©諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Als die neuste Folge des Titanen-Epos gestern im japanischen Fernsehen und auf den bekannten Streaming-Diensten anlief, verfolgten tausende Fans gespannt die Rückeroberung des Bezirks Shiganshina. Wir haben die zweite von zehn angekündigten Episoden für euch auf Herz und Nieren geprüft!

Wie jeden Sonntag öffnete sich gestern erneut der Vorhang für Eren Jäger und die anderen Mitglieder des Aufklärungstrupps und ein neues Kapitel rund um den Freiheitskampf der Menschheit wurde aufgeschlagen.

Und wieder erwarteten die Fans actiongeladene 24 Minuten voller Spannung, Rasanz und Dramatik, der wir nun unter die Haube schauen, um herauszufinden, welche Fragestellungen und Botschaften der Anime in seiner aktuellen Episode durchschimmern lässt.

Die Entscheidungsschlacht beginnt

Es ist so weit: Nach 50 Folgen auf und ab, Glück und Leid, Wut und Freude stehen Eren Jäger und seine Kameraden wieder dort, wo die Geschichte von Attack on Titan vor sechs Jahren ihren Anfang nahm: Im Bezirk Shiganshina.

Hier nahm alles seinen Anfang – der Bezirk Shiganshina | ©諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Nicht nur ist das für uns als langjährige Zuschauer ein ergreifender Moment, sondern auch kehrt der heißblütige Titanenwandler so zurück an den schicksalhaften Ort, in dem sich seine Existenz innerhalb weniger Minuten schlagartig ändern und die Weichen für eine schmerzvolle und ereignisreiche Zukunft gestellt werden sollten.

Neben der Rückeroberung seiner Heimat steht Eren aber insbesondere eine andere, unfassbar wichtige Aufgabe bevor, für die kein anderer Schauplatz als dieser geschichtesträchtige Ort geeigneter zu sein scheint: Der Kampf gegen die Titanenwandler, die sich als Feinde der Menschheit ihrer Ausrottung verschrieben haben. Er und seine Freunde müssen nun alles auf eine Karte setzen, um ihren Feinden den Garaus zu machen, die Menschheit zu erlösen und das Geheimnis des mysteriösen Kellers im Hause Jäger zu ergründen.

Im aktuellen Arc entfaltet sich wohl einer der komplexesten Kämpfe der jüngeren Anime-Geschichte. | ©諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Gleichzeitig befinden sich im Reisegepäck fast jedes Soldaten Geheimnisse, versteckte Motive und Ideale, sodass der Kampf nicht nur mit Fäusten und Raketen, sondern auch mit Intelligenz und Moral, ausgetragen wird. Es entfaltet sich eine hochkomplexe Situation voller ausgefeilter Entscheidungen und Pläne – die Charaktere laufen im aktuellen Arc zu ihrer Höchstform auf.

Der Anime weiß die prickelnde Anspannung dieser Situation unfassbar atmosphärisch auf dem Bildschirm zu bannen und Regisseur Tetsuro Araki wird sicherlich einige schlaflose Nächte damit verbracht haben, den Szenen eine angemessene Epik zu verleihen.

Studio Wit präsentiert mal wieder epische Action und dichte Atmosphäre. | ©諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Doch liegt es beim Schauen der Episode mehr als auf der Hand, dass Studio Wit trotz seiner notorischen Produktionsschwierigkeiten völlig aus sich rausgekommen ist und der Schlacht in möglichst aufwendigen Kampfanimationen und beeindruckenden Bildern die Würde verleiht, die ihr gebührt.

Es bleibt den Anime-Zuschauern nur zu erahnen, in welche atmosphärischen Höhen die Staffel uns noch führen wird, wenn bereits die zweite Folge mit dermaßen viel Spannung auftrumpfen kann.

Erwin Smith – ein Mann und sein Egoismus

Ein Charakter, der in Folge 2 besonders in den Vordergrund tritt und dessen inneren Konflikt wohl zu den interessantesten im aktuellen Story-Arc gehört ist Erwin Smith. Der aktuelle Kommandant des Aufklärungstrupps ist fest entschlossen, die Theorien seines Vaters zu beweisen, der aufgrund seiner Naivität von der Militärpolizei zugrunde gerichtet wurde.

Erwins innerer Konflikt und seine Motive werden für den aktuellen Arc wohl noch weitreichende Folgen haben. | ©諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Dieser Handlungsstrang wurde bereits gegen Ende der ersten Hälfte thematisiert, doch gibt Erwins innerer Monolog, als er die ausgedünnten Reihen seiner Männer gegen die Titanenwandler kämpfen sieht, weiteren Aufschluss darüber, was in dem willensstarken Blondschopf vorgeht:

Zwar konnte der Aufklärungstrupp unter seiner Führung beachtliche Erfolge verzeichnen, doch mussten zahlreiche Soldaten in den teilweise sehr riskanten Manövern ihr Leben lassen. In diesen Aktionen war es jedoch nie Erwins wahres Ziel, die Ketten der Menschheit zu sprengen, sondern viel eher, seinen eigenen Traum zu erfüllen und in Grisha Jägers Keller vorzudringen, der mutmaßlich das Geheimnis der Welt beherbergt, mit dem er die Theorien seines Vaters und das Unrecht, das ihm zuteilwurde, beweisen könnte.

