© Toshio Maeda / Phoenix Entertainment

Mit dem neuen »Higurashi« läuft diesen Oktober die Neuauflage eines älteren Anime-Klassikers voller süßer Mädchen, die ihren lustigen Alltag in der Schule verbringen … Ach, eigentlich braucht man es eh nicht mehr zu verheimlichen. »Higurashi no Naku Koro ni« ist ein brutaler Horror-Anime, bei dem die zuckersüßen Figuren nach und nach wahnsinnig werden und auch vor blutigen Kampf- und Folterszenen nicht Halt machen. Doch wie uns die Geschichte des Mediums zeigt, zählt »Higurashi« da noch zu harmloseren Ablegern!

Die 80er und 90er zählen im Anime-Bereich zu einem besonders »brachialen« Zeitalter. Mangaka wie Go Nagai (heute besonders bekannt durch sein »Devilman«-Franchise, aber auch Vater vieler Super-Robot-Serien wie »Getter Robo« oder »Mazinger«) oder Hirohiko Araki (bekannt durch »Jojo’s Bizarre Adventure«, aber auch durch blutrünstige Monster-Storys wie »Baoh the Visitor«) setzten Brutalität, Body Horror und massig abgetrennte Gliedmaßen gekonnt ein, um mit dem entstehenden Schockfaktor die Ernsthaftigkeit hinter der Sitation ihrer Protagonisten effektiv in Szene zu setzen. Besonders Ersterer nahm sich gelegentlich den Kontrast zu »süßeren« Figuren zu Herzen und zeigte sie öfter mit viel nackter Haut und in fragwürdigen Posen – wobei diese außerhalb von ernsthaften Szenen scheinbar stets Spaß damit haben (bspw. in »Cutie Honey«).

Bei einem Markt wie Anime, der zu der Zeit im Westen noch nicht ganz erschlossen war, werden natürlich fleißig vergleichsweise billige Lizenzen eingekauft, um den Zuschauern einige knallharte VHS-Kassetten bieten zu können! Oft wurde das aber auch getan, ohne Rücksicht auf die kulturellen Sensibilitäten des jeweiligen Veröffentlichungslandes zu nehmen – das Ergebnis waren neben heftigen Zensuren und Altersfreigaben auch komplette Verbote von bestimmten Serien und Filmen aus dem fernene Osten. Fünf besonders markante Beispiele möchten wir euch jetzt kurz vorstellen!


ACHTUNG! Die folgende Liste ist nichts für schwache Nerven – wer Probleme mit extremer Gewaltdarstellung, Vergewaltigung und ähnlichen Szenen in animierter Form hat, sollte jetzt besser wegklicken. Vielleicht interessieren euch stattdessen ja diese Oktoberartikel?

Urotsukidoji: Legend of the Overfiend

Den Anfang mach ein etwas ungewöhnlicher, aber definitiv nicht harmloser Anime-Film: »Urotsukidoji: Legend of the Overfiend« stammt ursprünglich aus der Feder von Toshio Maeda, der heute dank dieses Werks laut einigen Kritikern als einer der Begründer des Hentai-Genres gilt. Der erste Teil von insgesamt vier fertiggestellten »Urotsukidoji«-Filmen aus dem Jahr 1987 enthält neben sexueller Gewaltdarstellung aber auch jede Menge Blut, Gedärme und Monster mit viel zu scharfen Klauen und viel zu langen Zähnen.

© Toshio Maeda / Phoenix Entertainment

Der Movie handelt von Tatsuo Nagumo, der als fauler japanischer Oberschüler eigentlich nur ein gemütliches Dasein tristen möchte. Als sich ihm eines Tages jedoch ein merkwürdiges menschenähnliches Wesen als Amano Jaku vorstellt und ihm prophezeiht, dass in ihm die Seele des Choujins (Oberdämons) ruht und es ihm vorbestimmt ist, über die Welt der Menschen, Tiermenschen und Dämonen zu regieren, weiß dieser zuerst nicht, wie er reagieren soll. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihm allerdings nicht, da es die finsteren Dämonen bereits auf ihn abgesehen haben. Diese wollen die Kräfte des Choujins nämlich nutzen, um die Welt ins Chaos stürzen

Trotz der extremen Gewaltdarstellung wird das Franchise aber immer wieder für seine exzellente Welt und ausgeklügelte Handlung gelobt. Das reichte allerdings Großbritannien, Australien und Österreich lange Zeit nicht: eine Szene, in der ein Tentakelmonster eine Figur vergewaltigt, war den drei Ländern dann einfach zuviel und der Film wurde prompt auf den Index gesetzt. Später wurde eine stark zensierte Fassung veröffentlicht, die auf legalem Wege in den drei Ländern verbreitet werden konnte.


