© Tite Kubo/Warner Bros. Japan

Für jeden Animefan kommt irgendwann einmal die Zeit, in der er nach ein wenig Abwechslung sucht und dabei über kurz oder lang über Live-Action-Adaptionen stolpert. Leider besitzen die nicht gerade den besten Ruf. Doch nur weil Live Action draufsteht, ist längst noch nicht automatisch alles schlecht.

Hand aufs Herz: Was kommt euch zuallererst in den Sinn, wenn ihr den Begriff »Live Action« hört? Großartige Schauspieler, denen ihre Rolle auf den Leib geschrieben wurde, Effekte, die euch den Atem stocken lassen, und eine Adaption des Originalmaterials, die dessen Stimmung, Charaktere und Story ohne jede Abweichung perfekt wiedergibt? Wohl eher nicht.

»Live Action«, also die Realfilmadaption bestehender Anime- und Mangaserien, ist vor allem für die geringe Qualität des Endproduktes bekannt. Wer erinnert sich beispielsweise nicht an das Netflix-Desaster mit Death Note, mit der der Großteil von uns nur aufgrund seiner absoluten Grauenhaftigkeit seinen Spaß hatte? Mal schaffen es die Schauspieler nicht, ihre Rolle glaubwürdig darzustellen, ein anderes Mal wird das Ausgangsmaterial zur Unkenntlichkeit zum Schlechteren verändert und manchmal sind auch einfach nur die Kostüme hässlich und die Charaktere kaum wiederzuerkennen.

Die Gründe, weshalb Live Action von so vielen als Graus angesehen wird, sind weitreichend. Und doch findet sich unter den vielen Schnarchfestivals auch die eine oder andere Perle, die ihre Schauzeit mehr als nur wert ist und einen guten Einstieg in das Medium Drama/Live Action bildet.
Auf drei davon werfen wir heute einmal einen genaueren Blick.


Bleach

© Tite Kubo/Warner Bros. Japan

Darum geht es in Bleach

Ichigo Kurosaki ist ein Jugendlicher, wie er im Buche steht. Er geht zur Schule, trifft sich mit Freunden, prügelt sich mit seinem mädchenvernarrten und auch sonst alles andere als kopfgesunden Vater und führt, abgesehen von der Tatsache, dass er Geister sehen kann, auch sonst ein ziemlich normales Leben. Bis er in seinem Zimmer plötzlich auf ein Mädchen trifft, das einen Geist bis zu ihm nach Hause verfolgt hat. Verblüfft, dass er sie sehen kann, erklärt sie ihm, dass sie ein Shinigami, also ein Todesgott ist, der der Aufgabe nachgeht, ruhelose Seelen in die Soul Society zu senden, um ihnen die Erlösung zu schenken.

Während ihrer Erklärung wird sein Haus plötzlich von einem Hollow – einem seelenhungrigen Dämon – angegriffen, der sich Ichigos kleine Schwester Yuzu zur Beute machen will. Es entbrennt ein erbitterter Kampf, in dessen Verlauf die Shinigami schwer verletzt wird und als einzigen Ausweg die Übertragung ihrer Kräfte auf den Jungen sieht. So rammt sie ihm ihr Zanpakutou in die Brust und verwandelt ihn damit in einen Shinigami mit schier unglaublicher Macht.

Als Preis für die Übertragung verliert die junge Frau allerdings zeitweise ihre eigenen Kräfte, sodass sie und Ichigo von diesem Zeitpunkt an den Großteil ihrer Zeit mit Training und dem Schlachten von Hollows verbringen. Bis ihr Bruder Byakuya auftaucht und sie für ihr Vergehen hinrichten will, stellt es doch eine Todsünde dar, seine Kräfte auf einen Menschen zu übertragen. Nur eine einzige Chance, sie zu retten, gewährt man ihm: Sollte er es schaffen, den Grand Fisher zu vernichten, an dem selbst die stärksten der Shinigami seit 54 Jahren scheitern, darf sie weiterleben. Ein Kampf, den Ichigo mit erhobenem Schwert aufnimmt!

