©2019 田村由美・小学館/7SEEDS Project

Stellt euch vor, ihr findet euch von einem Tag auf den anderen in einem nervenzerfetzenden Überlebenskampf auf einer einsamen Insel wieder – was wie ein Horrorszenario klingt, wird bei Netflix’ neuester Anime-Eigenproduktion 7 Seeds Realität. Wir haben für euch reingeschaut. 

Ein aufgeregtes Tuscheln ging durch die Anime-Welt, als Streaming-Riese Netflix im vergangenen Jahr nach 16 Jahren endlich eine Anime-Adaption des Kult-Mangas 7 Seeds ankündigte. Nachdem die ursprünglich im April angesetzte Erfolgsstory um zwei Monate verschoben wurde, war es am 28. Juni endlich so weit und Natsu und co starteten mit allen Folgen auf einen Schlag in ihr markerschütterndes Insel-Abenteuer.

Doch trotz der anfänglichen Euphorie, hält sich die Resonanz der Fans eher in Grenzen – doch was genau schiebt dem großen Hype um 7 Seeds den Riegel vor und ist das Studio Gonzo wirklich so tief ins Fettnäpfen getapst, wie Mangakundige behaupten?

One Punch Man 2 Key Visual Titel: 7SEEDS
Art: Serie
Episoden: 12 
Genre: Abenteuer, Horor, Drama, Romance
Studio: Gonzo (Conception, Welcome to the NHK)
Regisseur: Yukio Takahashi (Dog & Scissors)
Vorlage: Manga von Yumi Tamura
Simulcaster: Netflix
Trailer: Hier anschauen
Starttermin: 28.06.2019
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Wo kann man 7 Seeds auf Deutsch schauen?

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Bei 7 Seeds handelt es sich um eine Eigenproduktion des weltbekannten Streaming-Dienstes Netflix, weswegen der Anime international exklusiv nur auf der Plattform verfügbar ist.

Auch in Deutschland stehen euch die 12 Episoden allesamt bei Netflix zur Verfügung, das euch die Wahl zwischen einer deutschen Synchronisation und dem japanischen Originalton mit deutschen Untertiteln lässt. Um 7 Seeds und viele weitere Real- und Anime-Serien anzuschauen, benötigt ihr lediglich ein Abo, das in drei unterschiedlichen Varianten daherkommt:

  • 7,99€ für ein Basis-Abo (SD-Qualität und auf einem Gerät zur selben Zeit streamen.)
  • 11,99€ für ein Standard-Abo (Full-HD-Qualität und auf zwei Geräten zur selben Zeit streamen.)
  • 15,99€ für ein Premium-Abo (4k-Qualität und auf vier Geräten gleichzeitig streamen.)

Darum geht es in 7 Seeds!

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Das 16-jährige Mauerblümchen Natsu führt ein unscheinbares Leben inmitten einer japanischen Kleinstadt. Doch ihr Leben nimmt eine erschütternde Wendung, als sie eines Tages die Augen aufschlägt und sich nicht in ihrer Wohnung, sondern inmitten der stählernen Wände eines sinkenden Schiffs wiederfindet.

Nachdem die taffe Botan das zerbrechliche Mädchen um ein Haar vor dem Ertrinken rettet, muss Natsu begreifen, dass ihr Alltag nie wieder zur Normalität zurückfinden wird. Nachdem sie und die anderen Überlebenden des Schiffsbruchs sich an den Strand einer unbekannten Insel geschleppt haben, erwartet sie ein roher Kampf ums nackte Überleben – zwischen rauhem Wetter, Nahrungsknappheit, zwischenmenschlichen Konflikten und aggressiven Rieseninsekten steht Natsu vor der Aufgabe, zu wachsen und die Herausforderungen dieser menschenfeindlichen Umgebung zu meisten.

Neben den Bedrohungen der Insel, sehen sich die Überlebenden auch durch ihre Mitstreiter gefährdet. | ©2019 田村由美・小学館/7SEEDS Project

Einige Kilometer entfernt erwacht die junge Hana mit einer weiteren Gruppe von Gestrandeten. Wie konnte es zu alldem kommen und wird es den Überlebenden gelingen, einen Ausweg aus dieser Hölle auf Erden zu finden?

Story & Charaktere

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Anime als Medium hat ohne Zweifel schon einige Jahre auf den Buckel, sodass dem erfahrenen Zuschauer die meisten Storykonzepte irgendwo bekannt vorkommen sollten. Zu den weniger verbrauchten Settings gehören jedoch Robinson Crusoe’esque Survival-Geschichten, die 7 Seeds zu einer erfrischenden Ergänzung der mittlerweile beendeten Spring Season werden lassen.

