© 米スタジオ・Boichi/集英社・Dr.STONE製作委員会

Wer kennt ihn nicht, den verrückten Wissenschaftler, der mit seinen wahnsinnigen Erfindungen die gesamte Welt in Angst und Schrecken versetzt? Doch sind wirklich alle Wissenschaftler dazu verdammt, die Rolle des Antagonisten zu übernehmen, oder schlummert vielleicht doch ein wenig mehr in diesen furchterregenden Kreaturen?

Anime gibt es wie Sand am Meer und da niemand das Rad neu erfinden kann, stolpern wir beim Schauen immer wieder über gewisse Stereotypen wie das süße, schüchterne Schulmädchen, den kartoffeligen Haremsvorsteher oder die heiße, großbusige Lehrerin, die ihren hormonbesoffenen Schülern reihenweise feuchte Träume beschwert. Und abseits der Standard-Protagonisten gibt es da noch ihn: den Wissenschaftler.

Mal mehr, mal weniger verrückt liebt es der weißkittlige Schlaukopf, seine Umwelt an seinem Wissen und seinen Errungenschaften teilhaben zu lassen, und hat auch kein Problem damit, in den Augen einiger Unwissender als durchgeknallt zu gelten. Drei dieser missverstandenen Intelligenzmaschinen schauen wir uns nun einmal genauer an.

Die folgende Auflistung enthält Spoiler zu Dr. Stone, Steins;Gate und Bleach. Weiterlesen auf eigene Gefahr!


Senkuu Ishigami (Dr. Stone)

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Den Anfang unserer Liste macht – wer hätte es vermutet – der aktuellste Vertreter seiner Gattung. Hyperintelligent, nie um einen Spruch verlegen und trotzdem stets auf dem Boden der Tatsachen. Das ist Oberschulwissenschaftler Senkuu Ishigami.

Schon früh wusste die Lauchzwiebel, dass sie einmal hoch hinaus will. Während andere Kinder Tierarzt oder Feuerwehrmann werden wollen, hat er es sich zum Ziel gesetzt, in den Weltraum zu fliegen, und dafür natürlich auch fleißig gelernt. Aber mehr noch. Um seinen über alles geliebten Sohn bei der Erfüllung seines Traumes zu unterstützen, verkaufte sein Vater sogar sein Auto und konnte ihn so mit den dafür nötigen Instrumenten ausstatten. All das machte Senkuu zu dem, was die von ihm getaufte Stone World tausende Jahre nach ihrer Versteinerung am allermeisten braucht: Ein wandelndes Lexikon mit der Macht, all jene Errungenschaften in die völlig zerstörte Welt zurückzubringen, die uns unser Leben einst so vereinfachten.

Aber nicht nur in Sachen Fortschritt wären die Menschen in der steinzeitlichen Welt ohne den charismatischen Stachelkopf verloren. Wäre er nicht gewesen, wäre sein bester Freund Taiju mit Sicherheit beinahe direkt nach seiner Entsteinerung als Löwenfraß verendet und auch dessen über alles geliebte Yuzuriha hätte womöglich niemals das Licht der neuen Welt erblickt. Natürlich darf man bei all seinen Leistungen nicht vergessen, dass auch unser Allrounder vor Fehlern nicht gefeit ist, was sich spätestens an der notfallmäßgen Wiedererweckung von Tarzans Bruder Tsukasa zeigt, dessen Vorstellung der neuen Welt in eine komplett andere Richtung schlägt.

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Seine überdurchschnittliche Intelligenz ist jedoch nicht das Einzige, das man an Senkuu hervorheben muss. Wenngleich er leicht so wirkt, als würde ihn nichts jenseits seiner über alles geliebten Wissenschaft interessieren und als wären seine Mitmenschen nichts als ein notwendiges Übel, so kristallisiert sich doch recht schnell das Gegenteil heraus. So ist beispielsweise das Erste, was er tut, als sein Wundergebräu den gewünschten Effekt erzielt, es über seinem besten Freund auszukippen und ihm so neues Leben zu schenken. Ihm zuliebe wird auch sogleich dessen Love Interest Yuzuriha zum nächsten Ziel des Exkrementanschlags – hätte kein hungriger Löwe dazwischengefunkt und dem ulkigen Paar einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die größte Überraschung lauerte aber in jenem Augenblick, in dem ihn Tsukasa vor die Wahl stellte, ihm entweder die Formel für das Entsteinerungselixier zu geben und damit das Leben seiner Freundin Yuzuriha zu retten, oder aber an ihrer Seite zu sterben. Statt das Geheimnis und damit die Welt, wie er sie sich vorstellt, zu schützen, wählt er ihr Leben und gibt damit beinahe sämtliche Trümpfe aus der Hand. Und auch sonst hilft er seinen Mitstreitern, wo er nur kann. Vor allem, wenn er sich dadurch ein paar helfende Hände mehr heranzüchten kann. Ihr seht also, in dem heißblütigen Klugscheißer steckt weit mehr als nur ein zweibeiniges Lexikon ohne jegliche Emotionen.

Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, Senkuu noch näher zu studieren und ihn auf sein Abenteuer zu folgen, dann klickt doch mal bei Crunchyroll rein. Die simulcasten die Dr. Stone nämlich jeden Freitag um 16:30 Uhr mit japanischem Originalton und deutschen Untertiteln.


Rintaro Okabe (Steins;Gate)

© 011 5pb./Nitroplus Steins;Gate Partners

Ach, Okabe, was haben wir mit dir gelitten. Nicht nur hast du uns auf deiner an Grausamkeit kaum zu überbietenden Reise bewiesen, wie nah Genie und Wahnsinn eigentlich beieinanderliegen, du hast außerdem gezeigt, zu was uns so unbeschreiblich starke Gefühle wie Liebe und Freundschaft eigentlich befähigen. Wie viel Leid wir auf uns nehmen, um jene Menschen, die uns mehr als alles andere auf dieser Welt bedeuten, glücklich zu machen und sie vor drohendem Unheil zu bewahren. So sehr, dass wir uns selbst dabei außer acht lassen und sprichwörtlich lachend in die Kreissäge rennen.

Dabei begann eigentlich alles so schön. Zu Beginn des Zeitreise-Thrillers Steins;Gate treffen wir den vertrottelten, aber liebenswerten Wissenschaftler, der sich und seinem Alter Ego den Namen Hououin Kyouma gegeben hat und einen Heidenspaß daran zu haben scheint, sich mit allerhand sinnigen und unsinnigen Experimenten die Zeit zu vertreiben. Dass er damit einen nicht gerade winzigen Teil seiner Mitmenschen in den Wahnsinn treibt, ist dem Guten dabei völlig egal. Wichtig ist ihm nur die Freude einer einzigen Person.

Blickt man ein wenig tiefer in den Menschen Okabe, wird nämlich klar, ist, dass hinter der trotteligen Fassade des selbst ernannten Mad Scientists und seinem Hang zur kompletten Selbstüberschätzung weit mehr liegt als nur das allseits bekannte Chuunibyou-Syndrom. Für sich allein hätte er die ganze Show nämlich niemals aufgezogen. Ihm geht es einzig und allein darum, seiner besten Freundin Mayuri ihr Lächeln zurückzugeben, das sie nach dem Tod ihrer Großmutter schier unwiederbringlich verloren hatte. In jenem Augenblick, in dem es so wirkte, als würde das todtraurige Mädchen verschwinden, lief Okabe auf es zu, riss es an sich und verkündete im Namen Kyoumas, es sei von nun an seine Geisel und könne niemals verschwinden.

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Aber nicht nur in seiner Rolle als wahnsinniger Wissenschaftler glänzt das selbst ernannte Supergenie. Tatsächlich schlummert in seiner mit viel zu viel Fantasie beschenkten Birne ein ziemlich großes Hirn, das zu allerhand unglaublichen Dingen fähig ist. So hat es die Welt von Steins;Gate unter anderem Okabes kaum zu brechendem Willen und seiner unermüdlichen Forschung zu verdanken, dass sich in ihr tatsächlich ein Weg zur Zeitreise auftut, wenngleich sich dieser als einer der größten Fehler der gesamten Geschichte herausstellt. Und doch begeht er ihn immer wieder. Nicht aus Egoismus oder Neugier, sondern aus deutlich tiefschürfenderen Gründen, die einen weiteren viel zu versteckten Aspekt seines Charakters nach außen tragen.

Um den Tod der Wissenschaftlerin Kurisu Makise zu verhindern, dessen Zeuge er ganz zufällig wurde, reist er wieder und wieder in die Vergangenheit, schafft sogar das schier Unmögliche – nur um daraufhin feststellen zu müssen, dass sich die Vergangenheit eben nicht so einfach austricksen lässt, wie er es gern hätte, und dass die Lücke, die Kurisus Rettung hinterlassen hat, geschlossen werden muss. Und das wird sie auch, indem sie sich ganz unbarmherzig Mayuri holt. Wieder und wieder versucht Okabe, auch das Leben seiner Kindheitsfreundin zu retten, verliert sich mehr und mehr in seiner Verzweiflung, ehe er sich nach hunderten, gar tausenden Versuchen endgültig eingestehen muss, dass nicht einmal er dazu in der Lage ist, die Vergangenheit zu verändern, ganz gleich, wie sehr er es auch versucht.

Die Geleebananen-Fabrik Okabe ist wohl das Paradebeispiel für das Sprichwort »Man soll ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen«, denn je weiter Steins;Gate voranschreitet, desto mehr kristallisiert sich hinter seiner kindischen Fassade jener erschreckend zerbrechliche Mann heraus, den der Wissenschaftler vor allen zu verbergen versucht, um sie auch weiterhin so unbeschwert lachen sehen zu dürfen, wie sie es dank seines Aliases immer wieder von Herzen tun. Selbst wenn er dadurch ganz allein vor sich hin leiden muss.


Mayuri Kurotsuchi (Bleach)

© 2001 by Tite Kubo/SHUEISHA Inc.

