© 「SHIROBAKO」製作委員会

Hinter den Anime, die tagtäglich über unsere Bildschirme flimmern, steckt eine ganze Industrie – doch wer sind eigentlich die Firmen, die den starken Stuff aus Japan aufs Papier bringen? Wir stellen euch drei der prestigeträchtigsten Anime-Werkstätten vor!

Wie einen guter Motor halten auch die Anime-Industrie zahlreiche kleine und große Zahnräder in Gang.
Die Rede ist von den Anime-Studios, meist wie Großraum-Büros anmutende Kreativ-Werkstätten, in denen zahlreiche Animatoren, Regisseure und Autoren einer Vorlage oder Idee Farbe und Bewegung verleihen, bis das Ganze als ausgewachsener Anime auf dem Bildschirm landet.

Dabei sind die Studios meist in erster Linie für das Wesentliche verantwortlich: Die Animation. Der wichtigste Teil der Bewegung entsteht dabei meist in den Räumlichkeiten des Haupt-Studios, unwichtigere Arbeiten werden auch gerne mal ins Ausland oder an kleinere Unternehmen ausgelagert.

Eine Anime-Produktion ist mehr als nur ein Kraftakt – die Studios leisten hinter den Kulissen Großes. | © 「SHIROBAKO」製作委員会

Nichtsdestotrotz ist das Studio der Ort, an dem alle Fäden zusammenlaufen, sozusagen das Herz einer Produktion – Synchro, Soundtrack, Hintergründe und Charaktere, Nachbearbeitung und Qualitätskontrolle werden alle von dort bestimmt und koordiniert. Und genau wie bei westlichen Filmen reicht das Spektrum der Produktionsfirmen von der kostengünstigen B-Movie-Schmiede wie Seven bis zur blockbustergenerierenden Traumfabrik a lá Ufotable.

Wir stellen euch heute drei Studios vor, die sich durch ihre Arbeit einen besonderen Namen machen konnten und nehmen euch mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte der japanischen Animationskunst …

Studio Ghibli

© Studio Ghibli

Wer Anime sagt, muss auch Ghibli sagen. Weit über die Grenzen der Anime-Fanbase hinaus ist die oscarprämierte Animationswerkstatt bekannt und konnte mit Klassikern wie Chihiros Reise ins Zauberland, Mein Nachbar Totoro oder Prinzessin Mononoke Millionen Besucher in die internationalen Kinos locken.

Die Geschichte vom Studio Ghibli

Das Studio, das wohl ohne Zweifel die Kindheit zahlreicher Anime-Fans nachhaltig geprägt hat, wurde am 15. Juni 1985 von den mittlerweile legendären Regie-Meistern Hayao Miyazaki und Isao Takahata, gemeinsam mit dem Produzenten Toshio Suzuki, gegründet.

Miyazaki und Takahata waren vorher unter anderem für das heute durch One Piece und Dragon Ball selbst zur Legende gewordene Studio Toei tätig und brachten somit einiges an Erfahrung in ihr neues Unternehmen mit.

Das Motiv der Natur findet sich selbst an Ghiblis Gebäude wieder. | © Dick Thomas Johnson

Der Name leitet sich dabei von den brennend heißen Wüstenwinden ab, die im Norden Afrikas häufiger vorkommen und den frischen Wind symbolisieren, den das Studio damals durch die Anime-Branche wehen lassen wollte – ein Vorhaben, das bereits ein Jahr später mit dem Debüt »Das Schloss im Himmel« von Erfolg gekrönt sein sollte.

Der Hype war nicht mehr aufzuhalten und das Studio wurde insbesondere im Westen zu einem Sinnbild für japanische Animation. Wer der Geschichte Ghiblis und seiner Produktionen auf den Zahn fühlen möchte, hat im Tokyoter Vorort Mitaka die Gelegenheit, das Ghibli-Museum zu besuchen. Ein Freizeitpark, in dem Besucher die Kulissen der Ghibli-Movies live erleben können, soll 2022 eröffnen.

Der typische Stil des Studio Ghibli

Die Geschichten des Studios greifen häufig traditionelle japanische Erzählweisen auf und paart sie mit seinem eigenen, unverkennbaren Stil. Dabei ist ein Leitmotiv in Ghiblis Produktionen neben dem Mut junger Mädchen auch die Schönheit der Natur, die in detaillierten, märchenhaft anmutenden Bildern dargestellt wird. Schließlich spielen sich die Geschichten selten in der Großstadt, sondern meist in eher ländlicheren Gegenden ab.

Kyoto Animation

© Kyoto Animation

Von den konventionellen, TV-Serien produzierenden, Studios ist es wohl Kyoto Animation, das die größten Erfolge vorweisen darf und die japanische Animation am besten repräsentiert. Nicht umsonst handelte es sich bei KyoAni bei einer 2015 durchgeführten Rechnung um das verkaufsstärkste Anime-Studio der letzten zehn Jahre.

