.

Ihr könnt die Serie entweder als Teil des AoD-Abos für 9,95 € im Monat oder für einmalige 2,49 € pro Episode legal und auf Deutsch streamen. Zusätzlich besteht auch noch die Möglichkeit, einzelne Episoden für jeweils 0,99 € 48 Stunden lang auszuleihen.

Darum geht es in One Punch Man 2 Episode 01

Story und Setting: alles beim Alten

Die Geschichte der zweiten Staffel von One Punch Man spielt wie gewohnt auf einem erdähnlichen Planeten, auf dem hart gesottene Superhelden sich ihre Brötchen damit verdienen, niederträchtigen Monstern ordentlich die Scheiße aus dem Leib zu prügeln und damit den Frieden ihres Zeitalters zu bewahren. Und natürlich, um sich regelmäßig neues Toilettenpapier und Instant-Nudelsuppen leisten zu können.

Nach wie vor setzt die Serie dabei hauptsächlich auf explosive Action, ausgeflippte Gags und interessante Charakterinteraktionen, garniert mit einer kleinen Prise beißender Gesellschafts- und Anime-Kritik, die einige Shounen-Klischees so richtig schön durch den Dreck zieht.

Die erste Episode von One Punch Man 2 dreht sich hauptsächlich um die jämmerliche Wahrheit, die sich hinter Kings legendären Heldenstatus verbirgt. | © ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

Nach Episode 01 lässt sich leider noch nicht viel über den weiteren Storyverlauf der Serie sagen, da sich die gesamte Folge hauptsächlich darauf konzentrierte, den neuen Charakter, King, vorzustellen und das Geheimnis um seinen erschlichenen Ruhm zu lüften. Wie jedoch am Ende der Episode eine gemeinsame Versammlung von Helden vermuten lässt, ziehen am Himmel der Superhelden-Welt dunkle Wolken auf, die wohl in den kommenden Episoden für reichlich Action sorgen werden.

Wenn ihr ein wenig mehr darüber erfahren möchtet, was in der zweiten Staffel von One Punch Man inhaltlich noch so alles auf euch zukommt, findet ihr in unserer Season Preview zur Serie eine kleine Zusammenfassung dazu.

Einzigartige Charaktere mit Witz und Verstand

Der kreative Kopf hinter dem zugrunde liegenden Webcomic von One Punch Man, der Autor ONE, ist bekannt dafür, ausgefeilte Storykonzepte und liebevoll ausgearbeitete Charaktere zu Papier zu bringen, die nicht nur durch ihre glaubwürdige Menschlichkeit überzeugen, sondern auch Schwächen und Probleme aufweisen, die in der modernen Gesellschaft vertreten sind und in denen man sich als Zuschauer hier und da, sehr treffend beschrieben, wiedererkennen kann.

Zum Hauptcharakter der Franchise, Saitama, muss ich wohl nicht mehr viel erzählen, ist die übermächtige Testosteronschleuder mit wunderschön polierter Platte doch schon seit Staffel 01 den meisten Fans sehr ans Herz gewachsen. Im zweiten Teil der Serie hatte ich jedoch das Gefühl, dass dieser noch mal eine Ecke reifer auftritt, als wir ihn in der ersten Staffel erlebt haben – oder zumindest, dass seine erwachsene Weltanschauung etwas intensiver beleuchtet wird als zuvor.

Saitama sieht in King irrtümlich einen Helden, der genau wie er des Kämpfens überdrüssig geworden ist und sich aufgrund seiner Überlegenheit zu Tode langweilt. | © ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

So nimmt er beispielsweise King seinen unverdienten Ruhm kein Stück übel, sondern ist viel mehr darauf bedacht, auf dessen Probleme einzugehen und hilfsbereit die Frage aufzuwerfen, ob er denn wirklich weiterhin eine Lüge leben möchte, ohne sich dabei ein persönliches Urteil zu erlauben. Und das, obwohl er selbst merklich enttäuscht davon ist, in King keinen Gleichgesinnten gefunden zu haben, der wie er selbst immer wieder neue Herausforderungen im Leben sucht und durch seine schiere Übermacht den Kampf gegen das Böse nur noch als langweiligen Trott empfindet.

Doch auch King – wie erbärmlich er auch für viele Zuschauer wirken mag – ist kein arroganter Betrüger, dem sein Erfolg zu Kopf gestiegen ist und der diesen in vollen Zügen genießt. Stattdessen ist er sich vollkommen bewusst darüber, dass er all die Anerkennung nicht verdient hat. Er schämt sich dafür, nicht den Mut zu besitzen, öffentlich sein wahres Gesicht zu zeigen, und fühlt sich gefangen in einem Leben als Held, das er selbst nie gewählt hat. Im Grunde schämt sich King sogar für seine gesamte Existenz – sein Ruhm, seine wahre Persönlichkeit, und auch seine Vorliebe für Anime-Games sind ihm offensichtlich zutiefst unangenehm.