Und im Gegensatz zu anderen Genrevertretern wie beispielsweise das abgedrehte Battle Royale-Abenteuer BTOOOM! legt die Geschichte rund um Natsu und die anderen Überlebenden ihren Fokus nicht auf mitreißende Action, sondern auf die Einzelschicksale der Charaktere und den spannenden Interaktionen, die die Figuren in ihrer Notlage gemeinsam durchleben.

Als junges Mädchen sieht sich Natsu der ständigen Schikane durch den fiesen Draufgänger Semimaru ausliefert. | ©2019 田村由美・小学館/7SEEDS Project

Doch hier offenbart der Anime direkt seine größte Archillesverse: Denn obwohl die Geschichte eine Menge Raum für tiefgründige moralische Konflikte und das Aufeinandertreffen ausgefeilter Wertvorstellungen bietet, gestalten sich die Charaktere rund um Natsu und Hana doch ziemlich eindimensional. Kein Wunder, denn allein in der ersten Episode werden bereits zehn Überlebende eingeführt, sodass für ausführliche Charakterisierung kurzum keine Zeit bleibt.

So ist Natsu das schwächliche Kulleraugen-Naivchen, Semimaru der sprücheklopfende Prolet und Tosei einfach böse bis ins Mark. Die daraus entstehenden Dialoge wirken ziemlich platt, undurchdacht und manchmal sogar unfreiwillig komisch.

Auch die willensstarke Hana hat hart am Kampf ums Überleben zu knabbern. | ©2019 田村由美・小学館/7SEEDS Project

Wenn die Charaktere jedoch gerade nicht damit beschäftigt sind, Sprüche zu klopfen, weiß 7 Seeds mit interessanten Mystery-Passagen zu überzeugen: Denn neben dem Überlebenskampf stehen die Charaktere vor einem gewaltigen Rätselberg rund um die Geheimnisse der Insel und ihre eigene Vergangenheit, der durchaus Potenzial birgt und zum Weiterschauen animiert. Ob die Lösung dieser Mysterien jedoch den erhofften »Aha«-Effekt bringt oder ebenfalls plump am Ziel vorbeischießt, steht zumindest nach der ersten Folge noch in Frage.

Künstlerische Umsetzung

Einst eine der angesehensten Animationswerkstätten, ist der Lack des Studios Gonzo schon seit einer ganzen Weile ab – unter Sakuga-Fans ist die Produktionsstätte eher für mittelmäßige Resultate bekannt und obwohl es in der jüngeren Vergangenheit mit Serien wie 18if durchaus Ausreißer nach oben gab, bestätigt sich in 7 Seeds dieses Image.

Mit seinem Kamera-Look und dem eigenwilligen Charakterdesign entfaltet 7 Seeds visuell eine ganz eigene Atmosphäre. | ©2019 田村由美・小学館/7SEEDS Project

Die Bewegungen der Charaktere sind zu jedem Zeitpunkt extrem statisch und lassen manchmal sogar sämtliche Zwischenbilder vermissen, wenn nicht gerade ohnehin Standbilder die Szenerie beherrschen. Art Director Yusuke Ikeda scheint sich der mangelhaften Produktion jedoch ebenfalls bewusst zu sein und hat sich einen kleinen Kniff ausgedacht, um den Gesamteindruck zu verbessern:

Animationstechnisch überzeugt das Studio Gonzo insgesamt eher mäßig. | ©2019 田村由美・小学館/7SEEDS Project

So besitzt die Serie einen gewissen »Kamera-Look«, in dem die Ränder des Bildes leicht verschwommen sind und sich die Visuals insgesamt ein wenig unscharf gestalten. Nebenbei sorgen ausgefeilte Lichtstimmungen und kreative Farbgebung doch für ein wenig Atmosphäre und können in bewegungsarmen Szenen ein wenig von der statischen Animation ablenken, sobald es jedoch ein wenig actionreicher wird, gerät das Team um 7 Seeds merklich an seine Grenzen.

Die deutsche Synchronisation

Mittlerweile hat Netflix es sich zum Standard gemacht, größeren Anime-Projekten direkt zur Veröffentlichung eine vollständige deutsche Synchronisation zu verpassen, was diesen jedoch nicht immer zugute kommt.

Für die Vertonung von 7 Seeds war diesmal das Berliner Studio RRP Media (Digimon Adventure tri, Hi Score Girl) verantwortlich und vereint einen nicht zu verachtenden Sprechercast rund um Jennifer Weiß (Sinon in Sword Art Online, Rin in Fate/stay night) in der Rolle der Natsu.