A Kite

»A Kite« (hierzulande unter dem Namen »Kite: Angel of Revenge« vermarktet) aus dem Jahr 1998 wirkt zuerst wie ein recht gewöhnliches Actiondrama, entpuppt sich aber schnell als grausames Rachespektakel eines jungen Mädchens, die ihre Eltern an einen Mörder verlor. Kurios: der amerikanische Regisseur Quentin Tarantino, der für seine explizite Filmgewalt (zum Beispiel in »Kill Bill« oder »Pulp Fiction«) bekannt ist, zitiert diesen Film gerne als seinen Lieblings-Anime.

© Yasuomi Umetsu / Arms

Der blutige, traumatisierende Mord an ihren Eltern hat Sawa, ein junges Schulmädchen, so sehr abgehärtet, dass sie fortan als Auftragsmörderin arbeitet. Ein korrupter Polizist, der ihr verspricht, durch diese grausamen Taten ihre Eltern zu rächen, erteilt ihr in schonungsloser Selbstjustiz Aufträge, mutmaßliche Vergewaltiger und andere Schwerverbrecher auf freiem Fuß zu töten. Erst als ihr der Waisenjunge Oburi als Assistent zugeteilt wird und sie erfährt, wie viel sie ihr Schicksal mit ihm teilt, beginnt sich ihr kaltes Herz langsam zu erweichen …

Wie in »Urotsukidoji« spielen auch in »A Kite« sexuelle Gewalt und blutige Auseinandersetzungen eine tragende Rolle, aber im Gegensatz zu dem Monsterspektakel ist dieses Actiondrama sehr viel bodenständiger und überschattet seine Grausamkeit nicht mit cartoonhaft-übertriebener, trashiger Darstellung von Blutfontänen und abgetrennten Körperteilen – die Gewalt, insbesondere die sexuelle, wirkt quälend »realistisch« und die Auftragsmorde von Sawa unterstützen somit eher eine Psychothriller-Atmosphäre. In Norwegen wurde der Film aufgrund der dort herrschenden Kinderpornographiegesetze komplett verboten – in den USA ist er immerhin zensiert und hierzulande in einer ungeschnittenen 18er-Version verfügbar.


Barefoot Gen

Eigentlich ist »Barefoot Gen« – hierzulande auch als »Barfuß durch Hiroshima« bekannt – aus dem Jahr 1983 gar kein furchterregender Horror-Anime oder ein schonungsloses Gore-Spektakel wie so manche der anderen Beispiele in dieser Liste. »Barefoot Gen« ist in erster Linie eine Tragödie; die lose Nacherzählung eines Mannes, der seine Familie im nuklearen Höllenfeuer des 6. August 1945 verlor.

© Keiji Nakazawa / GEN Productions

Gen ist sechs Jahre und versteht nicht so wirklich, wie die Welt da draußen funktioniert – insbesondere, wenn seit Jahren der zweite Weltkrieg tobt und Japan dank Nahrungsmittel- und Ressourcenknappheit weder sein Militär noch lange aufrechterhalten noch seine eigene Zivilbevölkerung versorgen kann. Hungrig muss er mit seinem systemkritischen Vater, seiner hochschwangeren Mutter und seinem aufgeweckten Bruder jeden Abend zu Bett gehen, nichtsahnend, welche Hölle der kleinen Familie bei einem amerikanischen Bombenangriff am 6. August 1945 bevorsteht …

Trotz – oder vermutlich genau wegen der kindlichen Weltanschauung, die der Film in der ersten Hälfte bietet, sind der eigentliche Atombombenabwurf und die heftigen Folgen inmitten der Brände, Leichen und Ruinen ein umso unbarmherzigerer Schlag in die Magengrube. Die Szenen kurz nach dem Abwurf sind berüchtigt für ihre – dank Autor und Augenzeuge Keiji Nakazawa – extrem detaillierte Darstellung von Gebäuden, die wie aus Pappe einfach weggeblasen werden, und der unmittelbaren Atombombenopfer, die mit geschmolzener Haut beinahe als wandelnde Leichen um Wasser rufend durch die zerstörten Straßen ziehen, bis sie nach wenigen Minuten ihr endgültiges Verderben finden.