Nicht nur für seine dreisten Lügen, sondern auch für sein Hobby schämt King sich und Grund und Boden und versucht deshalb beharrlich, dieses zu verschleiern. | © ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

Damit ist King nicht nur ein Charakter, der sich überaus menschlich und an der Realität orientiert zeigt, sondern entspricht auch einem Charaktertypen, mit dem sich einige Anime-Fans identifizieren können. Nicht, weil diese prinzipiell schüchtern oder unsicher wären, sondern weil Anime – und das auch in Japan – nach wie vor ein Nischenhobby ist, für das sich leider manch einer aufgrund der öffentlichen Meinung dazu immer noch schämt und dieses nur heimlich auslebt.

Künstlerische Umsetzung: Wirklich so grauenhaft, wie befürchtet?

Nun sind wir bei der großen Frage angekommen, auf deren Antwort zahlreiche OPM-Fans seit Monaten gespannt warten. Sind die Animationen und Zeichnungen wirklich so grauenhaft, wie von vielen befürchtet? Die gesamte künstlerische Umsetzung von One Punch Man 2 eine einzige Katastrophe? Das ganze Franchise dem Untergang geweiht?

Die Antwort ist ein ganzes klares Nein. Die zweite Anime-Adaption der legendären Superhelden-Parodie ist lange nicht so schrecklich, wie einige pessimistische Internetpropheten es über die letzten Monate vorhergesagt haben. Um ehrlich zu sein, ist sie überhaupt nicht schrecklich, weist jedoch einige Mängel in der Farbgebung, den Charakterproportionen und der Dynamik der Animationen auf. Doch zugegeben, der ikonische Vorgänger aus dem Hause Madhouse würde die erste Episode von One Punch Man 2 mühelos in Grund und Boden stampfen.

Und genau das ist das Problem. Die einzigartige Inszenierung der genre-zerschmetternden ersten Staffel, die mit einem Superlativ der japanischen Animationskunst aufwartete, hat nicht nur die Messlatte, sondern vor allem auch die Erwartungen der Fans bis ins Unermessliche hochgeschraubt. Kein Wunder also, dass die Fortsetzung von Saitamas Abenteuern somit im Schatten ihres großen Bruders ganz schön alt aussieht.

Nicht nur im Gegensatz zur ersten Staffel, sondern auch zum Trailer wirken die Proportionen einiger Charaktere oft kantig und verzerrt. | © ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

Natürlich ist das ein harter Schlag ins Gesicht aller Fans von One Punch Man, hatte sich die Serie doch hauptsächlich durch ihren genialen Stil als einer der brandheißesten Anime des Jahrzehnts behauptet, doch nüchtern betrachtet, ist die Adaption ihres Nachfolgers nicht deutlich schlechter als die eines jeden anderen Standard-Action-Animes. Nicht überragend, nicht miserabel, sondern einfach nur durchschnittlich.

Zwar kursieren im Internet Gerüchte, dass die Produktionsprobleme der zweiten Staffel erst ab Episode 3 oder 4 ihr wahres Gesicht zeigen werden, doch ob sich diese Befürchtung tatsächlich bewahrheiten wird, bleibt abzuwarten.

Ein Soundtrack mit stimmiger Atmosphäre

Obwohl Animation und Inszenierung manchmal ziemlich ernüchtern ausfallen, haut euch der Soundtrack zur Serie wieder einmal ein paar imposante Melodien um die Ohren. Besonders der temperamentvolle Beat im Kampf zwischen Genos und seinem robotischen Widersacher hat mich so gepusht, dass ich eher Lust darauf bekommen habe, ins Fitnessstudio zu rennen und mich dort bei Bizep-Curls mit vollgepackten Langhantelstangen auszupowern, als die Episode weiterzuschauen – aber das im positiven Sinne.

Doch auch die eher ruhigen und sentimentalen Musikstücke, wie zum Beispiel jenes, das während Kings Flashback auf seine Vergangenheit durch die Boxen ertönt, sind passend gewählt und tragen dazu bei, sich emotional auf die entsprechenden Szenen einzulassen und die Gefühlswelt der entsprechenden Charaktere besser nachempfinden zu können.