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Das macht Bleach besonders

Normalerweise gilt es als absolute Sünde, das Sourcematerial zu verändern. Im Falle der Live-Action-Adaption der gleichnamigen Manga- und Animeserie entpuppt sich diese Entscheidung jedoch als goldrichtig. Zwar werden die Grundbausteine der Story beibehalten, doch statt die bereits in beiden vorangegangenen Ausführungen der Serie durchgespielten Abläufe wiederzukauen, versucht sich Regisseur Shinsuke Sato (Inuyashiki, Death Note: Light Up The New World) an einem anderen Lösungsansatz, was angenehm frischen Wind in die weitreichend bekannte Welt von Tite Kubos beliebtem Fighting Shounen bringt.

Aber es ist nicht nur der neue Storyansatz, der definitiv einen Blick wert ist. Auch die Schauspieler wurden auf die Charaktere passend gecastet und geben eine wirklich gute Figur ab. Auch wenn die Kämpfe für Live Action typisch dezent unglaubwürdig gespielt wurden und man ganz genau sieht, wie bei solchen Szenen getrickst wird, sind sie dennoch extrem gut choreografiert und heizen dem geneigten Zuschauer genauso sehr ein wie im Anime. Auch die Special Effects können sich entgegen der gewohnten japanischen Effektqualität durchaus sehen lassen.

An dieser Stelle sei außerdem noch der stimmige Soundtrack erwähnt, liefert die japanische Rockband [ALEXANDROS] mit ihrem Ending-Theme »Milk« einen absoluten Banger. Aber auch der Rest der Titel kann sich mit seinen epischen und stimmungsvollen Tracks absolut sehen lassen und steht dem Anime in absolut gar nichts nach.

Wenn ihr nun auf den Geschmack gekommen seid und euch selbst ein Bild von der Bleach-Live-Adaption machen wollt, kann Streaminganbieter Netflix Abhilfe schaffen. Dort findet ihr den 108 Minuten Spielzeit umfassenden Film mit unter anderem deutscher und japanischer Synchronisation.


Gintama

© Hideaki Sorachi/Warner Bros. Pictures

Darum geht es in Gintama

Die Alles-Agentur nimmt, wie der Name schon sagt, jeden noch so popeligen Auftrag an. Dass ihre Mitarbeiter dadurch in die eine oder andere ziemlich verfahrene oder von Merkwürdigkeit kaum zu übertreffende Situation geraten, steht dabei natürlich außer Frage.

So jagt das Dreiergespann beispielsweise einer riesigen Alien-Kakerlake hinterher oder sucht ganz in alter Detektiv-Conan-Manier den Verfasser eines Drohbriefs. Natürlich nicht, ohne dabei ordentlich Chaos anzurichten und auch gern mal die halbe Stadt in Schutt und Asche zu legen.

Und dann wäre da noch die mindestens genauso vertrottelte Polizeieinheit Shinsengumi, der die Alles-Agentur dank ihrer ständigen Eskalationen mehr als nur ein Dorn im Auge ist …

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Das macht Gintama besonders

Im Gegensatz zum eben besprochenen Bleach-Realfilm haben es sich die beiden Live-Action-Ableger der Anime- und Mangaserie »Gintama« zur Aufgabe gemacht, das Sourcematerial originalgetreu zu adaptieren. Wer den Anime gesehen oder den Manga gelesen hat, wird also schnell feststellen, dass die Szenen 1:1 in die reale Welt übertragen wurden, was natürlich so einiges an Overacting und merkwürdig aussehenden Effekten zur Folge hat. Nicht dass das im Falle der sowieso schon von Haus aus total übertriebenen Serie irgendwie unpassend wäre.