Fast jeder Anime-Fan wird schon mal etwas von Kyoto Animation gesehen haben, das Portfolio ist mit Klassikern wie Clannad oder Die Melancholie der Haruhi Suzumiya und neueren Hits wie Violet Evergarden, A Silent Voice oder Miss Kobayashi’s Dragon Maid jedenfalls breit genug aufgestellt.

Die Geschichte von Kyoto Animation

Die treibende Kraft hinter der Gründung von KyoAni war die Koloristin Yoko Hatta, die sich durch ihre Arbeit beim legendären Studio Mushi Production bereits einen Namen in der Branche machte, bevor sie mit ihrem Mann Hideaki Hatta nach Kyoto zog.

Dort war sie das Leben einer Hausfrau schnell leid und versammelte weitere interessierte Damen aus der Nachbarschaft, um gelegentliche Aushilfsarbeiten für Produktionsstätten wie Pierrot oder Tatsunoko Production zu erledigen, bevor Kyoto Animation im Jahr 1985 offiziell gegründet wurde.

Eines der Studios von Kyoto Animation. | © Sakugablog

Nachdem das Team jahrelang im Hintergrund agiert und unter anderem an Werken wie Neon Genesis Evangelion oder Akira mitgewirkt hatte, durfte KyoAni im Jahr 2003 mit dem Spin-Off zum Action-Hit Fullmetal Panic! seinen ersten eigenen Anime produzieren.

Die Serie mit dem Untertitel »Fumoffu« wurde ein Kassenschlager und Kyoto Animation begann seine erfolgreiche Produktionsgeschichte. Nachdem man jahrelang erfolgreich fremde Werke, wie beispielsweise die Visual Novels des Entwicklers Key, adaptierte, begann KyoAni im Jahr 2009, eigene Light Novels zu verlegen und einen Wettbewerb für selbige auszurufen.

Nennenswerte Beiträge wie Beyond the Boundary, Free! oder Love, Chunibyo and Other Delusions wurden in der nächsten Zeit als Anime umgesetzt und schliffen langsam, aber sicher eine hochwertige Identität des »Moe-Studios«.

Der typische Stil von Kyoto Animation

Dieses Image hat KyoAni nicht von ungefähr weg, denn die Anime aus ihrer Produktion stellen meist niedliche Mädchen mit Kulleraugen, kindlichen Körpern und witzigen Charaktereigenschaften in den Vordergrund.

Niedliche Mädchen wie Mirai aus Beyond the Boundary zieren das Bild der KyoAni-Produktionen. | © 鳥居なごむ・京都アニメーション/境界の彼方製作委員会

Auf einer artistischen Ebene konzentriert sich Kyoto Animation jedoch darauf, möglichst schöne und malerische Bilder zu zeigen: Eine dynamische, der Stimmung einer Szene perfekt angepasste Farbgebung, atemberaubende Landschaften und ein Touch von kindlicher Begeisterung verleihen den Alltags-Settings ihrer Serien und Filme eine gewisse Magie.

Die kommt auch durch die hochwertige Produktion zustande, denn die Zeichner des Studios legen besonderen Wert darauf, jeden Frame bis ins letzte Detail auszufeilen und die Stimmung der Charaktere nicht nur durch Stimme und Mimik, sondern auch ihre Körpersprache rüberzubringen und die küntlerischen Mittel, die Anime als Erzählweise bietet, voll auszukosten.

A-1 Pictures

© A-1 Pictures

Ein weiterer Vertreter aus der Riege der erfolgreichsten Anime-Schmieden ist das Studio A-1 Pictures, das vielen Fans durch Hype-Titel wie Sword Art Online, ERASED, Fairy Tail, Blue Exorcist oder AnoHana ein Begriff sein sollte.

Hype trifft es wohl am besten, denn die Titel von A-1 sind meist eher auf Massentauglichkeit gemünzt, was der Qualität ihrer Werke jedoch keinen Abbruch tut. Das konnte die witzige und kreativ inszenierte Liebeskomödie Kaguya-sama: Love is War in der vergangenen Winter Season erneut eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Die Geschichte von A-1 Pictures

Die Historie des doch noch recht jungen Studios ist relativ schnell zusammengefasst:

2005 entschied sich Sony Music Entertainment Japan dazu, seine Anime-Sparte weiter auszubauen, und unterstellte dem Publisher Aniplex daher das taufrische Studio A-1.

