© 諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Es ist so weit – die Wahrheit über die Welt streift den Mantel des Schweigens ab und wirft alles über Bord, was ihr je geglaubt habt, über Attack on Titan zu wissen. Wir haben der aktuellen AoT-Episode auf den Zahn gefühlt und verraten euch, was in Grisha Jägers Vergangenheit zwischen den Zeilen geschrieben steht.

Nicht nur die Fans, sondern auch alle Außenstehende sind sich mittlerweile einig: Attack on Titan 3 (Part 2) ist ein absolutes Meisterwerk und die mit Abstand beste Staffel, die Hajime Isayamas Titanen-Epos bis jetzt zu bieten hat. Nachdem die nervenzerfetzende Schlacht im Bezirk Shiganshina geschlagen ist, wird es nun Zeit, sich endlich der Wahrheit hinter dem Ursprung der Mauernzivilisation zu stellen.

Mit einem breiten Grinsen straft die Geschichte dabei erneut unser vermeintliches Wissen über die Titanen und ihre Welt Lügen und offenbart eine Backstory, die es faustdick hinter den Ohren hat – und aufzeigt, wozu Menschen fähig sind, sobald sie sich im Recht fühlen …

Die folgende Analyse enthält Spoiler zur aktuellen Episode des Attack on Titan-Animes! Weiterlesen auf eigene Gefahr! Außerdem enthält dieser Artikel Meinungen und basiert auf der persönlichen Interpretation des Autors. Es ist nicht garantiert, dass der Autor von Attack on Titan diese Vermutungen unterstützen würde.


Schlag auf Schlag …

… feuert die Adaption des Erfolgsmangas von Hajime Isayama auf ihrem aktuellen Höhepunkt die erschreckenden Wahrheiten los. Nachdem bereits die zweiten Season das vermeintliche Grundverständnis der Titanenwelt mit zahlreichen Wendungen gewaltig ins Wanken brachte, schlug der Anime dieses in der neuen Folge erneut vollständig um.

Ein riesiger Plottwist – die Mauern liegen lediglich auf einer Insel inmitten einer kultivierten Welt. | © 諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Jeder, der auch nur halbwegs im Bann der Titanengeschichte schwebt, wird in den 25 Minuten wohl an den metaphorischen Lippen von Regisseur Tetsuro Araki gehangen haben, als dieser die Story erneut mit einer Menge Pathos und hollywoodreifen Kniffen auf den Bildschirm brachte. Doch nicht nur die Bilder, auch die Musik scheinen eine eindeutige Sprache mit dem Zuschauer zu sprechen – so gelingt es Komponist Hiroyuki Sawano Grishas makabere Vergangenheit mit eigenen Melodien und ungewöhnlichen Tonschemata vom Rest der Erzählung abzuheben.

Cineastisch präsentiert Regisseur Araki 25 Minuten voller packender Momente. | © 諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Dennoch hat auch eine nahezu perfekte Episode ihre Kehrseite – denn die seit letzter Woche extrem standbildlastige Animation aus dem Studio Wit kann nicht ganz mit der Finesse der Geschichte mithalten. Muss sie allerdings auch gar nicht, denn der aktuelle Arc legt seinen Fokus nicht auf Action und Bewegung, sodass die bewegungsarmen, aber durchpolierten Bilder vollkommen ausreichen.


Das Recht des Rechthabenden

Der Moment für eine kleine Zeitreise ist gekommen – denn Folge 08 von Attack on Titan 3 (Part 2) nimmt uns einige Jahre in die Vergangenheit mit – in eine unbekannte Stadt voller qualmender Dampfmaschinen, deren Straßenränder statt von hölzernem Fachwerk von opulenten Steinbauten gesäumt werden und an deren Himmel Zeppeline umherschweben.

Die Welt, aus der Grisha stammt, scheint nur oberflächlich idyllisch. | © 諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Unter der quietschbunten Oberfläche dieses Szenarios verbirgt sich jedoch ein grausames Zwei-Klassen-System. Langsam aber sicher erfahren nicht nur der kleine Grisha, sondern auch wir Zuschauer auf die harte Tour die Wahrheit über die Mauernzivilisation und welche Grausamkeit ein menschliches Wesen einem Artgenossen antun kann.

Die Moral ist schon ein interessantes Konzept: Sie soll unser Leben in geregelte Bahnen leiten, sodass wir unsere Mitmenschen möglichst wenig einschränken und nur das tun, was wirklich recht ist. Wir unterscheiden zwischen gut und böse, richtig und falsch, zwischen Licht und Schatten – doch wird unsere Moral ein stückweit von unserem Umfeld bestimmt und sobald wir uns mit dem, was wir tun, im Recht fühlen, kann sie abstrakte und durchtriebene Formen annehmen.