Der erste der beiden Filme erzählt neben ein paar kleineren Szenen den bereits aus dem Manga bekannten Benizakura-Arc nach, in dem sich die Alles-Agentur eines verfluchten Schwertes annehmen muss. Im Fokus des zweiten Films, »Gintama 2: Rules Are Made To Be Broken«, stehen die Shinsengumi, die sich im Shinsengumi-Crisis-Arc einem ihrer eigenen Männer entgegenstellen müssen. Als kleines Extra wurde außerdem ein drei Folgen umfassendes Webdrama releast, das den Okita-Mitsuba-Arc abdeckt.

Auch wenn uns in beiden Filmen nicht viel Neues erwartet, sind sie dennoch für jeden Fan abgedrehter Comedy einen Blick wert, was vor allem der Tatsache geschuldet ist, dass die Szenen, die im Anime schon total übertrieben wirken, bei realen Darstellern noch mal ordentlich an Merkwürdigkeit und Witz dazugewinnen. Und diesen merkt man deutlich an, wie viel Spaß sie an ihren Rollen hatten. Sie passen perfekt auf die Charaktere und geben deren absolute Blödheit wirklich glaubhaft wieder. Einzig die Kämpfe hatte man ein bisschen glaubhafter gestalten können, was aber, wie bereits angemerkt, ein allgemeines Problem bei japanischen Produktionen darstellt. Nicht, dass sie nicht trotzdem gut aussehen würden.

Wenn ihr nun selbst in den Genuss der Gintama-Realverfilmung kommen wollt, könnt ihr beim ersten Film entweder auf die von KSM veröffentlichten Blu-rays zurückgreifen, die sowohl die deutsche als auch die japanische Synchronisation enthalten, oder ihr begebt euch einfach zu Amazon Prime Video. Da der Film nicht im normalen Prime-Abo enthalten ist, kommt dabei allerdings ein kleiner Aufpreis auf euch zu. Wer nicht auf Amazon zurückgreifen will, kann sich den Film auch bei Youtube-Filme ausleihen. Ob der zweite Teil hierzulande erscheinen wird, ist noch nicht bekannt.


GTO: Great Teacher Onizuka

© Tōru Fujisawa/Fuji TV

Darum geht es in GTO: Great Teacher Onizuka

Durch seinen Freund und ehemaligen Gangkollegen Ryuji ergattert Haudrauf Eikichi Onizuka einen Teilzeitjob als Gärtner an der Meishu-Akademie. An nichts Böses denkend wird er eines Tages Zeuge, wie einer der Schüler von drei seiner Mitschülerinnen gemobbt wird. Das ruft den Heißsporn natürlich direkt auf den Plan, kann er es doch auf den Tod nicht ausstehen, wenn Schwächere niedergemacht werden.

Dass Onizukas alles andere als konventionelle Hilfe auch an den Lehrern nicht unbemerkt vorbeizieht, steht außer Frage. So ist die Direktorin der Schule so angetan vom unerwarteten Ausgang des Problems und Onizukas Lösungsansatz, dass sie ihn kurzerhand als Lehrer anstellt – und direkt in die Problemklasse steckt.

© Tōru Fujisawa/Fuji TV

Das macht GTO: Great Teacher Onizuka besonders

Der wohl älteste Vertreter auf unserer Liste bildet gleichzeitig auch die emotionalste der drei Live-Action-Adaptionen. Während Bleach und Gintama hauptsächlich auf Action und epische Kämpfe setzen, nimmt sich Toru Fujisawas GTO eher den alltäglichen Problemen einer Schulklasse an, die von allen nur als Unruhestifter und sowieso schon verloren verschrien ist. Mobbing, Selbstzweifel und familiäre Probleme stehen hier an der Tagesordnung und während alle anderen sie längst aufgegeben haben, setzt Neulehrer Eikichi alles daran, seinen Schülern aus jedem noch so tiefen Loch herauszuhelfen und zu ihnen zeigen, dass auch für sie längst noch nicht alles vorbei ist. Dass es für jedes noch so unüberwindbar erscheinende Problem eine Lösung gibt. Und dass auch sie das Recht auf ein glückliches Leben und die Erfüllung ihrer Wünsche und Träume haben. Und wenn dafür eben mal die eine oder andere Faust fliegen muss.