Zu guter Letzt kommen wir noch zu einem Reagenzglasschüttler, der unbestritten zur Kategorie »Verrückter Wissenschaftler« zählt. Nicht nur hat der Gute einen Heidenspaß daran, sich die tollsten und gefährlichsten Gifte zusammenzumischen, er forscht außerdem am liebsten am lebenden Objekt, was ihm ganz besonders im Kampf zugutekommt, denn obwohl die Soul Society kein Problem mit Bauernopfern hat, gehen ihr die Forschungen an den eigenen Leuten dann doch ein ganz kleines bisschen zu weit. Aber kein Grund für Mayuri, nicht trotzdem den einen oder anderen Weg zu finden, seine armen unschuldigen Kollegen gebührend mit einzubeziehen. Und wenn er sie eben im Eifer des Gefechts einfach mal in die Luft jagt oder vergiftet.

Ein Blick in die Vergangenheit des Kommandanten macht schnell klar, wie gefährlich der gruselig anmutende Kauz tatsächlich ist. Zwar weiß man nicht, weshalb genau Mayuri überhaupt in Haft gelandet ist, allerdings wurden seine Fähigkeiten und sein Intellekt von der Soul Society als so gefährlich eingestuft, dass man ihn im Gegensatz zu allen anderen Gefangenen nicht nur in Einzelhaft ohne Ausgang setzte, sondern das Urteil auch auf seine gesamte Lebenszeit ausweitete. Nur durch Kisuke Uraharas Bitte, ihm zum Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung zu machen, ließ man ihn schlussendlich wieder auf freien Fuß.

Nach Uraharas Verbannung stieg Mayuri schließlich zum Kommandanten der zwölften Einheit auf und ernannte kurzerhand seine selbegeschöpfte Tochter Nemu zu seiner Vertretung, was in deren Fall bedeutete, für sämtliche Experimente, Folterungen, Vergiftungen, Explosionen, Wutanfälle und sonstige Geistesblitze des Maskenträgers herhalten zu müssen, was die dank ihrer Programmierung zur Hörigkeit natürlich mit Kusshand tat. Eine Vater-Tochter-Beziehung, wie sie im Buche steht.

© 2001 by Tite Kubo/SHUEISHA Inc.

Abgesehen von seiner unbeschreiblichen Skrupellosigkeit zeichnet den Shinigami auch noch dessen Hang zum Imperfektionismus aus. Nichts hasst der gruselige Geselle mehr als etwas, das perfekt ist, nimmt diese Eigenschaft einem Wissenschaftler doch sämtliche Möglichkeit, sich daran auszutoben und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Für ihn stellt dieser Zustand sogar eine gewisse Hoffnungslosigkeit dar, die er auch niemand anderem zugesteht. So erkennt er dem Espada-Wissenschaftler Szayelaporro Granz seinen Wissenschaftlertitel ab und bringt ihn ohne auch nur mit der Wimper zu zucken und auf grausamste Weise um, nur weil dieser nach unerreichbarer Perfektion strebt.

Trotz allen Wahnsinns und all seiner Rücksichtslosigkeit muss man dem Forscher aber dennoch einige Momente der Schwäche zugestehen, in denen er tatsächlich sogar zu so etwas wie Emotionen imstande ist. Als beispielsweise seine Tochter Nemu im Kampf gegen Szayelaporro schwer verletzt wird und ihr Leben am seidenen Faden hängt, lässt sich doch deutlich erkennen, dass ihm ihr Schicksal eben doch nicht so egal ist, wie es bei anderen Vorfällen dieser Art wirkte. Man denke nur einmal an den Kampf gegen Uryuu Ishida, in dem er trotz allerschwerster Lungenverletzung seiner Kameradin vor lauter Wut über deren Unfähigkeit auf sie eintrat und ihr damit endgültig den Todesstoß versetzte. Aber zum Glück hat ja jeder gute Vater noch ein paar Ersatztöchter im Schrank.

Alles in allem ist der gute Mayuri wohl unumstritten der unangenehmste Kandidat dieser Liste, wenngleich genau diese Grausamkeit es ist, die bereits für unzählige wichtige Erkenntnisse und Erfindungen zugunsten der Soul Society sorgen konnte. Ob das jedoch sämtliche Mittel rechtfertigt, überlassen wir ganz allein eurer Entscheidung.


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Wer ist euer Lieblings-Anime-Wissenschaftler? Was ist euch bei den exzentrischen Kittelträgern lieber? Total verrückt oder doch eher bodenständig?

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Aslan Golzine

auf trocken senku’s nachnamen erwähnt?

Patrik Wollik

Dr. Stein aus Soul Eater 🙂

Rei hakase

Für mich bleibt Dr.franxx der beste Mad scientist, da er mechas mit butt-control erschaffen hat!

Jackcarnon

Mein Favorit ist ja eher Lloyd Asplund.
Der gute und seine Knightmares🤣

Iksweikam

Verrückte Wissenschaftler, irgendwie kommt mir dazu erst die Professorin Tejasvi Luta aus Akiba’s Trip in den Sinn, die wirklich schräken Dinge gebaut hat.

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