Trotz des hochkarätigen Casts lässt die deutsche Synchronisation zu 7 Seeds in einigen Belangen zu wünschen übrig. | ©2019 田村由美・小学館/7SEEDS Project

Obwohl die Besetzung zunächst vielversprechend wirkt, entfaltet der Dub beim Reinhören jedoch einige größere Stolpersteine: So rattern selbst die hochkarätigsten Einträge des Casts ihren Text maschinenartig runter, was durch merkwürdige Sprechpausen (Hier wurde sich wohl eng am Japanischen orientiert) und merkwürdige Betonungen das Schauerlebnis schmählert. Ob dieser Fehler bei Buch, Regie oder Produktion zu suchen ist, kann ohne genaueren Einblick nur spekuliert werden. Vom Hocker reißen wird der deutsche 7 Seeds-Dub allerdings wohl kaum jemanden.

Fazit – ernüchterndes Abenteuer

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Der Manga zu 7 Seeds gilt nicht nur seit Ewigkeiten als absoluter Geheimtipp für Survival-Fans, sondern konnte sich auch beim 52. Shogakukan Manga Award an der Spitze positionieren. Wurden die Erwartungen an die Anime-Umsetzung eines derartigen Hochkaräters erfüllt? Kurzum: Geht so.

Als ernstzunehmendes Charakter-Drama ist 7 Seeds inhaltlich viel zu platt, lässt die abgedroschenen Dialoge seiner einseitigen Charaktere eher unfreiwillig komisch als fesselnd wirken und rettet sich lediglich mit dem spannenden Mystery-Aspekt vor dem totalen Super-Gau. Wen das Setting packt, der darf einen Blick hineinwerfen, denn was sich im Hintergrund zusammenbraut, besitzt durchaus Potenzial sich im weiteren Verlauf zu einem interessanten Plot zu entwickeln.

Auch Fans von amerikanischen B-Movies der 80er-Jahre könnten sich auf der Insel der Killerinsekten heimisch fühlen. Doch egal, unter welchen Voraussetzung man die erste Folge von 7 Seeds auf den Bildschirm bringt – etwas niedrigere Erwartungen können in jedem Fall nicht schaden.

Jetzt seid ihr gefragt!

Habt ihr 7 Seeds schon gesehen? Was haltet ihr von dem Anime – spannende Survival-Story oder trashiges Action-Abenteuer?

Schreibt es uns in die Kommentare!

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Andyt
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Zurzeit habe ich nur die Vorschau gesehen und wollte mir das für später notieren. Habe vor kurzem “Blue Exorcist” abgeschlossen und bin aktuell noch bei der ersten Staffel von “Made in Abyss”.

Zum Teil hatte ich, wie im Fazit erwähnt, das Anime bzgl. Qualität ähnlich voreingeschätzt. Erwartet hatte ich aber mehr. Vor allem bei der Charakterentwicklung. Womöglich kommt in späteren Folgen noch was?

Balmung
Gast
Balmung

Einfach gesagt: der Anime ist einfach zu kurz um den Umfang des Manga umsetzen zu können, darum fehlt eben einiges und entsprechend wird auch nicht jedes Charakter beleuchtet. Ich finde aber von den wichtigsten Charakteren erfährt man so nach und nach mal direkt, mal indirekt mehr über deren Beweggründe, was dann dafür sorgt, dass man ihr Handeln teils sehr gut nachvollziehen kann. Aber man erfährt nur von den Story relevanten Charakteren mehr, wenn ich das noch richtig im Kopf habe. Es sind einfach zu viele Charaktere für vermutlich nur 24 Folgen (12 sind bisher ja erst raus). Ein Meisterwerk ist… Weiterlesen »

Anika
Gast
Anika

Ich habe mir alle 12 Folgen fast am Stück auf japanisch mit deutschen Untertiteln angesehen und fühlte mich durweg gut unterhalten. Der Anime ist definitiv kein Meisterwerk aber ich würde mir weitere Folgen sofort wieder ansehen. Dabei hoffe ich auf mehr Charakterentwicklung bzw mehr Hintergrundwissen zu den Charakteren selbst wenn man sich wegen der Anzahl der Charaktere auf die wichtigsten konzentriert auch wenn ich es schade finden würde die anderen Charaktere einfach zu ignorieren. Gerade durch die Anzahl der Charaktere könnte es da noch viel verstecktest Potenzial geben. Der Anime hat mir gefallen und ich könnte mir vorstellen ihn mir… Weiterlesen »

David Theil
Gast
David Theil

Meine Hauptkritik, welche mich nach 2 Folgen zum Abbruch bewegt hatten sind die Reaktionen auf gewisse Geschehenisse. Die Emotionen fehlen komplett und man hat das Gefühl die Charaktere nehmen gewisse Sachen einfach hin, statt sich dazu zu äussern, was auf mich als Zuschauer wirkt, als hätte man ein Stück der Szene geschnitten.
Das ist ein paar mal passiert und schadet meiner Meinung nach extrem der Glaubwürdigkeit der Dramatik und Spannung.