Doch schnell verdrängt er seine eigenen Zweifel und konzentriert sich weiterhin auf sein Ziel. Dies hat vermutlich nur einen Grund: Erwin hat seine gesamte Karriere beim Militär über nur an diesem einen Vorhaben festgehalten und jede noch so niederschmetternde Strapaze in Kauf genommen. Würde er nun die Reue an sich heranlassen und seine Taten als verwerflich verstehen, würde er damit seinen gesamten Lebensweg in Frage stellen.

Obwohl er weiterhin an seinem Vorhaben festhält, ist Erwin die Schuld seiner Taten durchaus bewusst. | ©諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

So verdrängt er seinen Egoismus lieber und arbeitet weiter auf sein Ziel hin – ein Verhalten, das ihn zwar davon abhält, zu zögern, doch wahrscheinlich nicht der Schlüssel zum Glück ist. Denn als fühlendes Wesen wird er die Reue über den Tod seiner Kameraden vermutlich nicht ewig zurückhalten können und eines Tages innerlich zerbrechen.

Eine andere Fragestellung, die sich aus Erwins Situation ergibt, ist: Ist es in Ordnung, schreckliche Dinge wie den Tod von Menschen in Kauf zu nehmen, wenn daraus ein positiver Effekt resultiert? Und wie verwerflich war sein Verhalten, die Soldaten des Aufklärungstrupps mit erheiternden Parolen zu täuschen und sie für seine eigenen Ziele in den Kampf zu führen?

Eine Frage, die wohl jeder für sich selbst beantworten muss …

Zwei Seiten einer Medaille

Der Mitglieder des Aufklärungstrupps machen sich bereit, ihren alten Freund Reiner zum Wohle der Menschheit zu töten. | ©諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Ähnlich sieht die Situation auf Seite des Aufklärungstrupps aus, als es daran geht, Reiner gegen Ende der Folge den Gnadenstoß zu versetzen und sich damit nicht nur den Mord an einem Menschen, sondern auch an einem ehemaligen Kameraden aufs Karma-Konto zu schaffen.

Nach kurzem Zögern entscheiden sich die Soldaten jedoch dazu, ihren Feind zu bezwingen und so das größere Ziel der Rettung der Menschheit zugunsten einer einzelnen schlechten Tat durchzusetzen.

Gut oder schlecht? Richtig oder falsch? Zwischen rasanter Action wartet Attack on Titan mit einigen tiefgründigen Fragestellungen auf. | ©諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Ein wirklich schwieriger Konflikt, der immer wieder in Geschichten auftaucht und wohl zu den Grundproblemen der Moral gehört. Empathische Menschen wie die Mitglieder des Aufklärungstrupps können den Mord an einem alten Freund vor sich selbst nicht rechtfertigen, außer mit dem großen Ziel, das über ihrer Mission schwebt und die Tat unabdinglich werden lässt. Denn Reiner und die anderen Titanenwandler am Leben zu lassen, würde die Auslöschung der Menschheit bedeuten.

Diese Problematik zeigt in erster Linie eine sehr wichtige Sache auf – und zwar, dass die Welt nicht aus »Gut« und »Böse« besteht, sondern in manchen guten Taten auch etwas böses steckt und andersrum – ganz dem Ying-Yang-Prinzip folgend.

Fazit – Notwendiges Übel

Das Hauptthema der Episode ist also der Konflikt, schlechtes zu tun, um gutes zu bewirken oder seine eigenen Ziele durchzusetzen. Der Anime vertritt dabei meiner Interpretation nach die Auffassung, dass es ein »notwendiges Übel« gibt, um höhere Ziele, wie hier die Rettung der Menschheit, zu erreichen.

Es bleibt spannend, wie der Kampf um die Rettung der Menschheit wohl ausgehen wird. | ©諫山創・講談社/「進撃の巨人」製作委員会

Gleichzeitig mahnt der Anime aber auch zum reflektieren und zeigt mit Erwins immer wieder hochkeimenden schlechten Gewissen, dass Verdrängung keine Dauerlösung ist und einen früher oder später in den Rücken sticht.

Letztlich ist es (wie so oft) dem Zuschauer überlassen, die Situation zu bewerten und für sich selbst die richtige moralische Lösung zu finden …

Jetzt seid ihr gefragt!

Was ist eure Meinung? Ist es in Ordnung, etwas schlechtes zu tun, um damit Gutes zu bewirken oder sind schlechte Taten unter allen Umständen verkehrt? Was ist überhaupt »schlecht«?

Schreibt es uns in die Kommentare!

1
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
1 Kommentar Themen
0 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
1 Kommentatoren
Zavid0 Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
Zavid0
Gast
Zavid0

“Schlecht” wird nicht seltenaus der Sicht des Betrachters definiert. In dem Fall der aktuellen Folge vertrete ich folgende Meinung: der Aufklärungstrupp ist im Begriff sich vor weiteren Titanen zu schützen. Wenn dies ohne Eingriff der verfeindeten Titan geschehen wäre, hätte es keine weiteren Verletzten geben müssen. Die Problematik, die sich hier aufstellt ist aber die Tatbestand, dass die Titanen darauf aus sind die Menschheit innerhalb der Mauern zu vernichten (Aus Spoilergründen gehe ich nicht weiter auf den Grund für ihr Handeln ein). Sprich eine starke Einschränkung/Beeinträchtigung der Menschen. Die Menschen hingegen versuchen lediglich frei zu sein und nicht weiter in… Weiterlesen »