GTO greift da an, wo es wehtut. Bei Problemen, die so alltäglich sind, dass wir alle ein Lied davon singen und uns deswegen ohne Probleme in den Charakteren wiedererkennen können. Wir fühlen uns verstanden und nicht mehr so allein gelassen wie damals, als unsere Sorgen genau wie die der Protagonisten wie ein Weltuntergang erschienen. Und man erwischt sich beim Schauen immer wieder dabei, wie man sich wünscht, damals auch so einen Eikichi Onizuka gehabt zu haben. Nein, auch heute noch wäre ein solche Freund von unschätzbarem Wert.

Dass die Story des Dramas zu großen Teilen von der des Mangas und des Animes abweicht, tut ihrer guten Qualität absolut keinen Abbruch. Im Gegenteil, glänzt Drehbuchautor Masaki Fukasawas Version des weltweit erfolgreichen Coming-of-Age-Mangas vor allem durch emotionale Szenen, bei denen kein Auge trocken bleibt und dem Zuschauer regelmäßig das Herz aufgeht. Er lehrt uns, worauf es im Leben wirklich ankommt und dass ein winziger Fehler längst noch nicht das Ende bedeutet. Dass unser Glück ganz allein in unserer Hand – oder in Onizukas Fall in unserer Faust – liegt.

Leider ist die zwei Staffeln und vier Specials umfassende Serie aus dem Jahr 2012 hierzulande noch nicht erhältlich, aber wer weiß, vielleicht entdeckt irgendein Publisher dieses Juwel und bringt es uns doch noch in die heimischen Wohnzimmer.


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sori

Die Kenshin-Reihe ist für mich die Creme de la Creme der Realverfilmungen.

KuroKenshin

Neben Lone Wolf and Cub ist das für mich auch die beste Live Action Adaption eines Mangas.
Auch freue ich mich schon auf den Jinchu Arc vom Manga und Samurai X Origin 😀

Sparplug

ich habe Gantz als Live Action und muss sagen das ich positiv überrascht war. Auf von Parasite und I am a Hero

TheBeron

Ich fand die LiveAction Adaption von Inuyashiki Last Hero ebenfalls extrem gelungen😍

Kevin

Kenshin Trilogie war deutlich besser als all die drei genannten Beispiele. Und ich warte sehnsüchtig auf die letzten zwei Filme die noch dieses Jahr kommen sollen.

KuroKenshin

Richtig die Rurouni Kenshin Trilogy war mit Abstand die beste Live Action Adaption eines Mangas und die zwei letzten Live Action Filme adaptieren den Jinchu Arc, also den letzten Manga Arc, weil im Anime wird er nämlich nicht adaptiert. Bin sehr auf Enishi und seine Gruppe gespannt, vor allem Gein 😉

HerrMisterXY

Honorary Mention
Edge of Tomorrow

Tobias Herborn

Die Death Note Verfilmungen (net der Käse von Netflix) fand ich sau gut. So hab ich meine Frau zum Anime gebracht 😁

Kazan

“Leider ist die zwei Staffeln und vier Specials umfassende Serie aus dem Jahr 2012 hierzulande noch nicht erhältlich” Ist so aber nicht richtig. Eigentlich muss es “hierzulande nicht mehr erhältlich” heißen, da es mal beiden Staffeln, die vier Specials und GTO Taiwan bei Crunchyroll gab.

Vlogjack

Also ich fand die initial d verfilmung jetzt auch nicht schlecht auch wenn der soundtrack etwas mies war. Die ace attorney berfilmungbwar auf jeden fall auch sehr gut

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