Der Film ist hierzulande – bedenklicherweise – ab 12 Jahren freigegeben. In der Stadt Matsue, die etwa 160 km nördlich vom Story-Schauplatz Hiroshima liegt, war der zugrundeliegende Manga ab Dezember 2012 kurzzeitig für Schüler verboten, da er »Schreckenstaten der japanischen Truppen schildere, die es niemals gegeben hätte«. Das Verbot wurde ein dreiviertel Jahr später nach Beschwerden wieder aufgehoben.


Violence Jack

Keine Liste voller blutiger, gewalttätiger Anime darf fehlen, ohne einen Titel des Meisters zu nennen: Go Nagai hat mit »Violence Jack« gezeigt, wie viel Brutalität man in eine Manga-Serie stecken kann. Man benötigt dafür nur den Schauplatz Japan, ein postapokalyptisches Szenario und einen knallharten Typen, dem es stets in den Fingern juckt, die Gesetzlosen dieser Welt ordentlich zu vermöbeln!

© Go Nagai / Studio 88

Ein Meteoriteneinschlag und unzählige darauffolgende Naturkatastrophen haben die Welt in eine trostlose Einöde ohne Gesetze oder Gerechtigkeit geformt. Wer hier überleben will, muss zu den Stärksten gehören. Als Rächer der Schwachen und schlimmster Albtraum der Unterdrücker macht sich Violence Jack ans Werk, dem Chaos dieser neuen Welt ein Ende zu bereiten und die herrschenden Gangs dem Garaus zu machen! Denn was ist schließlich effektiver gegen Gewalt als noch mehr Gewalt?

So simpel die Prämisse und gesamte Handlung auch ist, so unterhaltsam ist die dreiteilige OVA-Reihe – sie mag willkürliche Gore-Szenen und explizite Nacktheit en masse behinhalten, doch die total bescheuerte Story sorgt stets für eine »trashige« Atmosphäre, und trotz der ernsthaft dargestellten Szenen wirkt die extreme Brutalität eher witzig als verstörend. In Australien hat man Jacks Grausamkeiten nicht so lustig gefunden, denn die zweite OVA namens »Violence Jack: Evil Town« ist dort verboten. In anderen Ländern, bspw. dem Vereinigten Königreich, gibt es Evil Town nur in zensierter Fassung.


Midori: Shoujo Tsubaki

Dieser letzte Anime aus dem Jahr 1992 steht nicht ohne Grund ganz unten in der Liste: mit verstörenden Szenen von übertriebener Gewalt, Body Horror, Vergewaltigungsszenen, ermordeten Jungtieren und viel mehr grausigen Dingen, die man sich im Vorhinein wohl gar nicht vorstellen möchte, ist Midori mit Abstand der brutalste Horror-Anime dieser Liste.

© Hiroshi Harada, Mippei Eigeki Kiryuukan

Der Film basiert auf der sogenannten »Shoujo Tsubaki« (dem »Kamelienmädchen«), einem Archetyp von klassischen japanischen Papiertheatern (»Kamishibai«), die als besonders unschuldiges Mädchen durch ihre armen, elternlosen Verhältnisse gezwungen wurde, Kamelien zu verkaufen und in einem schmierigen Zirkus zu arbeiten. Ein mysteriöser, kleingewachsener Zauberkünstler dort gibt ihr die Hoffnung, aus ihrem Gefängnis ausbrechen zu können, aber als Sklavin muss sie dennoch viele sadistische Misshandlungen und Folterungen der Monstrositätenschau-Darsteller überstehen …

Der etwa 50-minütige Film aus dem Jahr 1992, der von einer einzigen Person produziert wurde (Hiroshi Harada), galt lange Zeit durch seine extrem explizite Darstellung als verschollen, unter anderem, weil viele Käufer so verstört von den Szenen waren, dass sie ihre VHS-Kassette unmittelbar nach dem Schauen restlos zerstörten. Der Anime wurde innerhalb kürzester Zeit aufgrund seiner Grausamkeit und sexueller Gewalt gegen die minderjährige Hauptfigur so berüchtigt, dass er in seinem Heimatland Japan selbst verboten wurde und nie eine offizielle unzensierte Veröffentichung außerhalb des Landes erhielt. Eine stark geschnittene Version ist allerdings seit 1994 verfügbar.


Das könnte dich auch interessieren!


Jetzt seid ihr gefragt!

Kennt ihr schon einen der fünf Titel? Und welche besonders gewaltsamen Anime haben wir vergessen?

Schreibt es uns in die Kommentare!

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
1 Kommentar
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Italo Beat Boy

JETZT muss ich all diese Animes wirklich angucken.

1
0
Sag uns Deine Meinungx
()
x