Da die Eldian gesellschaftlich verachtet sind, hat niemand ein schlechtes Gewissen dabei, sie zu misshandeln. | © 諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

So sehen sich die Marley kollektiv im Recht damit, die Eldian für die Grausamkeiten, die ihnen ihre Vorfahrin Ymir Fritz angeblich angetan hat, auf menschenverachtende Art und Weise zu bestrafen. Es ist kein Problem, ein achtjähriges Mädchen mit Kampfhunden zu Tode zu foltern, da sie ja schließlich ein Nachkomme Ymirs ist. Grishas Gespräch mit Gross scheint zu offenbaren – der Soldat wusste, dass das, was er tat, falsch ist. Doch durch den verächtlichen Blick seiner Gesellschaft auf die Eldian kann er Fayes Tod mühelos vor sich selber rechtfertigen und trotzdem mit ruhigem Gewissen weiterschlafen.

Ein weiterer Grund für Gross’ Taten ist schlichtweg langeweile – seinen Kämpferdrang lässt er an den wehrlosen Eldian aus. | © 諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Viele Menschen übernehmen unreflektiert die Regeln der Gesellschaft für sich – sobald die Regeln verqueres Verhalten rechtfertigen, wird dieses nicht mehr als verwerflich, sondern als vollkommen in Ordnung angesehen. Dies ist, auf die Realität übertragen, sowohl im Kleinen bei beispielsweise Mobbing in der Schule, als auch im Großen bei Kriegsverbrechen und Genoziden zu beobachten – unter den richtigen Umständen ist Gewissenlosigkeit vorprogrammiert.

Doch wollen wir die Sache nicht einseitig betrachten und auch die Seite der Restaurationsgruppe beleuchten – diese fühlen sich in ihrem Vorhaben, die Marley zu stürzen, nämlich genau so bestärkt und wären daher ebenfalls bereit gewesen, die Schuld des Mordens auf sich zu laden. Mit dem brennenden Hass auf ihre Unterdrücker wäre es im Falle ihres Sieges sogar durchaus möglich gewesen, dass sich der Spieß umdreht und sie ein ähnlich strenges Regiment errichtet hätten – denn nichts rechtfertigt Gewalt vor unserem Gewissen so gut wie Angst oder Hass.


Fazit – ein titanischer Plottwist

Kurz vor Ende seiner aktuellen Staffel nimmt Attack on Titan noch einmal gehörig Anlauf und präsentiert den wohl beeindruckendsten Plottwist der Anime-Geschichte, der alles, was bis jetzt in Studio Wits Fantasy-Epos passiert ist, wie eine Vorgeschichte wirken lässt.

Ein Dasein als Titan stellt das wohl grausamste Exil aller Zeiten dar. | © 諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Mit cineastischer Gänsehaut-Atmosphäre treibt Folge 08 die Frage nach Moral, die über der gesamten Serie liegt, auf die Spitze und präsentiert gleichzeitig einen Storyarc, der wohl selbst hart gesottenste Titanen-Fans sprachlos zurücklässt. Dabei wiegt es besonders schwer, dass bereits in zwei Wochen der Zapfenstreich geblasen wird und legt die Hoffnung nahe, dass Tetsuro Arakis Bestätigung einer vierten Staffel nicht eíner unüberlegten Vermutung entsprungen ist …


Jetzt seid ihr gefragt!

Was haltet ihr von der neuen Attack on Titan-Episode und ihren Konflikt? Ist für euch der Schutz und die positiven Effekte einer Gemeinschaft wichtig oder würdet ihr lieber unabhängig von der Gesellschaft nach euren eigenen Regeln leben?

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Railgun

“den wohl beeindruckendsten Plottwist der Anime-Geschichte”, ja ne nicht ganz oder? So sehr ich die aktuelle Staffel mag (war wirklich nicht immer so eher das Gegenteil war der Fall), finde ich kann der Twist so stark er auch war mit so was wie dem Eclipse Part aus Berserk echt nicht mithalten (und ja der war auch im Anime krass~). Ich kann wirklich selbst nicht glauben wie sehr mit AoT aktuell gefällt, aber sollte man es dann doch nicht zu viel hochjubeln~

Mark

Kann mir jemand die geschicjte der folge genau erklären hab da nicht alles ganz verstanden wie das mit ymir war und was der so “krasse” plot twist gewesen sein soll?

Philip

Ich gib dir den Tipp bei den Youtube-Kanal von Kevkowich reinzuschauen, er hat einige erklär Videos gemacht.
Der Plottwist ist im Prinzip das die bisherige weltbild von AoT in wirklichkeit falsch war. Dass das Volk der Eldia vom ersten König der Mauern gezwungen wurde in den Mauern zu Leben und dort ausgelöscht zu werden, als Strafe ihrer Taten an den Rest der Welt.
Dass die wahrheit ist, das die Titanen auch nur angehörige der Eldia waren und dass der ware Feind das Reich Marley ist, dass die Ressourcen der Paradisinsel und den Ursprungstitan will, um die Welt zu erobern.

Ymir war ein Mädchen was vor fast 2000 Jahren ein Pakt mit den Teufel eingegangen ist und so die Eldia die Titanenkräfte bekommen haben. Die Ymir die wir bis jetzt kannten war ein Namenloses Kind was von Jemanden den Namen Ymir bekommen hat und ausgebeutet wurde um angepriesen zu werden. Siehe Flashback in Staffel 2 Folge 10.

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