Das A-1 Studio befindet sich im tokyoter Staddteil Asagaya | © Gigazine

Während sich die Firma in den ersten Jahren noch mit Aushilfsarbeiten und Co-Produktionen zufriedengab, flimmerte 2007 mit der Manga-Adaption Big Windup! das erste eigene Projekt des Studios über die japanischen Bildschirme. Der Erfolg blieb mit über 19.000 verkauften Disc-Einheiten nicht aus und es gesellten sich schnell weitere Serien und Filme zum A-1-Portfolio.

2018 war das im tokyoter Bezirk Koenji gelegene Zweitstudio langsam flügge geworden und machte sich mit »Clover Works« einen eigenen Namen in der Anime-Branche.

Die mittlerweile von seinem Schwesternstudio völlig unabhängige Produktionstätte bewies seither mit Projekten wie The Promised Neverland oder Persona 5 – the Animation, dass es ihm gelingt, auf eigenen Beinen zu stehen und die Fans mit ihren Werken in Begeisterung zu versetzen.

Der typische Stil von A-1 Pictures

Einen »typischen Stil« oder roten Faden gibt es bei den Werken von A-1 eigentlich nicht so wirklich. Inhaltlich werden Dramen (Anohana), Scifi (From The New World), Krimis (Black Butler), Comedy (Working!!) oder Action (Fate/Apocrypha) abgedeckt.

Mit Szenen wie dieser beteiligte sich A-1 Pictures am Siegeszug der digitalen Animation. | © )ゆうきまさみ・小学館/PROJECT BIRDY

Die wohl größte Gemeinsamkeit all dieser Projekte ist eine fast durchgängig relativ hohe Produktionsqualität und die zwischenzeitliche Vorliebe für etwas unkonventionellere Animationsarten wie in Birdy the Mighty: Decode oder Fate/Apocrypha.

Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass das Studio nur wenige wiederkehrende Kreativ-Mitarbeiter besitzt, sondern im Hause A-1 häufig freie Mitarbeiter der unterschiedlichsten Coleur und Stile aufeinandertreffen und gemeinsam unterschiedlichste Ergebnisse zutage fördern.

Ein A-1 Pictures-Anime lässt sich also am ehesten mit einem Überraschungs-Ei vergleichen.

Jetzt seid ihr gefragt!

Welches Anime-Studio ist euer Favorit? Und welche Aspekte einer Anime-Produktion würden euch als eigener Artikel besonders interessieren?

Schreibt es uns in die Kommentare!

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Thanh Binh Nguyen
Gast

WIT Studio :O

habsgleich
Gast
habsgleich

sehr Interessanter Artikel, ich Persönlich bin ja ein Fan Kyoto Animation. Nicht das die Anderen schlecht wären, machen auch sehr gute Arbeit!

Accelerator
Gast
Accelerator

Mein Top Favoritstudio ist eigentlich JC Staff.
Ghibli & KyotoAnimation sind natürlich nicht sclecht, aber ein Bones,Madhouse,WIT und ein Shaft können auch Qualtät bringen
… nur mit A1Pictures kann ich eher weniger was anfangen

Marf
Gast
Marf

White Fox

Andyt
Gast

Interessanter Artikel. Das Studio Ghibli zählt für mich als Favorit, wobei die beiden anderen nicht minder interessant sind. Wobei A1Pictures nicht immer gleichwertig produziert. Dafür gibt es im Artikel auch eine super Erklärung.

Lukas Polgar
Gast
Lukas Polgar

Ich mag alle sehr, aber am meisten mag ich Studio Production I.G, vorallem wegen Haikyuu .

Astral Disaster
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Astral Disaster

Die 4 Studios, denen ich immer voll und ganz vertraue sind Wit, Bones, Madhouse und ufotable. Bei allen kann man sehr gute Animationen erwarten!

GameWave
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GameWave

Also bei A1 kann ich mehr als nur zustimmen wenn man sich mal die extrem hohe Qualität von SAO: Alicization ansieht O.o aber die anderen sind natürlich auch bombe 🙂

Karmagiel
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Karmagiel

Ich hab mal meine favoriten gelistet und deren bekanntesten Werke dazu geschrieben: white fox: steins; gate, akame ga kill, re:zero, goblin slayer, the devil is a part timer trigger: kill la kill, Darlin in the FranXX, kiznaiver, little witch achademia, sss.gridman shaft: Monogatari-series, Niesekoi, Madoka magica, 3-gatsu-no-lion madhouse: Death note, One outs, One punch man, No game no life, Hunter x Hunter, Boogiepop wa waranai, High school ot dead, Parasyte, Death parade, Overlord, Btooom, Irregular at magic high school, Hellsing, Claymore, Monster, Ore monogatari, kaiji, etc. A-1/Clover works: Sword art online, Blue exorcist, Fairy tail, Your lie in april, Erased,… Weiterlesen »

Somafan1994
Gast
Somafan1994

a one pictures. Ich finde den style super und hab bis jetzt noch keinen schlecht animierten anime von denen gesehn