Kings Vorgeschichte, als er noch ein gewöhnliches Leben fernab von allem Ruhm führte, wird duch einen rührseligen Soundtrack begleitet, der sein Gefühl der Schwäche passend unterstreicht. | © ONE, Yusuke Murata/SHUEISHA, Hero Association HQ

Es fällt jedoch auf, dass einige Szenen – besonders, wenn der Dialog zwischen verschiedenen Charakteren im Vordergrund steht – überhaupt keine musikalische Untermalung besitzen. Ich persönlich empfand dies zwar immer als sehr passend, kann mir jedoch vorstellen, dass sich einige Fans daran stören könnten, und möchte diesen Punkt deshalb zumindest einmal angesprochen haben.

Insgesamt hat mir das Klangbild von One Punch man 2 jedoch sehr gefallen und hat meiner Meinung nach äußerst stimmig zur Atmosphäre der ersten Episode beigetragen.

Das meinen die Fans!

Da es doch ziemlich einseitig ist, sich den ganzen Artikel lang nur die Meinung einer einzelnen Person durchzulesen, schauen wir doch mal, was andere Fans zur ersten Episode von One Punch Man 2 zu sagen haben:

Fazit: Vielversprechend

Puh, ich muss gestehen, ich war mir ganz schön unsicher, wie ich die erste Episode von One Punch Man 2 schließlich bewerten möchte. Vielversprechend oder doch nur ganz unterhaltsam? Die Story macht wie gewohnt jede Menge Spaß, die Charaktere sind einzigartig, der Soundtrack stimmig und auch der Humor trifft in alterprobter Saitama-Manier wieder mal voll ins Schwarze.

Nichtsdestotrotz sind die Animationen alles andere als herausragend und im Vergleich zu Season 01 doch ziemlich enttäuschend. Aber dennoch, ist One Punch Man 2 deswegen nun zum absoluten Shounen-Einheitsbrei verkommen, der nichts mehr zu bieten hat, um den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen?

Nein, zum Glück nicht. Meiner Meinung nach bleibt Saitamas undankbarer Kampf unter dem Banner der Gerechtigkeit ein kleiner Stern am Anime-Himmel, der zwar einen Teil seiner Leuchtkraft einbüßen musste, aber dennoch lange nicht erloschen ist.

Wenn ihr wissen wollt, welche weiteren Anime in der Spring Season 2019 laufen und welchen Eindruck wir von diesen nach der jeweils ersten Episode hatten, könnt ihr das in unseren Ersteindrückne zu Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba, We Never Learn, Fruits Basket oder Fairy Gone erfahren.

Jetzt seid ihr gefragt!

Habt ihr die erste Episode von One Punch Man 2 bereits gesehen? Und wenn ja, haben sich eure schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet oder hattet ihr am Ende doch noch euren Spaß daran?

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AbeTan
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AbeTan

Also ich muss sagen… Ich will einen richtigen Kampf abwarten. Aber ja, ich war auch relativ pessimistisch. Dennoch gefallen mir die Farben echt nicht. Besonders alles was aus Metall besteht.
Aber Charaktere sind immernoch so witzig wie immer, weswegen ich mich schon auf die einiges an Kämpfe und Charaktere freue.
Also meine Devise ist abwarten.

J Man the german
Gast
J Man the german

Du hast oben in der schwarzen box bei genre statt “Shounen” das Wort “seinen” hingeschrieben. Ich wollte dich nur mal drauf hinweisen. 😉

BismargeTheEvil
Gast
BismargeTheEvil

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich kaum auf den soundtrack konzentriert. Bei der Animation dagegen war ich jedoch erleichtert, dass sie nicht so schlimm war, wie ich anfangs vermutet hatte. Außerdem denke ich, dass man sich auf noch bessere Action freuen kann, da j. c. staff als gutes Animationsstuduio bekannt ist.

FalseFrog
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FalseFrog

Ingesamt waren die beiden ersten Folen der zweiten Season OPM für mich schockierend mittelmäßig. Nichts, was hervorsticht und nichts, was absolut daneben ist. Schockierend daran ist, dass mich selbst dieses Mittelmaß an Animation aufgrund der unfassbar geringen Erwartungshaltung, die ich durch die Teaser hatte, irgendwo positiv überraschen konnte. Ich gebe der Rezension in dem Sinne Recht, dass im Vorfeld von der Community der Teufel etwas an die Wand gemalt wurde, dennoch ist das Ergebnis sehr schade. Nicht, weil es rundum eine grauenhafte Arbeit ist, sondern weil es dem großartigen Zeichenstil des Mangas und One’s Story nicht gerecht wird. Eine Animation,… Weiterlesen »